Das SEO-Team

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Wenn ein Projekt ein Vorhaben mit Anfang und Ende, knappen Ressourcen und einem Ziel ist, stellt sich immer noch die Frage, wer sich drum kümmert. Und so ist’s auch mit dem SEO: Wer ist eigentlich zuständig? Und wer darf, muss bzw. kann etwas tun? Wer verantwortet das alles? Genug Stoff für den zweiten Teil meiner SEO-Projektmanagement Serie.

Eine kurze Erinnerung: Bei SEO-Projektmanagement geht es ausdrücklich nicht nur darum, eine Domain mit Textwüsten zu füllen und mit Links zu beschmeißen. Das hier richtet sich an Inhouse-SEOs, Agentur-SEOS – oder besser an Unternehmer, die verstehen möchten, woher diese SEO-Magie kommt, wenn sie funktioniert. Denn genau darauf werde ich am Ende dieses Beitrags eine umfassende Antwort geben. Versprochen!

Doch zuerst zum Thema “SEO-Team”. Wer gehört an den Tisch, wenn der Geschäftsführer wissen möchte, warum die Sichtbarkeit seiner Webseite nicht so ist, wie er sich das vorstellt? An diesen Tisch gehören eine Menge Leute:

  • Technik: Und ich würde dem Technik-Leiter empfehlen, seinen Webentwickler mitzubringen. Denn viele SEO-Fragen können nur von denen beantwortet werden, die die Webseite wirklich gebaut haben.
  • Webgrafiker: Da sich ein Grafiker meist nicht als Techniker fühlt, zähle ich ihn hier extra auf. Er könnte auf das Meeting verzichten, wenn er  mit Webentwickler immer eng zusammen arbeiten würde. Aber Grafiker haben oft ihre eigenen Vorstellungen. Deshalb gehört er an den SEO-Tisch.
  • Produktentwickler: Wer auch immer im Unternehmen für die Produkte zuständig ist, die über die Internet-Seite verkauft oder beworben werden, der sollte sich die Zeit nehmen. Das sind nämlich die Leute, die zumindest für einen Teil des Inhalts sehr, sehr wichtig sind.
  • Redaktion: Selbstverständlich gehört die Abteilung “Text und Redaktion” ins Meeting. Und der Vertreter sollte darauf achten, dass er die “Wir schreiben doch nicht für den Robot”-Sprechblase draußen lässt.
  • Vertrieb: Selbst wenn der eigentliche Vertrieb nur per Außendienst funktioniert, ist die Erfahrung derjenigen wichtig, die die Produkte auch ohne Internet verkaufen. Man möchte einfach nicht mit diesen Kollegen in Konkurrenz stehen, sondern sie beteiligen.
  • Marketing: Auch wenn sich viele SEOs als “Online-Marketers” bezeichnen, ist das klassische Marketing in einer völlig anderen Umlaufbahn wie die Suchmaschinenoptimierer. Wir sollten den Abstand der Umlaufbahnen unbedingt reduzieren – zum gemeinsamen Nutzen.
  • Presseabteilung: Das sind häufig die Kollegen, die mit dem Beziehungsmanagement, das wir für SEO benötigen, schon die meiste Erfahrung gemacht haben. Die PR-Leute sind in jedem größeren SEO-Projekt notwendig und hilfreich.
  • Geschäftsführung: Man sieht es ja schon am sonstigen Line-Up, dass nur die Geschäftsführung beim ersten SEO-Meeting dafür sorgen kann, dass wirklich alle kommen. Außerdem brauchen wir die Chefs, damit sie verstehen, dass unser Vorhaben viel Aufwand, Zeit und Geld benötigt.
  • Der SEO-Projektmanager: Seine Rolle werden wir in einem späteren Beitrag genauer definieren. Fest steht jedenfalls, dass jedes Projekt einen Projektmanager benötigt, der sich um den Fortgang und die Professionalität kümmert und der die Verantwortung für die Erreichung der Ziele übernimmt. Das muss kein Chef sein – aber angesichts der teilweise hochrangigen Kolleginnen und Kollegen am Tisch wird ein Technik-Praktikant oder ein Volontär in große Schwierigkeiten geraten. Und nur, wenn es dem Projektmanager gut geht, ist das Projekt in einem guten Zustand ;-)

Nun, natürlich habe ich mit diesem Meeting das komplette SEO-Projekt-Team vorgestellt. Und wirklich wahr: Suchmaschinenoptimierung ist meiner Meinung nach DIE Funktion im Unternehmen, die nach Finanzen und Personal das höchste Querschnitts-Potential hat. Nur wenn alle in die gleiche Richtung ziehen, wird der Erfolg bei Google (und Social Media) optimal ausfallen.

Die Regel hierzu ist ganz einfach: Je mehr Abteilungen kompetent im SEO-Team verankert sind, umso größer wird der Erfolg sein.

Team vs. Hierarchie

Nun wissen wir zwar, wer alles ins Team gehört – stellt sich nur noch die Frage, wie das organisiert werden soll. Wenn wir bei dem oben beschriebenen SEO-Meeting in die Runde schauen, gibt es gar keine Alternative zur klassischen “Teamarbeit”, also ein miteinander arbeiten und kein übereinander arbeiten. Das muss ich aber kurz erklären:

Die Idealbesetzung eines Teams besteht aus all denen, die zum Gelingen des Team-Ziels (in diesem Fall geht es ja um das SEO-Projekt) beitragen können (und wollen). Hierbei müssen sich alle auf die Ziele committen – oder anders gesagt sollten, die Ziele müssen gemeinsam so definiert werden, dass sich alle darauf committen können. Was übrigens schon die erste große Hürde eines jeden Projektes ist.

