Aus Versehen viral, oder: der seltsame Fall des Dr. Löhlein (und warum Agenturen immer schnell reagieren sollten)

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Eigentlich hat er ja nicht viel anders gemacht als seine Kollegen. Seine Praxis erscheint in einem einheitlichen, frischen Look, es gibt eine Internetseite, die über die wichtigsten Fakten der Praxis informiert und dazu hat er ein sympathisches Team an seiner Seite. Doch von heute auf morgen wurde Dr. Löhlein aus dem beschaulichen Mittelalterstädtchen Schwäbisch Hall mitsamt seinem Team berühmt. Was ist passiert?

Wie viele andere Ärzte auch entschied sich der Zahnarzt für ein bisschen Werbung. Also wurden Fotos gemacht, eine Website gestaltet und alles drauf gepackt, was es eben so braucht. Also auch eine Team-Seite.

Wie immer stehen in diesem Bereich alle für das Team-Foto zusammen, lächeln freundlich und stellen sich weiter unten noch einmal mit Namen und ihrem Kompetenzbereich vor. Nur fällt in diesem Fall eines besonders auf – und nein, die blauen Polo-Shirts meine ich nicht.

Ganz kurz strahlt Schwäbisch Hall im weltweiten Social Circus

So passiert also mit diesem Bild genau das, was mit allen Bildern passiert, die uns ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern: sie werden geteilt. Dank diverser Plugins landet das Bild überall. Bei Facebook erreichte nur ein einziger Post bis zum Mittag über 3.000 Likes und wurde mehrere hundert Mal geteilt. Die Kommentare konnte man aufgrund ihrer schieren Menge gar nicht erst lesen. Twitter zündete etwas später, doch auch hier war die Explosion gewaltig. Französische, englische, russische, schwedische und andere Texte waren da zu lesen, Thüringer überlegten lautstark, ob es übertrieben sei wegen eines Zahnarztbesuchs extra nach Schwäbisch Hall zu fahren und sogar die Recruitiung-Abteilung der Zeit konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen. Mittlerweile hat nun auch der Twitter-Account des Axe Effekt die Information mit den Worten »Uns gefällt’s« an seine Leser weiter gereicht.

Genialer Fake oder naiver Glückstreffer?

Natürlich kam da auch die Frage auf, ob es gefaked oder gar vom Marketing geplant war. Es ist zwar schon so, dass man bei Google nur kurz nach dem Zahnarzt sucht und das erste Ergebnis die Team-Seite der Praxis ist – aber dennoch glaube ich hier nicht an geplantes Marketing. Dafür wurde das Ganze einfach zu wenig aufgefangen. Die Telefone laufen heiß (eine Berliner Bloggerin hat vergeblich versucht einen Termin zu erfragen) und auch eine Präsenz in den sozialen Medien suchte ich heute vergeblich.

Doch: was jetzt?

Genau an dieser Stelle ist die Agentur gefragt. Schnell reagieren, Lösungen entwickeln, der Sache eine Plattform geben. Doch nicht nur die aktuelle Agentur des Dr. Löhlein ist gemeint. Einfach jede Agentur sollte in dem Moment einen Plan in der Schublade haben oder doch zumindest jemanden kennen, den sie anrufen können. Sei es die Praxis als Wallfahrtsort auf Foursquare zu bringen (»ich war hier!«), die schönsten Eindrücke aus dem Praxisalltag bei Pinterest teilbar zu machen oder die Fan-Community auf Facebook aufzubauen …

So oder so: heute Abend wäre ich gern einer derjenigen, die die Statistik der Seite einsehen und aus den Zahlen lernen dürfen.

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Michael Ertel

Kommunikationsplaner und –gestalter, Blogger und mit einer Prise Social Media unterwegs im (mobilen) Netz.

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1 comments
Phillip Plum
Phillip Plum

Ob das so gewollt ist. Schwer zu sagen. Schaut man sich die weiteren Bilder auf der Webseite an, sieht man aber einen Trend.

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  1. [...] real meaning of MPH- The Original Der seltsame Fall des Dr. Löhlein Merkels Golf von 1990 gibt’s grad bei EBay für 10.000 Euro Endlich zurück in die Zukunft: [...]

  2. [...] abend bekam ich noch die Mail von unserem Gastautor Michael Ertel. Der wollte sehr gerne seine Gedanken zum seltsamen Fall des Dr. Löhlein los werden. Super Idee, haben wir sofort [...]