Ist Online-Marketing gleich SEO?

Suchmaschinenoptimierer nennen sich gerne „Online-Marketer“. Aber: Ist das denn richtig? Ich versuche mal, die Begriffe aufzudröseln.

Umfrage

Sind Online-Marketer alles SEOs?

Auf den Gedanken kam ich, als ich die Wahl von t3n zu den 100 wichtigsten Web-Köpfen gesehen habe. Ich finde es großartig, dass mein Name unter den Nominierten für „Online-Marketing“ zu finden ist (und wer mich nach oben wählt, bekommt verdammt gutes Karma). Was  mir aber aufgefallen ist: Die Runde der dort versammelten Kollegen ist sehr SEO-lastig.

Nun, das hat auch damit zu tun, dass andere Online-Marketing-Disziplinen in den anderen Rubriken der Umfrage (z.B. E-Commerce, Social Media) auftauchen und natürlich nicht doppelt genannt werden müssen. Trotzdem wollte ich der Frage nachgehen, ob SEO denn tatsächlich das Online Marketing beherrscht. Oder ob das nur die Sicht der Suchmaschinenoptimierer wieder gibt.

Fragen wir zunächst Wikipedia: „Online Marketing … sind alle Marketing-Maßnahmen, die mit Hilfe des Internets erfolgen können. Teilgebiete sind klassische Bannerwerbung, Suchmaschinenmarketing, E-Mail-Marketing und -Werbung, Social Media Marketing und Affiliate-Marketing. … Eine spezielle Form des Online-Marketings ist das so genannte Videomarketing. Einer der wesentlichen Vorteile des Online-Marketing gegenüber klassischen Marketingmaßnahmen wie Print oder TV ist die Messbarkeit der Werbewirkung.“

Gute Erklärung, ich habe die als Input für ein Bild genommen, in dem ich die Online-Marketing-Disziplinen darstelle:

onlne marketing

Na gut, ich bin kein Künstler, doch das Bild zeigt, was es zeigen soll: SEO steht in der Tat im Zentrum des Online-Marketings.

Ich habe viele Varianten ausprobiert – aber es ist mir nicht gelungen, ein Bild zu malen, bei dem SEO nicht im Mittelpunkt steht und die größte Fläche einnimmt. Warum? Weil sich SEO nach meiner Meinung auf die Basis aller Online-Marketing-Maßnahmen konzentriert: Auf die Webseite selbst, die Homebase des Online-Marketings. Social Media hat Facebook, Twitter und Google+ im Blick, Video-Marketing konzentriert sich auf YouTube und Bannerwerbung kümmert sich nicht um die eigene Seite sondern um Werbeplätze woanders.

Online Marketing ist also:

  • Suchmaschinenmarketing (SEM): Und damit ist zunächst einmal SEO und SEA gemeint – da beide schon irgendwie zusammen gehören.
  • Affiliate Marketing: Unter SEOs häufig ein wenig „schmutzig“ angegangen und nicht gerade die Königsklasse – aber sehr, sehr wichtig für Vermarkter und Publisher.
  • Content Marketing: Relativ neu und sehr mächtig – von SEOs allerdings häufig als Linkbuilding verdreht.
  • E-Mail-Marketing: Vermutlich sind Newsletter mittlerweile sehr unterschätzt, was schade ist – denn auch diese können sehr mächtig sein.
  • Social Media Marketing: Ich denke, das könnte ein wenig überschätzt sein, da es sich eh nicht so wirklich gut steuern lässt. Aber darüber kann man sicher streiten.
  • Bannerwerbung: Die vermutlich teuerste/einträglichste Disziplin für die Vermarkter – weil die klassischen Agenturen mit den großen Werbetöpfen das gerade noch am besten verstehen.
  • Video Marketing: Eine der ganz neuen Marketing-Disziplinen.
  • Conversion- und Usability-Optimierung: Gehört einfach dazu! Denn damit wird die ganze Sache monetarisiert bzw. für den User nachvollziehbar (Danke an Olaf Kopp von Aufgesang für den Input)

Und fast alle Disziplinen haben Überschneidungen mit SEO: Affiliate, Social und Video sowieso, aber auch wer Banner schaltet, sollte das mit seinen SEO-Bemühungen aussteuern. Content-Marketing braucht ohnehin eine „Homebase“ für die Inhalte und ist in der Tat eine gute Maßnahme, wenn es darum geht, Backlinks aufzubauen. Einzig bei E-Mail sehe ich keine Überschneidung zum SEO. Doch, wer weiß…

Sind SEOs also die besten Online-Marketer?

