Google Webmaster Tools vs. Screaming Frog

In der vergangenen Woche haben wir den SEO-Frühling ausgerufen und euch um Fragen gebeten. Noch zwei DVDs sind zu verschicken, eine geht an diesen Kollegen für die sehr praxisorientierte Frage:

SEO-FrageFrage: Hab eine Frage aus dem eher technischen Bereich. Die GWT geben mir aktuell, bei einem Online Shop, ca. 47.000 Seiten mit dem Code 404 aus. Lasse ich Screaming Frog über den Shop laufen, erhalte ich aber lediglich 44 mal den Fehlercode 404. An was liegt das? Gibt Google mir eine Menge alten Datenmüll aus? Denn eigentlich ist der Screaming Frog ja schon eine ordentliche Maschine… Ist euch so etwas  auch schon mal untergekommen?

Zur Info: noch vor einem Monat waren es laut GWT ca. 60.000 Seiten mit dem Fehlercode 404. Es nimmt also zunehmend  ab. Wäre aber interessant zu wissen woher dieser große Unterschied kommt.

Antwort: Jepp! Das passiert uns ständig und hat zwei Gründe, die mir bekannt sind. Vielleicht liefert ein Leser ja noch weitere…

Erstens: Google braucht Zeit!

Natürlich gibt dir der Screaming Frog sehr zuverlässig die 404-Seiten aus. Genau das sind die Seiten, mit denen etwas falsch läuft. Es gibt bei dir 44 Seiten, die intern (z.B. über die Navigation oder durch eine interne Text-Verlinkung) auf eine URL zeigen, die es schlicht nicht gibt. Diese solltest du reparieren. Am besten tust du zwei Dinge:

  1. Du leitest diese 404-Seiten per .htaccess und eine 301-Weiterleitung auf eine sinnvolle (!) Unterseite. Wenn du sie nur auf die Home umleitest, dann wird diese URL wieder als Soft-404 auftauchen. Es macht also zum Beispiel keinen Sinn, immer dann, wenn ein 404er auftaucht, diese auf die Home umzuleiten. Dafür ist Google zu clever. Zurecht, denn eine Umleitung einer Unterseite auf eine Standard-Seite führt die User ja nicht zum gewünschten Content.
  2. Du überprüfst, wo diese Seite verlinkt ist (siehe Bild unten). Und du änderst alle falschen Links auf die Seite, auf die du die 404-Seite ge301t hast. O.k.?
Screaming Frog

Text

Erklärung: Du findest deine 404-Seiten in der Spalte "Status Code" (roter Pfeil) und klickst sie an. Dann wählst du ganz unten (grüner Pfeil) die "In Links" aus. So bekommst du (blauber Pfeil) eine Liste aller interner Seite, die auf die URL verlinken.  

Und warum blickt das Google nicht? Wenn du bisher irgendwann 60.000 Fehlerseiten hattest, kannst du von Google nicht erwarten, dass der Crawler jeden Tag vorbei kommt, und die alle sofort  aus den Google Webmaster Tools nimmt. Vielleicht hattest du mal ein Problem mit Parametern und der Bot hat sich lange damit beschäftigt, all diese unsinnigen URLs in den Index aufzunehmen. Allerdings erscheinen sie ihm nicht sonderlich wichtig (zum Glück), deshalb schaut er nur ab und an auf diesen URLs vorbei. Vielleicht sogar nur alle paar Wochen. Und wenn er einmal einen 404-Statuscode zurück bekommt, nimmt er sie (auch zum Glück) nicht sofort aus dem Index. Das könnte ja auch ein vorübergehendes Serverproblem sein. Er will seinen Job gut machen, und deshalb schaut er vielleicht noch ein oder zwei mal auf der URL vorbei uns prüft, ob statt einem 404-Code richtiger Content kommt. Es kann also einige Wochen oder gar Monate dauern, bis diese 404-Fehlermeldungen in den Google Webmaster Tools verschwunden sind.

Zweitens: Deine Seite ist nicht das Internet!

Die zweite, wichtige Erkenntnis für dich sollte sein: Nicht nur du machst Fehler. Es gibt da draußen auch andere Webseiten, die auf falsche (oder alte) URLs von dir verlinken. Diese findest du in den Google Webmaster Tools, indem du die Fehler in den GWT anklickst und auf "Verlinkt über" gehst (roter Pfeil im Bild unten).

Google Webmaster Tools

Übrigens: Manchmal erscheint zwischen "Fehlerdetails" und "Verlinkt über" auch noch der Reiter "XML-Sitemaps". Dann hast du diese URL auch in deiner Sitemap hängen – und solltest sie unbedingt daraus entfernen. 

Was ist dann mit diesen externen Fehlern zu tun?

  1. Natürlich leitest du extern verlinkte URLs auf passende andere, interne Seiten um. Und, ja, per .htaccess und per 301-Umleitung. Nur so kannst du den Link-Juice zumindest größtenteils davon zurück gewinnen.
  2. Wenn du die Chance hast, diese auf eine sinnvolle andere Seite umzubiegen (z.B. weil das eigene Seiten sind oder du den Webmaster dort kontaktierst), ist das der Königsweg. Denn dann verlierst du keinen Link-Juice durch die Umleitung. Aber das wird nicht in allen Fällen so sein. Umso wichtiger ist dann die ordentliche 301-Umleitung auf eine passende (!) andere Seite.

Sodele: Der Screaming Frog ist zuverlässig – aber er ist auf auf einem Auge (dem der externen Links) blind. Und er ist nunmal viel schneller als die Google Webmaster Tools. Einverstanden?

 

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (3)

  1. gordon ecco

    Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Ich bin noch ganz neu im SEO-Bereich und freue mich deshalb über jede Hilfe die ich finden kann.

  2. Pingback: PR Wochenrückblick KW22 – Die Highlights der Woche

  3. Max

    Die Google Webmaster Tools, bzw. neuerdings Search Console sind das perfekte SEO-Tool da die Daten eben direkt von Google stammen.

Kommentare sind geschlossen.