Linkless Ranking:
Wenn der Longtail für den Shorthead arbeitet

longtail vs. shortheadWas tun, wenn unsere Haupt-Keywort-URL-Kombination wie eingemeiselt in den (viel zu tiefen) SERPs liegt? Die überraschende Antwort: Kümmere dich nicht drum, sondern kümmere dich um andere URLs auf deiner Seite. Warum? Weil sich dann der Longtail stellvertretend für den Shorthead beweisen muss.

Ich setze noch einmal anders an: Mitte Oktober war es wieder – plötzlich – soweit. Das SEO-Book war nach einigen Monaten auf miesen Plätzen für das Keyword „SEO“ wieder auf Position 6 in den SERPs gehüpft. Wunderbar – aber überraschend. Wir haben über viele Gründe für diesen wiederholten phönixhaften Aufstieg diskutiert, aber ein zwingender Grund war nicht dabei: Es gab kein Relaunch, keine sonderlich höhere Artikelfrequenz und um Backlinks kümmern wir uns ohnehin nicht. Und trotzdem war die Startseite wieder auf einer Spitzenposition – und steht seit dem fest darauf.

Vielen Dank an Marcus Tandler, der mir mit seiner SEOkomm-Keynote im November das fehlende Puzzleteil lieferte. Er berichtete von einem Interview mit dem Yandex-„Head of Web Search“ Alexander Sadovsky in Moskau und erzählte, was er mit einer alten Kreditkarten-Infoseite erlebt hat. Auch diese hatte plötzlich wieder für „Kreditkarte“ eine Top-Position bekommen – ohne ersichtlichen Grunde. Alexander Sadovsky lieferte ihm den möglichen Grund dafür. Ein Grund, der mit Backlinks nichts zutun hat.

Hintergrund: Yandex will in Zukunft ganz ohne Backlinks im Algorithmus die jeweils beste Seite für einen Suchbegriff finden. Und da spielen halt plötzlich andere Faktoren eine große Rolle. Faktoren, da sind wir uns sicher, die auch Google schon parallel zu den üblichen SEO-Sachen im Einsatz hat.

Suchmaschinen mögen keine Backlinks mehr.

Es ist ja kein Wunder, dass Yandex aber auch Google und die anderen Suchmaschinen keine Lust mehr auf das hohe Gewicht von Backlinks haben. Rund um diesen Teil des Algorithmus hat sich eine veritable Ökonomie entwickelt. Da werden Links gekauft, getauscht und sonswie eingesammelt. Wie soll Google einem Rankingfaktor vertrauen, der durch Geld manipuliert werden kann?

Neue Konzepte sind deshalb gefragt. Beispielsweise:

  • Das Userverhalten in den SERPs: Klicken die User auf die Snippets? Oder nicht?
  • Das Userverhalten auf den Ergebnisseiten: Verweildauer, Bouncerate und Aktionen – die Google mehr oder weniger gut messen kann.
  • Der Traffic: Google kann auch immer besser messen, wie viel Besucher du auf deiner Webseite hast. Und, klar, viel Traffic ist ein günstiges Signal.
  • Semantik: Wie steht es um den Inhalt? Passt der Beitrag inhaltlich zu den anderen zum Thema rankenden Seiten?
  • OnPage: Gibt es Multimedia, ausreichend Inhalt, vernünftige Headlines u.s.w.?

Userverhalten macht Sinn – aber ist nich immer messbar

Das stärkste Signal dürfte das Userverhalten sein. Wenn sich die Besucher einer Webseite dort wohl fühlen, dann wird die Seite wohl auch irgendwie gut sein, so die plausible Annahme. Diese Betrachtungsweise verursacht aber – vor allem bei hart umkämpften Shorthead-Keywords – ein arg blödes Problem: Userverhalten kann nur gemessen werden, wenn der Beitrag schon in den Top-10-Olymp der Suchergebnisse aufgestiegen ist. Ich habe das mal in diesem Beitrag mit folgendem (hässlichen) Bild erläutert:

Zwei Phasen des Rankings

So lange (X-Achse für die Zeit z.B. Kalenderwochen) eine URL in den Rankings (Y-Achse Position in den SERPs, ganz oben ist Platz 1) unter der Position 10 bleibt, kommen kaum Besucher von Google auf die Seite und das Userverhalten kann nicht vernünftig gemessen werden. Also ist in diesem Bereich der Algorithmus schwer am schuften. Das ändert sich, wenn die URL in den sichtbaren Bereich kommt. Dann kann Google CTR, Verweildauer und Bouncerate messen – und die anderen Faktoren wie Technik, Backlinks u.s.w. verlieren an Bedeutung.

