Google will Freshness! (Update)

Ich werde diesen Beitrag nun ständig aktualisieren und versuchen, ihn auf den aktuellen Stand zu bringen. Warum? Weil Google noch mehr auf Echtzeit macht und uns bei 35 % der SERPs nun aktuellere und frischere Informationen anzeigen will. Selbst mit den Zahlen zum Freshness Update von Searchmetrics (siehe Beitrag von Marcus Tober:Google Freshness Update: Viele Gewinner wenige Verlierer bzw. Techcrunch) lässt sich ein klares Muster nicht absehen. Die erwarteten Sieger sind die Webseiten von Nachrichtenmagazinen – aber die Verlierer sind irgendwie sehr unklar. Deshalb überspringe ich für den Moment den Punkt „Analyse“ und komme gleich zu den Folgerungen.

Google gibt Gas: Mehr Speed, mehr Updates

Ach, stop: Erst noch kurz, worum es eigentlich genau geht – also die theoretische Grundlage des Google Updates:

  • Wer etwa nach „Olympia“ sucht, will vermeintlich etwas über die olympischen Spiele 2012 wissen – und nicht über die 1900er Sommer-Olympiade. Anders gesagt: Wer nach nach einem regelmäßig wiederkehrenden Termin (Präsidentschaftswahl, Weihnachten) meint vermeintlich den nächsten und nicht die zurück liegenden.
  • Wer nach einem aktuellen Ereignis wie „occupy Frankfurt“ sucht, will vermeintlich die absolut aktuellsten Informationen  und keine Erklärungen, was „Occupy“ eigentlich bedeutet.
  • Wer nach einem Thema sucht, in dem viel Bewegung ist („beste slr Kameras“), der will vermeintlich die aktuellsten Infos – und nicht die Erläuterung, was „slr“ bedeutet.

Wie ihr vielleicht merkt, bin ich NICHT uneingeschrenkt dieser Meinung, dass der aktuellste Test von slr-Kameras besser ist als ein Test einer großen und kompetenten Redaktion, gut verlinkt und mit vielen Social Signals. Und wer nach „occupy oakland“ sucht, wird sich nach etwas „haltbarer“ Information geradezu sehnen. Ich bin also der Meinung, dass noch weitere Faktoren für die Positionen auf der ersten Seite relevant sind, als die Freshness.

Und weil ich mir ganz sicher bin, dass ich nicht klüger bin als Google, gehe ich davon aus, dass dieses Freshness-Update zwar 35 % von Suchanfragen betrifft – aber darin nicht alles zum Umsturz bringt sondern nur die Verhältnisse ein wenig korrigiert. Diese Brachial-Ankündigung ist meiner Meinung anch, der Versucht, den SEOs das Wochenende zu versauen 😉

Update mit eingebauten Bremsen

Zunächst einmal hat Google auch schon selbst eine Hand- und eine Fußbremse eingebaut. Die Handbremse ist, dass Google auf Searchengineland schon gesagt hat, dass „Freshness“ nur eine Komponente ist, weitere sind passender Inhalt und Qualität. Da sind wir schon wieder bei dem etwas ungenau definierbaren Qualitätsbegriff.

Und die Fußbremse ist schon längst betätigt: Ohne das Panda Update hätte sich Google diesen Schritte vermutlich nicht getraut. Denn bei einer erhöhten Aktualität hätten die Contentfarmen sehr schnell durch kleinere technische Eingriffe eine hohe Freshness vorspiegeln können – und wären noch stärker geworden. Denn der Topic dort stimmt immer.

Übrigens: Vermutlich sollte man diese „Freshness“ nicht mit „QDF“ (Query Deserves Freshness) verwechseln. Dies ist ein Verfahren von Google, bei sprunghaft höherem Suchtraffic automatisch eher aktuelle als nicht aktuelle Seiten anzuzueigen. Dieser QDF-Algorithmus bleibt dann eine Weile bestehen und „versandet“ wieder. Ich denke, mit diesem Freshness-Update pimpt Google eher langfristig die Begriffe auf die strukturell kurzfristige Informationen benötigen.

Jetzt aber ganz praktisch: Wie geht man mit dieser Freshness um?

Unter dem hervorragenden Beitrag dazu von Markus Hövener habe ich die Diskussion angezettelt, ob es denn nun wichtig ist, immer möglichst schnell über oder von etwas zu berichten. Ich meine nämlich: nein!

Wir kennen das sehr gut von der Goole News Optimierung (darauf werden wir dann ohnehin noch mal zu sprechen kommen. Denn es ist ja wohl kein Zufall, dass neulich erst der Google News Robot zugunsten des organischen Crawlers ausgeknipst wurde): Wer zuerst über ein Thema schreibt, hat auch schon ein bisschen verloren. Denn „Aktualität“ ist immer relativ zum Betrachter zu sehen. Ein Beispiel: Der erste SEO, der auf dieses Freshness-Update aufmerksam wurde, wird möglicherweise ganz gut verlinkt aus Blogs und Tweets. Aber er ist ganz schnell ganz unaktuell. Zu recht: Denn er hat nur ein paar Informationen und sich noch keine Gedanken darüber gemacht. Wer jetzt, einige Stunden später darüber bloggt, weiß einfach mehr und ist ab jetzt auch aktueller.

Es gibt grundsätzlich zwei Strategien, in so einer Caffeine-SEO-Welt zu gewinnen (gilt auch für QDF): 

  1. Häufig aktuelle Beiträge zum Thema. Wer also alle Stunde den aktuellen Stand des Freshness-Updates veröffentlicht, ist immer ganz schön „fresh“ (allerdings kann das auch schnell nerven).
  2. Einen Beitrag immer wieder aktualisieren. So, wie das Spiegel Online macht und auch Wikipedia. Hier steht unter jeweils einer URL immer die aktuellste Information. Und ich denke, genau das wünscht sich Google: Einen Beitrag, der immer auf dem aktuellsten Stand ist.

Klar: Beides macht Arbeit und ist auch nicht wirklich automatisierbar. Aber das ist ja eben auch das Ziel von Google, die Roboter auszuknipsen und gute Leute gute Arbeit machen zu lassen.

Und darauf setze ich jetzt auch: Ich freue mich schon auf konkrete Infos, welche Domains wo und wie betroffen sind. Von Hand kann man von diesem irgendwie gar nix sehen. Update: Wie gesagt, Marcus hat schon konkrete Zahlen. Allerdings sind die Muster bis auf das Erwartbare (News-Seiten nach oben) kaum zu erkennen…

Ach, hier geht es noch zum Whiteboard-Friday-Video von SEOmoz zum Freshness Update

GD Star Rating
loading...
Google will Freshness! (Update), 5.0 out of 5 based on 1 rating

Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - LinkedIn - Google Plus