Amazon-Affiliate: Sind SEO-Nischenseiten tot?

Google scheint Amazon-Affiliate-Seiten plötzlich nicht mehr lieb zu haben. Deshalb waren solche Nischenseiten in den vergangenen Monaten und Jahren doch immer wieder Anlass zur Begeisterung in SEOhausen. Was also ist da los? Ein paar Gedanken dazu.

nischenseiten seo

Gefühlt bastelt jeder SEO begeistert an der einen oder anderen Nischenseite und verdient damit an den Krümeln, die Amazon (oder andere Shops) fallen lässt, wenn ihnen jemand einen Kunden vermittelt. Nun, sogar ich habe mir im vergangenen Jahr eine hübsche Keyword-Domain für eine schicke Nische geholt und angefangen, mit einem vorbereiteten Affiliate-Theme solch eine Seite zu bauen. Allerdings habe ich schnell die Lust verloren, nach Feierabend noch Texte zu schreiben und Produkte auszuwählen – statt Game of Thrones zu schauen.

Vielleicht war es aber auch einfach der Frust oder die Aussichtslosigkeit, die mir meine Nischenseite vergällt hat. Ein Rechenbeispiel: Wenn du für ein echtes Nischenthema (sagen wir mal „Kirschkernkissen“) sage und schreibe 12.000 Visits pro Monat hinbekommst, ist das sensationell! (Diese Zahlen kommen von Sabrina „SEO-Diaries“ Freier). Das braucht Begeisterung, Arbeit und viel SEO-Kompetenz. Die Webseite muss gebaut, die Affiliate-Accounts erstellt und nach passenden Produkten gesucht werden. Außerdem funktioniert eine Nischenseite nur mit wirklich gutem Inhalt – das ist nun schon seit Jahren so. Du musst also schreiben, Bilder suchen und evtl. selbst machen, möglicherweise Grafiken basteln – oder gar Produkttests durchführen. Zwei, drei Arbeitstage gehen dabei ganz schnell vorbei.

Wenn dann aber bei knapp 40.000 Besuchern bisher insgesamt 263 Euro Verdienst rausgucken, komme ich als Unternehmer ins Grübeln: Denn das ist ein Verdienst, der den Aufwand aus meiner Sicht nicht rechtfertigt. Man könnte einwenden, dass eine solche Seite – ist sie mal ordentlich gelistet – fast wie von selbst Geld verdient. Und, ja, ich denke auch, dass bei einem funktionierenden Projekt viel weniger Arbeit anfällt. Aber Arbeit bleibt trotzdem noch übrig: neue Produkte suchen und bewerten, Beratungs-Artikel aktualisieren, das CMS in Schuss halten u.s.w..

Das große Problem einer Nischenseite: es geht um eine Nische! Deshalb ist der Traffic nur begrenzt skalierbar. Und wenn 40.000 Besucher 270 € bringen, kann ich mit monatlich 20.000 Besuchern vermutlich zwischen 100 und 150 € verdienen. 20.000 Besucher auf einer Seite für Kirschkernkissen ist jedoch sicherlich ein Mega-Traffic. Wäre es keine Nischenseite, könnte man mit anderen Produkten skalieren – und vielleicht eher auf teurere Produkte gehen (die größere Krümel von Amazon einbringen). Aber es ist nun mal eine Nischenseite…

Hier noch ein paar veröffentlichte Daten von Nischenseiten. Wir kennen natürlich nicht die Zahlen vieler geheimer Top-Seiten, aber das gibt schon einmal einen Eindruck.

Und trotzdem: Nischenseiten sind super! Das meine ich im Ernst. Nämlich dann, wenn…

  • ein Hobby refinanziert werden kann. Denn in deinem Hobby kennst du dich eh gut aus und hast Spaß, darüber zu schreiben. Dann geht es schneller und macht mehr Spaß.
  • die Nische sehr einträglich ist. Wenn also die Krümel besonders groß sind. Teure, exklusive Produkte, die aber trotzdem häufig gekauft werden.
  • die Nische keine „kleine“ Nische ist. „Kirschkernkissen“ ist meiner Ansicht nach klein. Manche Haushaltsgeräte oder Handys für spezielle Zielgruppen können sich vermutlich schon lohnen.
  • die Nische wächst. Wer frühzeitig auf einen Trend setzt, kann mit weniger Aufwand mehr erreichen und länger durchhalten.
  • die Nische eigentlich keine Nische ist. Vielleicht sollte man sich doch nicht so sehr auf Keyword-Domains konzentrieren (bringt bei Google wohl eh nicht mehr so viel…) sondern in der Produkt-Hierarchie etwas höher rutschen. Dann kannst du besser diversifizieren und die neue Produkt-Kategorie profitiert vom Erfolg der bisherigen Produkte.

Ich denke, grundsätzlich sollte es das Ziel sein, nicht irgendwas zu kopieren, sondern etwas zu machen, von dem man denkt, dass es die Welt (und nicht nur SEOhausen) JETZT UNBEDINGT braucht. Das ist vielleicht eine gute Denkhilfe. UND: Man sollte den Begriff „Nischenseite“ nicht allzu ernst nehmen. Überlege lieber, wie groß und lohnend der Markt wirklich ist.

Ist jetzt Schluss mit Nischenseiten?

Und jetzt zu Google: Warum scheint die Suchmaschine so sympathische, nette Nischenseiten nun abzustrafen? Das wird ja auf dem SEO-Portal diskutiert. Ich denke, das tut Google gar nicht. Denn die genannte Kirschkernkissen-Seite ist liebevoll und kompetent gemacht. Ich bin mir fast sicher, dass sie ihre Rankings behalten wird.

ABER: Weil das nun mal viel Arbeit ist, werden viele der neuen und alten Nischenseiten-Bauer daran vielleicht nicht kapitulieren wie ich – sondern halt doch wieder möglichst viel automatisieren. Dann werden schlechte 5-Sterne-Beiträge eingekauft, die Produktauswahl wird beliebiger, die Seitenstruktur unnatürlicher. Und, zack, raus kommt halt eine billige Affiliate-Seite. Und wer dann mault, dass Google ihn (und alle Amazon-Seiten) bestrafe, der sollte mal in den Spiegel gucken.

Oder, was meint Ihr?

Ach, und wer jetzt trotzdem Lust darauf bekommen hat, eine Nischenseiste zu basteln, der kann sich ja auch durch Spaß und Spiel ein bisschen motivieren lassen und bei der Nischenseiten-Challenge mitmachen. Oder, was sich vielleicht noch viel mehr lohnt als jede Nischenseite: einfach ein Affiliate-Template, ein Nischenseiten-E-Book oder etwas anderes veröffentlichen und verkaufen. Ich glaube, DAS sind vermutlich lohnende Geschäftsmodelle 😉

Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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