"es wird gut eine Link von uns bekomme…. Weiss ich schon gut!": Ranjid macht Linkaufbau

Den folgenden E-Mail-Verkehr hat es tatsächlich gegeben. Und zwar, weil ich eine Mail-Aufforderung zum Linktausch einmal NICHT gleich weg geschmissen habe:

Mail an mich: Vor einigen Monaten begann ich mit der Erstellung eines informativen Blogs über mögliche Behandlungsformen gegen Krampfadern….Es ist mir leider noch nicht gelungen, dem Blog die Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dies könnte an dem etwas delikaten Thema liegen oder einfach daran, dass ich nicht ausreichend Werbung mache…. Ich möchte Ihnen in diesem Zusammenhang vorschlagen, das Wort „Hämerrhoides“ in dem genannten Eintrag in einen Link zu meiner Webseite  www.[zensiert].com umzuwandeln….In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen. Katrina Müller

Stockendes Deutsch aber komplexes Blog-Thema? Ich schaue mir die Seite von „Katrina“ an: Eine Landingpage u.a. mit einem unangenehmen Pseudo-Vergleichstest, bei dem der deutliche Testsieger („Ohne Zweifel das beste natürliche Produkt von allen zur Behandlung von Krampfadern, das der Markt bietet.“) einen dofollow- und alle anderen Krampfadermittel einen „nofollow“-Link bekommen.  Kurz gesagt, eine dieser Seiten, wegen derer das Internet als Informationsquelle einen schlechten Ruf hat.

Ich schreibe:Von welcher meiner Webseiten reden Sie?

Mail an mich:…Ich rede uber [zensiert] wo dass thema über Krampfadern-Behandlung steht…

Ich schreibe: Und Sie schreiben die Seite, die Sie mir geschickt haben?“

Mail an mich: „Ja, schreibe ich die info von diese Seite.“

Das ist beleidigend! Da hält mich doch jemand für bescheuert: Eine ausgefeilte Landingpage zu einem komplexen Thema basteln, diese mit (viel komplexem und fast korrekten) Text zukleistern – aber in einer Mail keine zwei Wörter am Stück fehlerfrei schreiben können. DAS soll ich glauben?

Ich schreibe: „Schönes Layout, das wäre auch was für uns…“

Mail an mich: „Danke, habe ich alles gemacht…“

So. Da sitzt also Ranjid in Indien oder Iwan in der Ukraine, spricht fast kein Deutsch, und bekommt für billigen Linkaufbau 80 Cent Mindestlohn pro Stunde. Mal schauen, wie er reagiert, wenn die Situation unübersichtlicher wird.

Ich schreibe: „Das ist ja großartig. Machen Sie so etwas auch für Kunden? Ich könnte mir vorstellen, dass wir für unsere Seite mal ein neues Layout brauchen könnten.“

Allerdings: Das ging zu weit. Kamen sonst die Antworten immer schon nach wenigen Stunden, warte ich mehr als einen ganzen Tag und habe Angst, Ranjid erschreckt zu haben und ihn zu verlieren. Ich muss die Taktik ändern. Ich werde etwas persönlicher und stelle den Link in Aussicht.

Ich schreibe: „Hallo Katarina, wir sind ja ganz vom Thema abgekommen. Es  ging ja eigentlich um Links. Ich weiß natürlich, dass das auch SEO-Gründe hat. Aber das will ich für unsere [zensiert] ja auch besser machen. Woher würde ich denen einen Link zurück bekommen?“

Mail an mich: „auf [zensiert].com  oder in [zensiert].com. KM“

Die Seiten schaue ich mir an, und mir wird schlecht. Vor allem die Backlinks sind ein einziger Aufschrei an Google „HIER WIRD GESPAMT!“ Keywordlinks werden ohne Rücksicht auf die Wörter davor und danach einfach hinein geprügelt. Und so kommt es zu Ungetümen wie der mir Angst machenden „hämorriden Penispumpe“ oder den sicherlich ärgerlichen „hämorrhoiden Schwangerschaften“ – beides ebenso eklig wie die Backlinks dieser Seiten. Und beide Seiten recht neu und wenig erfolgreich, aber das versteht sich ja wohl von selbst.

Ich schreibe: „Mmmh. Das mit den Hämorriden ist ja ein unangenehmes Thema. Aber die Seite ist ja auch wieder sehr schön. Hast du die auch geschrieben. Du kennst dich ja ganz schön gut aus. Aber ich habe gesehen, dass es auf diese Seite schon so viele komische Links gibt (etwa von [zensiert].com und von [zensiert].com Das finde ich schon komisch. Ist das für meine [zensiert].com denn gut, wenn ich von dort einen Link bekomme? Weißt du das?“

Mail an mich: „Ja klar, es wird gut eine Link von uns bekomme…. Weiss ich schon gut!…“

Das ist zu viel! Ich verliere die Lust und beschäftige mich wieder mit sinnvoller Arbeit. Erst ärgere ich mich noch ein wenig darüber, das mich dieser Offshore-Backverlinker offenbar für blöd hält. Dann verraucht mein Zorn. Denn eigentlich ist das prima: So lange sich Linkbuilder derart tapsig anstellen, sind sie ratfatz zu enttarnen. Und wer mit Ranjid wirklich Links tauscht, dem ist eh nicht zu helfen – selbst wenn er nachher an einem dieser ekligen Hämorriden-Links leidet.

Also dann: Alvida, Ranjid!

P.s.: Um es noch mal deutlich zu sagen: Linktausch mit oder Linkaufbau auf jungen, schwachen und ekligen Webseiten macht kein (in Zahlen: „0“) Sinn. Und, ja: Es kann schaden.

P.p.s.: Und wie erkennt man solche Seiten? Ganz einfach: Wenn irgendwelche Zweifel an der Seriösität einer Webseite aufkommen – dann sind diese fast immer auch berechtigt…

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (5)

  1. Domi

    Sehr schön, musste lachen 🙂

  2. Axel

    vielen Dank für diesen sehr anschaulichen Post. 🙂

  3. Marco

    Boah – das ist der Hammer. Einfach herrlich die Story.
    Ich glaub, ich mache das nächstes mal bei einer Linktauschanfrage auch anders – ich habe immer noch Tränen in den Augen.
    Bei sowas wünsche ich mir einen Tweet-This-Button – oder hab ich nicht richtig gesucht?

  4. Peter

    Eric, du bist der Brüller – auch wenn du deine Zeit nicht immer ressourcenoptimiert einsetzt 😉 Ich kann dir im Übrigen gerne noch die Adresse von Ranjids Bründer und Schwestern (im Geiste) schicken, falls es dir danach ist 😉

  5. Eric Kubitz (Beitrag Autor)

    *grins*

    Keine Sorge: Das hier ist zielführend 😉

    Mit Ranjid führe ich gerade die verblüffende Diskussion, warum ich glaube, dass er nicht derjenige ist, der die Seite gebastelt und geschrieben hat. Ich denke, es wird einen Teil 2 „Ranji gibt Gas“ geben…

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