PHP-Proxys zur Verschleierung

Tools wie NetComber finden anhand verschiedenster Kriterien (gleicher Webhoster, selber Programmierstil, Google Account etc.) recht einfach den Betreiber einer oder mehrerer Webseiten. Nun möchten SEOs aber manchmal ihre Spuren zwischen verschiedenen Projekten verwischen. Dafür eignet sich die Verwendung eines einfachen PHP-Proxys, um einige Anhaltspunkte für NetComber & Co auszuschließen.

Die Grundidee des PHP-Proxys

Bevor auf das Verschleiern der Herkunft näher eingegangen wird, soll zuerst der Grundgedanke des PHP-Proxys erläutert werden: Dieser sieht die Einbindung eines einfachen Blogs von Blogger (domain.blogspot.com) oder WordPress (domain.wordpress.com) auf einer eigenen Domain (beispiel-xyz.de oder beispiel-xyz.de/blog) vor. Der Blog selbst befindet sich also auf der kostenfreien Seite, wird aber über das PHP-Skript auf die Wunschdomain “durchgereicht”. Die Vorteile hierfür sind schnell aufgezählt:

  • Keine Datenbank-Installation notwendig
  • Installation und Wartung des Blogs auf dem eigenen Webspace entfällt
  • Seite wird nicht selbst gehostet: um den Blog auf einer eigenen Domain laufen zu lassen reicht das kleinste Paket der Domainhoster, welches bereits ab ab ca. 1,90 Euro im Monat mit einfacher PHP Unterstützung angeboten wird

Auf den eigenen Webspace wird lediglich ein schlankes PHP-Skript geladen, welches die Anfrage des Browsers verarbeitet und beantwortet. Das funktioniert bildlich gesprochen wie bei einem Bibliothekar, der Sie nicht zwischen die Regale lässt, Ihnen jedoch alle gewünschten Bücher rausbringt. Sie wissen nicht, wo die Bücher genau stehen, aber Sie erhalten alle angeforderten Informationen. NetComber wäre hier in der Rolle des Bibliothek-Besuchers – besitzt durch diese Maßnahme also weniger Daten für die eigenen Analysen.

Mögliche Einsatzszenarien für dieses PHP-Proxy wären die Ergänzung des eigenen Webauftritts um einen einfachen Blog oder das Vorprojektieren und dadurch bequemere live schalten einer Seite.
 

Einrichtung blogger.com Blog

Die Einrichtung geht leicht von der Hand und bedarf nur weniger Erklärungen. Für unser Beispiel verwenden wir Blogger.com, der mit einem Google-Account in wenigen Minuten erstellt ist. Wichtig ist – neben der Gestaltung – dann nur noch die URL für das PHP-Skript sowie die Noindex Kennzeichnung für die kostenlose Domain, in unserem Beispiel jetzt seo-campixx-13.blogspot.com

noindex-nofollow Kennzeichnung

Mit dieser Maßnahme wird der gefürchtete Duplicate Content verhindert, denn wir wollen unsere Texte ja nur auf der neuen, eigenen Domain und nicht unter seo-campixx-13.blogspot.com.

Das PHP-Skript

Das nachfolgende Beispiel wird am Microframework Silex erklärt, da es verständlicher ist. Es kann auch ohne dem Microframework verwendet werden. Das PHP-Skript kann kostenfrei von github.com/sebastianblum/seocampixx2013 heruntergeladen werden. Die Datei befindet sich in dem Ordner „src“ blog.php:

[gist]https://gist.github.com/sebastianblum/5107838[/gist]

Erklärung

Gleicher Inhalt – unterschiedliche Adressen:
Das Skript holt sich die benötigten Informationen von der angegebenen Adresse, hier seo-campixx-13.blogspot.de. Die URLs werden von seo-campixx-13.blogspot auf /blog geändert. Noindex und Nofollow (sofern vorhanden) werden invertiert, um den Inhalt auf der neuen Domain sichtbar zu machen

Das kurze Beispiel zeigt, wie einfach Inhalte einer anderen Domain unter der eigenen veröffentlicht werden können. Natürlich kann das Ganze noch um Kommentare, Caching oder ähnlichem erweitert werden.

Die PHPUnit-Tests für dieses Beispiel gibt es hier. Werden die PHPUnit-Tests ausgeführt, sollte sich folgendes Bild ergeben:
PHPUnit Testergebnisse
 

Erweiterung um geheimen Server

Einen Blog auf eine andere Domain direkt einzubinden ist nur die einfache Variante, denn mithilfe des Skripts ergeben sich noch weitere Einsatzmöglichkeiten. Um die eingangs erwähnte Problematik wieder aufzugreifen, bei der NetComber unter anderem anhand desselben Hosters weitere Seiten einer Person oder Firma ausfindig macht, soll hier das Prinzip des geheimen Servers erläutert werden.

