10 Tipps für den perfekten Konferenz-Recap

konferenz recap

Die SEO-Branche wird immer schreibefreudiger. Es hat sich herum gesprochen, dass die (Live-) Berichterstattung von Konferenzen schick ist und zu Social Signals führt. Doch damit in der Hektik dieses Geschäfts weniger Schreibunfälle als bisher passieren und die SEOs fern der Konferenzen mehr lernen können, hier eine kleine Einführung in den perfekten Konferenz-Recap.

Es geht eigentlich um journalistische Qualitäten, von denen man sich einige heraus picken sollte: Es geht um Nachrichten-Journalismus, Sport-Journalismus und um das journalistische Ziel, verständlich für alle zu sein.

Ich gehe davon aus, dass Autoren, die sich an einen schnellen Recap (evtl. sogar Live!) wagen, mit den Grundzügen guter Texte vertraut sind: Richtig schreiben, korrekte Wortwahl, Sprachniveau der Zielgruppe und Vermeiden von Schachtelsätzen sowie Passivkonstruktionen. UND: Kein Stil ist immer besser als schlechter Stil! Versuche also gar nicht, besonders witzig oder orginell zu sein. Das kommt irgendwann von selbst (oder halt nicht…).

Die Besonderheiten Spezialitäten eines Recaps

Hier muss man zunächst eine Unterscheidung treffen – und zwar in der Zielgruppe:

Wenn die Zielgruppe aus dem Veranstalter besteht und den sehr engen Kollegen, mit denen man gerne auch mal bis morgens um fünf Uhr an der Bar feiert, dann gilt all das, was ich weiter unten schreiben werde, nicht. Dann schreibt einfach drauf los, als ob ihr der Stadionsprecher der Tölzer Löwen (unser Eishockey-Club hier) wärt. Schreibt, wie ihr euch heute morgen im Zug gefühlt habt, wen ihr dort getroffen habt, dass dass Konferenzprogramm wieder inhaltlich der Hammer ist und das Buffet perfekt. Dazu passen dann auch lustige Bilder von glasigen Augen über frisch eingeschenkten Kölschgläsern. Vielleicht ein Gruppenfoto, bei dem ein Haufen SEOs und wenige SEOinnen die Hände in die Höhe recken. Alles gut! Und ich meine das ernst: Ihr schreibt euch damit in die Geschichtsbücher der Szene und sammelt die Links aus SEOhausen. Das ist zielführend und, ja, liebenswert!

Wenn ihr aber die informieren wollt, die nicht auf der Konferenz (oder im falschen Panel) waren – und evtl. auch die Aufmerksamkeit anderer Medien erlangen möchtet, solltet ihr auf folgenden Punkte achten.

