Content Marketing und das Storytelling

„Content Shock – oder: Ist die Content-Marketing-Party schon vorbei?“ nannte sich der Workshop von Markus Hövener, Geschäftsführer von Bloofusion auf der SEO Campixx. Dabei kam eine interessante und recht aktive Diskussionsrunde zustande. Auch, wenn wir wohl am eigentlichen Thema des Content Shocks vorbei diskutierten. Es gab wohl keinen, der die Gefahr sieht, dass via Content Marketing nun zu viel Inhalt ins Internet kommt.

Ein Thema war, ob Links denn wirklich wichtig sind oder ob beim Content Marketing nicht auch der brandbildende SEO-Faktor ähnlich wertvoll sei. Aber wir sind nun mal SEOs und denken viel über Links nach. Naja, auch Google registriert natürlich die Existenz einer coolen Marke. Ein Brand ist eben nur ein Brand, wenn er populär ist. Und populäre Inhalte möchte Google natürlich dem User zur Verfügung stellen, da die Popularität die Beliebtheit der breiten Masse wiederspiegelt. So besteht kein Zweifel an der Relevanz von Links, allerdings lässt sich wohl für die meisten Seiten die Aussage treffen: Ein Brand ist besser als kein Brand.

Einigkeit herrschte auch beim Argument, dass Content Marketing gerade für kleine und mittelständische Unternehmen noch großes Potenzial bietet, vor allem, weil eben echt geile, gute und teilenswerte Inhalte nicht immer ein riesiges Budget erfordern.

Leider ist die Qualität des Content Marketings noch nicht bei allen Unternehmen auf einem funktionierenen Niveau angekommen. Beispielsweise sollten Unternehmen auch das Seeding ernsthaft und qualitativ umsetzen. Interessante Zielgruppen wären – neben den üblich genannten Verdächtigen wie beispielsweise die Influencer, Websites oder Unternehmen – welche, die den Wert von Links noch nicht kennen.

Generell muss laut Markus Hövener im Bereich des Content Marketings gerade bei kleineren und mittelständischen Unternehmen die Schöpfungshöhe noch deutlich zulegen. Unternehmen müssen vor allem noch mehr von der klassischen Werbung und in den Aktionen von dem Bezug zu den Produkten weg. Der werbende Charakter muss einfach noch geringer werden, der unterhaltende oder informative hingegen mehr in den Vordergrund treten.

Quintessenz der Diskussion war, dass Inhalte einfach noch attraktiver werden müssen. Für Unternehmen, welche Content Marketing auf einem gewissen qualitativen Niveau betreiben, ist die Party also noch lange nicht vorbei. Halbherziges Content Marketing funktioniert jedoch nicht. Content Marketing-Inhalte werden nicht weniger und alle die meinen, dass es

Möglichkeiten des Content Marketings

Die große Version von der Illustration gibt es beim Copyblogger.

mit dem Erstellen einer Infografik getan sei, haben wohl keine allzu guten Karten.

Welche Möglichkeiten und unterschiedliche Medien den Unternehmern hierbei zur Verfügung stehen, fasst die Grafik rechts sehr gut zusammen.

Storytelling: Mit Geschichten zum erfolgreichen Content Marketing

Eine Möglichkeit seinen Content qualitativer und ansprechender an den Mann(/Frau) zu bringen, bietet das Storytelling.

Der Vortrag von Andreas Schülke (ebenfalls von Bloofusion) „Content und Storytelling – Wo kommen die Geschichten her?„ ergänzte sich hierzu sehr gut. (Die Folien dazu gibt´s hier)

Hier ging es unter anderem um Markenbildung und die Story, welche man darum gestalten kann. Aber auch andere interessante Fakten kamen auf den Tisch. Die Wirkung einer Marke wurde sogar aus neurologischer Sicht betrachtet und erklärt, was eine Marke oder die Wahrnehmung einer Marke denn im menschlichen Hirn auslöst. Zwar gäbe es kein explizites Gehirnarenal für die Verarbeitung von Marken (Was hat sich die Evolution dabei nur gedacht?), sie aktiviert jedoch bestimmte Regionen, welche normal für Emotionen und Belohnungen zuständig seien.

Jeder kennt das Phänomen: Man hört eine Marke oder sieht das Logo von ihr und hat sofort ein Bild oder Gefühl im Kopf bzw. Bauch. Folglich lautete einer der Botschaften, Charaktere zu erschaffen, welche eben solche Emotionen transportieren und einen derartigen Wiedererkennungswert besitzen, um noch als eindeutig individuell wahrgenommen zu werden. Ist dieser Charakter oder dieses Maskottchen erst einmal geboren, erleichtert es das Storytelling ungemein.

