8 SEO-Wünsche an Webdesigner und Webentwickler

Nein! Suchmaschinenoptimierung und Webgrafik sind keine natürlichen Gegner. (Fast) jede grafische Idee, die sich ein Webdesigner wünscht, kann auch im Index gut ranken. Trotzdem stehen sich SEO und Webentwickler immer wieder unversöhnlich gegenüber. Denn beide haben etwas Halbwissen über den Job des anderen und wollen ihm diesen leider auch zu oft erklären. Das ist von beiden Seiten unvernünftig, deshalb versuche ich es mal anders und formuliere die Wünsche aus der SEO-Abteilung an die Webentwicklung. Und zwar möglichst offen und ich zeige auch, wie man die Erfüllung dieser Wünsche testen kann.

SEO + Webdesign: Passt doch beides zusammen....

Ganz grundsätzlich gilt ja für die Suchmaschinenoptimierung: Es sollten möglichst viele unique Inhalte dem Google-Robot möglichst verständlich präsentiert werden. Unnötige Seiten dagegen gehören nicht in den Index.

Damit ist eigentlich schon alles gesagt und es klingt auch nicht so schwer. Aber es einfach noch zu viele wunderschöne aber leider für den Google Robot unverständliche Seiten auf dieser Welt. Häufig sind das sogar Seiten, deren Entwickler alles so gemacht haben, wie es (ihrer Ansicht nach) Google will. Da wird Flash im Noscript-Bereich mit kiloweisem Inhalt hinterlegt, da werden massenweise Links im Footer versteckt und AJAX-Crawlability-Tipps von Google neu interpretiert. Das, liebe Kollegen, ist aber nicht die Lösung sondern das Problem: Erstens darf man Google nicht alles wortwörtlich glauben, was die Google-Mitarbeiter schreiben. Und zweitens gehört immer auch noch die Erfahrung mit Google-Algorithmus dazu.

Mit anderen Worten: Ihr wisst, wie man schöne und funktionierende Webseiten macht. Wir SEOs aber wissen, wie man diese auf ordentliche Positionen in den SERPs bringt. Um uns beiden das Leben leichter zumachen, hier meine Bitten an die Webdesigner und Webentwickler:

1. Trotz Flash oder Javascript: Alle Inhalte müssen irgendwann als Text auf der Seite zu lesen sein.

Flash-Hölle: So sieht eine ansonsten schöne Seite durch die "Site"-Brille aus.

Flash-Hölle: So sieht eine ansonsten schöne Seite durch die „Site“-Brille aus.

Schicke Agenturseiten haben oft alles, was man sich wünscht – nur keine Sichtbarkeit. Zwar wird da fleißig Text in Noscript-Bereich hinter dem Flash eingebastelt und jede Seite im AJAX mit einer AJAX-URL („#zustand“) versehen – trotzdem sieht Google nichts. Das kann viele Ursachen haben, die wir hier gar nicht alle aufzählen können.

Man kann bei bestehenden Seiten aber schnell testen, ob die Aufnahme in den Index funktioniert: Einfach in den Suchschlitz von Google nach einem Satz oder einem Textabschnitt suchen und zwar so: site:domain.de „Textfragment“. Findet Google dann nichts – sollte man nicht über den Robot schimpfen sondern nach dem Fehler suchen.

2. Die Navigation ist das wichtigste Navigations-Instrument

Sie ist nicht nur ein lästiges, grafisches Element auf der Seite sondern sollte die User führen und dem Robot die Relevanz der Unterseiten zeigen. Wichtige Seiten sind in der Navigation-Hierarchie oben, unwichtige weiter unten. Diese Funktion wird die Navigation aber nicht übernehmen können, wenn sie zwar schick aussieht aber für den Robot (und einige User) nicht lesbar ist.

Auch hier gibt es einen Test: Einfach mal Flash (im Firefox unter „Extras > Add-ons > Plugins > Shockwave Flash“) ausknipsen und Javascript (z.B. über „Deaktivieren“ in der „Web Developer Toolbar“) ausschalten und dann über die Seite surfen. Funktioniert noch alles?

3. Text, Headline und Bilder: Dafür gibt es HTML-Tags.

Sauber: Headlines für Überschriften - und sonst nix.

Sauber: Headlines für Überschriften – und sonst nix.

Der Google Robot ist darauf angewiesen, dass wir ihm sagen, was die Überschrift einer Seite ist, was Text ist und welche Bilder es gibt. Für all das gibt es Standard-HTML-Tags. Vor allem die Headlines sollten als Headline (h1-h3) ausgezeichnet und per CSS formatiert werden. Wichtig: Inhalte auf der Seite, die nicht wichtig sind sollten logischerweise nicht als Headline ausgezeichnet werden.