Nein! Man kann sicher nicht sagen, dass ein SEO automatisch ein toller Online-Marketer ist. Auch nicht anders herum. Doch wenn man sich die Liste der nominierten Kollegen anschaut, fällt schon auf, dass viele davon die Suchmaschinenoptimierung nicht als einzigen Job betreiben:

  • Marcus Tandler ist sicherlich derzeit der „King of Content Marketing“, Firmengründer und hat eh schon viele andere Dinge getan.
  • Karl Kratz ist ein Top-SEO aber auch in vielen anderen Disziplinen fit, seine Geschichte als Firmengrüner im IT-Bereich kennen wir ja.
  • Martin Mißfeldt ist im Hauptberuf Künstler – und zwar ein sehr guter.
  • Jens Fauldrath bietet mit seinem takevalue alle nur denkbaren Analysen und Beratungen an – SEO ist da nur ein Teil.
  • u.s.w.

Auch in meiner Arbeit hilft mir meine Vergangenheit (Techniker, Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, Gründer, Projektmanager) sehr dabei, mit den Kunden auch über ihre allgemeinen Konzepte zu sprechen und ihnen ein ganzes Netzwerk von „Online-Marketern“ anzubieten. Und anders herum: Das, was ich in den vergangenen Jahren über SEO gelernt habe, ist eine wundervolle Basis dafür, Content-Konzepte, Webseiten-Strukturen und allgemeine Marketing-Konzepte zu entwickeln. Die strukturierte und umfassende Arbeitsweise, die für SEO notwendig ist, macht alle anderen Disziplinen leichter zu überschauen. Denn wie schreibt noch mal die Wikipedia? „Einer der wesentlichen Vorteile des Online-Marketing gegenüber klassischen Marketingmaßnahmen wie Print oder TV ist die Messbarkeit der Werbewirkung.

Klar: Jeder sollte nur das machen, was er am besten (und vielleicht am zweitbesten) kann. Aber als SEO muss man die überschneidenden Disziplinen gut genug kennen, um Lösungen zu finden. Und wenn diese Lösungen darin bestehen, andere Kollegen hinzu zu ziehen, dann sollte man zumindest eine „Bewertungskompetenz“ in deren Bereich haben.

Vielleicht sind die SEOs ja irgendwann so etwas wie die Hausärzte, die dann Überweisungen zu den Fachkollegen schreiben? Wir werden sehen.

Online Marketing ist nicht gleich SEO – aber ein bisschen schon

So gesehen, ist es doch nicht überraschend, dass auf der Nominierungs-Liste bei t3n vor allem SEOs stehen. Denn diese sind nur selten blütenreine SEOs, sondern kennen auch die angrenzenden Gebiete.

Außerdem gibt mir das wieder die Chance, meinen Lieblings-Ratschlag an alle Kolleginnen und Kollegen zu senden, die sich derzeit in das Thema einarbeiten: Kümmere dich nicht nur um die Suchmaschine, sondern auch um das, wohin sie dich führt. 

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (21)

  1. OlafOlleckKopp

    Hallo Eric,  ich würde die Bereiche Conversion- bzw. Usability-Optimierung und Web-Analyse noch in die Klaviatur mit aufnehmen…

  2. eric108

    OlafOlleckKopp Very Right! Oh, ich schreibe das dazu – aber die Grafik mache ich später. Danke für den Input!

  3. TobiasSasse

    eric108 OlafOlleckKopp ist doch schon da: außen herum, das graue 13-Eck (richtig gezählt???) 🙂

  4. FalkoMoeller

    Hi Eric, hier meintest du sicher „Suchmaschinenmarketing“ (SEM), oder?Suchmaschinenoptimierung: Und damit ist zunächst einmal SEO und SEA gemeint – da beide schon irgendwie zusammen gehören.
     Ansonsten ein super Beitrag, den ich nur befürworten kann. SEO muss alle Kanäle zumindest oberflächlich kennen, um gute Entscheidungen zu treffen.

