Muss ich Angst vor „Negative SEO“ haben?

SEO-FrageFrage: Ein Artikel auf meinem Blog erhält von mehreren Seiten (mittlerweile mehr als 10) Backlinks. Die Whois-Abfrage zeigt aber, dass alle Seiten zum Betreiber einer SEO-Agentur gehören. Die Seiten sind mit keinem hochwertigen Content ausgestattet, wirken wie 0815-SEO-Blogs. Die verlinken Artikel sind immer gleich aufgebaut: Das Thema passt, dazu zwei Links zu Shops oder ähnlichem und immer mein Artikel dazu verlinkt.

Ich habe den Eindruck, dass die Agentur versucht meinen Artikel in kurzer Zeit mehrfach zu verlinken, damit Google den Eindruck erhält, ich würde schlechtes Linkbuilding betreiben. Meinst du die Sorge ist berechtigt? Sollte ich etwas unternehmen? (Viktor)

Antwort: Du hast Sorgen, dass ein Wettbewerber dir mit so genanntem „Negative SEO“ eine reinlatzen will. Ich denke, solche Sorgen sind in Penguin-Zeiten irgendwie schon berechtigt. Jedenfalls, was man so hört. Und jedenfalls ist das auch ein heikles Thema, weil man auch nicht so genau sagen kann, was geht und was nicht. Aber ich würde an deiner Stelle dies tun:

  1. Check doch mal nach, ob diese zehn Links bei dir überhaupt ins Gewicht fallen. Wenn ansonsten eine starke und weitgehend un-spammige Verlinkung auf deine Seite zeigt, solltest du dich wohl tatsächlich besser mehr um guten Inhalt als um irgend einen durchgedrehten Konkurrenten kümmern. Schau dann, ob die Zahl dieser Links noch steigt…
  2. Da du weißt, wer das ist, rede mit dem Kollegen einfach mal. Ich bin mir sicher, dass sich ganz schnell etwas tun wird, wenn du mal in Ruhe mit dem Kerl telefonierst. Vielleicht hält er es ja für so etwas wie ein Authoritäts-Signal an Google, wenn er eine starke andere Domain verlinkt. Das war vor einigen Jahren eine (seltsame) Strategie: Verlinke jemanden, den Google für o.k. hält, dann wird dich Google auch für o.k. halten. Naja, vielleicht ist er noch in irgend so einem Kram gefangen. Sprich das mit ihm durch, vielleicht hat er dann auch eine Frage an mich – die beantworte ich dann gerne hier 😉
  3. Falls du mit dem Kollegen nicht klar kommst, kannst du ja auch die Links entwerten. Warum nicht? Du willst diese Links nicht, er will sie aber dort lassen. Also nutze das Disavow-Tool von Google, genau dafür ist es ja wohl gemacht. Dann ist der Fall für dich abgeschlossen.

Eine Alternative dazu wäre, den Blogbeitrag einfach auf 404 zu setzen. Dann gehen die Backlinks auch ins Leere. Aber wer will das schon machen? Ich gehe davon aus, dass das ein guter Beitrag ist – deshalb gehört der auch in den Index!

So, das fällt mir dazu ein. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn IHR, liebe Leser, in den Kommentaren noch mehr Rat für den Viktor habt. Mir fehlt die wirklich tiefe Erfahrung mit „Negative SEO“…

 

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (5)

  1. Futuretrader24

    guter Inhalt, toller Post thx…

  2. MaxBloch

    Gerade bei größeren Agenturen kann die Blogpflege schon mal ein Werkstudent übernehmen, der jetzt im Thema SEO nicht so drin ist.
    Bei richtigem negative SEO würde ich viel massiver vorgehen (viel mehr Links aufbauen) und das dann nicht von meinen Seiten machen. Dir zu schaden, liese sich jedenfalls echt leichter umsetzen.
    Ich denke viel mehr, dass du vielleicht echt ganz guten Content in einem Bereich geschaffen hast, den auch deren Kunden bedienen. Um das Linkbuilding für die Kunden authentischer zu gestalten, hat man eben nicht nur diese verlinkt, sondern auch deinen Blogs. So eine Art „Authority-Link“ im kleinen Stil. Eine Seite zu verlinken, die nicht zum Netzwerk gehört ist dabei wohl auch gar nicht dumm. Es wurde eben nur nicht gut gemacht und zu oft dein Beitrag verwendet.
    Ich sehe das wie Eric. Erst einmal mit einem Gespräch versuchen, sollte das nicht fruchten –> Disavow Tool

  3. ganzernsthaft

    MaxBloch  Stimme Dir zu, mit ziemlicher Sicherheit arbeitet da jemand exakt ab, was er vorgegeben bekommen hat und dazu gehört für die meisten 08/15-Agenturen eben auch ein Authority-Link. Gerne zu Wikipedia, Focus, SpOn oder der Süddeutschen. Aber hey, dieses Muster wird Google garantiert nicht durchschauen 😉

    Ganz ehrlich: Ich würde so lange nichts unternehmen, bis nicht wirklich etwas passiert. Auch ich habe Projekte, bei denen z. T. seit 2 Jahren solche Links bestehen und meine Seite als „Autorität“ verlinkt wird. Solange dazu nicht vollkommen maßlos „Money-Keywords“ verwendet werden, würde ich mir keinen Stress machen.

    Viele Grüße,
    Christoph

  4. MiladinMechenbier

    …alles gesagt.
    Bei solch‘ kleinen Problemchen ist es natürlich noch sehr überschaubar, bei wirklich vielen Links muss man natürlich etwas bissiger vorgehen – einen Initiator bekommt dann eh nicht zu greifen.
    Unschönes Thema, aber nichts, woran man verzweifeln muss…

  5. ronnym1982

    Habt ihr denn schon einmal tatsächlich den Effekt von negativem SEO messen können? Ich meine mich erinnern zu können, bei einem seiner Webmaster-Videos von Matt Cutts mal gehört zu haben, dass man sich deswegen keine große Sorgen machen müsste. Im besten Fall bekommt man sogar Backlinks, die einem sogar eher helfen als schaden können.
    Ich fänds mal spannend ein echtes Beispiel dazu kennen zulernen.

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