Für Datentaucher: Warum SEO-Tools nur selten den SEO-Traffic zeigen

Häufig gestellt Frage: Wieso zeigen die SEO-Tools „falsche“ Google-Traffic-Zahlen an? Korrekte Antwort: Weil sie gar nicht dafür da sind, Traffic-Zahlen anzuzeigen. Denn sie messen etwas anderes. Searchmetrics und Sistrix zeigen die Sichtbarkeit bzw. die Visibility einer Webseite. Das ist nicht der Traffic!

Und ich will erklären, was ich damit meine. Doch dazu ein Beispiel, das ich einem Kunden „entnommen“ habe und deshalb nicht sagen kann, welche Seite das ist. Ihr müsst mir also auch ein bssichen vertrauen.

Zunächst mal die beiden Kurven, die man am besten kennt: Sichtbarkeit bzw. Visibility

Searchmetrics und Sistrix zeigen eine ähnliche Kurve, die etwas geringere Volantilitä bei Searchmetrics hat etwas mit der wegen der deutlich höhreren Zahl von Keywords notwendigen monatlichen Erhebung zu tun.

Performance Analyse Searchmetrics: 8 Millionen Keywords pro Monat, hier bis zu 95.000 - die ich mir auch alle einzeln alle anschauen kann.

Sistrix Toolbox: ein paar hundertausend Keywords, geschickt gewichtet pro Woche zeigen die gleiche Entwicklung.

Auch die Tatsache, dass sich zum Beispiel die super Entwicklung der vergangenen Wochen früher ankündigen hat damit zu tun. Aber, egal, im Wesentlichen bilden die Tools die Sichtbarkeit der Domain fast identisch ab. Man sieht deutlich das Mayday-Update vor einem Jahr und die hübsche Entwicklung der vergangenen Wochen/Monate.

Die Schnellanalyse von Searchmetrics zeigt mir in diesem Bild wöchentlich die Keywords aus einem ausgewählten Keyword-Set die mit dem zu erwartenden Traffic gewichtet werden:

Schnellanalyse Searchmetrics: ein paar hundertausend Keywords, gewichtet, pro Woche

Logischerweise werden für diese wöchentliche Abfrage weniger Keywords angeschaut, der Long-Longtail kann also nur teilweise einfließen. Interessant: Es gibt Domains, da passen Schnellanalyse, Longtailanalyse und auch Sistrix-Zahlen aufeinander – bei einigen eben nicht. So wie in diesem Fall. Dies ist eine Domain deren Betreiber wirklich auf den Super-Longtail setzen. In der Optimierung hat uns deshalb übrigens die Kenntnis des Deltas zwischen den beiden Kurven sehr stark geholfen….

Und hier die Visits aus Google Analytics – und zwar die Visits, die von Suchmaschinen übermttelt wurden:

Google Analytics: Visists von Suchmaschinen, alles

Auch hier ist das Mayday-Update und die prima Entwicklung der vergangenen Zeit  zu sehen. Doch – natürlich – anders und auch weniger deutlich.

So: Wer sich ausschließlich am Taffic orientiert und denkt, dass die SEO-Tools diesen abbilden sollten, wird nach diesen Kurven vermutlich ins Grübeln kommen und sollte seine Zahlen-Strategie noch mal überdenken.


ERGÄNZUNG: Die Kollegen von SEO Diver haben mir nach dem Artikel einen Testaccount zur Verfügung gestellt, damit wir uns auch deren Kurve mal anschauen können:

SEO Diver: Trifft den Traffic wie Searchmetrics Schnellanalyse.

Beim SEO Diver muss man unterscheiden zwischen der Suchreichweite und der statischen Sichtbarkeit. Dies hier oben ist die Suchreichweite, die auf der Wahrnehmung in einem „Panel“ beruht – also auf dem Verhalten von soodersoviel Menschen. Wie viele das genau sind, sagt Abakus Internet Marketing (Betreiber des SEO Divers) zum Schutz des Panels leider nicht, auch nicht wie die Daten genau erhoben werden. Uwe Tippmann erklärte mir mal am Telefon, das die Größe des Panels jedoch gut ausreichen würde, um zumindest den Traffic mittelgroßer bis großer Seiten ordentlich abzubilden.

