Hummingbird: Stell dir vor, es gibt ein Riesen-Update – und keiner merkt es

hummingbird update googleEin gigantisches, nie dagewesenes Algorithmus-Update: Hummingbird betriff (lt. Google) 90 % aller Suchanfragen, beantwortet komplexe Fragen besser, ist individueller und pimpt nebenher den Knowledge Graph. Doch keiner hat was gemerkt. Zum 15. Geburtstag hat Google in der vergangenen Woche den Hummingbird vorgestellt, aber genüsslich verkündet, dass er schon seit vier Wochen durch die Suchergebnisse fliegt. Was ist da los?

Trotz meines gefühlten Informations-Auftrages hier habe ich deshalb bisher gezögert, auf Hummingbird einzugehen. Denn die Nachrichtenlage ist dünn. Es gibt einen hervorragenden Artikel von Danny Sullivan – und viele Interpretationen und Übersetzungen dessen Inhalts. Ob und wie sich der Kolibri in den SERPs auswirkt sieht man größtenteils nur theoretisch und es gibt auch kein Formular, bei dem sich Hummingbird-geschädigte Seitenbetreiber melden können. Wie scheint, gibt es auch keine starken Verlierer.

Worum es sich bei Hummingbird (vermutlich) handelt

Also: Das Update ist kein neuer Panda oder Penguin – sondern ein, äh, nennen wir es mal „Struktur Update“. Wie vor drei Jahren bei Caffeine: Damals haben sich nicht die SERPs verändert, sondern die technische Basis, auf der der Algorithmus arbeitet. Nun hat sich zwar der Algorithmus stark verändert – aber der Output in den SERPs ist (vorerst) gleich geblieben. Die Möglichkeiten, mit denen nun nach guten Seiten und nach Spam gesucht werden kann, sind wohl deutlich besser geworden. Folgende Punkte scheinen wichtig:

  • Präzisere Antworten: Bisher hat sich Google komplexere Suchanfragen Wort für Wort angeschaut. Da gab es wichtige Worte und Stopwords, die man entfernt hat. Nun wird der gesamte Suchsatz verwendet und versucht, die Suchintention dahinter zu verstehen. Man könnte fast meinen, Karl Kratz war zwischendurch mal in Mountain View und hat Amit Singhal vom WDF*IDF-Algorithmus erzählt.
  • Mit Hummingbird orientiert sich Google noch stärker am Fragesteller. Wenn du nach einem Restaurant in Landsberg suchst und danach  „Und hat ES auch einen Biergarten?“ fragst, versteht die Suchmaschine, dass du damit das Restaurant in Landsberg meinst.
  • Sieht nicht aus, wie eine Revolution - ist aber technisch ziemlich klasse: Der Vergleich von Knowledge-Graph-Inhalten

    Sieht nicht aus, wie eine Revolution – ist aber technisch ziemlich klasse, zumal bei einer Fehlschreibung: Der Vergleich von Knowledge-Graph-Inhalten

    Hummingbird ermöglicht den Vergleich im Knowledge Graph. Wenn du in der englischen Suche z.B. „Mars vs. Jupiter“ eingibst, dann bekommst du einen Vergleich beider Planeten. Das klingt nicht sehr aufregend – ist es aber. Denn es zeigt, dass der vermeintliche Besuch von Karl Kratz bei Amit Singhal schon eine Weile her sein muss und die Kollegen bei Google noch viel, viel weiter gearbeitet haben. Denn für so einen Vergleich muss man zunächst einmal erkennen, dass beide zu vergleichenden Anfragen in der gleichen Liga spielen und welche Attribute verglichen werden können. Außerdem kommen Datenbanken mit externen Informationen zum Einsatz. Das dürfte rechenintensiv sein…

Erstaunlich an den Punkten ist übrigens, dass mit Hummingbird viele Funktionen des Algorithmus verkündet wurden, von denen man schon längst dachte, dass Google das kann. Ich glaube zum Beispiel ganz sicher nicht, dass bisher nur Wörter aber keine Sätze interpretiert wurden. Dafür waren die SERPs zu unterschiedlich, wenn man einen Suchbegriff mit Stopwörtern versehen hat. Aber egal, offenbar kann Google das alles nun irgendwie besser.

Was heißt das für die Suchmaschinenoptimierung?

Weiter so! Das ist die Empfehlung, die ich allen SEOs geben will, die auch schon seit Panda und Penguin mehr auf ihre Inhalte als auf die Link-Popularität schauen. Die Tugenden des Content-SEOs werden noch stärker:

  • Überlege dir noch besser, wem du eigentlich was sagen willst.
  • Orientiere dich aber nicht daran, was DU sagen willst, sondern was die User interessiert.
  • Sprich mit den Worten deiner Zielgruppe.
  • Achte auf den Longtail, da steckt das eigentliche Geschäft drin.
  • Sei aktuell!

Amit Singhal hat auf der Presskonferenz gesagt: „Es geht weniger darum, wie eine Webseite abschneidet. Es geht eher darum, wie gut die Seite zur Anfrage passt.“ Nun, das ist kein überraschendes Statement sondern ein SEO-Mantra von Google der vergangenen Jahre.

Wenn Google von 90 % betroffene Suchanfragen spricht, auf die sich der Hummingbird auswirkt, dann lässt auch das den Schluss nahe, dass es sich hierbei vor allem um den Longtail handelt. Denn die „großen“ Shorthead-Keywords wie „News“, „iPhone“, „Versicherung“ sind viel zu unspezifisch, um eine inhaltlich passende Seite dafür zu finden – User-History hin oder her. Deshalb werden dort die Backlinks immer eine sehr große Rolle spielen. Aber im Longtail macht das, was wir über den Hummingbird wissen, sehr viel Sinn.

Den Hummingbird werden wir erst noch kennen lernen

Wie auch damals bei Caffeine werden wir die Auswirkungen von Hummingbird erst noch zu spüren bekommen. Damals war es die Aktualität und Flexibilität, die nach und nach in die SERPs gepumpt wurde („SERPs auf Steroiden“). Jetzt werden wir wohl eine ständige Entwicklung hin zu dem sehen, was Google als „individuelle Suche“ betrachtet. Ob wir das dann mögen oder nicht…

Bild oben: © Steve Byland – Fotolia.com

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (7)

  1. axbm

    Ein „Knodledge“ bitte korrigieren 😉

  2. eric108

    axbm Danke!!! Wobei sich „Knodledge“ irgendwie auch nett anhört. Knuddelig 🙂

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