Wie wertet Google einen shop-begleitenden Blog?

Und wieder Folge aus unserer Aktion: "Schöner Frühling mit SEO-Fragen". Diese großartige Frage hat Andreas gestellt:

SEO-FrageFrage: Ein Online-Shop mit sehr beratungsintensiven Artikeln soll einen Blog bekommen, damit vorhandene Hintergrundinformationen und Entscheidungshilfen nicht die jeweiligen Artikelseiten und deren Kategorien sprengen. Auch sollen dort News aus der Branche vorgestellt werden. Auch soll er natürlich Linkkraft weiterleiten. Wo platziert man diesen am besten technisch?

  1. Mit einer eigenen kreativen, eigenständigen Domain?
  2. Als Subdomain (blog.xyz.de)?
  3. In einem Unterordner (www.xyz.de/blog)?

Alle genannten Möglichkeiten haben sicherlich ihre Vor- und Nachteile. Aber wie sieht das Google?

Antwort: 1000 Dank für diese Frage! Ich kann diese zwar nicht 100%ig eindeutig beantworten, da der Geschmack hierbei auch eine Rolle spielt. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das sehr viele Shop-Betreiber betrifft. Also, los geht's.

Es gibt da einige Aspekte, die beachtet werden sollten (zum Beispiel auch, welche Informationen doch besser auf den Produktseiten verbleiben, da mit diesen ja Umsatz gemacht wird). Aber es gibt für mich drei sehr wichtige Punkte, die ich besprechen möchte. 

1. Der größere Haufen…

In dem Teil des Google-Algorithmus, der sich mit den Backlinks einer Seite beschäftigt, gibt es – ziemlich sicher – auch ein Kapitel für die "Popularität" der Domain – also die Summe der Backlinks (und ggf. anderer Offpage-Signale) die für die gesamte Domain (und nicht für eine einzelne URL) zählen. Aber man muss gar nicht über den Algorithmus rätseln: Wenn du bei Zalando eine neue Unterseite einbaust, wird Google diese vom Start weg für interessanter und vertrauenswürdiger halten, als eine auf www.hey-ich-hab-auch-einen-shop.biz. Warum?

  • Zalando ist eine starke Marke.
  • Es gibt massig Backlinks, die auf Zahlando zeigen.
  • Zalando bietet im Durchschnitt eine Reihe von User-Faktoren (Verweildauer, Bouncerate u.s.w.), die positiv wirken.
  • u.s.w.

Man könnte also sagen, dass eine große, bekannte Domain für Google wichtiger erscheint, also eine kleine. Das kann man zwar ungerecht finden. Aber es gilt: Der Google-Gott macht gerne auf die größten Haufen… 😉

Das heißt aber, dass eine Ein-Domain-Strategie einer Viel-Domain-Strategie aus vielen Gründen immer vorzuziehen ist. Natürlich gilt das auch für Subdomains, die ja streng genommen eben nicht die Haupt-Domain sind. Und es gilt nicht nur für den Blog sondern auch für alle anderen Arten von Landing-Pages und andere Satelliten.

So gesehen, ist das Verzeichnis für einen SEO fast immer die bessere Wahl.

2. Die Wirkung fürs Brand-Building

Du willst mit deinem Blog ja auch ein bisschen Content Marketing betreiben – also für Aufsehen sorgen. Wenn dein Shop aber unter einem ganz anderen Namen zu finden ist, wird sich dieser Brand-Buzz nicht auf ihn übertragen. Du musst also eine ganze Menge Dinge erledigen, damit deine Blog-Leser auch den Shop als Marke wahrnehmen.

Auch deshalb würde ich also sagen, dass ein Verzeichnis (oder zumindest eine Subdomain) die bessere Wahl ist.

3. Obacht mit der Suchmotivation

Du kennst vermutlich die Unterscheidung von Keywords nach Suchmotivation:

  • Do-Keywords: Etwa beim Keyword "iPhone kaufen" offenbart der Google-User, dass er bereit ist, nun Geld auszugeben. Google zeigt in diesen Fällen fast ausschließlich Shops oder Kaufberatungen an. Das gilt auch für die meisten Produktnamen.
  • Know-Keywords: Hier möchte der Google-Sucher etwas wissen. "Wie hoch ist das Matterhorn?", "Wie gut ist der Empfang des iPhones?". Google antwortet mit der Wikipedia, Foren, Ratgeber-Seiten und mit Blogs.
  • Go-Keywords: Der User ist auf der Suche nach einer bestimmten Seite (z.B. "Sony Support") und geht den Weg über Google.

