Kleine Schreibschule Teil 1: In 10 Schritten zum perfekten Web-Text

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Für die nächsten Wochen habe ich mir vorgenommen, hier ein bisschen aus meinem Schreiballtag zu plaudern. Heute will ich euch erzählen, wie ihr einen informativen Text aufbauen, strukturieren und verfassen könnt. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, dann steht am Ende ein Text, mit dem ihr eure User wirklich packen und überzeugen könnt. Diese 10 Schritte führen euch zum perfekten Web-Text.

1. Man nehme ein weißes Blatt Papier

Das gibt es natürlich heute gar nicht mehr, wer schreibt schon mit der Hand? Deshalb meine ich natürlich ein frisches, blütenweißes Word-Dokument. Und NICHT das Editierfeld von eurem WordPress oder vom CMS. Die unruhige Umgebung bringt euch nur aus dem Konzept.

2. Reizvoller Einstieg mit dem Küchenzuruf

Einfach drauflos schreiben ist schwierig, wenn euer Artikel einen vernünftigen roten Faden haben soll. Beginnt also als erstes mit der Kernaussage. Worum soll es in eurem Text gehen? Formuliert dazu einen Arbeitstitel und zwei Sätze, die den Inhalt umreißen – den so genannten Küchenzuruf. Dieser Küchenzuruf ist gleichzeitig der Vorspann und reizt eure Leser, den Artikel weiterzulesen.

Wer das Interesse seiner Leser gewinnen will, muss es binnen 20 Sekunden gewonnen haben.

Ihr seht, wie wichtig der Einstieg ist – vor allem im Netz, wo wir unter verschärften Bedingungen arbeiten. Wolf Schneider sagt dazu sinngemäß, dass der Leser binnen Sekunden einschätzt, wie sich der Zeitaufwand des Lesens zum Gewinn an Information, Überraschung und Unterhaltung verhält. Bei einem ungünstigen Verhältnis hört der Leser auf zu lesen. Außer es handelt sich um einen Erpresserbrief.

3. Killer-Überschrift finden

Hier auf SEO-Book haben wir schon einen eindrucksvollen Artikel über die besten Überschriften. Wer ihn noch nicht kennt: Unbedingt lesen! Wenn ihr anfangs noch keine Knaller-Idee habt, dann setzt einfach erst einmal einen Arbeitstitel über den Vorspann. Beim Schreiben des Artikels kommen euch sicher noch bessere Formulierungen in den Sinn. Oft ändern Autoren beim letzten Feinschliff noch einmal die Überschrift. Zum Arbeiten braucht ihr aber einen Arbeitstitel.

4. Elemente eines überzeugenden Einstiegs

Egal ob bei Headline oder Vorspann, es hat sich eine Mini-Struktur gut bewährt, die wir “Content Trinity” (angelehnt an die “Conversion Trinity” von Bryan Eisenberg) nennen wollen. Und diese sieht im Überblick so aus:

A. Relevanz darstellen
B. Mehrwert versprechen
C. Handlungsanreiz bieten

Mit “Relevanz” ist gemeint, dass wir dem Leser erklären, warum das Thema FÜR IHN wichtig ist. Hier hilft oft eine Mischung aus Empathie und Emotionalisierung (“Deutschland zahlt Milliarden für die Rettung Griechenlands” oder “Ein Roaming-Vetrag gehört heute zu jeder Urlaubsplanung”). Mit anderen Worten: Was geht das Thema den Leser an? Warum wird er sich dafür interessieren?

Der “Mehrwert” ist das Versprechen, dass der Leser von der Lektüre einen Nutzen hat. Das kann ein ganz konkretes Versprechen sein (“Hier finden Sie…”) oder ein eher unterschwelliges, indirektes (“Es gibt in der unübersichtlichen Menge von Angeboten nur wenige Schnäppchen.”) bei dem aber klar wird, welches Wissen vermittelt wird.

