Was, wenn ich einen bezahlten Backlink einfach lösche?

SEO-FrageFrage: Ich habe für das Setzen eines Backlinks Geld bekommen. Jetzt wird mir das zu heiß und ich will den Link wieder raus nehmen. Die Linkbuilding-Agentur hat mit mir keinen Vertrag geschlossen, in dem eine Mindestlaufzeit oder ähnliches steht. Kann ich den Link einfach raus nehmen oder zumindest auf „nofollow“ setzen? (Georg)

Antwort: Endlich stellt mir jemand diese Frage. Ich bin zwar echt kein Jurist, aber ich habe dazu eine Meinung…

Was bisher geschah

Vor einigen Wochen hast du eine E-Mail oder einen Anruf mit einer Backlink-Anfrage bekommen und mit „ja, ich will“ geantwortet. Dafür hast du etwas Geld bekommen aber keinen ausführlichen Vertrag, weil die Linkbuilding-Agentur dich ja nicht erschrecken wollte.

In der Zwischenzeit warst du von dem Geld lecker essen und in dir gären schwere Gedanken:

  • Google hasst verkaufte Links und könnte dich dafür bestrafen. Was, wenn deine Seite wegen der paar Euros eine Penalty bekommt?
  • Du hast irgendwo gelesen, dass verkaufte und nicht entsprechend gekennzeichnete Links rechtlich problematisch sind.
  • Und wenn du an deine User denkst, bekommst du ein schlechtes Gewissen.

Nun, also: Der Link muss weg. Aber: Kannst du ihn einfach wieder ausbauen? Oder musst du dann das Geld zurück zahlen? Oder noch schlimmer: Klingelt dann ein Typ mit Baseballschläger in der Hand an deiner Tür?

Der Link muss weg. Darf er auch weg?

Den Linkeintreiber lassen wir mal weg, den gibt es nicht. Aber die Frage ist: Hast du einen Vertrag geschlossen, der dich zwingt, den Link oder gar die Seite auf ewig mit dem Backlink zu belassen?

Es spricht einiges dafür: In Deutschland gilt grundsätzlich Vertragsfreiheit. Es muss deshalb nicht alles schriftlich fixiert sein, an was man gebunden ist. Es kann auch genügen, dass sich beide Handelnden darüber einig sind, was vereinbart wurde – also was eigentlich gemeint ist. Außerdem kann man ja ein verkauftes Auto auch nicht einfach wieder zurück fordern. Wenn man sich einmal geeinigt und den Deal vollzogen hat, ist doch alles klar. Oder?

Und trotzdem: Natürlich darfst du den Link wieder ausbauen!

Vielleicht musst du das sogar. Denn du hast etwas verkauft, was du eigentlich nicht verkaufen darfst bzw. kannst: Werbung auf deiner Webseite, die nicht als Werbung gekennzeichnet ist. Das ist – jedenfalls in Deutschland – nicht in Ordnung.

Ich bin kein Jurist, aber bin mir schon alleine deshalb sicher, dass die Linkbuilding-Agentur dich niemals vor einen Richter zerren wird. Denn sie hat für etwas bezahlt, von dem ihr beide wissen solltet, dass es nicht gestattet ist. Damit meine ich nicht die Google Webmasterrichtlinien, sondern das Wettbewerbsverbot.

Auf was will also die Agentur klagen? Und wie soll ein Richter über einen Vertrag befinden, den es nicht geben dürfte?

Wenn ich so etwas äußere, werde ich immer wieder darauf hingewiesen, dass so etwas „natürlich!!!!“ schon vor einem Gericht verhandelt wurde. Doch in diesem Fall ging es darum, ob zwischen Linkbuilding-Kunden und Linkbuilding-Agentur ein Werksvertrag besteht und auch der Erfolg geschuldet ist. Das ist etwas ganz anderes und betrifft nicht eine mündliche oder schriftliche Vereinbarung zwischen Publisher und Agentur. Das nur, damit wir darüber nicht wieder ewig diskutieren müssen…

Die Situation ist ohnehin ziemlich unübersichtlich und es gibt einige Fragen, die irgendwie unklärbar sind:

  • Müsstest du den Vertrag auch erfüllen, wenn du eine Google-Penalty bekämst? Könnte dich also der eine Link dazu zwingen, nicht aus der Penalty heraus zu kommen?
  • Was, wenn der Kunde dir eine (andere) Linkabbau-Agentur auf den Hals hetzt, die von dir verlangt, dass der Link wieder raus kommt? Müsstest du den Vertrag mit der ersten Agentur weiterhin erfüllen?
  • Was, wenn du einfach ein „nofollow“ auf den Link setzt? Oder, weil das evtl. im Vertrag ausgeschlossen ist, der Seite eine  404-Statusmeldung gibst?
  • Und was, wenn auf deiner Seite veröffentlichst, dass du einen Link verkauft hast und Agentur und Kunde nennst? Das werden die auch nicht wollen.