  5. eric108

    FalkoMoeller Right! Vielen Dank…

  6. helpstring

    Unter Online Marketing versteht man alle Maßnahmen, die Besucher auf die eigenen Internetpräsenz (d.h. nicht nur Webseite) bringen.
    Übrigens lassen sich Social Media Zugriffe über Facebook-Werbung sehr wohl gut steuern. 😉

  7. vanSEO

    helpstring Und SEA ist dann nochmal was ganz anderes oder wie? 😉 Spaß beiseite, ich glaube Eric ist sehr wohl in der Lage zwischen Online Marketing und SEO zu unterscheiden. Aber tatsächlich herrscht „da draußen“ ja die Meinung, dass SEOs der Mittelpunkt des Online Marketings sind. Das stimmt so natürlich nicht. Aber es ist durchaus so, dass SEOs in den meisten Fällen (bitte nicht gleich wieder angreifen, weils etwas pauschaler ist) sehr umfassend denken und sich zumindest in allen OM-Kanälen ein bisschen auskennen. Was man leider – und die Erfahrung hab ich tatsächlich schon selbst gemacht – nicht bei allen OM-Kanälen sagen kann. Insofern sind SEOs meist ganz ordentliche Online Marketer, weil sie sich eben mit allen Kanälen beschäftigen, absprechen etc. pp. Ohje… ich seh schon wieder die Diskussion losbrechen… *duckundweg*

  8. helpstring

    vanSEO helpstring Da SEA auch Besucher auf die Webseite bringt ist es natürlich auch Online-Marketing. Ich weiß nicht, was Du mit Deinem ersten Satz meinst.
    Die Frage im Artikel kann man kurz mit „Nein“ beantworten und eigentlich gibt es im Buch „Online-Marketing“ von …Name entfallen…eine sehr gute auf Fachhochschulen verwendete Definition gibt, die ich oben auch verwendet habe.
    SEO ist ein Teilgebiet des Online-Marketings, die Basics auf http://de.wikipedia.org/wiki/Online-Marketing stimmen somit.

  9. Rheinlaender

    Wenn wir schon so schön Wikipedia zitieren, dann würde ich den ersten Unterabschnitt der Seite Online-Marketing gleich mitzitieren:

    „Website
    Die Gestaltung und der thematische Aufbau einer Unternehmenswebsite sind zentrale Bestandteile des Onlinemarketings. Die Unternehmenswebsite dient dabei sowohl der Kundenbindung, als auch zur Werbung neuer Kundenkreise.“
    Womit klar wäre, dass nicht SEO im Mittelpunkt der Grafik stehen sollte, sondern die Website bzw. der Aufbau und die Verwaltung derselben.

  10. helpstring

    Rheinlaender Korrekt, wobei nicht die Webseite im Mittelpunkt stehen sollte, sondern allgemeiner gehalten die Webauftritte (z.B. Webseite, Blogs, Facebookseite).

  11. TobiasSasse

    vanSEO hast absolut Recht! SEO muss halt die ganze Palette kennen, schon weil sich alles gegenseitig beeinflusst. Was bringt z.B. das beste Content-Marketing, wenn es keine bemerkt. Also schaltet man heute Adwords, um auf Website-Features aufmerksam zu machen, die sich dann quasi hintenherum für SEO lohnen (organisches Linkbuilding mit SEA-Anschwung sozusagen). SEA ist übrigens kräftig am Wachsen. Wird SEO in der Gunst der Unternehmen bald einholen, da bin ich mir sicher. Das liegt auch an Googles Verwirrungstaktik und Abstraferei. Dazu [not provided] und ähnlich Nebelkerzen… so wird es immer schwieriger, Erfolge zu erzielen und zu belegen. Daher schrumpfen die Budgets bzw. werden lieber in kalkulierbare Adwords investiert.
    Auf meiner G+Seite gibts den Link zu einem Artikel über die aktuelle (Online-)Marketing-Landschaft. Bin nicht der Top-Autor, aber darin sind ein paar Gedanken und Zahlen, die vielleicht interessieren.
    Grüße