Das Problem, wie gesagt: Es gibt derzeit 664.000 Seiten, die gerne für „iphone kaufen“ auf Platz eins wären. Von etwa 663.990 Seiten hat Google aber keine Userdaten. Alle mal reintauschen und testen? Nein, das wäre übertrieben.

Also: Was ist zu tun für die Ingenieure in Mountain View und Moskau?

Eine Domain ist eine Domain ist eine Domain

Während ich es aufschreibe, wundere ich mich darüber, wie banal das klingt: Natürlich wird Google ANDERE URLs, die auf weniger umkämpfte Keywords optimiert sind, stellvertretend für die Haupt-Seite solche Userdaten sammeln lassen. Und siehe da: Wenn ich mir die Zeit anschaue, in der das SEO-Book wieder weiter nach oben geschossen ist, dann sehe ich eine höhere Performance einiger Unterseiten. Es waren nicht viel mehr User auf den Beiträgen über die htaccess, über Keyword-Recherche oder WDF*IDF – aber deren Verweildauer war etwas gestiegen und wenn ich in die Google Webmaster Tools schaue, dann kann ich gerade noch erkennen, dass auch die CTR (also die Klicks im Verhältnis zur Sichtbarkeit in den SERPs) gestiegen ist.

Ergo: Wenn das SEO-Book seine Besucher auf den Beitragsseiten gut „bedient“, dann hat es die Startseite auch verdient, für das Hauptkeyword gut gerankt zu werden. Tic?

Also: Der Longtail hat Qualität verdient!

Das macht Sinn! Gerade bei stark umkämpften Keywords überträgt die Suchmaschine die gute (oder schlechte) Performance aller oder einzelner Unsterseiten auf die Startseite. Wie das genau erfolgt, wissen wir natürlich nicht. Aber grundsätzlich ist die These plausibel. Was meint ihr?

Damit würde Matt Cutts ständiges Mantra „Macht halt besseren Content“ noch ein bisschen mehr stimmen.

Was fangen wir nun damit an? Einige Ideen:

  • Beobachtet in den Google Webmaster Tools die Seiten, die schon gut performen (unter Suchanfragen / Suchanfragen / Die häufigsten Seiten) und macht die Seiten NOCH besser, die eh schon gut sind.
  • Verlasst die ausgetretenen Conversion-Pfade („iPhone kaufen“) und kümmert euch um weniger umkämpfte Info-Keywords zu denen ihr tollen Service anbieten könnt. Wenn ihr mit den schwierigen „transactional“-Keywords nicht mehr weiter kommt, zeigt Google, dass ihr mit einfachereren „informational“-Keywords einen tollen Job machen könnt.
  • Fokussiert eure inhaltlichen Leistungen für jedes Keywords auf jeweils eine, WIRKLICH großartige Seite, die den Besucher gar nicht mehr los lässt.
  • Steckt eure Kraft nicht nur in eure Top-Seite sondern auch in einen pyramidenförmigen Unterbau von gutem Content.

Ich bin mir sicher, im Laufe der nächsten Monate werden wir noch mehr Taktiken und Strategien entwickeln, um Google auch in diesem Sinne zu geben, was die Suchmaschine braucht. Bis dahin soll das hier erst einmal genügen.

Foto: © viperagp – Fotolia.com

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (14)

  1. ronnym1982

    Moin Eric, klingt alles absolut plausibel. Ich habe bei eigenen Projekten eine ähnliche Situation erlebt: festgenagelte Keywords auf Platz 12-22 und ohne neue Backlinks ein plötzlicher Anstieg dieser Seiten. Deine Vermutung, das die Longtails die Shortheads mitziehen, kann ich nur bestätigen. Gibt es also doch noch Hoffnung für SEO ohne Backlinks? 😉

    Gruß aus Hamburg,
    Ronny

  2. dlm310t

    Hallo Eric,

    zu dem Thema würde ich meinen Vortrag von SEOday vorschlagen (https://www.youtube.com/watch?v=XAlojAI3ePw) Bei dem Vortrag habe ich die mich ua. mit den Rankingfaktoren von Yandex beschäftigt. 🙂

  3. dlm310t

    Sorry, ich habe zufällig den falschen Link gepostet :

    https://www.youtube.com/watch?v=nYYEfTkCMOM

  4. eric108

    dlm310t Gutes Thema!

