Webhosting: Hochverfügbarkeit geht auch für kleines Geld

Monatelang hast du hart dafür gearbeitet. Jetzt, kurz vor Weihnachten, bist du mit deinen Hauptkeywords auf Platz 1. Auch die Conversion passt, alles fühlt sich gut an. Doch dann zeigt dir dein Smartphone am Sonntag Nachmittag, dass schon seit Stunden keine Bestellungen mehr eingegangen sind. Was ist passiert? Schnell ist klar: Die Webseite ist nicht erreichbar. Jede Minute ist nun so kostbar wie nie. Wenn du jetzt zum ersten mal über „Notfallpläne“ und „Hochverfügbarkeit von Servern“ nachdenkst, wird es teuer…

Die Konsequenzen aus einem solchen Szenario kann man grob in folgende Verlust-Bereiche aufteilen:

  • Umsatzausfall
  • Image-Schaden
  • Verluste im SEO-Bereich (Google erreicht die Seite längere Zeit nicht)
  • Erhöhter Aufwand durch Reparatur und Organisation (gebuchte SEM-Kampagnen müssen deaktiviert werden etc.)

Leider denken die meisten Webmaster erst in einem solchen Katastrophenfall  über Ausfallsicherheit oder Hochverfügbarkeitslösungen („HA“ von „High Availability“) nach, um sich in Zukunft vor solchen Zwischenfällen zu schützen. Eindeutig zu spät! Denn eigentlich gehören Notfallpläne und Lösungen bzgl. Ausfallsicherheit zu jedem ordentlichen Online-Business dazu – und das schon in der technischen Entwicklungsphase! Dass solche Lösungen mittlerweile auch nicht mehr Tausende von Euro im Monat verschlingen müssen zeigen die Ideen, die ich hier zum Teil am Case des Hosters Strato vorstellen möchte.

Ich bin nun seit mehr als 15 Jahren im Bereich Web-Publishing tätig und betreibe mit MovieMaze.de eines der größten deutschen Film- und Kino-Portale. Während der gesamten Zeit haben mich immer alle Facetten des Online-Business interessiert, aber die Technik ist als studierter Informatiker natürlich stets der Fokus gewesen. Die Erfahrungen, die ich technisch sammeln konnte, gebe ich mittlerweile als Berater in den Bereichen Performance, Technik und Skalierung an verschiedene Firmen weiter.

Single Points of Failure suchen und eliminieren

© Blacksafe

Um eine höhere Verfügbarkeit des Gesamtsystems zu erreichen, müssen vor allem Single-Points-of-Failure (SPOF) eliminiert werden. SPOF sind Komponenten durch deren Ausfall das gesamte System in Mitleidenschaft gezogen wird. Nehmen wir eine übliche Webseite, dann gibt es folgende zu betrachtende Komponenten:

  • Nameserver
  • Netzanbindung der Webserver
  • Webserver
  • evtl. Datenbank
  • evtl. Verbindung Datenbank/Webserver

Je nach Anwendung erweitert sich diese Liste natürlich. Dennoch muss jede Einzel-Komponente darauf hin untersucht werden, ob sie redundant (also mehrfach) ausgelegt ist und ob die Umschaltung bei einem Ausfall automatisch erfolgen kann. Gerade die Nameserver werden hier oftmals vergessen. Man baut dann teure, voll-redundante High-Availability-Lösungen (HA-Lösungen) auf und lässt die Namensauflösung beim Billighoster machen. Für die Nameserver bieten sich sog. Anycast-Systeme an, die es durchaus für wenig Geld bei z.B. DNS Made Easy gibt.

99 % Verfügbarkeit kann zu wenig sein

Die Netzanbindung an den Webserver ist Sache des Hosters, hier gilt es also darauf zu achten ob der Hoster redundante Leitungen hat, was bei den größeren Hosters praktisch immer der Fall ist. Evtl. lohnt sich hier auch ein Blick in die AGB bzw. SLA, denn dort steht wie hoch die garantierte Verfügbarkeit der Leitungen ist. Aber Achtung – 99% bedeutet hier, dass die Leitung 3,65 Tage im Jahr ausfallen darf! Auch wenn das meist nicht am Stück passieren wird, so muss jeder für sich selbst einschätzen, inwiefern ein Ausfall von zwei bis drei Tagen für das Business existenzbedrohend sein könnte. Evtl. macht es Sinn in unterschiedliche Rechenzentren Webserver zu stellen um die Gefahr zu verteilen und Wahrscheinlichkeit damit zu mindern.

