SEO Kurz-Check in 15 Minuten

Schnell mal die Übersicht bekommen: Dank der großartigen Tools, die wir hier in Deutschland haben, dauert ein schneller SEO-Check einer Domain gerade mal eine Viertelstunde – wenn man sich ein wenig beeilt 😉

Dazu braucht man auch keine Google Webmaster Tools und keine riesigen Datentabellen. Denn im Gegensatz zum SEO-Check, den Christoph vor einigen Monaten zusammen gestellt hat, geht es hier nicht zum eine tiefe Analyse, sondern um einen Schnappschuss zur Beurteilung. Übrigens: Ich zeige hier einige Grafiken aus der Searchmetrics Suite. Aber mit einem anderen Tool kommt ihr genauso weit.

1. Sichtbarkeit, Visibility

Selbstverständlich gilt der erste Blick immer der Sichtbarkeit oder der Visibility – je nachdem, wie das gerade genannt wird. Es geht darum, wie hoch die Reichweite einer Seite in den Google-SERPs ist. Hierbei spielt nur um die Masse eine Rolle – und nicht um die Qualität (also die Sichtbarkeit innerhalb der eigenen Keywords). Aber Penaltys oder gelungene SEO-Arbeiten lassen sich hier sehr gut ablesen.

Ideal ist, wenn man diese Sichtbarkeit im Vergleich zu anderen, ähnlichen Domains analysiert. Denn dann sind Google Updates und Branchen-Schwankungen besser zu erkennen und können bei der Bewertung der Domain hinein oder heraus gerechnet werden.

2. SERPs Spreading

Zweiter Blick: Das SERPs-Spreading. Wir gehen also der Frage nach, auf welchen Suchergebnis-Unterseiten befinden sich die gefundenen Keywords? Selbstverständlich ist für den Traffic nur die erste Seite relevant. Für die Suchmaschinenoptimierung sollte man aber alle im Blick haben. Schauen wir uns hier das SERPs-Spreading von Ciao an:

Vor allem der Zeitverlauf zeigt, dass Anfang Juni hier etwas passiert ist. Die Seite 1 ist nach oben geschossen, die Seiten 3 und 4 nach unten. Also alles gut seitdem für Ciao? Nein! Denn wir sehen hier relative Zahlen. Und da sich Anfang Juni für Ciao sehr viele Ergebnisse auf den 3 und 4 ins Nirvana verabschiedet haben sind die Ergebnisse auf Seite eins zwar nicht mehr geworden – aber relativ zu allen anderen bekamen sie mehr Gewicht. Dies nur als Beispiel hierfür, dass man nicht zu eindimensional denken darf – auch, wenn es sich hier um einen Schnell-Check handelt.

3. Ranking Check

Nun schauen wir uns an, wofür die Seite eigentlich rankt. Hierzu werfen wir erstens einen Blick auf die Top-Rankings in den Search Analyse Tools. Das sind die Keywords, die am meisten Traffic erzielen oder mit denen man auf tollen Plätzen ist.

  • Passen diese Rankings inhaltlich zur Seite?
  • Hat die Seite damit – ganz intuitiv gesehen – eine Chance?

Das ist sehr wichtig, denn wenn ich etwa eine Bank betreibe und super Rankings für „Wetter“ oder „Kunstausstellung“ habe, ist das möglicherweise hübsch für die Markenführung und die Sichtbarkeits-Kurve. Aber Kunden werde ich damit nicht anlocken. In der Searchmetrics Suite kann man sich hier auch die Branchen-Auswertung anschauen. Hier ist zu erkennen, aus welchen Branchen das Gros der Keywords kommt. Auch hier: Passt das?

