Link-Sculpting, nofollow und was wir nun damit anfangen

Eine sehr große Änderung hat die Google-Optimierung „erwischt“. In der vergangenen Woche waren es noch Ankündigungen, heute hat Googles Spamhunter Matt Cutts klare Worte geschrieben. Der Inhalt: Pagerank Sculpting funktioniert nicht mehr so wie bisher. Jedenfalls nicht mehr mit „nofollow“. Was das bedeutet und wie wir damit umgehen, versuche ich hier zu beschreiben.

Zunächst zwei Begriffsklärungen: Mit „Pagerank-Sculpting“ versucht man den Google-Trust auf eigenen Unterseiten so zu steuern, dass die nach eigener Meinung wichtigen Seiten mehr davon bekommen und die unwichtigen (z.B. Impressum oder Archivseiten) weniger. Das hat man bis kurzem sehr fein mit dem Link-Attribut „nofollow“ funktioniert. Alle (intern) ausgehenden Links einer Seite (z.B. der Home) die keinen Trust abbekommen sollten (z.B. das Impressum), erhielten das Attribut rel=“nofollow“ in den Link-Tag geschrieben. Dadurch wurden sie nicht mitgezählt und die anderen Links konnten sich über mehr „Trust“ freuen. Very einfach.

Nun, das ist nicht mehr so. Matt Cutts behauptet sogar, dass dies schon seit einem Jahr nicht mehr so ist. Das will ich nicht kommentieren. Jedenfalls ist es nun so, dass die mit „nofollow“ gekennzeichneten Links auch weiterhin zwar keinen PageRank transportieren. Aber dieser wird nicht auf die übrig gebliebenen Links übertragen – sondern verpufft einfach. Und das will natürlich keiner.

Bevor ich zu den Konsequenzen daraus komme, eine persönliche Bemerkung von mir dazu: Das macht aus Sicht von Google Sinn. Ja, auch wenn die ganze SEO-Branche über diese Änderung stöhnt, ich finde sie sogar sinnvoll. Denn da der PageRank ja über Links abfließt, muss er natürlich auch dann reduziert werden wenn ich auf Links „nofollow“ schreibe. Denn ich habe ausgehende Links auf meinen Seiten – und warum sollte Google das anders behandeln als ein User, der diese Links ja nun mal sieht… Für Social Media Seiten die alles mit „nofollow“ zugeballtert haben freue ich mich geradezu, denn sie können nun noch einmal die Sache neu überdenken.

Und noch eine Bemerkung: Wir haben in der Vergangenheit viele Kunden vor Extreme-Nofollowing gewarnt – nun, leider – haben wir damit Recht gehabt. Unsere nächste Warnung betrifft Seiten die mit zu viel 301-Umleitungen herum spielen…

Was aber soll ich nun machen, wenn ich Links auf der Seite habe, die keinen Linkjuice erhalten sollen?

  • Also zuerst sollte ich überprüfen, ob die Links da überhaupt hin gehören. Ich kenne nicht wenige Seiten mit 300 ausgehenden Links pro Unterseite. Hey: Was machen diese Links dort? Kein Mensch kann glauben, dass User 300 Links danach prüfen, ob sie drauf klicken möchten. Also: Macht euch die Arbeit und schmeißt die Links raus, die nicht da hin gehören.
  • Welche Links sind Werbelinks? Oder Links auf Bäh-Seiten, die einfach nicht verlinkt gehören (die aber wg. Partnering oder sonstwie dort sind)? Diese Links erhalten weiterhin ein „nofollow“. Das sind ja sicher nicht viele… 😉
  • Überdenkt die übrig gebliebenen Links. Kann man davon vielleicht noch welche raus schmeißen?
  • Was ist mit Impressum, Kontakten u.s.w.? Let the PageRank flow! Selbstverständlich werden diese Seiten dann sehr stark werden, weil sie ja von jeder Unterseite einen Link erhalten. Was soll’s? Mach ein paar gute Links auf wichtige Unterseiten drauf. Oder baue den Feed deiner neuen Beiträge dort ein. Und gut ist.
  • Wer Kommentare auf seinen Seiten zulässt, erhält darüber potentiell auch sehr schnell sehr spammige Links darauf. Die beste Möglichkeit das zu verhindern, war immer „nofollow“ – und ist es auch weiterhin. Allerdings werden mit jedem zusätzlichen Kommentarlink nun – rein rechnerisch – die anderen Links der Seite verwässert. Das ist richtig ärgerlich, denn so kann mir  die Konkurrenz echt schaden. Hier gibt nun ein paar technische Möglichkeiten damit umzugehen. Etwa Kommentare nur in für Google gesperrten iFrames oder über irgenwelche andere Konstruktionen zuzulassen, die dem Spammer den Linkjuice rauben und den guten Kommentatoren trotzdem alle Möglichkeiten lassen. Das können wir gerne technisch miteinander besprechen. Eine wirklich befriedigende Lösung muss sich aber erst noch heraus stellen…
  • Noch mal checken: Sind alle Links wirklich nötig?
  • Wenn nun noch Links auf der Seite sind, die für den User sinnvoll erscheinen, die kein Kommentar-, Werbe- oder struktureller Link sind, nun, dann sind die halt nun mal da.

Ich beziehe mich hier vor allem auf interne Links, da wir ja über Sculpting reden. Deshalb diese massive Link-Reduktion, die ich empfehle. Ich weiß, es macht Arbeit. Aber auch die User werden es danken, wenn sie nicht mit 300 Links zugeballtert werden.

Was wir NICHT empfehlen:

  • Links mit Javascript zu maskieren. Das kann Google schon ein wenig und in Zukunft sicher noch besser lesen.
  • Wilde iFrame-, Flash oder sonstwelche Konstruktionen. Hier passieren mehr Fehler als man will.
  • Keine Links mehr auf die Seite zu bauen und im Linkgeiz zu verhärten. Nein, das Internet und vor allem Google leben von diesen Dingern und unsere User haben es verdient, dass wir ihnen Links anbieten.

Ist das der Tod des Linkscupting  also dem gezielten Stärken von wichtigen Seiten? Natürlich nicht! Ein paar Möglichkeiten haben wir. Zum Beispiel, indem wir mit einer cleveren Navigation und einer sauberen Homepage- und Channelstruktur arbeiten. Oder auch, indem wir uns daran erinnern, dass der Google-Robot ein wenig faul ist und wir im Source-Code die wichtigen Links eher nach oben packen. Oder indem wir die eher unwichtigen internen Links einfach weg lassen (s.o.).

Was noch? Ach, sicher noch eine Menge. Aber dazu dann später.

Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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