  5. dlm310t

    eric108  find ich auch! Hast du mein Video (rankings ohne links – do it like yandex) gesehen?

    🙂

  6. eric108

    dlm310t eric108 Ne, du hast da Astrid verlinkt… Oder hätte ich das ganz durchgucken müssen?

  7. dlm310t

    Hey, ja das war ein Fehler:( ich wollte dieses Video verlinken : https://www.youtube.com/watch?v=nYYEfTkCMOM

  8. alexexta

    Ich habe mir gestern den Yandex Webmaster Guide durchgelesen. Gleich zu Beginn die Frage an Webmaster: „Angenommen es gäbe keine Suchmaschinen, würden man die Website trotzdem online stellen? Wenn ja, dann wird die Website indexiert, wenn nicht fliegt sie raus“. Klingt hart aber fair. Soll heißen, nur Webseites die auch beste Antwort auf eine Suchanfrage liefern, haben ihre Berechtigung im Web verdient, alle anderen werden von Yandex ausgeschlossen oder im Ranking abgestuft. Daher finde ich deine Empfehlung auch sehr passend, was Yandex auch den Webmasters empfiehlt: Fokussiert eure inhaltlichen Leistungen für jedes Keywords auf jeweils eine, WIRKLICH großartige Seite, die den Besucher gar nicht mehr los lässt.

  9. dlm310t

    alexexta Servus,

    Yandex macht richtig tolle sachen (Inseln, Metrika, Panorama (~ Google Street View – ist allerdings 1,5 jahren älter), Yandex-Apps, der neue Yandex Browser (einfach geil) usw.) 

    Nicht umsonst ist Yandex das erfolgreichste und umsatzstärkste Unternehmen europaweit 😉 
    Weltweit gilt Yandex als zweitwichtigster Umsatzbringer im Netz (Google (ohne Youtube) ist auf dem ersten Platz mit 6Millionen $, Yandex hat „nur“ 3 Millionen $ geschafft 😉 —> und das nur in den GUS Ländern und in der Türkei!!!!! )

    Ganz ehrlich: Yandex als Suchmaschienenriese ist mir wesentlich sympatischer als die amerikanischen konkurenten wie google, yahoo oder bing…
    Google sagt: Dont be evil–> und sie selber sind teilweise schon sehr böse

    Yandex sagt: 

    „Bei Yandex geht es immer um die Users: wir respektieren
    zwar alle Publishers, SEOs und Webseitenbetreiber, aber nur
    der User ist der, wer uns wirklich interessiert“
    (Grigorij Bokunov, OmCap 2014)

  10. dlm310t

    alexexta

    ah fast vergessen: Mit den Tools von Yandex kannst du deine Seite wesentlich user und suchmaschinenfreundlicher machen, als du es mit den Google Tools machen könntest. Hier ist wieder mal ein Zeichen wo Yandex sagt: Lass uns zusammenarbeiten, eurer und unser Ziel ist dasselbe: wir möchten beide unsere User zufriedenstellen (klar Spam müssen sie so oder so bekämpfen;) )

    „Wir haben es gesehen, dass seit der Entfernung der
    Backlinks aus unseren Ranking Faktoren, haben sich die
    Webmaster bemüht, das Linkkauf-Budget für Usability-
    Optimierung und SEA auszugeben. Viele der Webseiten sind
    benutzerfreundlicher geworden, was das Userexperience
    verbessert“

    (Grigorij Bokunov: OMCap Berlin 2014)

    das ist meiner Meinung nach ein besserer Ansatz, als der von Google,wo sie spammer und seos einfach in die gleiche Schublade stecken ….

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  13. schiffdirk

    Ein schöner Artikel. SEO verändert sich und das merkt man auch an den Ergebnissen.

  14. tobias

    Das stimmt. Ich habe in den letzten 5 Jahren meinen Traffic von 20,000 / Tag auf 50,000 organische Besucher am Tag optimiert…der Short Tail ist dabei extrem gefallen, weil ich es etwas übertrieben habe mit den Long-Tail. Nun habe ich zwar 50,000 Besucher am Tag aber 50% weniger Conversions. Ich denke 2015 sollte man keinen Wert auf extrem long-tailing legen. Medium-Tail ist die Devise…oder sagen wir slightly-longer-tail.

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