Eine schöne Darstellung von Headlines zeigt die SEOXray-Funktion im SEOBOOK AddOn für den Firefox oder die „Dokumentengliederung“ in der Web Devloper Toolbar.

4. Jeder Benutzer ist anders und kommt aus einer anderen Richtung

Oder anders gesagt: Nur wenige User kommen mit viel Muße auf die Startseite und lassen sich auf einen geführten Rundgang ein. Die meisten Besucher einer Seite landen (falls es halbwegs mit SEO klappt) auf einer Unterseite und sollten sofort darüber informiert werden, wo sie gerade sind und warum das gut für sie ist. Das heißt: Zu einer Seite gehört neben dem eigentlichen Inhalt immer auch ein Header mit Logo und Homepage-Link, eine Standortanzeige (z.B. über eine Breadcrumb) und eine Navigation, damit er weiß wie es weiter geht.

Das ist gar nicht so einfach zu testen. Aber mit dem Befehl „site:domain.de“ findet man alle indizierten Seiten. Diese kann man einfach mal mal anklicken und sich doof stellen. Das hilft meist schon…

5. Verstecken spielen ist sinnlos und manchmal gefährlich

Wie blöd ist Google tatsächlich? Denkt der Robot tatsächlich, dass massenhaft Text am Seitenende relevant ist? Wohl kaum...

Wie blöd ist Google? Denkt der Robot tatsächlich, dass massenhaft Text am Seitenende relevant ist? Wohl kaum…

Wenn der Robot offenbar Text-Content und Links will, diese Seitenelemente aber das ästhetische Empfinden des Grafikers stören, liegt es nahe, sie vor den Usern zu verstecken. Ziemlich gefährlich, aber zum Glück seltener geworden, sind folgende Verstecke:

  • Unsichtbarer Text: Etwa weiß auf weiß (böse!), massenhaft im Folter (zumindest größtenteils sinnlos), per Javascript hinter einem Mouseover (funktioniert manchmal. Aber echt nur manchmal).
  • Unsichtbare Links: Per Javascript (kann man machen – aber dann wirken die Links auch nicht) oder durch die gleiche Formatierung wie der Text (so viel ich weiß, funktioniert das manchmal).
  • Verschobener Code: Inhalt, der ganz unten auf der Seite angezeigt wird, steht im Code ganz oben (heikel).

Bei all diesen „Techniken“ sollte man sich überlegen, für wie blöd man eigentlich Google halten möchte. Schaut euch die Vorschaufunktion in den SERPs an. Google weiß also ganz offensichtlich, was man erkennen kann und was nicht. Wenn es  Ausnahmen gibt, sind das Bugs im System von Google. Und ich als Entwickler von professionellen Seiten würde meinen Kunden niemals empfehlen, auf Google-Bugs zu optimieren. Das kann man mit eigenen Seiten machen – aber niemals mit Kunden-Seiten!

6. Technische Finessen sind technisches Finessen. Nicht mehr.

Viele Webentwickler haben sich z.B. in die XML-Sitemaps verliebt. Sie packen alle Seiten dort hinein und erwarten, dass damit alles getan ist – man also auf eine für die User sichtbare Verlinkung verzichten zu können. Hierzu kann man nur sagen: Falsch! XML-Sitemaps sind für alles mögliche gut (etwa zur Fehlersuche und zum Strukturieren von massenhaften Inhalten) aber für das Ranking helfen sie reichlich wenig. Ohne sichtbaren Link kein Ranking – mit oder ohne Eintrag in der XML-Sitemap. So einfach ist das. Ähnliches gilt für Eintragungen in der robots.txt (wenn Seiten nicht in den Index sollen) oder für irgendwelchen Text, der im Code aber nicht auf der Seite steht. Faustregel: Es zählt immer nur das, was der User auch sehen kann.

7. Nicht jeder User hat einen riesigen Agentur-Bildschirm

Ganz schön wenig, was viele sehen...

Ganz schön wenig, was viele sehen…

Ohne gleich mit so genanntem „Responsive Web Design“ ein Fass aufzumachen, kann man die meisten Webseiten in ein Format bringen, das auch mit kleineren Bildschirmen Sinn macht. Zuvor kann man natürlich sehr lange darüber streiten, ob die Display-Größe heute unter oder über 1.000 Pixeln Breite liegt. Man kann aber auch schauen, was Google dazu sagt oder die eigene Web Analyse bemühen. Und wenn 20 Prozent der User nun mal kleinere Displays haben, dann zwingt man diese zum Scrollen – möglicherweise sogar zum Horizontal-Scrollen. Und darauf steht die Höchststrafe: Die Flucht der User von der Seite.