Tipps für den informativen Konferenz-Recap

  • Sucht euch die richtigen Vorträge aus. „Informativ“ geht immer nur, wenn man Informationen hat. Es gibt Vorträge, die kennt man und genießt sie immer wieder. Und es gibt Vorträge, auf denen mehr oder weniger geheimes Zeug erzählt wird. Seid euch (im Einvernehmen mit dem Voretragenden) darüber im Klaren, dass in einen Beitrag immer auch harte Fakten gehören.
  • Szene-Kolorit ja! Tümelei nein! Überlegt euch, was einen Leser, der NICHT im Vortragsraum ist, denn interessieren könnte. Dass der Raum gestopft voll war? Vielleicht, denn das betont die Relevanz eures Artikels. Dass der Vortragende vom Vorabend geschwächt war? Wohl kaum. Wie du dich gefühlt hast? Sicher nicht.
  • Eine Liste ist immer besser als Prosa-Durchfall. Das Formulieren eines Artikels benötigt höchste Konzentration – die meisten SEO-Themen auch. Wer also beides tun möchte, muss entweder echt ein Schreib-Crack sein, oder läuft Gefahr, zu scheitern. Deshalb ist eine in relativ wenig Text eingebettete Liste der „Learnings“ meist besser, als ein seltsamer Prosa-Text mit logischen Löchern und verblüffenden Brüchen.
  • Strukturiere den Text und fülle dann die Strukturen. Wenn ihr zu Beginn eine Übersicht des Vortrags bekommt (manche Präsentatoren machen das), dann kennt ihr schon einmal grob eure inhaltliche Gliederung. Wenn nicht, ergibt sich diese im Laufe der Zeit. Aber vergesst nicht, Zwischenüberschriften aufzuschreiben.
  • Anfang, Hauptteil, Ende. Macht es wie gute Präsentatoren. Schreibt erst, was ihr gleich schreiben werdet (Vorspann). Schreibt dann, was ihr zu schreiben habt (Hauptteil). Und schreibt dann, was ihr gerade geschrieben habt (Fazit). Natürlich sind Vorspann und Fazit  sehr kurz, der Vorspann könnte also etwa 160 Description-Zeichen lang sein. Aber trotzdem gehört dort die ganze Geschichte rein. Natürlich sehr komprimiert, aber auch allein stehend verständlich. Denn das wird euer Teaser auf Google, Facebook und Google Plus sein. Und das Fazit? Das ist der Abroller, die Belohnung für alle, die so weit gekommen sind. Vielleicht mit der „Moral von der Geschicht'“ oder einem Ausblick. Aber auf jeden Fall mit einem freundlichen Winkewinke.
  • Weniger ist mehr. Wenn der Vortragende eine halbe oder eine Stunde Zeit hat, seinen Zuhörern etwas zu erklären, werdet ihr es niemals (!) schaffen, dies nachzuerzählen. Schon allein, weil euch die Bilder und auch die Stimme fehlt. Deshalb reduziert euren Beitrag auf das Erklärbare.
  • Seid konkret! Alle zeigbaren Beispiele solltet ihr erwähnen. Die URLs von genannten Tools sollten in Blobeiträgen verlinkt sein. Und „fehlende Canonical-Tags und schlecht generierte XML-Sitemaps“ sind immer die bessere Formulierung als „diverse Onpage-Fehler“.
  • Die Standards sind: Headline und Bild. Wenn alles gut geht, werden das eure beiden „Teaser“ auf den sozialen Medien und in den Blogs der Recap-Sammler sein. Schreibt also nicht einfach „Recap Konferenzname“ sondern seid attraktiv. Und ein Bild? Werdet ihr doch wohl finden – oder? Vielleicht habt ihr sogar ein iPhone dabei – da geht so manches mit…
  • Klärt die Rolle des Vortragenden. Ich finde, man kann (oder sollte sogar) in einen Recap auch die eigene Erfahrung einfließen lassen. Wenn der vorgetragene Inhalt falsch, spekulativ oder ergänzenswert ist, solltet ihr das sagen. ABER: Es gibt dann zwei handelnde Personen. Den Vortragenden und seinen Chronisten. Will sagen: Macht euch und euren Lesern jederzeit klar, wer von euch beiden welche Haltung hat. Na gut, peinliche Fehler des Präsentierenden könnt ihr geschickt „ausbessern“ und solltet das freundlicherweise auch tun.
  • Bewertet den Vortrag aber demütigt den Vortragenden nicht. Nur ein allwissender Über-Chef und virtuoser Alleskönner darf schreiben: „Damit hat er alle wichtigen Aspekte des Linkbuildings gut erklärt.“ Warum nicht? Weil das nur jemand bewerten kann, der WIRKLICH ALLE Aspekte perfekt beherrscht. Wer pauschale Noten erteilt, erhebt sich zum Lehrer. Schreibt also lieber einen Ich-Satz: „Soweit ich das erkennen kann, hat er damit alle Aspekte des Linkbuildings so erklärt, dass auch Einsteiger die Zusammenhänge verstehen können.“ Auch das ist ein wenig spekulativ – aber weniger herablassend und konkreter.

Fazit für die Leser: Ihr dürft in Zukunft mehr erwarten!

Ihr alle seht, dass es gar nicht so einfach ist, einen ordentlichen Recap zu verfassen. Der viruose Umgang mit einer Tastatur und ordentliches SEO-Wissen sind in der Regel nicht ausreichend. Natürlich gibt es auch lesenswerte Recaps, deren Autoren all das hier nicht beherzigt haben. Doch bei der erwachten Schreibfreude in der SEO-Branche steigen die Ansprüche und die Qualitäts-Schwelle wird höher. Und ich wünsche meinen schreibenden Lesern, dass sie immer über dieser Schwelle bleiben.

Denn, hey, unsere lesenden Leser haben das das verdient!

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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