Wir haben also einen Haufen Leute, die geschworen haben, in die gleiche Richtung zu ziehen. Jetzt benötigen wir nur noch gemeinsam Regeln und einen Teamleiter. Und schon geht’s los!

Die gemeinsamen Regeln sollten damit starten, dass es im Team keine Hierarchien gibt. Jedenfalls so wenig wie möglich. Denn es gibt viele Themen, bei denen der Technik-Praktikant mehr Ahnung hat als der Abteilungsleiter Marketing. Und er muss die Chance haben, diese einzubringen. Die Stellung eines Team-Mitglieds definiert sich also nicht an seiner Betriebszugehörigkeit, seinen Gehalt oder seiner Stellung – sondern einzig daran, wie viel es zur Erreichung des gemeinsam definierten Zieles beitragen kann. Das klingt für viele auch im Jahr 2012 noch ungewöhnlich – ist aber schlicht und ergreifend wahr!

Und auch der Teamleiter ist nicht der Chef. In der Regel wird in einer Projekt-Organisation der Teamleiter auch Projektmanager sein. Und dieser ist niemals der Vorgesetzte von allen (klar, die haben ja in ihren Abteilungen schon ihre Vorgesetzten) sondern so etwas wie der erste Diener im Staat. Der Projektmanager sorgt dafür, dass es Meetings mit möglichst vielen Teilnehmern gibt, dass diese dafür auch Zeit haben und die notwendige Kompetenz aus ihren Abteilungen mitbringen. Er sorgt für eine gemeinsame Informations-Basis und weiß zu jedem Zeitpunkt alles. (Das ist natürlich ziemlich überdreht, aber als Vorsatz eine prima Idee.) Jedenfalls ist der Projektmanager mehr “Dienstleister” als “Vorgesetzter”. Aber auch dazu wird es noch einen Serien-Teil “SEO-Projektmangement” geben.

Das Projekt steht und fällt mit dem Team

Noch eine Frage ist zu klären: Wen schicken die jeweiligen Abteilungs-Leiter denn ins SEO-Projekt-Team? Hier kann man zwei Fehler machen und muss zwei Regeln beachten:

  • Der erste mögliche Fehler ist, dass man den jungen Praktikanten ins Team schickt, der immer so klug über Facebook daher reden kann. Also jemand, der im täglichen Ablauf der Abteilung einfach nicht fehlt. Und der soll dann nach den Team-Meetings zurück in die Abteilung kommen und für die anstehenden Entscheidungen um Erlaubnis fragen. Das geht schief! Denn Team-Meetings sind nur dann sinnvoll, wenn Leute drin sitzen, die genau in diesem Moment auch entscheiden dürfen. (Nicht für alles, aber zumindest für einen Teil.)
  • Der zweite Fehler ist, dass der Abteilungs-Chef das Thema zwar als wirklich wichtig erkannt hat – aber gerade deshalb selbst ins Projektteam geht. Das geht meist auch schief. Denn er wird mit seinem vollen Kalender den Prozess verlangsamen, er wird Schwierigkeiten damit haben auf Augenhöhe mit dem Praktikanten einer anderen Abteilung zu diskutieren und er wird vermutlich keine Ahnung von der Materie haben.

Deshalb gibt es zwei Regeln, die möglich beachtet werden müssen:

  • Die Team-Mitglieder haben das Vertrauen der Abteilungs-Leitung und ausreichend Einblick in die Abläufe und Inhalte. (Ja, das sind meist die besten Mitarbeiter überhaupt. Aber genau die wollen wir ja…)
  • Sie haben darüber hinaus auch etwas Ahnung von den SEO-Themen oder zumindest die Bereitschaft, sich dort hinein zu arbeiten.

Tja, so ein Team ist meist eine vorübergehende Arbeitsgemeinschaft mit einer nachher messbaren Zielerreichung. Deshalb sollten Abteilungs-Leiter, Teammitglieder, Geschäftsführung und Projektleiter wirklich alles daran setzen, dass die Allerbesten in diesem Team sitzen, weil sonst alle verlieren.

Und nur Antwort nach der SEO-Magie

Woher kommt also die Magie, wenn eine Firma bei SEO wirklich Erfolg hat? Wie hat CHIP Online vor einigen Jahren aus einer riesigen Relaunch-SEO-Niederlage einen derartig großen Erfolg gemacht? Heute ist die Seite heute bei Google noch sichtbarer als fast alle anderen Seiten in Deutschland. Es war keine SEO-Agentur, kein Superseohero oder sonstwas. Es war das Team, das gezauber hat! Ich habe nach unserem dramatischen Absturz die besten Vertreter aller Abteilungen einmal in der Woche zu mir ins Büro geholt und jeder hat genau das gegeben, was er konnte – ohne Standesdünkel, zielorientiert und mit großer Begeisterung. Wie wir wissen, hat das gut funktioniert…

SEO ist in jedem Unternehmen mit mehr als fünf Mitarbeitern pures Teamplay, das  mit großer Sicherheit funktioniert – wenn man sein SEO-Projektmanagement im Blick hat

Die fertigen Teile der SEO-Projektmanagement-Serie:

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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1 comments
Sebastian Blum
Sebastian Blum

Eric, dieser Artikel trifft genau zu. Gratulation.

Trackbacks

  1. [...] Beim Thema Projektmanagement sollten Sie nicht vergessen, dass auch auf Ihrer Seite Kosten entstehen. Sie erwarten zurecht Erfolge von Ihrem Dienstleister. Das bedeutet, dass Sie nicht nur Ziele definieren, sondern diese auch regelmäßig überwachen müssen, was aufwändig ist. Für das Verständnis von Projektabläufen in SEO-Projekten empfehle ich ausdrücklich auch einen Blick darauf zu werfen, was andere zu diesem Thema schreiben. [...]