Personalisierte / dynamisierte Webseiten: Cloaking-Gefahr – oder nicht?

Ein spannendes Thema: Viele denken über die Dynamisierung ihrer Webseite nach, einige tun das das schon. Großartige Idee: Je nach User-Verhalten, Sinus-Milieu oder sonstigen Eigenschaften der Besucher bekommen diese andere Inhalte ausgespielt. Das macht Sinn, aber mir auch etwas Sorgen. Empfindet es Google nicht als Cloaking, wenn DER User anderen Inhalt bekommt als der Crawler? Und wenn jeder User anderen Inhalt bekommt, könnte das auch Cloaking sein. Oder nicht?

Hey, such mal für dieses Thema ein Bild raus... Ich hoffe, das passt ganz gut ;-)

Hey, such mal für dieses Thema ein Bild raus… Ich hoffe, das passt halbwegs und macht keine böse Text-Bild-Schere 😉 (Foto: Fotolia | © vege)

Zwei Punkte vorab:

  • Ich würde erstens sagen, es gibt darauf (noch) keine klare Antwort.
  • Und zweitens wird die Antwort irgendwann sein, dass dymamisierte bzw. personalisierte Seiten natürlich vpm Google akzeptiert und erkannt werden.

Aber ist das schon so?

Nach Anfrage eines Kunden, ob der Einsatz einer „Dynamisierungs-Maschine“ seomäßig in Ordnung sei, habe ich mir erst meine Gedanken gemacht, habe mich dann mit einigen sehr klugen Kollegen auf Facebook ausgetauscht und mir ein Video von John Müller von Google angeguckt. Jetzt habe ich dazu eine Haltung. Aber der Reihe nach.

Personalisierung/Dynamisierung vs. Cloaking: das Problem

Worum geht es technisch? Die Idee von Unternehmen wie Dynamic Yield und, ja, dem Sinus Institut ist es, den Besuchern eine Webseite je nach Verhalten, Herkunft und/oder Sinus-Milieu andern Inhalt auszuspielen. Und, klar, Karl Kratz macht das eh schon lange.

Und das macht Sinn: Hat sich ein Kunde in einem Shop vor zwei Tagen Hotels in Thailand angeschaut, ist es vermutlich hilfreich, ihn beim nächsten Besuch auf der Startseite mit einem Thailand-Urlaub zu begrüßen statt mit einer Bergtour in die Alpen. Und den „Postmateriellen Skeptikern“ wird man ein Medikament vermutlich irgendwie anders verkaufen können als einem „Unbekümmerten Hedonisten“. Richtig? Ganz davon abgesehen, dass ein Webseiten-Besucher einer Restaurantseite am Abend über die mobile Suche andere Inhalte („Wie komme ich da hin?“) braucht als ein Desktop-User morgens um zehn („Kann ich da reservieren?“). Ich denke, da sind wir uns einig. Das scheitert zwar häufig an den hohen Aufwänden – aber diese werden zunehmend geringer. Und genau deshalb sollten wir uns aus SEO-Sicht damit beschäftigen. Finde ich.

Das Problem sind nun die Guidelines von Google zum Thema Cloaking: „Keep your source code updated. An experiment ends when Content Experiments has collected sufficient data, and you should then update the source code on your test pages to reflect that winning combination soon afterwards.“ Während sich das mit User-Tests noch gut vereinbaren lässt, weil die irgendwann abgeschlossen sind und dann die bessere Variante online geht, erscheint eine Dynamisierung hier ein No-Go. Denn, das ist ja der Witz: Die User bekommen von nun ab immer andere Inhalte als der Crawler (in welchem Sinus-Milieu ist der eigentlich zu verorten?). Das ist per Definitione „Cloaking“.

So weit so schlecht. Denn natürlich beteuern viele der Mit-Diskutierer auf Facebook, dass eine solche Dynamisierung/Personalisierung ja gut für die Webseite ist und Google das deshalb positiv bewerten muss. ABER: Woran merkt Google denn, dass das eine tolle Dynamisierung und KEIN Cloaking ist? Genau.

Was sagt Google dazu?

