Welche Links muss ich entfernen, damit Google mich aus der Penalty entlässt?

Frage: Meine Seite wurde vermutlich vom Pinguin bestraft. Welche Links soll ich denn nun abbauen, damit ich wieder meine Rankings zurück bekomme? (Sotsch)

Antwort: Puh, ich befürchte, ich kann diese Frage nicht so beantworten, wie du es erwartest. Ich bezweifle nämlich, dass Linkabbau dein Problem löst.

Allem vorausgesetzt, du hast überhaupt ein Penguin-Problem. Denn parallel zum Penguin-Update gab es den Panda 3.5, der auch für Sichtbarkeits-Schaden gesorgt hat. Überhaupt diagnostiziert man oft zu schnell eine Penalty…

Doch setzten wir mal voraus, dass deine Google-Reichweite wegen mieser Links gelitten hat. Dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Penalty: Du hast mit Links oder deiner Link-Mischung Google derart geärgert, dass Google dich bestraft und deine Seite de-rankt.
  2. Algorithmus-Änderung: Google hat den Algorithmus geändert und dadurch wurden viele deiner Links wertlos, die dir bisher die Sichtbarkeit geschenkt haben.

Der Unterschied ist gigantisch. Denn in dem zweiten Fall wäre Linkabba alles andere als eine Lösung deines Problems.

Linkabbau bei Algorithmus-Änderung ist bestenfalls Zeitverschwendung

Und das ist auch der erste Teil meiner Antwort: Wenn du deine Sichbarkeit wegen eines Algorithmus-Wechsels verloren hast, wird dir der Link-Abbau eine Menge Arbeit versursachen – dir aber womöglich schaden. Denn wenn die Links nun statt 100 Prozent nur noch 20 % wert sind, verlierst du auch noch diese 20 %.

Bevor du also anfängst, Links abzubauen, solltest du dir sicher sein, dass dein Sichtbarkeits-Verlust aufgrund einer Penalty und nicht aufgrund eines Algorithmus-Wechsels erfolgt ist. Doch, wer gibt dir diese Sicherheit?

Linkabbau bei Penalty?

Gehen wir mal davon aus, dass du tatsächlich eine Penalty hast, weil du zum Beispiel zu häufig mit deinem Keyword verlinkt wurdest. 70 % deiner Links enthalten dein Money-Keyword und zeigen auch noch auf eine Unterseite. Nun, dann hast du echt Mist gebaut – und auch schon in den vergangenen Jahren keine Blogs gelesen oder Konferenzen besucht. Trotzdem: Nehmen wir an, Google bestraft dich genau dafür. Solltest du jetzt Links abbauen?

Den Ratschlag geben derzeit ja viele – wobei es mich misstrauisch macht, dass viele dieser Berater so etwas wie „Linkabbau“ im Portfolio haben. Also: Vorsicht! Denn wer diesen aufwändigen Linkaufbau empfiehlt, sollte auch ein Beispiel nennen können, bei dem eine Domain aufgrund von Linkabbau wieder ihre Sichtbarkeit bekommen hat. Und genau das ist der Grund, warum ich das  nicht empfehle: Ich kenne kein Beispiel. Kennst du eines? Einer der Leser hier?

Ergänzung: Kai Spriesterbach hat ein Beispiel mit dem Titel „Dem Penguin entkommen – mit Linkabbau aus der Penalty“ gepostet. Hier wurden aber auch gleichzeitig (siehe meine Empfehlung) auch „gute“ Links aufgebaut. (siehe Diskussion am Beitrag dort) Ein „Recovery-durch-Linkabbau“-Beispiel haben wir als leider immer noch nicht…

Rein mathematisch ist Linkabbau nicht gerade ein sicheres Erfolgsmodell: Denn selbst wenn die Penalty dadurch erlassen wird – fehlen danach alle Links, die Google als „mies“ eingestuft hat – die aber vorher für dein gutes Ranking verantwortlich waren. Du wirst also auf jeden Fall (!) auch weiterhin eine deutlich geringere Sichtbarkeit beklagen müssen. Linkabbau führt also dazu, dass du aus der Penalty ein reguläres De-Ranking machst – da ja nachher keine Links mehr da sind.

Eine andere Rechnung: Wenn 200 Links auf deine Seite zeigen und 140 davon das Keyword enthalten, sind das ungute 70 Prozent Keyword-Links. Nun, angenommen, du kannst 100 weitere, ordentliche und organische Links ohne Keyword-Fixierung aufbauen – dann hast du nicht einmal mehr 50 Prozent Keyword-Links. Dein Link-Profil hat gewonnen und zusätzlich hast du mehr Domain-Pop. Denn du hast deine Zeit nicht damit zugebracht, Links verschwinden zu lassen, sondern du hast gute Links bekommen.

Deshalb meine Empfehlung:

  1. Schau dir an, welche Links wirklich böse sind (von echt miesen SEO-Verzeichnissen) und versuche, diese zu entfernen.
  2. Denke über guten Linkaufbau durch ordentlichen Content nach und stärke dein Linkprofil statt es zu schwächen.

SEO ist „Linkverwaltung“

Ich will damit nicht (!!!) sagen, dass man so weiter machen soll, wie bisher – nur mit anderen Anchor-Texten! Ich will damit nur sagen, dass nicht immer die populärste Empfehlung der richtige Weg ist.

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (4)

  1. klickitseo

    Starker Artikel, der dem üblichen Linkabbau Gesabbel mal entgegen wirkt. Außerdem sollten Links nicht nur für Google Positionen aufgebaut werden, sondern um echte user zu generieren. Wer weiß schon was Google denn morgen für tolle Ideen hat, um Links zu be(ent)werten.

  2. Tobias Breyer

    Hallo Eric, woran erkenne ich denn die „wirklich bösen“ Backlinks ? Also klar Onlinecasino, Escortservice, komplette Werbeseiten usw. verstehe ich aber was ist mit Webverzeichnissen/Webkatalogen? Sind die immer „böse“ nur weil es Verzeichnisse sind???

  3. eric108

    @Tobias Breyer Nein, Tobias, sicher nicht. Es gibt branchenübliche und sinnvolle Verzeichnisse und Kataloge. Ich denke, du solltest dir die Seiten anschauen und dir die Frage stellen, ob du deinem Nachbar zeigen würdest, dass diese Seite auf dich verlinkt. Wenn dir das ein wenig peinlich wäre, ist es vermutlich eine schlechte Seite. Und wenn du dann diese Seite noch nie in deiner Web-Analyse als Referrer gefunden hast, muss sie schlecht sein – weil sie offenbar außer dem Robot keinen Besucher hat…

  4. Pingback: Penalty, Filter, Manual Spam Action... und nun?SEO Book

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