Argumente für SEO und gegen SEM

Ich möchte ganz ehrlich sein: Wir verdienen unser Geld mit High-Quality-SEO und *müssen* deshalb allen SEM-Maßnahmen gegenüber misstrauisch sein. Aber es gibt – gerade wenn mal das Geld etwas knapper ist – auch objektiv gute Gründe, die SEM-Budgets auf der Waage mit SEO-Maßnahmen zu vergleichen. Deshalb ein kleines Manual für alle, die eine Bewertung von SEO vs. SEM vornehmen.

Mit anderen Worten: Das hier ist keine technische oder SEO-technische Anleitung sondern eine Entscheidungshilfe für die Bewertung, wohin Unternehmen ihr Geld stecken, wenn Sie erkannt haben, dass Google – bei aller Kritik – ihre Webseite mit frischen Usern versorgen kann. Und das gilt weder für neue Projekte, noch für technisch verkorkste Seiten, bei denen ich noch gar nicht über Googleoptimierung nachdenken muss…

Zunächst möchte ich feststellen, dass es manchmal unverrückbare Gründe für das Schalten von AdWords-Anzeigen gibt:

  • Wenn ich in einem Thema unterwegs bin, nach dem (noch) gar nicht gesucht wird. Also z.B. in der Frühphase von Trends oder Moden mit superneuen Markennamen – wenn also eine Googleoptimierung einfach zeitlich keine Chance hat.
  • Wenn ich mit einer jungen und/oder technisch chancenlosen Seite in einem Haifischbecken unterwegs bin.

Alle anderen, bitte ich mal kurz folgende Rechnung mit zu verfolgen, ich schaue mich mal im Bereich „Segelboot“ um:

  1. Das Keyword-Tool von Google sieht für den Suchbegriff „Segelboot“ einen durchschnittlichen CPC von 55 Cent bei einer sehr hohen Traffic-Prognose (110.000) und vielen Mitbewerbern. Nach „Segelboot Segelyacht“ wird deutlich seltener gesucht (2.900), die Mitbewerber sind wenige und der CPC liegt bei 1,28 Euro. Also zwei sehr gegensätzliche Keywords die uns als Beispiel dienen sollen.
  2. Ich schaue mir die Mitbewerber der ersten Ergebnisseite an:
    Bei „Segelboot“ ist das eine gemischte Gesellschaft inkl. Wikipedia und eBay und auch ein Artikelverzeichnis. Im Wesentlichen sind das aber sehr themenaffine, alte Seite, an denen ich nicht so schnell vorbei komme. Ich brauche hierfür einiges an Kraft und nicht zuletzt einige Links von außen.
    Bei „Segelboot Segelyacht“ sieht das schon anders aus. Komme ich eh schon aus dem Themenbereich, kann ich recht einfach auf eine gute Position rechnen – z.B. indem „nur“ mit starken Binnenlinks arbeite und Onsite alles klar mache.
  3. Nun ist die Frage: Wie viel Traffic bekomme ich wirklich über den natürlichen Index? Hier gibt es ja verschiedene Mutmaßungen und Schätzungen, aber es ist wohl klar, dass man auch bei einer Top-1-Position von „Segelboot“ nicht 110.000 Besucher im nächsten Monat erhalten kann. Sagen wir mal, 1/5 der Besucher klicken den ersten Platz an und darunter halbiert sich pro Position der Traffic. Auf Platz 3 können wir also mit vielleicht 5000 Besuchern/Monat rechnen. (Das IST realistisch, wie ich von ähnlichen Keywords weiß). Und bei „Segelboot Segelyacht“ mit 145 Besuchern. Nicht viel, gell?
  4. Doch was kosten mich diese Besucher, wenn ich sie mir einkaufen? Ganz einfach Die 5000 „Segelboot“-Besucher würden mich 2.750 Euro bei AdWords kosten, die 145 „Segelboot Segelyacht“-Leute nur 171 Euro.

Das mag eine kleine Milchmädchenrechnung sein, aber so ganz falsch ist sie nicht: Um mir für die o.g. Suchbegriffe einen Monat lang die SEM-Kosten zu sparen, habe ich nun für „Segelboot“ einen Etat von 2750 Euro, für „Segelboot Segelyacht“ einen von 175 Euro. Das trifft sich gut, denn das passt gut zu der Menge der Arbeit, die ich jeweils hinein stecken muss.

UND: Habe ich es tatsächlich geschafft, einen Monat lang meine SEM-Kampagne über den natürichen Index zu ersetzen, wird mir das im nächsten Monat auch gelingen. Denn eine Position in den natürlichen Suchergebnissen ist „Kapital“ dass ich nicht gleich wieder verliere – während ich in SEM ständig mehr investieren muss. Ich kann also auch noch behaupten, dass jeder weiterer Besucher, der über die SEO-Maßnahme kommt, ein Zusatzgewinn ist.

O.k., es gibt genügend Argumente, um Details dieser Rechnung auseinander zu nehmen – vor allem, wenn jemand eher mit SEM als mit SEO sein Geld verdient. Aber tief drinne spüren wir alle, dass das richtig ist – und dass wir „reinen“ SEOs mit einer solchen Argumentation da draußen beim Kunden überzeugen können. Gell?

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentar (1)

  1. Pingback: Ist Traffic über SEO besser als der über SEM? « SEO

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