Pascal Horn hat John Müller in einem Hangout fast genau zu diesem Thema befragt. Ab Minute 12:37 sagt er dieses:

Oder anders formuliert: Wenn ihr das mit Login macht, ist alles gut. (Na gut, das ist banal…) Wenn ihr das mit Cookies macht, seid vorsichtig. Denn wenn die Benutzer über Google auf eine Seite kommen und einen bestimmten Content erwarten, diesen aber nicht finden weil zu aggressiv personalisiert, dann schimpfen die Besucher nacher möglicherweise mit Google. Und das will John Müller nicht.

Die Begründung ist natürlich unsinnig. Aber die Aussage trifft den Punkt: Wenn du tatsächlich komplett anderen Inhalt ausspielst, wird Google darauf gereizt reagieren 

Also, was tun? Lassen wir es besser sein?

Wollen wir also den Kopf in den Sand stecken? Ich würde sagen: nein! Denn alles, was unseren Webseiten und damit auch deren Besuchern nutzt, wird über kurz oder lang auch von Google akzeptiert werden. Hier einige Konzepte, wie man damit umgehen kann. Diese Liste ist unvollständig und ich freue mich auf euer reges Feedback zur Erweiterung:

  • Kontrolliert und nicht allzu umfangreich dynamisieren: Im Falle meines Kunden wird nur ein Teil des Inhaltes je nach dem User-Verhalten ausgetauscht. Da geht es (noch) nicht um große Teile des Main-Contents. Deshalb habe ich empfohlen, dass man das so ausprobieren kann. Natürlich werden wir genau checken, wie Google drauf reagiert – aber ich mache mir da keine großen Sorgen.
  • Die personalisierten Seiten aus dem Index draußen halten: Sebastian Blum hat zunächst vorgeschlagen, die „Hauptseiten“ (also den nicht personalisierten Content) ordentlich auf sich selbst zu canonicaln und die personalisierten Variationen mit „noindex“ aus dem Index zu halten. Das in meinen Augen eine sichere Strategie. Ich finde es nur schade, dass dann vermutlich einiges an guten User-Signalen verloren geht.
  • Mit „Vary: User-Agent, Cookie“ die Änderungen im Inhalt ankündigen: Noch mal Sebastian Blum (vielen Dank auch für die Quelle!) und das setzt er schon auf Terrafinanz.  Klingt supereinfach, vielleicht zu einfach. Doch irgendwie beißt sich das mit der Aussage von John Müller. Was meint ihr?
  • Warten, bis Google eine solche Dynamisierung/Personalisierung anbietet: Ich bin mir sicher, dass eine solche Optimierungs-Technik irgendwann von Google kommen wird. Das würde ihnen die Möglichkeit geben, dies zu begleiten und ihren Such-Usern auch die richtigen Inhalte anzukündigen. Und – wenn wir mal eine Weile in Ruhe darüber nachdenken – das wäre etwas, was Google ganz besonders gut könnte: Jedem User den passenden Content ausspielen. Also das, was sie ja mit ihren Suchergebnissen auch machen wollen. NUR: Wollt ihr warten? Und wollen wir dieses Geschäft auch noch Google überlassen?

Ihr seht, ich bin mir dem Thema noch lange nicht an einem stabilen Punkt. Ich weiß nur ganz sicher, dass ich das Thema superspannend finde UND dass es heikel ist. Vielleicht bin ich auch zu skeptisch, um einfach zu sagen „ach, kein Problem“. Deshalb freue ich mich auf eure Kommentare und ergänze diesen Beitrag um jeden Ratschlag, der mir plausibel erscheint. 

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (4)

  1. Jimie-Dean Garrett

    Sehr schöner Artikel. Ich kann da nur zustimmen.

    Bin selbst schon daran ein eigenes rudimentäres System zu planen um Inhalte je nach Psychogramm unterschiedlich formuliert auszuliefern.

    Bin wirklich gespannt wie sich das entwickeln wird.

  2. Eric Kubitz (Beitrag Autor)

    Gib Bescheid, wenn du davon etwas öffentlich machen willst!

  3. Karl

    Wenn Du es handwerklich gut umsetzt: Nein, keine „Cloaking-Gefahr“. Noch nie.

    Liebe Grüße von Karl

  4. Eric Kubitz (Beitrag Autor)

    Stellt sich nur die eigentliche Frage des Beitrags, wie man das handwerklich gut umsetzt.

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