Penalty, Filter, Manual Spam Action! Und nun?

Hier Expedia, dort die (offenbar in Deutschland verstärkt stattfindende) Jagd auf Linknetzwerke und nicht einmal mehr bei Gastbeiträgen darf man sich austoben, kurz: Google jagt Spammer wie nie zuvor. Und das nicht ganz grundlos. Matt Cutts brachte es vorletzte Woche mit seinem Statement auf den Punkt, dass Google ohne Backlinks im Algorithmus viel schlechter wäre. Der Faktor Backlinks ist einfach superwichtig.

Naja, aber das ist ja nichts Neues: Der Anspruch an Links hat sich über die Jahre stark geändert und das Linkbuilding musste mitziehen. Der qualitative Anspruch an das Linkbuilding ist heute ein ganz anderer – auch wenn das noch nicht bei allen angekommen ist.

Das Akquirieren von googlekonformen Links wird immer aufwändiger. Allein aus wirtschaftlicher Sicht kann deswegen ein Linkbuilding, bei welchem Studenten oder andere günstige Arbeitskräfte mit dem Versenden von Massenmails beauftragt werden, keine Zukunft mehr haben. Das ist nachvollziehbar, denn wenn es noch immer möglich wäre, mit massenhaft gekauften Links super zu ranken, wäre das Rankings bei Google käuflich. Und das will wohl keiner der Kollegen in Mountain View.

 Spam-Bekämpfung  Täglich werden Millionen von nutzlosen Spam-Seiten erstellt. Wir bekämpfen Spam mit einer Kombination aus Computer-Algorithmen und manueller Überprüfung.

Google belässt es aber nicht dabei, neu entstehende Links kritisch zu bewerten. Gerade ältere Links, welche früher einmal für ein gutes Ranking verantwortlich waren, führen derzeit immer wieder zu Abstürzen der Sichtbarkeit.

Gefallene Sichtbarkeit von expedia.com

In den schlimmsten Fällen führt dies dann zu einer Penalty. Also was ist tun, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist?

Google findet also neue Wege, bisherige Links als schlecht zu erkennen, folglich entsprechen immer mehr Links plötzlich nicht mehr den Richtlinien von Google. Das führt auf lange Sicht sicherlich zu einer Verbesserung des Web – erst einmal werden aber wohl viel mehr Seiten von solchen Problemen betroffen sein.

Es lohnt sich also darüber nachzudenken, was zu tun ist, wenn die Sichtbarkeit plötzlich im Keller landet. Es könnte schließlich (fast) jeden betreffen.

Strafe, was nun?

Anfangs sollte festgestellt werden, welche Art der Abstrafung denn überhaupt vorliegt.

Unterschieden wird zwischen Penalty und Filter, wobei bei einem Filter eine automatische Abstrafung gemeint ist, während eine Penalty manuell von Google Mitarbeitern verhängt wird. Die Strafe erfolgt somit also entweder algorithmisch – sprich durch einen Filter (wie zum Beispiel das Penguin-Update) – oder als Penalty durch einen manuellen Eingriff des Google Search Quality Teams.

Diese manuellen Maßnahmen werden „Manual Spam Actions“ genannt. Umgangssprachlich werden sie auch gern als „blauer Brief“ bezeichnet, da eine Penalty ähnlich, wie der „Versetzen gefährdet“-Brief zu Schulzeiten mitgeteilt wird. Was damals allerdings im elterlichen Briefkasten landete, erschreckt uns heute in Form einer Mitteilung in den Google Webmaster Tools:

Meldung vom Google Search Quality Team

Blauer Brief vom Google Search Quality Team

Merkmale einer Penalty

Das sicherste Merkmal dafür, dass eine Penalty und kein Filter vorliegt, ist also die Mitteilung in den Webmaster Tools. Sofern hier also ein Vermerk hinsichtlich eingehender Links wartet, ist es kein Filter. Vorsicht: Die Nachricht erhält lediglich der Seiteninhaber. Andere Benutzer, selbst mit uneingeschränkten Rechten, erhalten diese Mitteilung nicht. Glücklicherweise lassen sich zusätzliche Inhaber leicht hinzufügen. Dies macht beispielsweise für Agenturen Sinn.

Bei einer Penalty besteht im Gegensatz zu einem Filter die Möglichkeit  – nach Behebung der von Google monierten Punkte – einen Reconsideration Request zu stellen. Dazu aber später mehr.

