Bevor du SEO machst…

bevor du SEO machst...Neulich habe ich wieder einen potentiellen Neukunden weg geschickt. Ich habe ihm gesagt, dass er eine Menge Geld und Zeit spart, wenn er die anfallenden SEO-Kosten erst einmal in seine Webseite steckt. Wenn er diese ordentlich bauen lässt, funktioniert es auch mit Google. Eine hinreichende wenn auch nicht ganz korrekte Begründung.

Also: Was sind eigentlich die Voraussetzungen, damit sich die Investition in SEO überhaupt lohnt?

Ganz grob gesagt: eine technisch vernünftige Webseite und ein an der Zielgruppe orientierter Content. Denn ist die Technik aus einem 1999er-Web-Baukasten und/oder besteht der der Inhalt nur aus vermeintlichen Schlagworten und allgemeinen Webseiten-Begrüßungs-Formeln, geht halt einfach nix! Dann helfen wir zwar gerne mit einer kompletten Seitenkonzeption weiter. Wer aber mit einer solchen Seite auf uns zukommt, will meist daran nichts ändern sondern rechnet mit irgend einer Art von magischer Einmischung, durch die dann die Besucher nur so strömen.

An dieser Stelle das erste Learning: SEO ist KEINE Magie sondern Handwerk. Und das Werkstück ist deine Webseite.

Das war vor wenigen Jahren noch anders. Da konnte ein SEO Backlinks wie Zauberpfeile auf die Kundenseiten schießen – und es hat funktioniert. Doch der Penguin hat diese Magie weitgehend von dieser Welt gebannt. Wer heute noch SEO mit Linkbuilding verwechselt, träumt von alten Zeiten.

SEO-Vorraussetzungen an die Technik

Wir SEO-Agenturen ändern die Kundenseiten meist nicht selbst. Denn dafür gibt es entweder einen Webdesigner oder jemanden beim Kunden, der sich auskennt. Damit unsere technischen Tipps aber auch Wirkung zeigen können, müssen sie umgesetzt werden (können). Das klingt banal – ist es aber nicht. Es gibt eine Menge Situationen, in denen sich ein Kunde schwer damit tut:

  • Die Seite ist in irgend einem Billig-Baukasten des Hosters gefangen. Man hört zwar hin und wieder, dass es auch gute Web-Baukästen gibt (und „SEO“ haben die ja nominell immer eingebaut…) – aber ich hatte noch keine Begegnung damit.
  • Die Seite wurde von irgendwem irgendwie gebaut. Und der Typ ist verschwunden. Klar, man kann sich dann mit einem FTP-Account anschauen, was da tatsächlich auf dem Server passiert. Aber mal ehrlich: Wer möchte schon so etwas weiter führen?
  • Die Seite ist auf einem proprietären Insel-CMS gebaut, das nicht mehr supportet wird. Das gilt übrigens für alle Systeme, die Einzelpersonen oder Agenturen für sich selbst geschrieben haben. Denn auch die werden irgendwann nicht mehr unterstützt. Spätestens dann, wenn man nicht mehr Kunde ist. Davon würde ich mich immer emanzipieren.
  • Die Seite besteht aus mehr als 20 Einzel-HTML-Seiten. Eigentlich wollte ich „10“ schreiben, aber mit viel Geduld kann man auch 20 Einzel-HTML-Seiten noch administrieren. Doch dann ist Schluss.

In all diesen Fällen lautet mein Rat: Ziehe um! Es gibt für mich heute keinen Grund mehr, mit einem exotischen oder unfreien CMS zu arbeiten. Zumindest, wenn man SEO machen möchte. Das liegt zum Einen daran, dass ich es grundsätzlich für falsch halte. Zum anderen kenne ich die Aufwandsschätzungen von Webagenturen, wenn man von ihnen eine Änderung fordert, die sie in ihrem System nicht vorgesehen haben. Dann zahlst du nämlich bestenfalls den Entwicklungsaufwand, dass dies ins CMS eingebaut wird (und alle anderen Kunden davon profitieren). Schlimmstenfalls sagt der Techniker, dass das entweder gar nicht geht (was es definitiv nicht gibt) oder er schwallt dich mit irgendwelchen Argumenten voll, dass man dies doch eh nicht braucht. Dann kostet nicht nur er dein Geld sondern auch ich, weil ich lange mit ihm darüber diskutieren muss, wer von uns SEO kann und wer nicht – und das mache ich schon lange nicht mehr kostenlos.