Ein sehr gutes Beispiel, mit dem seit inzwischen über 100 (!) Jahren erfolgreich gearbeitet wird, ist das Michelin Männchen, welches übrigens auf den Namen „Bibendum“ hört und uns vor den arglistigen Tücken des Straßenverkehrs schützt. Auch die M&M-Figuren, welche sich zwanghaft gegen ihren eigenen Verzehr versuchen zu wehren, sind wahrscheinlich mehr Menschen ein Begriff, als der Name so manchen Staatsoberhauptes.

Es müssen aber gar nicht Personen oder personifizierte Fantasiefiguren, sprich Maskottchen, sein. Auch Gegenstände, wie beispielsweise die Rügenwalder-Mühle sind gute Beispiele für das gelungene Erschaffen von Charakteren, die sich gut in Geschichten einbinden lassen. Natürlich ist jedem bewusst, dass das gezeigte Szenario lediglich eine Illusion ist. Wo sollen denn da auch alle ca. 380 Beschäftigten von Rügenwalder in der Mühle Platz finden?

Aber manchmal lässt sich der Mensch ja ganz gern etwas vormachen. Gerade bei Gegenständen lässt sich gut mit Gedächtnisspuren bzw. verankerten Erinnerungen arbeiten und dem Umworbenen eine nette Geschichte mit Erfahrungen aus der Vergangenheit assoziieren.

Wie stelle ich die Sache nun an?

Für ein erfolgreiches Storytelling sollte sich die Frage gestellt werden, für was das eigene Unternehmen steht (oder stehen möchte), wem es helfen soll und was es von der Konkurrenz unterscheidet. Andreas Schülke regt an, darüber nachzudenken, was die Mission und das Ziel des Unternehmens für die nächsten 10 Jahre ist. Zugleich sollte sich überlegt werden, wer denn angesprochen werden soll, sprich, für welche Zielgruppe die Aktion gedacht ist. Als Firmeninterner ist es nicht immer leicht, sich in die Kundenperspektive zu versetzen, da man öfters den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Um ein erfolgreiches Content Marketing zu realisieren ist es jedoch ein essenzieller Bestandteil, die Welt der Probleme, des Amüsements oder der Interessen mit den Augen des Kunden zu sehen. Nur so können beim Storytelling, wie auch im gesamten Content Marketing, die Punkte gefunden und behandelt werden, welche in den Interessensbereichen der Konsumenten liegen.

Ein Tipp von Andreas Schülke:

Bei der Geschichte an sich kommt es stark darauf an, diese nicht zu glatt und reibungslos zu gestalten, da Geschichten ohne Probleme und Hindernisse einfach langweilig sind. Es kann hierbei auch mit einer gewissen Offenheit über das eigene Unternehmen bzw. dessen Entwicklung erzählt werden.

Beispielsweise können so Unternehmen auch Rückschläge mit in Ihre Entwicklungsgeschichte mit aufnehmen und dementsprechend offen kommunizieren. Das ganze sorgt für eine gewisse Authentizität (welches übrigens eines der Lieblingsworte der SEO Campixx war).

Menschen lieben Geschichten

Resümierend lässt sich sagen, dass Menschen Geschichten lieben. Sie lieben aber gute Geschichten mehr und eine gute Geschichte benötigt gewisse Faktoren: Protagonisten mit Wiedererkennungswert, Problemstellungen oder Umstände, welche sich in der Welt der Kunden abspielen, manchmal ein gewisses Maß an Drama, eine Moral – und natürlich das richtige Publikum…

Link zur Infografik: http://netdna.copyblogger.com/images/content-and-branding-large.jpg

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Max Bloch

Das Thema "Online" begleitet Maximilian Bloch (29) seit inzwischen zehn Jahren. Er studierte Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Augsburg und war als SEO-Consultant bzw. Senior SEO-Consultant bei der CONTENTmanufaktur tätig. Momentan ist er als Senior Online Marketing Manager für die technische Suchmaschinenoptimierung der Allianz Deutschland AG verantwortlich und betreut mit seinem SEO-Atelier Kunden und Websites aller Größen hinsichtlich SEO, Online Marketing-Strategie und Workshops. Weiterhin übernimmt er eine Dozentenrolle für Suchmaschinenoptimierung bei der Akademie der Bayerischen Presse (ABP).

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