Erst sollte noch erklärt werden, dass die Penalty von Google anhand ihres Wirkungskreises weiter unterteilt wird. Die Strafe kann, muss aber nicht zwangsläufig die ganze Seite betreffen. Folgende Ebenen werden differenziert:

  • Keyword-Ebene
  • URL– oder Verzeichnis-Ebene
  • Hostnamen-Ebene (Subdomain)
  • Domainweit (seitenübergreifend, komplette Domain)
  • Delisting (De-Indexierung)

Freundlicherweise wird von Google in den Google Webmaster Tools mitgeteilt, was betroffen ist:

Manual-Spam-Action betrifft die ganze Seite

In diesem Beispiel ist die gesamte Domain betroffen

 

 

 

 

 

 

Eine Penalty auf Keyword-Ebene wirkt sich lediglich auf einzelne Keywords aus, während eine URL-/Verzeichnis-Penalty alle Rankings eines ganzen Verzeichnisses betrifft. Die domainweite Penalty betrifft – im Gegensatz zu einer auf Hostnamen-Ebene – nicht nur einzelne Subdomains, sondern die gesamte Domain. Beim Delisting fliegt die gesamte Domain, samt aller Rankings aus dem Google Index und ist nicht mehr auffindbar.

Merkmale eines Filters

Auf durch Filter geschwächte Seiten stößt man meist nach einem Algorithmus-Update bei Google, wie z. B. das Penguin-Update. Google-Mitarbeiter bestimmen hierbei nicht, welche Seite explizit einer Penalty zum Opfer fällt, sie fällt einfach den Ansprüchen des Algorithmus zum Opfer.

Demnach kann bei einem Filter auch kein Reconsieration-Request (Anfrage über eine erneute, manuelle Prüfung) übermittelt werden. Es gibt lediglich die Möglichkeit des Reportings von False-Positives.

Und: Eine algorithmische Abstrafung wird von Google nicht mitgeteilt. Dies ist aber meist wohl auch nicht nötig. Es lässt sich ein massiver Abfall in der Sichtbarkeit feststellen, woraufhin ein beständiger negativer Trend folgt.

Bastian Grimm hat zu diesem Thema auf der SEOkomm 2013 einen sehr interessanten Vortrag gehalten.

Sichtbarkeit weg – und was nun?

Als erstes ist zu also klären, ob es sich nun um eine Penalty oder einen Filter handelt. In den Google Webmaster Tools, genauer gesagt im sogenannten Manual Spam Action Viewer (erreichbar in den Google Webmaster Tools unter Suchanfragen -> Manuelle Maßnahmen) bietet sich eines der folgenden Bilder:

1. Keine manuellen Maßnahmen

Keine manuellen Maßnahmen

 

Sofern die Sichtbarkeit, trotz dieser Meldung rapide gefallen ist, hat dann wohl ein Filter zugeschlagen.

In diesem Fall muss nachgeforscht werden, um welche Art des Filters es sich handelt und welche Aspekte dieser behandelt. Im Falle eines Filters, welcher die Backlinks betrifft (beispielsweise das Penguin-Update), ist das weitere Vorgehen im Grunde das gleiche, wie bei einer Penalty wegen unlauterer Links. Das heißt, dass natürlich auch hier die betroffenen Links entfernt werden müssen. Auf die Wirkung der Verbesserung muss anschließend allerdings gewartet werden, da hier eben kein Reconsideration Request gestellt werden kann.

2. Unnatural Link Warning

Unnatural Link Warning

 

 

 

 

 

In diesem Fall hängt Google keine Beispiele an.

3. Unnatürliche eingehende Links

In diesem Fall wird im Regelfall diese Mitteilung vorabgeschickt:

Unnatürliche eingehende Links

 

 

 

 

Auch hier erscheint eine Benachrichtigung im Manual Spam Action Viewer, mit dem Unterschied, dass hier unter „mehr“ einige Beispiele eingesehen werden können.

 

In jedem dieser Fälle muss reagiert werden. Aber wie?

Grundsätzlich sollte man immer diesem Ablauf folgen:

  1. Analyse der Backlinks (via Google Webmaster Tools oder anderen Tools).
  2. Versuch, die als schädlich identifizierten Backlinks entfernen zu lassen.
  3. Ggf. Einsatz des Disavow-Tools.
  4. Ggf. Reconsideration Request.