Die sogenannte statische Sichtbarkeit, die lt. SEO Diver auf einem Keywordset von rund einer halben Millionen Keywords beruht, sieht so aus:

Auch ähnlich: Statische Sichtbarkeit im SEO Diver

Dies nur zum Vergleich, weil man ja nicht immer nur die Bilder von Searchmetrics und Sistrix sehen will. Deshalb vielen Dank an die Kollegen von Abakus für den Testaccount!


Ich wiederhole also: Der Traffic und die Visibility sind unterschiedliche Werte!

Zur Erklärung, warum das so sein muss (und gar nicht anders sein darf) hier eine der vielen Eye-Tracking Studien, was die User auf den Suchergebnissen sehen (und auch eher klicken):

1,2,3 ...10: Schluss mit gucken!

Knapp übersetzt: Die ersten paar Positionen in den Suchergebissen werden gesehen – auf die Positionen 11 bis 100 gucken vermutlich nur ein paar unverdrossene User mit sehr viel Zeit, die es ganz genau wissen wollen. Und natürlich Searchmetrics und Sistrix. Stellen sich zwei Fragen:

  1. Warum anlysieren die Tools denn nicht einfach nur die ersten, ein, zwei Ergebnissseiten und errechnen dann den vermuteten Traffic?
  2. Wie kann ich denn sonst den SEO-Traffic abschätzen?

Zunächst zu Frage 2: Wie kann ich den Traffic abschätzen?

Antwort auf die zweite Frage: Natürlich mit einem einem Tool, das dafür gebaut wurde. Zum Beispiel Google Analytics. Wer will denn  monatlich ein paar hundert Euro dafür zahlen, das zu sehen, was man kostenlos bekommen kann?

Na gut, man möchte ja auch den Traffic der Konkurrenz abschätzen. Das geht natürlich nicht ganh so einfach, aber zumindeste Searchmetrics kann da helfen. Ich schnappe mir die Performance-Daten, schmeiß die in ein Excel-Chart und kann dann den vermuteten Traffic  recht einfach addieren. Denn für jedes Ergebnis errechnet das Tool eine geschätzte Traffic-Zahl. Die ist zwar auch nicht so richtig genau – aber man kann damit ein ganz gutes Bild des „Mindest-Traffics“ erstellen. Ich habe das für Kundenseiten gecheckt und zumindest bei großen Portalen ganz gute Ergebnisse damit erzielt. „Absolut“ – also in Zahlen ist das mit Vorsicht zu genießen (denn auch acht Millinen Keywords sind nicht „alle“). Aber wenn ich das auch mit meinen eigenen Zahlen mache und den Faktor zum Traffic aus Google Analytics errechne und dazurechne, passt das sogar ziemlich gut innerhalb von Themengebieten…

Wichtigere Frage: Warum analysieren die Tools denn 100 Positionen, wenn zehn reichen würden?

Weil Searchmetrics und Sistrix professionelle Daten für professionelle SEO-Analysen liefern wollen. Denn an den Daten ab Position zehn sehe ich die eigentlich wichtigen Dinge, zum Beispiel:

  • Eine Penalty erkennt man oft daran, dass die Ergebnisse z.B. um 30 oder 60 Positionen nach hinten geschoben werden. Wenn ich also um die Positionen 30 – 40  einen Bauch habe, ist eine Penalty wahrscheinlich. Ich sehe also „da hinten“ manchmal den Grund für miesen Traffic.
  • Steigt der Traffic plötzlich an, kann dies daher kommen, dass ich für Keywords, für die ich schon auf 20-30 war, nun besser gerankt habeoder dann ich für neue Keywords gefunden werde. Aus SEO-Sicht ist das ein wirklich großer Unterschied! Den würde ich aber nicht sehen, wenn ich nur auf den Traffic blicken würde.
  • Bei einer stabilen Traffic-Kurve deuten sich (auch größere) Veränderugen manchmal durch Verschiebungen in den hinteren Rängen an. Wer professionell SEO betreibt, möchte das gerne wissen.