 

Zweitens geben wir in die Google-Suche „site:domain.de“ ein und schauen uns an, was dort weit oben erscheint. Sind das die starken Seiten, die man erwarten würde? Oder ist das die Startseite des Forums und die AGBs? Wenn das der Fall ist, sollte man wohl an der Seitenarchitektur ein wenig arbeiten…

4. Der Content, die Darstellung

Und jetzt schauen wir mal auf die Seite. Das klingt wie ein Witz (und ich hoffe, ihr seid schon vor der Analyse ein wenig darauf herum gesurft) – aber erst jetzt lohnt sich ein genauerer Blick in den Inhalt. Ich empfehle, nach drei typischen Seitenarten zu suchen:

  1. Homepage
  2. Kategorie Seiten
  3. Beitrags- bzw. Produktseiten

Es gibt häufig noch reichlich andere Seiten (Forum, Blog u.s.w.). Diese sind für das Geschäftsmodell aber meist nicht soooo wichtig. Deshalb schauen wir uns diese drei zuerst an. Und wir achten bei allen dreien auf:

  • Title
  • Description
  • URL
  • Heading
  • Content

Wie das jeweils zu bewerten ist, kann man im ausführlichen SEO-Check oder sonstwo hier auf SEO-Book prima nachlesen. Nur soviel: Guter Inhalt ist wichtig – aber auch die Darstellung in den Google-SERPs und damit Title, Description und URL.

5. Duplicate Content Check

Ohne den Einsatz von Tools ist man hier nun auf seine Intuition angewiesen: Welcher Inhalt auf der Seite ist nicht unique? Ich habe bisher immer welchen gefunden. Entweder interner Duplikate Content (etwa durch dämliche Parameter oder weil der Inhalt tatsächlich mehrfach verwendet wurde) oder/und externer Duplikate Content. Hierzu kann ich Copyscape empfehlen:

6. Domain-Popularität

Einige SEOs sind schon nervös geworden, weil ich noch gar nicht die Backlinks angeschaut habe. Das ist aber auf die Schnelle auch gar nicht so einfach. Kurz und knapp kann man eigentlich nur empfehlen, sich mit der Domain-Popularität zu beschäftigen. Also: Von wie vielen Domains bekommt unsere zu untersuchende Seite denn Links? Und wie schaut das im Vergleich zu der direkten Konkurrenz aus.

Das ist zwar ein etwas wackliges Datum. Aber mit ein klein wenig Erfahrung kann man beim Durchblättern der Links erkennen, dass Links aus östlichen Ländern und/oder von Domains mit „seolinks“ oder „linkverzeichnis“ irgendwie nicht so günstig sind… Faustregel: Seiten die mies aussehen sind in der Regel noch mieser.

7. Backlink Diversity

Und nun zur Link Diversity: Wie schaut das Linkprofil der Seite aus? Auch dieses sollte man mit der Konkurrenz vergleichen. Folgende Faktoren spielen eine Rolle:

  • Homepage Links vs. Deeplinks
  • Anchor Text mit Keyword oder mit Marke bzw. Domain
  • Verhältnis follow und nofollow
  • Textlinks, Bildlinks, Weiterleitungen, Javascript
  • Herkunft nach Ländern
  • Seitentypen (also Herkunft von Shops, Foren, Blogs, Webverzeichnissen oder News-Seiten

Folgendes Bild schreit ein wenig nach einer Seite, die Blogspam betrieben hat. Das wird spätestens beim Penguin-Update nicht soooo gut angekommen sein.

Zahlen, Daten, Bauchgefühl

Habe ich eingangs die wirklich tollen SEO-Analyse Tools in Deutschland gelobt, muss ich am Ende ergänzen, dass natürlich auch Erfahrung und Intuition dabei sein muss, wenn man in 15 Minuten einen SEO-Check durchführen will. Es gibt meiner Kenntnis kein Tool, das dies vollautomatisch erledigt – und das wird es auch nicht geben.

Aber ich freue mich natürlich auf Kommentare und Kritik. Denn möglicherweise habe ich in dieser schnellen Nummer ganz wichtige Checks vergessen.

Und was heißt das alles? Einfach machen, üben und Erfahrungen sammeln. Viel Spaß dabei. 

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (3)

  1. Rene Dasbeck

    Ich hab das Gefühl du willst dich zur Ruhe setzen. 😉
    Sehr gute Übersicht. Danke dir dafür!

  2. eric108

    Wenn das reichen würde, mich zu ersetzen, wäre es tatsächlich höchste Zeit, mich zur Ruhe zu setzen 😉

    Wobei die Idee prima ist. Mir fehlt nur ein wenig das Geld dazu…

  3. Rene Dasbeck

    Noch ein paar Relaunches von uns… dann kannst du sicher 3 Jahre früher gehen. 🙂

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