Wer sich in einem der Fälle oben identifiziern kann, sollte seine Seite umbauen. Das geht vor allem bei kleinen Seiten dank WordPress (oder Redaxo, oder Joomla) recht schnell. Und kostet meist nicht viel mehr, als die technischen Änderungen, die wir eh an der Seite hätten. Und mit einen ordentlichen WordPress-Theme, ein paar Einstellungen und -Plugins bist du ganz schnell dort, wo du mit deiner Alt-Seite niemals hin kämst.

Wenn du einen Tipp für einen Webdesigner haben möchtest, der das günstig macht, melde dich einfach bei uns. Wir machen das nicht selbst aber kennen zuverlässige Leute.

Ein Hinweis vielleicht noch: Sollte die Seite schon ranken, halte ich es für sehr wichtig, dass der Umzug auf eine neue Seite geordnet und nach SEO-Kriterien erfolgt. Das heißt, dass sich hierbei unbedingt ein SEO einmischen sollte. Es gibt zwar Webdesigner, die das drauf haben – aber sicher ist sicher! (Danke an Michael Boenigk für diesen Hinweis!)

SEO-Voraussetzungen an den Content

Nein, hier geht es nicht (in Zahlen: „0“) darum, wie häufig das Keyword auf deine Seiten soll. Auch der WDF*IDF-Zauber ist nicht das Thema. Es geht hier um die grundsätzliche Haltung zu deinen potentiellen Webseitenbesuchern. Es geht grundsätzlich darum, ob du deinen Besuchern etwas zu erzählen hast – und das auch möchtest.

Wieder eine Negativ-Liste. Wenn du eine der folgenden Web-Strategien verfolgst, dann wird das erstens mit SEO nicht zusammen passen und zweitens werden wir niemals handelseinig:

  • Deine Kunden sollen zu dir ins Geschäft kommen wenn sie beraten werden möchten. Wenn also deine Web-Strategie ist, dass die Webseite lediglich ein Wegweiser in dein Ladengeschäft ist, baue sie auch genauso: Schreib deine Adresse ganz groß drauf und erkläre mittels Google Maps den Anfahrtsplan. Dann erscheinst du, wenn jemand nach deinem Namen sucht. Fertig.
  • Du willst nicht alle Daten ins Netz schreiben, wer weiß, was dort damit passiert. Da ist was dran. Andererseits stellt sich die Frage, was die NSA mit deiner Firmenadresse und deiner Produkt-Übersicht anfangen will. Also mach dich ein bisschen locker und stelle dir vor, dass dein Business öffentlich wäre und es sogar in deinem Sinne wäre, wenn möglichst viele Menschen davon wüssten.
  • Du hast keine Zeit. Außerdem sind meine Messebroschüren doch toll, die kann man als PDF rein stellen. Ach ja, die Zeitnot. Wie ich selber sie hasse! Warum sitze ich eigentlich hier und schreibe in unser SEO-Book, auf dem nicht einemal Werbebanner sind? Damit DU und viele andere Google-Suchenden auf die Seite kommen und einige davon auch unsere Kunden werden. Was würdest du davon halten, wenn ich unsere zwei Jahre alte SMX-Broschüre hier als PDF reinstellen würde?
  • Du kannst zwar nicht schreiben, aber du probierst das mal. Na gut, das hat das Potential für guten Content. Vielleicht funktioniert es ja, man weiß nie. Aber bitte bedenke, dass die Menschen im Internet besondere Ansprüche an Inhalt haben. Lass uns darüber reden…

Kurz gesagt: Nur, wenn du etwas mitteilen möchtest und auch bereit bist, dafür (Zeit oder Geld) zu investieren, wird das mit dem Content klappen. Wenn deine Seite bei Google nicht funktioniert, sollte dir das ein Beweis dafür sein, dass der Inhalt angepasst werden muss. Einverstanden?

