Freshness: Bedeutung und Strategien – nicht nur zur Suchmaschinen-Optimierung

Das Freshness-Update ist ein paar Wochen her. Da „Aktualität“ viele unserer Kunden betrifft, möchte ich den Begriff „Freshness“ einmal grundsätzlich aufarbeiten. Und – wo möglich – Handlungsempfehlungen geben. Inspiriert hat mich der Beitrag auf SEOmoz gestern, in dem einige dieser Punkte angesprochen werden. Hier aber meine eigene Zusammenfassung

Freshness, Aktualität, Query Deserves Freshness und was damit gemeint ist

Nichts ist so un-fresh wie die Zeitung von gestern...

Grundsätzlich muss man zwei Arten von „Freshness“ unterscheiden:

Erstens gibt es aktuelle Ereignisse die berichtenswert sind. Da fällt ein Hochhaus um oder ein Politiker redet sich um Kopf und Kragen. Von dem Haus und dem Politiker hatte man möglicherweise vorher wenig gehört – plötzlich sind die beiden aber in der Tagesschau. Das sind aktuelle Ereignisse, mit denen Google schon eine ganze Weile umgehen kann.

Zweitens gibt es Fragen, die man per Keyword-Eingabe an Google stellt, die immer eine „frische“ Antwort benötigen. Etwa die Frage nach dem besten Handy: Das war vor einigen Jahren meist ein Nokia oder Motorola (oder gar Siemens…),  heute ist das meist eines von Apple oder Samsung und meistens ist das beste Handy der Welt gerade erst erschienen. Mit anderen Worten: Die Frage und der Suchtraffic hat sich nicht geändert – aber die User möchten gerne aktuelle Antworten darauf haben. Bei der Handy-Frage ist ein differenzierter Wikipedia-Beitrag zur technischen Funktion von Handys nicht hilfreich, es müssen wirklich aktuelle Infos her. Bei dieser Art von Freshness war Google immer suboptimal, weil die klassischen Rankingfaktoren (Links, Onpage, Marke) nicht recht passen. Deshalb das Freshness-Update an. Grob gesagt…

1. Zum Aktualitäts-Freshness

Nichts Neues sind ja die umfallenden Hochhäuser und Unsinn daher redende Politiker: Hier hat Google zwei Signale, dies zu erkennen. Zum einen fühlt die Suchmaschine in diesen Fällen ein erhöhtes Suchvolumen und zweitens guckt der Robot sehr genau auf die in Google News akkreditierten Seiten und erkennt, wenn dort ein Thema veröffentlicht wird. Gehen diese Signal-Lämpchen an, spielt Google die News-Onebox zwischen die organischen Suchergebnisse und/oder aktiviert den Algorithmus „QDF“ (Query Deserves Freshness).

Dann achtet der Algorithmus mehr auf Aktualität der Seiten auf den Top-Positionen. Die guten, alten, stark verlinkten Seiten verschwinden etwa zugunsten von News. Man hat also die Chance, genau dann Traffic für dieses Keyword abzugreifen, wenn viele danach suchen. Man sollte aber wissen, dass solcher News-Traffic meist nur schwer monetarisierbar ist. Wer sich dafür interessiert, wie er gut in der News-Onebox platziert wird, liest sich das in unserem Manual durch.

2. Zur upgedateten Freshness

Für die andere, die „neue“ Freshness hat Google Anfang November 2011 nach eigenen Aussagen 34 Prozent aller Suchergebnisse mit dem Freshness-Update angepasst. Das ist kein Algo-Update mit dramatischen Änderungen sondern eher eine „Neuinterpretation“ bisher normaler Keywords: Wer etwa, so Google, nach „Olympia“ sucht, möchte etwas über die Olympischen Spiele 2012 und nichts über die Geschichte der Olympiade lesen. Und wer etwa nach einem Kamera-Test sucht, möchte den aktuellsten – nicht den, mit den meisten Links.

