Über externe Blogs, Keyword-Domains und verwesende SEO-Monster

Frage: Als SEO-Maßnahme werden wir in Zukunft einen Blog schreiben, der natürlich unter einer anderen Domain erscheinen wird. Sollen wir lieber eine eigene Keyword-Domain nehmen oder das auf WordPress oder Blogspot machen? (Kalle)

Antwort: Mensch Kalle! Du surfst mit dieser Frage wirklich auf einer ganzen Flut von Vorurteilen – die aber leider falsch oder zumindest sehr zweifelhaft sind. Deshalb werde ich zwar auf deine Frage nicht antworten, aber vieles andere gerade rücken.

1. Wer schreibt schon einen Blog für SEO?

Gleich am Anfang: Das Schreiben eines Blogs ist KEINE SEO-Maßnahme. Wenn du oder jemand in deinem Team einen „Schreibdruck“ verspürst und in deinem Themengebiet etwas zu sagen hat, mach deshalb einen Blog. Ansonstenversuche es lieber mit einer anderen Maßnahme. Denn die alten Zeiten, in denen Google langweilige Blogs gefressen hat, weil nichts anderes da war, sind vorbei.

Ein Blog funktioniert (auch für SEO) nur, wenn er gelesen und kommentiert wird. Wenn er zur Diskussion anregt oder zumindest mal regelmäßig informiert. Um damit zu starten, braucht es wirklich mehr als eine Domain, eine WordPress Installation und ab und zu einen Beitrag. Glaub mir: Nur für SEO lohnt sich das nicht. Und wenn ihr das nach einem halben Jahr auch merkt und das Experiment einstellt, dann habt ihr eine Menge Zeit verschwendet.

2. SEO macht man auf der eigenen Domain!

Falls du trotz meines Kommentars oben entschlossen bist, einen Blog zu starten – dann mach das auf deiner eigenen Domain in einem Verzeichnis. Warum? Weil ein Blog (wenn er engagiert und gehaltvoll ist) vermutlich auch Links auf sich zieht. Und die sollen ja der ganzen Domain zugute kommen. Was bringt dir das, wenn die statt auf dein Hauptprojekt auf ein nicht monetarisierbares Nebenprojekt zeigen?

Ach, du willst den Blog machen, damit du DAVON externe Links bekommst? Nun: Die Links deines Blogs sind so wertvoll, wie die Links, die auf diesen zeigen. Mit anderen Worten gesagt, würde er auf einer anderen Domain seine externen Links entgegen nehmen, und abgewertet auf deine Hauptdomain umleiten. Aber wozu sollte dieser Umweg gut sein?

Du denkst, durch einen Blog auf Blogspot oder WordPress die Linkkraft dieser riesigen Domains abgreifen zu können? Träum weiter. Es gibt auf allen Blog-Plattformen sehr gute Blogs aber auch riesig viel Spam. Meinst du, Google hätte das noch nicht bemerkt?

Du willst den Blog auf einer anderen Domain machen, weil er als Content nicht vorzeigbar ist? Du willst deine Hauptdomain nicht mit einem solchen Inhalt „beschmutzen“? Dann geh bitte zurück auf Start und lies dir noch mal den ersten Punkt oben durch.

3. Keyword-Domains sind – jedenfalls für dich – keine Lösung.

Lassen wir mal die anderen darüber diskutieren, ob seit dem EMD-Update die Keyword-Domains nun tot sind oder nicht. Schon immer haben diese aber den Sinn gehabt, für exakt ein Keyword gut zu ranken. Nämlich für das in der Domain stehende Keyword. Und wenn die Domain www.keywordXY.de auch für „keywordUV“ gut rankt, hat das den Grund, dass der Betreiber gutes SEO gemacht. Einen Keyword-Bonus gibt Google dafür definitiv KEINEN.  Warum auch?

Wieso also auf einer Keyword-Domain bloggen? Damit der Blog genau für dieses Keyword gefunden wird aber die User sich darüber wundern, dass hier ein Blog und keine Produkt-Seite steht?

Da fällt mir ein: kopierte Seiten sind auch KEIN SEO

Gerade werden wir ja auch von Kunden gebeten, mal ihre Link-Detox-Liste anzuschauen. Ich bezweifle ja, dass es eine gute Idee ist, ohne Brief von Google oder eine Penalty mal eben einen Sack voller Links in das Disavow-Tool zu schmeißen. Aber mal davon abgesehen: Beim Durchschauen der Backlinks von Marken-Sites blickt man sehr tief in den nach Verwesung stinkenden Rachen ziemlich toter SEO-Monster.

Irgendwer muss vor einigen Jahren die Parole vor sich hin gebrabbelt haben, das es toll ist, unter jeweils unterschiedlichen Domains immer gleiche Seiten zu veröffentlichen. Ihre vermeintliche Seriosität „beweisen“ diese Seiten dann meist, indem sie auf gute Marken linken. All diese totgeborenen Linknetzwerke gammeln aber heute noch irgendwo herum und wir müssen uns dann diesen Mist anschauen. Und weil das nervt, noch einmal zum Mitsprechen:

Das Veröffentlichen von immergleichen Inhalt unter verschiedenen Domains ist KEIN SEO sondern eine lästige und sinnlose Zeitverschwendung!

Besser: Mach engagierten Inhalt und präsentiere ihn stolz

Vergiss also mal kurz alle SEO-Spielchen und überlege, welcher Zielgruppe du (oder jemand aus deinem Team) etwas zu sagen hat. Dann nimmst du diese Zielgruppe fest ins Visier und startest einen Blog, ein Magazin oder machst vielleicht auch nur eine Studie zu einem passenden Thema. Das Ergebnis davon solltest du auf deiner Hauptdomain veröffentlichen und deiner Zielgruppe Bescheid geben.

Oder du schnappst dir eines der vielen großartigen Onpage-Tools und optimierst damit deine Seite. Ich bin davon überzeugt, dass es auch bei dir da noch eine Menge zu tun gibt. Und das ist definitiv zielführender als einen halblebigen Blog auf einer schlecht verlinkten Keyword-Domain zu betreiben.

Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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