5 SEO-Thesen für Kleinstunternehmer und Freiberufler

seoJeder sollte SEO machen. Eigentlich. Doch nachdem sich Suchmaschinenoptimierung zu einen veritablen Geschäftsmodell entwickelt hat, schauen die Kleinstunternehmen und Freiberufler genervt zu, wie sie von finanzstärkeren Firmen in jeder Nische überholt werden. Was ist zu tun? Wie kann man auch ohne oder mit sehr kleinen Budget bei der Suchmaschine ankommen?

Neulich hat mich wieder mal eine Bekannte eines Bekannten angerufen. Ob ich denn nicht helfen könne. Die Goldschmiedin war frustriert, weil sie „in Google nicht gefunden wird“. Immer seien solche Konzerne wie „Christ“ ganz vorne – kein Platz für Kleine. Um es kurz zu machen: Ich konnte ihr nicht helfen. Und das hat eine ganze Reihe von Gründen:

  • Auf meine Frage, WOFÜR sie denn gefunden werden möchte, antwortete sie mit „Goldring“. Lokal eingegrenzt? „Nein, einfach Goldring.“ Ich habe versucht, ihr zu erklären, dass es unrealistisch ist, sich als einzelne Goldschmiedin in Kassel zu beschweren, wenn man für „Goldring“ nicht auf Platz 1 gelangt. Das klingt vielleicht ungerecht – ist es aber nicht, wenn man nur an die vermutlich 10.000 anderen Goldschmiede in Deutschland denkt. Wir sprachen kurz über die lokale Suche. Aber Sie meinte, die lokalen Kunden würden sie in der Fußgängerzone schon finden. Ihre Webseite wäre eher für ganz Deutschland.
  • Sie erklärte mir, dass sie eigentlich nur ein paar Tipps haben wollte. Denn Geld kann sie dafür nicht ausgeben. Ich habe versucht, ihr zu erklären, dass es unrealistisch ist, einen kostenlosen Marketing-Erfolg zu verlangen – einfach weil man klein sei. So funktioniert das nun mal nicht. Sie graviere ja auch keine Eheringe kostenlos, wenn der Ehemann versichert, dass er sich das sonst nicht leisten könne.
  • Die Webseite, meinte Sie, sollte unbedingt so bleiben wie sie sei. Ich habe versucht, ihr zu erkären, dass Google versucht, die weltweit jeweils beste Webseite zu einem Suchbegriff auf Platz eins zu zeigen. Und ein großes Bild ohne Text sei eigentlich auf KEINEN Suchbegriff eine vernünftige Antwort. Sie entgegnete, dass ihre Webseite was Besonderes sei, ihr gefalle und sie habe jetzt auch kein Geld um das neu programmieren zu lassen.

Ihr versteht, was ich meine? Ich will jetzt aber auch keinen Kommentar nach dem Motto lesen „Selber schuld, wenn die Tussi keine Ahnung hat.“ Denn ein solcher Kommentar wäre arrogant und kundenverachtend. Wieso soll eine Goldschmiedin Ahnung von SEO haben und erst zu einer Online-Marketing-Konferenz gehen, bevor sie einen anruft, der sich auskennt?

Das SEO-Problem für kleine Kunden – sind nicht wir SEOs

Man muss da realistisch sein: Weil wir ein veritables Geschäft aus dem Besserpositionieren gemacht haben, kostet schon die SEO-Beratung ein Haufen Geld. Und Backlinks sowieso. Überhaupt: Die meisten von uns haben in jahrelangen Link-Schlachten dafür gesorgt, dass die natürlichen Kontakte zwischen Menschen nicht mehr ausreichen, um misstrauensfreie Links zu bekommen. Schämt euch…

Doch das ist nicht das Problem, das ist höchstens der Leuchtschimmer um das Problem herum. Denn eigentlich KANN eine Goldschmiedin in Kassel nicht für „Goldring“ auf Platz 1 bei einer Suchmaschine landen. Und natürlich muss man Geld und auch Veränderungs-Willen einsetzen, um Webseiten – egal in welcher Beziehung – zu optimieren. Nur, weil der Großteil aller Informationen im Web kostenlos ist, glauben viele, ALLES im Web müsste gratis sein. Und, nicht zuletzt: Wieso sollte ich einer Bekannten eines Bekannten stundenlange Beratung anbieten – für umsonst?

