Ein harter Weg: Die SEO-Branche professionalisiert sich

Es knallt in der SEO-Branche. Schon immer werden Google-Optimierer eher den Schmuddelkindern der Internet-Welt zugerechnet. Und teilweise stimmt das ja auch. Allerdings mausert sich diese Disziplin des Online-Marketings zu einer anerkannten Dienstleistung, die sogar Google nicht mehr nur verteufelt – sondern in ihrer „weißen“ Ausprägung sogar unterstützt. Trotzdem: Wo Geld gemacht wird, gibt es auch Trickser, Lügner und Betrüger.

Und weil sich immer mehr zwielichte Gestalten ein Stück vom Kuchen ergaunern möchten, reißt so manchem der Nervenstrang.

Der aktuelle Anlass: Da hat sich eine Agentur mit dem schwierigen Namen „Senkrecht IT Beratung GmbH“ wohl mit fremden Federn geschmückt und als Referenz unter anderem die Arbeit des SEO-Promis Randolf Jorberg genannt. Dieser schreibt auf seinem Beitrag dazu lakonisch: „Das kann gutgehen, muss es aber nicht.“ und die SEO-Blogosphäre reagiert mit Empörung. Sistrix-Chef Johannes Beus stellt sich schließlich die Frage, ob sich die SEO-Branche in Zeiten des Booms selber regulieren kann. Gute Frage.

Google ruft zum Petzen auf und Linkbuilding wird rasant teurer

Doch nicht nur den alteingessenenen Branchengrößen liegen die Nerven blank. Ganz offensichtlich wächst der Druck auch von Seiten Google. Die Suchmaschine sieht sich einer wachsenden Schar von Optimierern gegenüber, die mit eigenen Projekten oder den Seiten ihrer Kunden auf die ersten Plätze drängen – koste es was es wolle. Und während Betreiber von „guten“ Seiten sogar mit (vermeintlich?) internen Informationen versorgt werden, ruft Matt Cutts zum „Petzen“ auf, wenn ein SEO sieht, dass auf einer Seite Links verkauft werden. Noch fühlt man sich in der Branche wohl teilweise schlecht dabei, einen Kollegen, der mit Linkkauf Seiten pusht, zu verpfeifen. Aber angesichts eines extrem starken Preisanstieg für Linkbuilding und zahlreichen Schwarzen Schafen dürfte dieser Gemeinschaftsgeist wenig Zukunft haben.

Ein Sturm im Wasserglas und alles wieder gut?

Wer Mist baut, bekommt dafür also einen auf die Mütze. Das ist in anderer Form auch am Beispiel der Senkrecht IT GmbH zu sehen. Wer gerade nach dieser sucht, erhält ein Beispiel von völlig zerstörtem Reputationsmanagement:

Ist das nun ein Sturm im Wasserglas? Oder etwas, was sich wieder selbst reguliert, wie es Johannes Beus fragt? Ich denke, weder noch.

Wir beobachten eine Branche auf dem Weg zur Professionalisierung.

Die fröhlich feiernde SEO-Szene, die jeden aufnahm, der wollte, wird wohl bald Geschichte sein. Die Großen der Branche sind ohnehin schon längst der wirtschaftlichen Pupertät entwachsen. Sie betreiben große Agenturen, äußerst professionelle Analyse-Tools (die aber auch Geld kosten) oder beschäftigen sich als Affiliate nur  noch mit eigenen Projekten.

Die Zeiten, wo man mit ein wenig Onsite-Optimierung und reichlich zugekauften Backlinks in einer Nische reich werden konnte, sind eh vorbei. Wenn es sie jemals gab.

Und auch die „Großen“ wachen auf: Inhouse-SEOs erhalten in den Konzernen und Verlagen immer mehr das Gehör der Geschäftsleitung und können ihre Ziele umsetzen. T-Online und CHIP haben das vorgemacht – und viele weitere große Portale bekommen ihre teils verkrusteten, gigantischen Webseiten-Tanker auch so langsam auf SEO-Kurs.

Ich denke, Google-Optimierung wird wohl zu einem ganz normalen „Handwerk“, zu einer „Dienstleistung“ – wie es die Erstellung von Webseiten oder der Betrieb von internen Netzwerken auch sind. Das sind im Grunde für den Kunden ebenso undurchschaubare „Wissenschaften“ – aber trotzdem kein Voodoo oder Rocket Science. Auch beim Webdesign muss man schnell sein, eine Menge breites Wissen haben und sich mit Risiken beschäftigen. Ebenso wie bei SEO.

Was soll nun ein Kunde, der nach einer SEO-Dienstleistung sucht, damit anfagen?

Ganz einfach: Vor dem Engangement einer Agentur, diese genauso prüfen, wie eine Webagentur oder einen SAP-Dienstleister:

  • Angebote einholen,
  • sich diese und die Vorgehensweise erklären lassen,
  • auf die Referenzen achten und darum bitten, diese auch kontaktieren zu dürfen.

Und, ach ja: SEO kostet Geld. Auch bei der Google-Optimierung gilt, wer Peanuts zahlt,  wird von Affen bedient. Und wer glaubt, bei einem Dienstleister für 100 Euro/Monat mit „Ferienhaus Toscana“ auf Platz eins zu kommen um damit richtig abzustauben, wird wohl zwangsläufig enttäuscht werden 😉

Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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