Social Media Economy: Schwangeres Google+, klebriger Inhalt und soziale Denkweise

Der erste Tag der Social Media Economy Days, der Münchner Konferenz für den Einsatz von Sozialen Medien in Unternehmen, hatte viel Interessantes und überraschend Unterhaltsames. Bei den Großen gab es aber verblüffend wenig Neues.


Begonnen hatte der Tag mit dem Vortrag von Julius van de Laar, der im Wahlkampf 2008/2009 hauptamtlicher Wahlkämper im Team Barack Obamas war. Er zeigte, drei Jahre später, die DNA für erfolgreiche Kampagnen auf und gab den Zuhörern folgende »Key Takeaways« mit:

  • erst Strategie und Message definieren, dann die passenden Werkzeuge wählen
  • Geschichten richtig erzählen
  • Emotionen und Empathie schaffen
  • in Beziehungen zum User investieren
  • den User befähigen
  • Handlungsoptionen aufzeigen
  • Online und Offline verbinden
  • Daten sammeln und gezielt einsetzen
  • Testen, Testen, Testen

Die anschließende Diskussion zwischen Maximillian Kalbfell (Leiter Markenkommunikation Mini), Jo Wedenigg (Head of Social Media, webguerillas GmbH), Stefan Mohr (Geschäftsführer Jung von Matt / next) und Matthias Meusel (Head of Marketing, mobile.de) brachte am Ende folgendes Resumée:

Es gibt keine Pauschallösung für Social Media. Es gilt die Ziele zu definieren, dann können die Mittel gewählt werden. Ausprobieren, Fehler zulassen (und vorallem nicht vertuschen) und aus dem Feedback der Nutzer lernen. Denn Social Media ist Content-getrieben; es gilt zu inspirieren.

Author Trust ist der neue PageRank

Im nächsten Block stellte Johannes Müller, Schweizer Webmaster Trend Analyst bei Google, das Produkt Google+ vor.

Bemerkenswert: Mit +1 markierte Beiträge sind nun sofort in den Ergebnissen sichtbar. Als »öffentlich« markierte Beiträge bei Google+ landen direkt im Google-Suchindex. Wichtig dabei für Webmaster: Titel und Beschreibung der Seite werden bei Google+ unverändert übernommen. Hat man hier also schon unzureichend gearbeitet, zieht sich dieser Makel quer durch alle (eigentlich ja positiven) Erwähnungen bei Google+.

Interessant ist neben dem Author-Tag, der wohl allem Anschein nach demnächst eine gewichtige Rolle bekommen wird, auch die Einbindung in die Webmastertools. So kann man sehen wieviele +1 man schon erhalten hat oder wie hoch die CTR ist. Müller weißt aber darauf hin, dass sich hier alles in einem frühen Stadium befindet und man sich nicht zu sehr auf diesen Aspekt einschießen soll.

Marcus Tandler: Google Query deserves Freshness

Letztendlich gab es in diesem Teil des Vortrags aber wenig Neues zu erfahren. Interessanter wurde es da, als Marcus Tandler das Podium betrat. Facebook habe die Welt verändert. Die Erwartungshaltung der Suchenden sei heute eine ganz andere als früher. Die Meinung von Freunden spiele eine entscheidende Rolle, Experten sollen direkt kontaktierbar sein. Dazu werden Neuigkeiten viel schneller weiter gereicht, wofür die alten Algorithmen einfach zu langsam waren.

Wie hat Google darauf reagiert? Die Antwort: query desevers freshness. Frei übersetzt: die Anfrage verdient Aktualität. Stirbt beispielsweise eine berühmte Persönlichkeit, möchten User aktuelle Ergebnisse. Keine Biografie, keine Diskografie. Was? Wann? Wieso? Das sind die entscheidenden Fragen in diesem Moment.

Aber nicht nur die Suchmaschinenseite wurde von Tandler beleuchtet. So rät er jedem Autor nicht nur Eigenwerbung zu machen. Auch Themenrelevantes rund um den jeweiligen Blog oder Twitter-Account ist wichtig, denn es fördert die Interaktion. Einfach nur viele Follower zu haben nützt überhaupt nichts, wenn man nur wenige Clicks der User aufzuweisen hat. Social Spammer werden nämlich genau so entlarvt: viele Links, keine Interaktion.