5 SEO-Thesen für Kleinstunternehmer und Freiberufler:

  • Eine Webseite ist Marketing – und Marketing kostet Geld.
  • Das Internet ist weltweit – aber du verdienst nicht die Aufmerksamkeit der ganzen Welt.
  • Webseiten bestehen aus größtenteils sehr unfertiger Technologie – es kostet Mühe, diese zu bändigen.
  • Google sucht nach der besten Antwort auf eine Suchanfrage – wenn du nicht antworten willst, hast du keine Chance.
  • Suchmaschinenoptimierer sind (größtenteils) auch nur Menschen – sie haben viel gelernt, leben davon und einige von ihnen verdienen sogar dein Vertrauen.

Also konkret: Was können Kleinstunternehmer und Freiberufler tun?

Natürlich ist die Situation nicht aussichtslos. Auch wenn Einzelunternehmer diese Thesen verstanden haben, bleibt das Internet ihre große Chance für ihr Marketing, für ihr Business. Allerdings nur, wenn sie fortan keinen Idioten mehr glauben, die ihnen versprechen, in zwei Stunden alles zu lernen, was man über SEO wissen muss. Nein, es gilt, was in jedem Business gilt: Es geht um Arbeit, viel Arbeit.

Der lernende Selbermacher

seo lernenWie gesagt: Ein zweistündiges Seminar reicht nicht. Wer aber ein bisschen logisch denken kann und keine Angst vor Technik hat, kann sich so viel SEO draufschaffen, dass man eine eigene, kleinere Webseite gut voran bringen kann. Es gibt eine Menge Literatur zum Thema, irgend eine SEO-Konferenz ist sicher in der Nähe und im Web finden sich reichlich Blogs und Tutorials.

Das kostet eine Menge Zeit – zumal es nicht reicht, mal eben was zu lesen. Denn man muss auch bewerten können, ob das Gelesene noch aktuell und überhaupt jemals richtig war. Und natürlich muss man aufpassen, dass man sein Haupt-Geschäft dadurch nicht vernachlässigt. Aber wer die Möglichkeit und die Nerven hat, wird sich in einigen Monaten freuen, dass er diesen steinigen Weg gegangen ist, auf dem man auch nette Leute trifft und sich gegenseitig hilft.

Der lokale Held

lokal seoWer vor allem lokales Geschäft betreibt (und dazu zähle ich auch Goldschmiede in Kassel), sollte sich auf jeden Fall mit Google Places und den anderen lokalen Chancen beschäftigen. Das ist auch einer der Bereiche, wo Google noch stärker werden wird. Deshalb lohnt es sich, ein Google Places Profil anzulegen, mit der Webseite zu verbinden und das alles zu hegen und zu pflegen.

Und weil es dafür in Deutschland keine bessere Quelle als den Blog von Sebastian Socha gibt, empfehle ich hiermit KennstDuEinen. Auch wer sich nicht selbst damit beschäftigen möchte, wird dort sehr gut „bedient“ – wie man so hört.

Der SEA-Pragmatiker

seaDu kannst dich mit diesem Technik-Kram nicht beschäftigen und du willst deine mühselig und teuer entwickelte Webseite nicht verändern? Und überhaupt ist es dir das alles suspekt? Schalte Anzeigen!

Das meine ich ganz ernst: AdWords sind manchmal eine große Chance. Natürlich wirst du auch keine Anzeigen für „Goldring“ schalten, weil sie dir schnell zu teuer werden. Aber du kannst mit einem überschaubaren Etat sehr schnell etwas erreichen und das dann optimieren. Auch hier kannst du dich entweder selbst einlernen (oder es einfach mal probieren) oder nach einem Partner suchen, der dir hilft.

SEO für Nicht-SEOs ist (natürlich) nicht leicht

Du musst lernen. Du wirst lernen! Das klingt nicht nur kategorisch, sondern ist es auch. Du musst zwar nicht „SEO“ lernen. Aber als Kleinstunternehmer oder Freiberufler musst du lernen, dass da draußen im Internet nicht alles kostenlos ist und sich dort schon eine große Marketing-Industrie eingenistet hat. Du hast viele Chancen, in deiner Nische mitzumachen. Doch eines ist sicher: Der Bekannte eines Bekannten wird dir einfach nicht mehr helfen können.

(Foto: © olly – Fotolia.com)

Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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