8. Keine sinnlosen Seiten in den Index!

SEO ist ausdrücklich NICHT die Sportart, bei der man möglichst viele Seiten in den Index drückt. Es geht immer darum, sinnvolle (!) Seiten mit ordentlichen (!) Inhalten in den den Index zu bringen. Also keine Suchergebnisse, keine leeren Seiten die später noch gefüllt werden, keine Filterseiten in Shops, die keine Produkte enthalten („Badehose“ + „Wintermode“) und so weiter. All diese Seiten gehören nicht in den Index, weil sie uns nur schaden.

Und das ist der Test dafür: Jede Seite sollte sich klar von allen anderen Seiten abgrenzen und es sollte klar sein, für welches Keyword sie ranken soll. Jede Seite, bei der das nicht möglich ist, sollte per „noindex“ gesperrt werden.

Noch eine ganz grundsätzliche Bitte

Ebenso, wie sich SEOs davor hüten sollten, „Webdesign“ oder „Erstellung von Webseiten“ in ihr Portfolio mit aufzunehmen, wäre es doch ganz schön, wenn Webentwickler und Webdesigner ihren Kunden auf ihrer Webseite nicht „100 % SEO optimiert“ versprechen würden. Denn dazu gehört sogar noch deutlich mehr, als die 7 Punkte hier oben… Und am besten sind wir, wenn wir zusammen arbeiten!

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (12)

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  2. Sven Tilburg of 40FS

    Ehm…du kennst schon den Unterschied zwischen Dekorateur und Designer? Na macht nix, die Web-Dekorateure die du da ansprichst werden ja auch von Leuten angeheuert die das auch nicht wissen…*sigh

  3. eric108

     @Sven Tilburg of 40FS „Webdekorateur“ ist super! Ich befürchte allerdings, dass das niemand gelesen hätte, wenn ich hier meine Wünsche an Dekorateure gesendet hätte 😉

  4. imwebsein

    Das Problem ist doch eher, dass fast  kaum einer SEO vor dem Erstellen einer Webseite bedenkt. Alle fangen erst nach dem Erstellen an und da ist der Hase im Pfeffer begraben. 

  5. Sven Tilburg of 40FS

     @imwebsein Wahr gesprochen! – Leider ist der komplette Prozess meist auf den Kopf gestellt: Erst wird dekoriert, dann werden Inhalte ausgedacht und dann muss ein SEOler diesen Bockmist irgendwie ranken… Richtig wäre es zu aller erst den Inhalt zu entwerfen, diesen Inhalt so zu designen das er optimal rüber kommt und dann wird Seo zum Kinderspiel. Bei 37signals werden zum Beispiel erst die Texte geschrieben, dann kommt alles weitere…

  6. imwebsein

     @Sven Tilburg of 40FS Ja genau so ist es. Daher rate ich immer Firmen dazu einen SEO gleich ins Boot zu holen. Aber viele wollen sich die Kosten sparen.. der Hinweis dass es danach doppelt kostet wird ignoriert.. 
    Wenn dann Shops mit Session ID´s auf einmal DC produzieren ist das Geschrei groß ….  

  7. Sven Tilburg of 40FS

     @eric108 Ja stimmt wohl 🙂

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  9. Alexander Trust

    „Verschobener Code: Inhalt, der ganz unten auf der Seite angezeigt wird, steht im Code ganz oben (heikel).“ <– Diese Formulierung irritiert meiner Meinung nach eher, besonders das Attribut heikel finde ich falsch gewählt. Der Google-Bot parst die Seite aka den Quelltext der Seite von oben nach unten. Es ist durchaus möglich, den Inhalt, der zuerst auf der Webseite zu lesen ist, im HTML-Quellcode auch weiter oben als andere Elemente (Sidebar etc.) zu positionieren. Es kommt oft vor, dass Leute im Quellcode die Sidebar zuerst unterbringen und dann nach rechts „floaten“. Wenn der Google-Bot und andere aber nicht so viel Zeit und Geduld haben, die Sidebar komplett abzuarbeiten, dann wenden sie sich ab. Heikel ist daran überhaupt nichts, sondern lediglich sehr gut nachvollziehbar.

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  11. wiescho

    @Alexander Trust Sehe ich genau so. Die Gleichstellung mit unsichtbarem Text oder Links empfinde ich als „unfair“. Kann ja auch Vorteile für den Nutzer haben. Wikipedia macht`s auch so und in der Websiteboosting #15 werden die stichhaltigen Argumente Usability und Barrierefreiheit schön erklärt 🙂 Ansonsten ein super Beitrag. Wie immer! Danke dafür.

  12. gamsoftwaresolutions7

    Hallo,
    Sharing Nice content about web entwickler. so here are publish nice blog and all information provide here such a informative and it’s useful.Thanks for shared this collection

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