Geschichte einer Penalty: suche.chip.de

Dies nur mal drei Argumente, warum ich Searchmetrics und Sistrix dafür dankbar bin, dass sie nicht nur den Traffic abbilden, sondern tiefer graben. Ob wirklich immer 100 Positionen angeschaut werde müssen, kann man diskutieren. Wichtig ist aber, dass ich wirklich weiß, was „da unten“ alles passiert. Im Bild rechts übrigens die Übersicht der Subdomain suche.chip.de im August 2009, im Dezember 2009 und in der ersten Januar-Woche 2010. Die meisten Leser hier müssten wissen, was man da eigentlich sieht…

Fazit + ein vielleicht dämlicher Vergleich

Wenn ich in den nächsten Wochen wieder zu einem Segeltörn aufbreche, schaue ich sehr begeistert auf die Wellen und das Wasser um mich herum. Und wenn ich ganz genau schaue, dann sehe ich bis zu zwei Meter tief ins griechische Wasser. Genau so tief reicht auch unser Kiel.

Ich würde mich aber nicht nach draußen wagen, wenn es kein Echolot an Bord gäbe, das mir sehr genau sagt, wie weit der Grund tatsächlich entfernt ist. Aus Sicht aller Nicht-Segler ist es zwar egal, ob der fünf oder fünfhundert Meter unter dem Kiel ist. Aber wir alten Seebären wissen freilich, dass es verdammt wichtig sein kann, die Situation auch mehrere Meter unter meinem Kiel genau zu kennen…

Und so ist das halt auch mit SEO 😉

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (5)

  1. Jojo

    Dem sei vielleicht noch angefügt, dass die Toolanbieter bei der Berechnung der Sichtbarkeit natürlich Platzierung als auch Suchvolumen mit einbeziehen.

  2. Eric Kubitz (Beitrag Autor)

    Jepp! In den meisten Fällen jedenfalls. In den Tabellen hat man das sogar alles recht übersichtlich vor sich liegen und kann dann fröhlich selber Daten so aggregieren, wie man das gerne hätte.

  3. Uwe

    Hi Eric,

    danke für den Nachtrag zum SEO DIVER. Vielleicht sollte man anmerken, dass der SEO DIVER ausschliesslich die Reichweite aus den organischen Ergebnissen berechnet. In deiner Grafik suchmaschinen-1.png (Google Analytics) ist ja sämtlicher Traffic aller Suchmaschinen bezahlt UND unbezahlt – also eingekaufter und organischer Traffic enthalten! Ich vermute, dass die Zahlen, rein auf den unbezahlten Google Traffic runtergebrochen, doch ein wenig unspektaktulärer im Wachstum zum Ende hin ausgesehen hätten… gerade der starkte Anstieg am Ende sieht mir nach überdurchschnittlich „zugekauften“ Traffic aus – vielleicht auch saisonal getrieben – wie bei einer Seite aus dem Tourismus-Bereich.

    Wenn du die Chance hast, poste doch zum Vergleich auch mal den Analytics Chart für den gleichen Zeitraum nur halt reduziert auf den reinen unbezahlten organischen Google Traffic.

    Danke Uwe

  4. Eric Kubitz (Beitrag Autor)

    Hey Uwe,
    nee, kein bezahlter SEO-Traffic. Die haben leider keinen Euro für AdWords. Und auch nicht mal News oder maßgeblich Images. Ich schicke dir gerne mal die Segmente-Auswertung „bezahlte“ und „unbezahlte“ Suchzugriffe aus Analytics. Aber für das Posting hier sollten das genug Bilder gewesen sein.
    Grüße Eric

  5. Michael Zachrau

    Konsequenterweise sind auch die Rankings der nachfrage-stärksten und CPC-höchsten Traffic-Keywords (einer Mikro-Branche) in einer Tiefenanalyse bis zur Position 500 zu monitoren. Da kommt man natürlich mit Searchmetrics, Sistrix und SEOlytics und dem SEO Diver nicht weiter. Wir setzen da auf ein selbstentwickeltes Tool.
    So erkennt man frühzeitig erfolgreiche Manöver der Wettbewerber und eigene Potentiale und Probleme. Dies wird mit den Webmaster-Tools abgeglichen und konsequent auf CTR getrimmt.
    Gute SEO ist wie dann ein wenig wie AdWords-Optimierung, nur billiger und nachhaltiger.

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