1. Analyse der Backlinks

Die Google Webmaster Tools bieten die Möglichkeit, die „Links zu Ihrer Seite“ als CSV-Datei herunterzuladen. Meist reichen allerdings die Informationen von Google (max 100.000 URLs) nicht aus und müssen somit mit Hilfe eines Tools (beispielsweise den LinkResearchTools, ahrefs oder majesticseo) erhoben werden. Auch alte Linkbuilding-Aufzeichnungen sollten herangezogen werden.

Ein genereller Check – ohne Penalty – schadet im Übrigen auch nicht:

  • Werde ich generell mit zu vielen Money-Keywords verlinkt?
  • Habe ich ein Problem mit meinen Sitewide-Links?

Die LinkResearchTools liefern mit der Detox-Analyse übrigens sehr genaue Einschätzungen über das Risikolevel des jeweiligen Linkprofiles. Hier kann sogar das gesamte Linkprofil durchgegangen werden und separat für jeden Link entschieden werden, ob dieser wertvoll oder schädlich ist. Tipps zur Bewertung von Backlinks sind in ausführlicher Form hier erhältlich oder in kompakterer Form in einem Beitrag von Eric hier. Grob kann man das so sagen:

  1. Von Seiten, die es offenbar nur zum Linkaufbau gibt, wollen wir keine Links.
  2. Links, über die keine Besucher zu erwarten sind, sind mit großer Wahrscheinlichkeit auch schlecht.
  3. Was unnatürlich aussieht (zu viele Keyword-Links, nur Deeplinks und kaum Links auf die Homepage u.s.w.) wird Google als unnatürlich erkennen.

Tipp: Ruhig auch mal das Profil der Mitbewerbers unter die Lupe nehmen. Hier finden sich meist nützliche Informationen zur Deeplink Ratio, den Link Status oder der Trust-Verteilung.

2. Entfernen der Backlinks

Sobald alle Daten zu den eingehenden Links vorliegen und entschieden wurde, welche Links davon nützlich und welche schädlich sind, können diese entweder entfernt oder entwertet werden.

Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Freundliches Bitten, per Mail oder Telefon (Tipp: Am Telefon ist das Neinsagen sagen schwerer…)
  • Disavow-Tool

Übrigens, vor dem Start: Jede Aktion sollte fein säuberlich dokumentiert werden. Das wird bei einem Reconsideration Request später hilfreich sein…

3. Einsatz des Disavow-Tools

Bevor das Disavow-Tool zum Einsatz kommt, empfiehlt es sich allerdings höflich beim Linkspender um die Entfernung des Links zu bitten. Immerhin ist das Setzen eines Links (zum Glück noch) selten schlecht gemeint und es ist nicht vollkommen klar, ob der Einsatz des Disavow-Tool sich nicht evtl. auch auf die verlinkende Seite auswirkt. Auch sollte jedem klar sein, dass das Entfernen von Links Arbeit macht. Und das ist besonders ärgerlich für den Seitenbetreiber, wenn man vorher (in Linkaufbauzeiten) darauf gedrängt hat, dass dieser Link gesetzt wird. Wer also plump und unhöflich auftritt, sollte damit rechnen, dass entweder ein Honorar für die Linkentfernung verlangt wird – oder der Seitenbetreiber einfach gar nichts tut.

Dann bleibt nur noch der Einsatz des Disavow-Tools. Eric hat darüber schon einmal berichtet.

Zu beachten gilt hier:

  • Es kann lediglich eine Datei hochgeladen werden. Alte Dateien werden beim Übermitteln einer neuen verworfen. Bei  Ergänzungen von Links ist es am besten, die Datei lokal zu speichern, zu ergänzen und erneut hochzuladen.
  • Kommentare beginnen mit einem Hashtag „#“
  • Domainweite Diavows: „domain:domain.com“
  • Sub-domain Disavows: „blogname.domain.com“
  • Einzelne Seite: „http://domain.com/pfad/unterseite.php“

Übrigens besitzen die LinkResearchTools einen Generator für die Textdatei des Disavow-Tools.

Beispiel für den Einsatz des Disavow-Tools von Google

Beispiel für den Einsatz des Disavow-Tools

 

 

 

 

 

4. Reconsideration Request

Anschließend, also erst wenn die Maßnahme durch das Disavow-Tool Wirkung zeigt, kann ein Reconsideration Request gestellt werden, sprich, die Anfrage auf eine weitere manuelle Überprüfung. Die Disavow-Datei wird, laut Bastian Grimm, mit einem Versatz von ca. 24 – 48 Stunden sichtbar und wirksam. Solange sollte also jedenfalls gewartet werden.