Wie auch immer. Ich denke schon, dass du den Link auch einfach wieder ausbauen kannst. Jedoch:

So geht das aber auch nicht!

Um ganz ehrlich zu sein: Ich komme mir schlecht vor, wenn ich hier schreibe, dass und wie man aus einer getroffenen Vereinbarung heraus kommt. Denn von einem moralischen Standpunkt aus muss ich sagen, dass ich es wirklich mies finde, wenn man einmal getroffene Versprechen nicht einhält. Jeder, der sich ein bisschen mit SEO beschäftigt sollte nämlich wissen, auf was er sich bei einem Link-Deal einlässt. Und wenn nicht, hätte er früher misstrauisch werden sollen….

Trotzdem, der Link muss weg, weil du ja sonst nicht mehr schlafen kannst. Deshalb empfehle ich dir folgenden Weg:

  1. Setz dich mit der Linkaufbau-Agentur in Verbindung.
  2. Schildere deine Bedenken und stelle sie vor die Wahl, dass du den Link ausbaust oder ein „nofollow“ drauf haust. Wenn der Link in einem von der Agentur verfassten Text steht, dann biete an, dass dieser gelöscht wird.
  3. Biete an, dass du einen Teil des bezahlten Preis zurück zahlst! Wenn die Agentur darauf verweist, dass du Geld bekommen hast, biete an, einen Teil davon zurück zu zahlen. Ich würde – falls nichts vereinbart wurde – von einer Laufzeit von einem Jahr ausgehen und den Anteil entsprechend der übrig gebliebenen Zeit berechnen.

Ich weiß, das macht mehr Arbeit und möglicherweise sogar Ärger. Aber anders geht es halt nun mal nicht, wenn man in einer Welt leben möchte, in der man sich auch auf andere verlassen will.

Der Vorteil dieses Wegs wird sein, dass du zumindest von dieser Agentur nie mehr eine Link-Anfrage bekommst. UND: Du kannst dir morgens und abends im Spiegel weiterhin in die Augen schauen.

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (4)

  1. Martin Friedrich

    Gute Beantwortung Eric! Die Frage ist hier jedoch, ob der Link wirklich als gekaufter Link zu erkennen ist. Ich nehme mal an ja, da Georg sonst hier nicht die Frage gestellt hätte.  Gekaufte links aus dem Content heraus, kann google meiner meinung noch nicht identifizieren. Woher soll Google auch entscheiden können,  welche gekauft und welche nicht gekauft wurden. Sicherlich kann Google beurteilen ob ein Link nachträglich in einen gewissen Inhalt eingepflegt wurde. Nur dies kann ja auch aus anderen Gründen geschehen sein. Beispielsweise weil man nachträglich noch einen sehr interessanten Artikel verlinken möchte,  den es bei der eigentlichen Contenterstellung vielleicht noch nicht gab.  Um das jetzt noch mal klar zustellen, ich bin ganz und gar gegen gekaufte Links. Nur wenn man sich wirklich auf den Teufel einlassen möchte und solch einen Deal mit einer Linkbuilding Agentur eingehen möchte, dann sollte man den Link so in den Inhalt einfplegen, das er natürlich aussieht und man halt nicht nach einigen Wochen und Monaten sich aufgrund von Gewissensbissen für die Entfernung des Links entscheidet. Denn die Nichtteinhaltung eines solchen mündlichen Vertrages, finde ich dann dem anderen gegenüber auch sehr unfair!

  2. eric108

    Oh, da gibt’s verschiedene Wege. Etwa wenn Google woanders diese Links als gekauft identifiziert hat oder der Inhalt nicht passt oder mies ist. Und ja, ich denke auch nicht, dass die Leute Schmarotzer sollten. Trotzdem ist die Position der Agentur rechtlich instabil.
    Besser man überlegt sich das vorher. Aber wenn man das nicht getan hat, sollte ein Rückzug möglich sein.

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