Ein “Handlungsanreiz” muss nicht immer ein “Kaufanreiz” sein, sondern kann auch einfach die Aufforderung sein, weiterzulesen. Die einfachste Form ist hierbei eine Frage (“Kann das Handy die Erwartungen erfüllen?”) oder eine Aufforderung (“Lesen Sie, wie Sie günstig in Italien telefonieren können.”).

5. Welche Aspekte soll der Artikel behandeln?

Euer Artikel ist im besten Fall thematisch strukturiert und behandelt in jedem Block einen bestimmten Aspekt. Macht euch eine Liste mit den Themen, die ihr einarbeiten möchtet und bringt sie in eine sinnvolle Reihenfolge. Damit steht bereits das Grundgerüst des Artikels. Hier braucht ihr noch nicht über tolle Formulierungen nachdenken, es geht erstmal darum, einen Überblick über den Inhalt und die Struktur zu erhalten.

6. Auf die Plätze, fertig, schreiben!

Und jetzt legt ihr los mit eurem Text: Schreibt alles auf, was ihr über das Thema wisst, was ihr im Netz recherchiert oder von einem Interviewpartner erfahren hast. Egal wie, einfach aufschreiben. Denkt nicht darüber nach, WIE ihr das aufschreibt, sondern WAS ihr aufschreiben möchtet.

7. Keine Angst vor der eigenen Stimme

Lest euch den Text selber laut vor. Ganz im Ernst: Laut lesen. Überall, wo ihr stolpert, macht ihr euch eine Markierung und lest dann weiter.

8. Jetzt kommt der Feinschliff

Und erst jetzt geht es ans Überarbeiten. Arbeitet alle Markierungen ab – aber verkünstelt euch nicht dabei. Immer dann, wenn ihr unzufrieden seid, arbeitet daran, bis es für euch passt. Am besten stellt ihr euch vor, dass ihr einem Freund von diesem Thema berichtet. So verfallt ihr nicht in zu komplizierte Formulierungen und fügt an den richtigen Stellen nähere Erklärungen ein, ohne die der Freund (und der Leser) den Zusammenhang nicht verstehen würde.

9. Schlaft einmal drüber

Wenn ihr die Möglichkeit habt, den Text über Nacht liegen zu lassen, dann macht das. Denn: Am nächsten Morgen lest ihr ihn wieder mit frischen Augen durch und findet sicher noch die eine oder andere bessere Formulierung.

10. Das Sahnehäubchen

Damit der Text reif für die Veröffentlichung ist, müsst ihr ihn noch zwei Überprüfungen unterziehen: copyscape und die Duden-Rechtschreibprüfung.
Jetzt wisst ihr ganz sicher, dass er unique  (wichtig, wenn ihr Quellen aus dem Internet herauskopiert habt) und frei von Tipp- und Rechtschreibfehlern ist.

Ich bin gespannt auf eure Kommentare: Schreibt mir, wenn ich hier etwas Wichtiges vergessen habe. Oder wenn ihr ein Wunschthema für die Schreibschule habt. Für das nächste Mal habe ich mir eine kleine Stilkunde vorgenommen. Darin: Wie formuliert man so abwechslungsreich und interessant, dass auch ein informativer Text zum Lesevergnügen wird.

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Elisabeth

Elisabeth ist der andere Chef der CONTENTmanufaktur GmbH. Sie verantwortet den redaktionellen Teil der Agentur.

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1 comments
Marko
Marko

Ich denke Punkt 10 müsste noch erweitert werden in Richtung seo-optimiertes Schreiben. Eine kleine kontrolle der relevanten Worte beziehungsweise Keywords hilft ungemein, damit der Text auch über die suchmaschinen gefunden wird.

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  1. [...] mit denen in Kontakt treten?Elisabeth hat ihre kleine Schreibschule eröffnet und erläutert hier die 10 Schritte zum perfekten Text.Schließlich wagt sich Rand Fishkin heute im Whiteboard Friday an das Thema “Negative [...]