Schaubild geheimer Server

 

Ein mögliches Szenario wäre die Installation einer großen WordPress-Multisite auf einem Server. Die einzelnen Blogs sollen sowohl auf unterschiedlichen IPs als auch in verschiedenen Ländern gehostet werden. Der Einfachheit halber und vor allem aus Sicherheitsgründen erfolgt die Verwaltung aber zentral auf einem Server. Ein kurzes PHP-Skript verteilt die Inhalte dann auf die unterschiedlichen Provider und Domains.

PHP-Skript „Geheimer Server“

Das Schaubild verdeutlicht den Ablauf der Kommunikation:

  • Der Browser sendet eine Anfrage an unsere bezahlte Domain, hier in dem Beispiel blog.de
  • Das PHP-Skript greift die Anfrage auf, ersetzt die Domain und leitet sie weiter an den richtigen Server, welcher nur über die IP erreichbar ist (unsere geheime WordPress-Multisite-Installation)
  • Der Server liefert die angeforderte HTML
  • Das PHP-Skript greift dieses wieder ab, korrigiert die URLs und leitet es ohne unnötige Zusatzinformationen an den Browser weiter

Hier der dazugehörige PHP-Code:

[gist]https://gist.github.com/sebastianblum/5107849[/gist]

Natürlich kann dieses Beispiel beliebig ausgebaut und um zusätzliche Funktionen erweitert werden.
 

Praxis-Beispiel

Der Münchner Bauträger Terrafinanz verwendet meinen PHP-Proxy, um Unterseiten seiner Webseite auf der Domain www.reese-park-augsburg.de bereitzustellen. Somit kann für das Direktmarketing eine sprechende URL verwendet werden, ohne dass die Seite dupliziert werden muss.

In diesem Beispiel ist eine einfache Weiterleitung nicht möglich, da verschiedene AdWords-Accounts für die Bewerbung der Haupt- und der Satelliten-Domain verwendet werden. Google erlaubt keine Verwendung einer Domain für zwei AdWords-Konten. Durch das Skript wird diese gewünschte Option möglich und es reicht die Pflege des Contents an einer einzigen Stelle, um den Inhalt auf beiden Seiten zu aktualisieren.

Anbei der alleinstehende PHP-Code:

[gist]https://gist.github.com/sebastianblum/5107856[/gist]
 

Ankündigung SEO Campixx

Dieses PHP-Beispiel ist Bestandteil meines Vortrags PHP-SEO auf der SEO Campixx 13, den ich am Samstag um 16:30 Uhr im Raum PROENTRY halte. Dort erzähle ich außerdem über die Möglichkeit, mit PHP ein Conversion-Tracking einzubinden, ohne die eigentliche Shop-Software verändern zu müssen, sondern wie eine gesonderte PHP-Applikation die Funktionalität bereitstellen kann.

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Sebastian Blum

Sebastian Blum studierte an der Universität Regensburg Diplom Wirtschaftsinformatik und entwickelte während dieser Zeit ein regionales Social Network, welches zu Spitzenzeiten 70.000 Nutzer im Monat verwendeten. Nach dem Studium arbeitete Sebastian als Scrum Product Owner bei Süddeutsche.de und ist jetzt Geschäftsführer der Sebastian Blum GmbH aus Zolling. Sebastian Blum auf Xing

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Kommentare (2)

  1. TimoF

    Ich finde das ist ein sehr schicker Ansatz. Aber wie wirkt sich das auf die Ladezeit aus? Die ist ja schließlich auch ein Rankingfaktor.
     
    Eventuell müsste man das Script also noch um ein Caching erweitern, damit alles gut klappt.

  2. blumsebastian

    Hallo TimoF,
     
    Die Ladezeit wirkt sich nur unmerklich aus, da die Server zu Server-Kommunikation sehr schnell ist.
     
    Beispiel:
    Die Erzeugung der Seite mit mehreren Datenbank-Abfragen benötigt 200ms, die Server-zu-Server-Konfiguration im Normalfall 15ms, so wirkt sich der Unterschied nur marginal aus.
     
    Aber du hast Recht, man kann dieses Beispiel noch unendlich erweitern und ich habe auch eine deutlich umfangreiche Variante im Einsatz. Neben Caching ist auch eine Fallback-Logik integriert. Falls der Haupt-Server down ist, lädt der Proxy automatisch vom Fallback-Server.
     
    viele Grüße, Sebastian

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