So, und jetzt versuche mal, mit einerm Blog-Beitrag eine gute Position für Do-Keywords zu erreichen. Das ist ECHT schwer. Ich würde deshalb einen shop-begleitenden Blog immer in den Wissens-Keywords positionieren. Die Do-Keywords werden dagegen am besten von conversion-optimierten Shopseiten abgefangen. Also: Do-Keywords im Shop-Bereich und die Know-Keywords in den Blog. Soweit, so gut.

Aber es geht noch weiter: Wenn ihr euch die SERPs für die unterschiedlichen Suchmotivationen anschaut, dann wirken diese fast wie völlig getrennte Indizes. Google scheint ganze Domains entsprechend einzuordnen: Shop-Domains in den Do-Index und Blogs in den Know-Index. Das macht es aber auch schwerer, mit einem Blog auf einer Shop-Domain zu ranken. Das dürfte einigen von euch schon aufgefallen sein…

Es ist also ziemlich wichtig, für die Know-Keyword ein sehr klares "Know"-Umfeld zu schaffen. Das würde grundsätzlich auf einer eigenen Domain oder eine Subdomain einfacher sein als in einem Verzeichnis. Aber mit etwas Akribie und einem vernünftigen Verzeichnis-Namen (/blog/ oer /magazin/) ist das machbar. Glaubt mir.

Dieser Punkt geht ein bisschen zugunsten von Domain und Subdomain. Allerdings nur ein bisschen…

Endergebnis: Verzeichnis rules!

Also, mein Rat ist klar: Pack den Blog in ein Verzeichnis! Das ist technisch zwar meist etwas kniffliger (da nicht jedes Shopsystem bereit ist, ein Verzeichnis für den Blog freizuräumen) aber aus SEO-Sicht besser. Falls dein System (oder der dazughörige Dienstleister) dabei unüberwindbare Schwierigkeiten machen, nimm die Subdomain. Und erst als Plan C eine andere Domain. Zwar kann ein Blog auf einer solchen zwar auch zugunsten des Shops eingesetzt werden – aber das bedeutet mehr Mühe und ist im Zweifel auch nicht so erfolgreich.

Alle damit einverstanden?

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (9)

  1. Susann Wasikowski

    Hallo Eric, bei „Das heißt aber, dass eine Viel-Domain-Strategie einer Ein-Domain-Strategie aus vielen Gründen immer vorzuziehen ist.“ ist’s doch wohl genau andersrum, oder? Aus dem Text davor leitet sich doch ab „Eine Domain starke Domain wie Zalando… wäre toll“.
    Ein weitere Aspekt ist, dass Know-Blogs sicher mal verlinkt (zitiert) werden, was ja auch die Domain stärkt und dem Blog zugute kommt.

  2. StephanForstmann

    Ich gehe da voll und ganz mit. Haben unseren Shopblog vin

  3. ronnym1982

    Hi Eric,

    schön erklärt und aufgebröselt zwischen den einzelnen Suchintentionen. Genau diese granulare Differenzierung kann einen großen Ranking-Unterschied (-Vorteil) ausmachen.

    BG,

    Ronny

  4. ainrecords

    …davon bin ich nicht ganz überzeugt.
    Ich werde dazu mal Tests fahren und Bescheid geben…

  5. eric108

    ainrecords Oh! Das wäre super!!!!!

  6. korner

    Es kommt ja eigentlich drauf an was besser ranken soll, auf einer subdomain wirdd er blog ja als völlig eigene Domain gewertet, was der Hauptshopseite ja im Endeffekt keine Ranking verbessrung bringt.

  7. Pingback: Otto setzt sich mit der Erosion im Handel auseinander – wer noch? [5 Lesetipps]

  8. senceffm

    Und der Punkt geht von unserer Seite aus auch ans Verzeichnis.
    Der „Bezug“ zum Thema hinsichtlich des Gesamtbildes (URL / URI) näher liegt, als dass er durch eine Subdomain „separiert“ wird.
    Die einzige Frage wäre nur, sollte versucht werden den Blog zu pushen und eine penalty mit sich ziehen, wäre die Subdomain die bessere Wahl. 

    Somit wer rein informativ Informationen zu den Artikeln bloggen möchte und mit natürlichen Links groß wird sollte es als Verzeichnis anlegen.
    Wer den Blog künstlich etwas aufbessern will, sollte ihn lieber etwas ferner halten.
    Soweit unsere Annahme, abhängig jedoch davon wie weit der penalty sich über die Domain „Grenzen“ erstreckt. Vielleicht habt ihr dazu noch nen kurzes Statement.

    Viele Grüße aus Frankfurt

  9. Pingback: Kunden gewinnen per Blog: Tipps rund um Blogs zum Webshop

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