Virtualisierung: Per Mausklick auf andere Hardware

© Strato

© Strato

Der Webserver ist dann wohl am spannendsten in der HA-Lösung. Denn letztlich kann man hier endlich mal selbst Hand anlegen. Wenn wir von eigener (dedizierter) Hardware ausgehen, dann ist natürlich der Hardwaredefekt die größte Gefahr, daher müssen wir mindestens zwei (im Idealfall baugleiche) Server haben. Eine technisch schöne Lösung bietet hier Strato mit ihren Multiservern an. Hier erhält man nämlich mit dem „Hardware-Pool“ mehrere Hardware-Maschinen die technisch eine virtualisierte Zwischenschicht haben. Somit ist es möglich eine virtuelle Maschine (VM) – also den gesamten Server – per Mausklick auf andere Hardware zu transferieren. Mit dieser Lösung kann die Downtime zumindest auf wenige Stunden reduziert werden (die Übertragung der gesamten VM dauert natürlich etwas Zeit).

Um eine noch kürzere Downtime zu bekommen sollte man sich ein Standby-System aufbauen. Im Prinzip dupliziert man also schon beim Aufbau des Systems die fertig eingerichtete VM auf die zweite Hardware und sorgt jetzt für eine dauerhafte Synchronisation der Daten. Dies ist einerseits über einen zentralen Datenspeicher (z.B. NAS) möglich oder über ständig laufende Dienste, die in kurzen Abständen die Daten des aktiven Servers zum Standby-System kopieren (z.B. rsync). Für den zentralen Datenspeicher bietet Strato für die Root-Server z.B. die Lösung ProStorage iSCSI SAN an. Leider ist das derzeit mit den MultiServern nicht verfügbar.

Cluster-IP: Jetzt „nur noch“ die IP umschalten

Wenn man nun zwei synchron laufende Webserver hat, dann fehlt eigentlich nur noch eins: Die Möglichkeit der Umschaltung! Natürlich könnte man per Nameserver die IP-Adresse des Standby-Servers ausliefern, falls der Hauptserver ausfällt. Aber dann hätte man mit der DNS-TTL zu kämpfen. Das ist die Zeit, die jeder Nameserver sich zu einer Domain die zugehärige IP selbst merken darf ohne nochmal rückfragen zu müssen. Diese TTL will man aus Performancegründen eigentlich immer relativ hoch haben, deswegen setzt man für solche Failover-Lösungen lieber sog. Cluster-IPs ein. Diese IP-Adressen bleiben immer gleich können aber innerhalb des Rechenzentrums auf unterschiedliche Rechner geroutet werden. Strato bietet dies unter dem Namen Cluster-IP an. Diese IP kann entweder per Weboberfläche oder per Skript zwischen verschiedenen Servern hin- und herwechseln. Somit zeigen die Nameservereinträge dauerhaft auf die Cluster-IP und diese wird im Problemfall auf den Standby-Server gewechselt.

SMS-Alarm an den Admin

© Serverguard24

Diese Lösung funktioniert für den manuellen Eingriff schon sehr gut und kann dann per Heartbeat o.ä. auch noch automatisiert werden. Wichtig ist aber, dass alle Server immer einem ständigen Monitoring unterliegen, welches den Admin/Webmaster darüber informiert, falls etwas nicht erreichbar ist. Sonst hilft die beste Failover-Lösung nicht. Ein solches Monitoring bietet etwa ServerGuard24 an, das einen auch per SMS über Ausfälle informiert. Nur mit diesen Nachrichten ist es möglich bei einer manuellen Failover-Lösung (die deutlich leichter zu realisieren ist) überhaupt zu reagieren!

Fazit: Ein paar Euros für die Sicherheit

Natürlich kostet Ausfallsicherheit Geld! Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, wieviel ihm der ruhige Schlaf bzw. die schnelle Möglichkeit einer manuellen Umschaltung wert ist. Es gibt Seiten, bei denen ein Ausfall von 24 Stunden gerade mal 100€ kostet. Es gibt aber auch Seiten, bei denen dreistellige Beträge pro Stunde oder sogar Minute verloren gehen. Diese Rechnung sollte man definitiv vor dem ersten Ausfall machen und die Lösung dann auch immer mit dem Geschäft mitskalieren. Viele Hoster bieten mittlerweile Möglichkeiten, ähnliche Ansätze wie hier vorgestellt, umzusetzen.

Wollt ihr mehr?

Leider konnte ich hier auf einige Dinge nicht eingehen wie etwa den Umgang mit Datenbanken, dem Prinzip eines Load Balancers als Ausfallumschalter und andere Spezialthemen. Eine Lösung ist und bleibt immer so individuell wie die Webseite oder der Shop selbst. Falls aber Interesse vorhanden ist, können wir hier im seo-book.de gerne noch auf weitere Details eingehen. Wer mehr wissen will, soll das einfach in den Kommentaren erwähnen!

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Markus Ostertag

Zum Techniker geboren und dann in diesem Internet gelandet.
Gebt mir eine Konsole, gebt mir eine Entwicklungsumgebung, gebt mir IT-Dinge über die ich nachdenken kann – nur so bin ich bei Laune zu halten und zu ertragen 😉
Ab und zu (viel zu selten) blogge ich hier über allerlei Kram.

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Kommentar (1)

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