Durch das Freshness-Update haben sich die SERPs nicht gerade dramatisch verändert. Die Aktualität spielt nun aber neben „Marke“ (aka Qualität), Benutzerverhalten und klassischen SEO-Faktoren eine größere Rolle als vorher. Deshalb sollte man sie in die Strategie mit einbauen.

Signale für frische Seiten

Zunächst hilft es zu wissen, welche Signale für „Aktualität“ Google überhaupt auswerten kann. Das sind gar nicht soooo viele:

  • Veröffentlichungsdatum: Nein, denkt gar nicht darüber nach, an diesem herum zu schrauben um Aktualität vorzuspielen. Denn Google rechnet erst ab dem Fund-Zeitpunkt. Diesen kann man nur durch gute Technik und ständige Aktualisierungen verbessern (s.u.).
  •  Änderungszeitpunkt: Wurde ein altes Dokument aktualisiert? Das ist schon etwas schwerer für Google zu erkennen. Es geht hierbei um das Delta zu einer älteren Version. Bei einfacheren Seiten, bei denen der Haupt-Content wirklich überwiegt, erkennt Google den Unterschied gut – muss aber auf die Seite geführt werden (s.u.). Die Frage ist nur: Was muss ich alles ändern, damit Google das als „geändert“ ansieht? Da man das nicht genau sagen kann, eine Faustregel: Wenn das Dokument nach der Änderung länger ist als vorher, ist das sicher günstig. Und wer nur zehn Prozent ändert, fliegt vermutlich unter dem Radar.
  • Neue Links, am besten von Nachrichten-Medien: Erhält eine Seite neue Links, wird Google sich die Seite anschauen. Das ist somit mindestens mittelbar ein Signal für Aktualität. Wobei ich das eher anders herum sehe: Wir empfehlen, parallel zum Linkbuilding IMMER auch den Content aufzubauen bzw. zu aktualisieren. Klar, das macht die frischen Links definitiv effektiver – aber das ist ja ein anderes Thema…
  • Veränderte Anchor-Tags: Nein, damit meine ich nicht, dass Google eine Seite für „Fresh“ hält, weil man nach einem Linkbuilding-Vortrag nicht mehr überall das Keyword rein ballert. Es geht um natürlich wirkende Änderungen. Wenn etwa die Links auf ein Weihnachts-Special früher „Christmas 2011“ waren und nun „Happy Christmas 2012“ heißen. Oder so ähnlich…
  • Site- und Bereichs-Faktoren: Google ist schlau genug, sich zu merken ob eine Seite häufig neue Unterseiten hat – oder nicht. Das steuert zumindest die Wiederkehrrate des Robots, aber es gibt sicher auch „Freshness“-Flags für Seite und Seitenbereiche.
  • Verändertes Userverhalten: Das ist ein Punkt aus dem SEOmoz-Beitrag. Mit Recht fügt Cyrus Shepard auch verändertes Userverhalten an. Wenn vor einem Monat die User nur eine Verweildauer von 15 Sekunden auf der Seite hatten und heute bleiben sie 2 Minuten. Dann muss sich etwas positiv verändert haben. Anders herum wäre diese „Aktualität“ eher fatal…

 Strategien, damit die Seite aktuell wirkt ist

Dies alles zusammen gefasst, ergibt einige Strategien bzw. Taktiken, die sich ein guter SEO sicherlich mal für das nächste Jahr vornehmen wird:

  1. Aktuelle Beiträge per Pubbsubbhub und in den XML-Sitemaps veröffentlichen – und Google entsprechend anpingen.
  2. Beiträge schnell auch in den sozialen Medien veröffentlichen. Wer über einen relevanten Twitter-Account verfügt, kann Google damit instant auf die eigene Seite jagen…
  3. Bei Aktualisierungen darauf achten, dass immer etwas Content hinzu kommt. (BTW: Das gilt übrigens auch, wenn nur ein Link hinzu kommt. Aber das gehört auch zu dem anderen Thema.) Und auch in diesem Fall: Nachricht ins soziale Netz schicken!
  4. Steter Contentaufbau: Eine Seite, die immer wieder neue Artikel veröffentlich, ist mit der nächsten News glaubhafter „fresh“, als eine, die seit Monaten nur dümpelt.
  5. Synchroner Content- und Linkaufbau (auf Bereichsebene): Wenn es ganz schnell gehen muss, hilft es nichts, sich um neue Links zu kümmern, das wäre ein seltsamer Freshness-Faktor. Aber Bereiche und Verzeichnisse funktionieren „schneller“, wenn dort stetig Links (sehr gerne natürlich von Nachrichtenmedien) hinzu kommen.
  6. Funktionierende Soziale Anbindung: Na klar, wenn die Signale aus Facebook, Twitter und Google+ nicht abreißen, dann muss die Seite wohl immer was Neues bieten.
  7. Regelmäßige Variationen der Anchor-Texte im Linkaufbau.
  8. Permanentente Optimierung der Seite: Auch Layout-Änderungen können Benutzerverhalten verändern. Und besser als ein umfassender Relaunch ist heute (sowieso) eine ständige, „schleichende“ Verbesserung der Seite.

Das gilt übrigens „nur“ für die 35 % der Keywords, die aus Googles Sicht mit aktuellen Seiten beantwortet werden müssen.

Fazit: Viel Arbeit

Mmmmh. Das sieht nach Arbeit aus, gell? Doch so ist das in den vergangenen Monaten: Die Suchmaschine stellt immer höhere Ansprüche an die Inhalte und die Aktualität. So könnte man jedenfalls das Panda- und das Freshness-Update zusammen fassen.

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (10)

  1. Anonymous

    Aber selbst wenn man alle Schritte berücksichtigt hilft dieses einem nix wenn Google per Quality Rater manuell runtergestuft hat…selbst gesehen: Seiten mit extra neuem Quality Content und massiven Social Signals – Wirkung auf Google: gar keine 🙂

    Und wenn mann sich mal eine aktuelle Search Query wie „Mini Laptop Vergleich“ ansieht, und die Datumsergebnisse auf der ersten Seite, dann lässt die „Freshness“ von Google eher nach Bla-Bla vermuten 😉 http://www.google.de/search?q=mini+laptop+vergleich

  2. eric108

    Tja, Cokecan, kommt halt drauf an, was man sonst noch so auf der Domain veranstaltet. Freshness ist genaus wie jeder andere Faktor ja kein Einzelsignal sondern ein Teil vom Ganzen…

  3. Anonymous

    War das schon nicht immer der Hauptausschlagfaktor? 😉

    Mir ist aber aufgefallen das seit Panda die Masse der Google Pressemeldungen zu deren Updates und wirklichen Auswirkungen noch kaum hinterfragt werden – Matt Cuts sagt bei Freshness „Sechsunddreissig Prozent“ und es wird sofort für bare Münze genommen ohne das grossartig getestet wird und fast alle Analysen basieren darauf…

    Laufen wir hier nicht Gefahr zu unkritisch zu werden? Und damit jeder Google Pressemeldung einen „Persilschein“ zu verpassen??

    PS: Das soll hier nicht Ihren Artikel hinterfragen der wirklich sehr gut geschrieben ist 🙂

  4. eric108

    Waren das nicht 34 %? Egal. Ist halt ein Wert – der mir im Grunde auch egal ist. Wichtiger ist mir, was dahinter steckt. Und dazu sammeln wir täglich bei uns und uneren Kunden Erfahrungen.

    Wie schaut das mit dir aus? Welche Erfahrungen hast du hierbei?

  5. Anonymous

    Prozentual genau richtig 😉 Freshness? Brands (mit hohem Adwords Spend???) mit viel aktuellem Content gewinnen, der Rest ist bekannt.

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