  12. Pingback: PR Wochenrückblick KW42 – Die Highlights der Woche | PR - Popularity Reference GmbH

  13. Pingback: Top 10 der Woche 42/13 - SEO-united.de Blog

  14. toushenne

    Hallo Eric, das ist eine spannende Frage, aber eigentlich recht einfach zu beantworten. Zumindest ob Online Marketing gleich SEO ist – definitiv nicht. Was dann aber alles unter den Begriff Online Marketing fällt ist wieder eine andere Frage, die vielleicht nicht so schnell zu antworten ist.
    Ich hab mich mit dieser Frage auch mal auseinander gesetzt, nachdem ich mein Zertifikat als „Online Marketing Manager“ erhielt: http://www.toushenne.de/newsreader/berufsbild-online-marketing-manager.html

  15. SebastianFleige

    Hmm, darüber wollte ich auch mal einen Artikel schreiben. OnSite-SEO ist meiner Meinung kein Marketingbestandteil, sondern Teil der Unternehmensinfrastruktur (Wertkette nach Porter). Das bedeutet, OnSite SEO als Unterstützungsaktivität ist Voraussetzung für die Primäraktivitäten des Unternehmens, also auch das Marketing.
    Die anderen Kanäle (SEA, Affiliate etc.) also auch die restlichen Bestandteile des SEO (OnPage, Content und OffPage) sind sehr wohl Bestandteil des Marketings.

  16. Pingback: Studie: Synergien im Online-Marketing richtig nutzen | BeamMachine.net

  17. termfrequenz

    Oh, eben erst gesehen. Spannende Frage. Ich betrachte mich ja liebder als Produktmanager. Online ist ja Produkt und Marketing recht eng verzahnt. Wenn meine Website (Produkt) das Versprechen egal welcher Marketingkanäle nicht einhält, dann wird es halt nix. 
    Und wir als SEO haben dann noch das Problem, dass ein weniger gutes Produkt (Website) halt meist auch weniger gut gefunden wird. Bei SEA wird der ROMI meist nicht ausreichen die Kampagnen beliebig zu erweitern. Die Kollegen von SEA laufen also erst etwas später in das Problem und lösen es meist duch optimierte Landingpages. Display muss sein Budget loswerden und reportet ja lieber die externe Reichweite. Bleibt die Optimierung des Produkts halt am SEO hängen 🙂

  18. missfeldt

    Hi Eric, sehr schön, gerade erst gelesen. Gute Analyse, die zeigt, dass es vielen, die aus anderen Bereichen kommen, offenbar leichter fällt, über den Tellerrand hinaus zu denken und damit Aufmerksamkeit zu erregen. Danke für dei Erwähnung. Scheint, als hättest Du im t3n-Listing für mich gevotet, danke auch dafür 🙂

  19. mardemhispeedch

    Ein bisschen klarer strukturieren und auseinanderhalten sollte man
    meines Erachtens das Ganze schon: Onlinemarketing ist, grob und einfach
    definiert, alles was im und mit dem Internet an Werbe- und
    Marketingmassnahmen realisiert wird. 
    Dabei gibt es analog
    dem traditionellen Marketing die Instrumente (Social Media, SEO,
    Online-PR) die Werbeträger und Distributionsformen (Video, Whitepaper,
    E-Mail), die Werbemittel (Display Advertising, AdWords) und Strategien
    (Contentmarketing, Linkbuilding usw.) und dann allenfalls noch die
    Werbmittler (Affiliater, Cashback-Portale usw.). 
    Allerdings
    ist es im Onlinemarketing zuweilen schwierig, die Formen genau
    zuzuordnen. So kann man beispielsweise Social Media je nach Einsatz und
    Strategie zugleich als Instrument, Werbeträger und Kommunikationskanal
    sehen. 
    Oft ist die Website, last but not least, selber
    eigentlich das (beworbene) Produkt, bei dem Service, Auftritt,
    SEO-Ausrichtung, Branding, und Desgin analog Verpackung die
    marketingrelvevaten Faktoren sind.

  20. Pingback: SEO im Marketing-Mix: Ein Blick aus der Vogelperspektive » t3n

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