Beim Reconsideration Request müssen alle unternommenen Punkte zur Erfüllung der Google Richtlinien möglichst detailliert aufgelistet sein. Außerdem sollte er recht schmeichelhaft gestaltet werden. Oftmals braucht es mehrmalige Anläufe, bis Google tatsächlich zufrieden ist und die Penalty aufhebt. Auch diese Punkte sollten sehr genau dokumentiert werden.

Abgelehnter Reconsideration Request

Abgelehnter Reconsideration Request

Checklist – Reconsideration Request

  1. Alle Vorwürfe und Verstöße kleinlaut auflisten. Alle Maßnahmen aufzeigen, welche getätigt wurden um den Richtlinien zu entsprechen.
  2. Ross und Reiter nennen. War eine Agentur, etc. dafür verantwortlich?
  3. Aufzeigen, welche Versuche wann unternommen wurden, um den Link seitens der spendenden Seite entfernen zu lassen.
  4. Erklären, dass auch vom Disavow-Tool Gebrauch gemacht wurde.
  5. Generell sehr kleinlautes Auftreten, mit vielen Entschuldigungen und der Bitte um erneute Überprüfung.

Die Bearbeitung des Requests kann einige Tage bis Wochen dauern.

Sofern der Antrag abgelehnt wurde, muss  leider wieder von vorne begonnen werden. Dies ist natürlich sehr ärgerlich, da es wieder eine bestimmte Zeit auf den schlechten Plätzen bedeutet aber leider auch alles andere als selten. Es sollte also von Anfang an versucht werden, sehr genau und den Richtlinien entsprechend zu Arbeiten und wirklich exakt mitzuteilen, was, wie und wann etwas gemacht wurde.

Fazit: Es wird härter

Auch Webmaster, welche sich in Sachen Links nichts zu schulden haben kommen lassen, sollten mindestens im Besitz des Wissens sein, was im Ernstfall zu tun ist. Denn wer (außer vielleicht Christoph Cemper) kennt schon wirklich immer jeden Link, der auf ihn zeigt. Fakt ist und bleibt: Lieber einen Link weniger, als einen schlechten zu viel!

 

GD Star Rating
loading...
Penalty, Filter, Manual Spam Action! Und nun?, 4.8 out of 5 based on 17 ratings

Max Bloch

Das Thema „Online“ begleitet Maximilian Bloch (29) seit inzwischen zehn Jahren.
Er studierte Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Augsburg und war als SEO-Consultant bzw. Senior SEO-Consultant bei der CONTENTmanufaktur tätig. Momentan ist er als Senior Online Marketing Manager für die technische Suchmaschinenoptimierung der Allianz Deutschland AG verantwortlich und betreut mit seinem SEO-Atelier Kunden und Websites aller Größen hinsichtlich SEO, Online Marketing-Strategie und Workshops. Weiterhin übernimmt er eine Dozentenrolle für Suchmaschinenoptimierung bei der Akademie der Bayerischen Presse (ABP).

More Posts - Facebook

Kommentare (4)

  1. Pingback: Links der Woche: Einfach unzählig viele. U.a. Verhütung, YouTube Analytics, Apps, Monitoriing Tools…

  2. hcore

    Hallo und danke für den sehr interessanten Betrag! 

    Ich habe eine konkrete Frage, zu der ich leider keine Auskunft erhalten konnte – vielleicht wissen Sie Bescheid oder können zumindest eine Abschätzung abgeben durch ihre Erfahrung?

    Ist es denkbar, dass ein Penalty (egal welcher Art), auch Auswirkungen hat auf andere Seiten hat, die dem gleichen Google Webmaster Tools zugeordnet sind?

    Wenn man zum Beispiel fünf „saubere“ Seiten hat, und bei Seite Nr. 6 bedient man sich nun unliebsamer Methoden, die von Google sanktioniert werden. Google könnte ja nun annehmen, dass auch die anderen Seiten nicht ganz koscher sind. Nach dem Motto „Wer einmal spammt, spammt immer“.

    Noch deutlicher könnte das werden, wenn die Seiten einen Autor angeben und mittels Google+ verknüpft sind. Hier könnten alle Seiten des jeweiligen Autors verdächtig sind oder pauschal abgewertet werden.

    Oder nicht?

  3. Pingback: Manuelle Maßnahmen bei Google › Saphiras World

  4. Pingback: Manuelle Abstrafung deutscher Tageszeitungen durch Google

Kommentare sind geschlossen.