Website first! Und dann SEO…

Klingt das logisch? Bevor du darüber nachdenkst, wie du möglichst viele Besucher auf deine Webseite bekommst, muss es sich lohnen, die Seite zu besuchen. SEO ist nicht der erste sondern der zweite Schritt. Und warum solltest du dir so etwas von einem Suchmaschinenoptimierer sagen lassen? Ganz einfach: Weil wir Ahnung davon haben. Wie alle anderen SEOs haben wir viel mit miesen Webseiten zu tun und kennen die Grundlage unserer Arbeit. Und das ist nun mal eine ordentliche Webseite. Falls du Unterstützung und Begleitung auf diesem Weg brauchst, sind wir SEOs für dich da. Wenn du uns aber Zauberkräfte unterstellst, muss ich dich enttäuschen. Sorry.

GD Star Rating
loading...
Bevor du SEO machst..., 4.6 out of 5 based on 43 ratings

Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - LinkedIn - Google Plus

Kommentare (12)

  1. Martin Witte

    Sehr gut geschrieben und genau das, was man einem Kunden vorlegen sollte!

  2. ainrecords1

    …mal wieder sehr sympathisch – und fachlich einfach korrekt!

  3. Hans Leger

    Eric, du sprichst mir mal wieder aus dem Herzen…

  4. eric108

    Martin Witte Getroffen! Ich bin es leid, das den Kunden am Telefon zu erklären. Deshalb habe ich das mal aufgeschrieben 😉

  5. Roger Taiber

    .-)) machen wir auch. Oftmals sogar. Dann sagt der Kunde, wir wären arrogant. Aber trotz teilweise langer persönlicher Erklärung möchte er es nicht verstehen. Was auch klar ist. Der Kunde hat eine Erwartungshaltung. Das ist völlig verständlich

    Das ist aber nie böse gemeint, aber man möchte dem Kunden in dem Fall nur etwas Gutes tun und eine spätere Zusammenarbeit ist ja immer möglich. Und was gibt es besseres als einen fairen SEO Berater?

    LG Roger

  6. eric108

    Roger Taiber Ich denke auch, dass es einfach dazu gehört, mit dem Kunden klar und offen zu reden. Und wenn ich schon vorher weiß, dass ich sein Geld verschwende, muss ich ihm das doch sagen…

  7. Sebastian Socha

    Moin Eric,

    ergänzend passt zu diesen eher technischen und strukturellen Rahmenbedingungen recht gut mein Beitrag „http://blog.kennstdueinen.de/2013/01/10-punkte-die-auf-kmu-websites-noch-vor-seo-in-ordnung-gebracht-werden-sollten/“, der größtenteils eher als Positiv-Liste mit klaren Handlungsanweisungen zu verstehen ist. 

    Cheers!

    Sebastian

  8. HendrikHenze

    Kann man so gleich ausdrucken und jedem Kunden vorab zum Unterschreiben schicken 😉

  9. Anja Annuschka

    Wie wahr diese Worte doch sind. In der Regel funktioniert das teils sogar recht gut, wenn man dem Kunden gegenüber überzeugende Argumente bringt. Das bringt sowohl für den Kunden mehr, als auch für uns SEO’s. Wenn einfach SEO drauf los geballert wird, ist am Ende dennoch der Kunde unzufrieden, weil selbst bei vorhandenen Rankings der User nach Betreten der Seite das Weite ergreift. Hier muss im Dienstleistungsektor noch viel umgedacht werden.

  10. Pingback: SEO Blogparade: So bin ich Vollblut-SEO geworden - nBlogs

  11. Pingback: PR Wochenrückblick KW9 – Die Highlights der Woche

  12. Pingback: Top 10 der Woche 09/14 - SEO-united.de Blog

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.