Textmenge und Texteinzigartigkeit in Online-Shops

seo frageFrage: Wie viel Text braucht eine Produktbeschreibung in einem Online-Shop und wie weit dürfen sich die Beschreibungen ähneln? (Karsten)

Antwort: Die einfachste Antwort wäre „300 Wörter, 3 Prozent Keyword-Density und maximal 30 Prozent der Texte dürfen identisch sein“. Und dann zeige ich dir erstens ein kostenloses Tool, mit dem das gemessen werden kann und einen Text-Scrambler, der aus jedem Wikipedia-Artikel einen „300 / 3 / 30“ Text macht. Das wäre schön. Gell?

Tut mir leid, so einfach ist das nicht.

Na gut, nach einer Keyword-Density hast du gar nicht gefragt. Lassen wir das also weg. Aber auch für Textmenge und Texteinzigartigkeit spielen eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle. Und überhaupt: Es gibt keine absoluten Werte im SEO, mir fallen jedenfalls keine ein. Ich denke, der Großteil der Arbeit folgt diesem Motto:

Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss.

Was heißt das? Dass du einerseits möglichst großartige, ausführliche und einzigartige Inhalte auf deine Produktseiten packst. Aber es heißt andererseits, dass das Erstellen einer liebevollen 300-Wörter Produktbeschreibung für eine verzinkte DIN-7973-Stahlschraube in der Größe 2,2 x 6,5 pure Zeitverschwendung ist. Denn sollte jemand jemals danach googlen, wird er sich auch mit etwas weniger als 300 Wörtern uniquen Text überzeugen lassen oder die Schraube gar von einer Kategorie-Seite in seinen Warenkorb legen. Warum auch nicht?

Also: Welche Faktoren spielen eine Rolle, wenn es darum geht, wie viel einzigartigen Text man auf einer Produktseite braucht:

  • Wie sieht das Wettberbsumfeld aus?
  • Wie erklärungsbedürftig ist das Produkt?
  • Wie aktuell („frisch“) muss der Inhalt sein? (bzw. braucht der Text überhaupt Aktualität?)
  • Wie ist der Rest der Seite aufgebaut?

Also schau dir die Konkurrenz-Seiten über dir an: Google hält diese Seiten für besser geeignet als deine. Gründe hierfür können sein OnPage, interne Verlinkung, externe Verlinkung und das Nichtvorhandenseiten von Fehlern. Setzt du nun voraus, dass deine Seiten in Sachen Fehler und Verlinkung mit der Konkurrenz gleichauf liegen (eine immer  gewagte Annahme), dann solltest du mindestens ebensoviel Text im sichtbaren Bereich mit besserer Strukturierung und höherer Attraktivität einbauen. Wenn dann noch die Snippets stimmen und die User auf deine Seite kommen und den Text auch lesen, wird alles gut.

Na gut, das ist etwas unübersichtlich, deshalb…

Meine Empfehlung: A, B, C

Sortiere deine Produkte in drei Kategorien:

  • Kategorie C: Das ist der Großteil deiner Produkte, der Longtail mit dem du ohnehin nur wenig Geschäft machst oder der gerade nicht im Fokus liegt. Oft sind das 60 bis 80 Prozent aller Produkte im Shop. Kümmere dich darum zunächst wenig. Ordentliche Technik und Herstellerangaben sollten hier reichen.
  • Kategorie B: Das sind die Produkte, mit denen du dein Hauptgeschäft machst. Also aktuelle Produkte, die auch nachgefragt werden. Das sind meist 15 bis 30 Prozent eines Portfolios.
  • Kategorie A: Das sind deine aktuellen Top-Produkte. Die haben eine tolle Marge, die laufen auch Offline super – aber sie haben vermutlich das Problem eines höheren Wettbewerbs. Manchmal sind das nur drei oder vier Produkte, manchmal eher 10 Prozent.

Nun kümmerst du dich liebevoll um die Kategorien A und B. Du brauchst also nun nur noch für etwa 20 Prozent deiner Produkte ordentliche Inhalte erstellen. Das geht schneller – und kann/sollte qualitativ hochwertiger gemacht werden. Denn bei diesen Produktseiten solltest du damit rechnen, dass sie auch gelesen werden. Also Obacht: Du erstellst also Texte nicht mehr für den Robot sondern für die User. Bei Schrauben können sie vermutlich relativ knapp bleiben, wenn es um Wälzfräßmaschinen geht, wird etwas mehr Text helfen. Und überhaupt: Was macht die Konkurrenz? Schau doch mal nach.

Damit fokussierst du deine Arbeit auf weniger Masse und damit steigt die Qualität.

Die Seiten der Kategorie A bekommen natürlich eine noch bessere Behandlung: Sie werden (weil es Sinn macht!) intern besser verlinkt, ihr Inhalt sollte ab und an aktualisiert und/oder erweitert werden. Außerdem sind das wohl auch die Seiten, die hin und wieder einen Link von außen bekommen. Wie auch immer: Diese Seiten bekommen die Top-Sonderbehandlung.

Und dann immer wieder: A, B, C

Hast du dafür ein System entwickelt und den Prozess dafür gut geübt, dürfen die Produkte natürlich auch aufsteigen: Aus Kategorie-C-Schläfern werden Kategorie-B-Adepten und aus denen schließlich Kategorie-A-Meister. Nach und nach wird jede wichtige Seite und damit dein ganzer Shop stärker.

Und was ist mit Textmenge und Text-Einzigartigkeit?

Was? Die Antwort reicht dir immer noch nicht? Du willst Zahlen? Also:

  • Zur Texteinzigartigkeit: Wenn du AUCH uniquen Content auf einer Seite hast, dann wird Google Verständnis dafür haben, dass es auch Texte gibt, die zu anderen identisch sind. Aber „eigener“ Text ist halt „uniquer“ Text. Wenn wir also von Textmengen sprechen, meinen wir „uniquen Text“.
  • Zur (uniquen) Textmenge: In SEO-Kreisen scheint man meist 300 Wörter bei den einschlägigen Text-Massenproduzenten zu bestellen. Ich halte das für Unfug. Ein vernünftig geschriebener Text über 150 Wörter, in dem auch die richtigen Nebenkeywords stehen und der über einen attraktiven Einstieg und ein vernünftiges Fazit verfügt, ist einem doppelt so langen, ausgewürgte Textbrei vorzuziehen. Und ja: Manchmal muss es mehr und manchmal weniger sein…

Oder ist hier jemand anderer Meinung?

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (8)

  1. KarstenZander

    Na da fällt mir ja ein Stein vom Herzen. Ich  bin dann schon mal auf dem richtigen Weg in meinem Shop http://www.image-maps.de. Ich hatte schon Angst ich müsste für jedes Produkt einen Roman schreiben :).
     
    vielen Dank für die aufbauenden Worte :)
     
    Gruß
     
    Karsten

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