Außerdem sieht Tandler im sogenannten Author-Trust den neuen PageRank. Entscheidend sind demzufolge nicht mehr die altbekannten Backlinks, sondern der Autor. Wie hoch ist die Qualität der Artikel, wie oft werden seine Beiträge geteilt, welchen Trust genießen wiederum die Leute, die etwas teilen? So hält er es für möglich, dass einzelne Beiträge einer Seite besser bewertet werden als die gesamte Seite, wenn der dazugehörigen (Gast-)Autor ein hohes Ansehen bei der Suchmaschine genießt.

Google+ ist schwanger: Man weiß nicht, ob es gut geht – aber man freut sich schon mal drauf

Noch einmal Google+: Dr. Stefan Tweraser, Country Director Google Germany, hat das Social Network etwas genauer beleuchtet. Und er vergleicht es  mit einer Schwangerschaft im dritten Monat: Man weiß noch nicht ob alles gut geht, aber man freut sich tierisch drauf.

So soll Google+ alles wundervoll einfach machen. Denn Google hat analysiert und Lösungen gefunden:

  • Marketing ist fragmentiert –> Google+ Seite mit direktem Kontakt
  • Empfehlungen sind im Netz bei weitem nicht so ausgeprägt wie erhofft –> +1-Button mit Batch in den SERPs
  • Es herrscht keine Koversation zwischen den Parteien –> Hangouts zur Interaktion
  • Botschaften sind unpersönlich –> Circles dienen der Personalisierung
  • die Analyse ist stark eingeschränkt –> Google Ripples

Dabei sieht Google das »Plus« nicht als soziales Netzwerk, sonder als Layer über die gesamte Google-Produktpalette. »Social« beschreibe dabei keinen Vertriebskanal, sondern ein Verhalten, das uns in die Wiege gelegt wurde. Das ist übrigens auch der Grund, warum Google an eine parallele Existenz von Google+ und Facebook glaubt. Was natürlich auch ein bisschen den Druck vom vielbetitelten »Facebook-Killer« nehmen soll.

Social is »a way of thinking«

À propos Facebook: Scott Woods, Commercial Director von Facebook, nutzte die Gelegenheit der ersten Social Media Economy Days, um über seinen Arbeitgeber zu sprechen. Also schnell Timeline angerissen, eigene Verbreitung aufgezeigt, Nutzerzahlen gezeigt (es sind übrigens bereits über 20 Mio. in Deutschland).

Außerdem weist Woods darauf hin, dass »social« ja »a way of thinking« ist (schon mal gehört?) und Unternehmen in einer vernetzten Welt besser sein werden. Wenn man weiß, man erreichen wolle, biete Facebook die nötigen Technologien als Wachstumsfaktoren an:

  • Pages
  • Ads (aktuell wurde die Interaktion mit den neuen »Sponsored Stories« verdoppelt bis verdreifacht)
  • Technologie (Social PlugIns, sprich Like-Button und Co; Apps)

Dabei empfielt Facebook den Absendern ihre Angebote zu sozialsieren statt sie einfach komplett in den Facebook-Rahmen zu verschieben. Ganz wichtig war Facebook auch folgendes: Werden tolle Apps entwickelt, soll man darüber reden, statt zu warten, dass alles von allein passiert.

Be social – if you like it

Abschließend sei noch der Vortrag von Robert Seeger, Co-Founder und President, FMX World, erwähnt. Sehr amüsant und anregend gab er dem Publikum in kürzester Zeit folgendes mit:

Es gab wohl ein paar leere Stühle, aber die Konzentration war hoch!

Content

  1. authentisch – Personen
  2. klebrig – Inhalte
  3. Exklusiv
  • Interaktion bedeutet Sichtbarkeit
  • sei kurz und knackig
  • sei anregend
  • achte auf das Timing
  • achte auf das Wording
  • achte auf die Dosierung
  • achte auf die Story

In diesem Sinne: be social, don’t spam (Tandler) and like it if you like it (Seeger)!

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Michael Ertel

Kommunikationsplaner und –gestalter, Blogger und mit einer Prise Social Media unterwegs im (mobilen) Netz.

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Kommentar (1)

  1. Christine Fettich

    Schön knapp zusammen gefasst 🙂

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