SEO für Entwickler und Techniker

Jeder im Unternehmen sollte “SEO machen”. Doch nicht jeder muss sich mit allen Details beschäftigen. In diesem Teil der Serie “SEO für Nicht-SEOs” will ich die Entwickler und Techniker dafür gewinnen, einige Faustregeln zu beherzigen, die bei der codeseitigen Optimierung für Suchmaschinen helfen.

seo für techniker und entwicklerIn der Google Webmaster Hilfe und auf vielen SEO-Blogs gibt es reichlich Tipps, Hinweise und Beschreibungen, wie eine Webseite technisch gebaut werden sollte. Ziel: Der Google Crawler muss sie verstehen. Auch hier im SEO-Book versuchen wir fleißig, den vielen Fragen, die dabei anfallen, gerecht zu werden. (Wenn ihr Fragen habt, gerne hier lang.)

Nun wäre es vermessen, dies alles hier ein einem Beitrag zusammen fassen zu wollen. Deshalb will euch Entwicklern und Technikern da draußen „nur“ einige Wünsche des Suchmaschinenoptimierers aufschreiben, damit die Zusammenarbeit prima klappt.

„SEO“ passt nicht immer zum Wunsch des Auftraggebers

Ich habe übrigens großes Mitgefühl mit einem Webentwickler, von dem ein Auftraggeber verlangt, dass er gleich alles perfekt für SEO baut. Denn das ist unmöglich. Erstens kann er nicht jeden der o.g. Blogbeiträge lesen und sich ständig auf dem Laufenden halten. Zweitens hat jeder Auftraggeber ohnehin derart seltsame Ideen im Kopf, dass der Entwickler froh sein kann, wenn er diese einbauen kann. Und drittens ist jeder Techniker auch Arbeits-Optimierer und macht halt das am liebsten, was er schon immer erfolgreich gemacht hat. Richtig?

Und nicht zu vergessen: das Content Management System. Das ist ja nicht immer WordPress muss häufig erst sehr stark in Richtung SEO gebogen werden. Was also tun, wenn die SEO-Branche plötzlich nach Rich Snippets schreit – aber der CMS-Hersteller daran noch nie gedacht hat?

Wofür ich allerdings überhaupt kein Mitgefühl habe: Wenn eine Web-Agentur oder ein Webentwickler „Suchmaschinenoptimierung“ ins Portfolio schreibt oder verspricht – das aber nicht schafft (z.B. weil man keine Lust hat, jeden Tag Blogs dazu zu lesen und auf Konferenzen zu gehen). Für euch habe ich kein Mitgefühl sondern andere Adrenalin-Ausschüttungen.

Also, Freunde, wir müssen zusammen arbeiten. Und da lautet das wichtigste Gesetz: Du machst deinen Job und ich mache meinen Job. Und jeder von uns beiden ist darin jeweils ziemlich kompetent. Einverstanden? Ich werde unserem gemeinsamen Auftraggeber gegenüber nicht behaupten, dass dein Code Murks oder veraltet sei und du empfiehlst ihm auch nicht mehr, Texte zu verstecken oder anderen Quatsch.

Hier einige Faustregeln, die der SEO dem Entwickler und Techniker mitgeben möchte:

  • Performance ist wichtig: Je schneller die Seite geladen wird, umso besser für den User und umso mehr mag Google diese Seite. Da gibt es einiges zu tun. Von CSS-Sprites über konsolidiertes Javascript bis hin zu Reduzierung von Bildgrößen.
  • Weniger Code ist besser als viel Code: Keep it simple! Je weniger Zeilen Code du brauchst, umso besser versteht Google den Text der Seite. Unsere Tipps für den Anfang: CSS-Formatierungen und Javascript auslagern, <div> statt <table> u.s.w..
  • Crawlability rules: Wir präsentieren dem Crawler nur Seiten, die einen Keyword-Fokus haben und Sinn in der Suchmaschine machen. Und beim „Sperren“ gibt es eine feine Unterscheidung zwischen dem Metatag „robots“ und einem Disallow-Eintrag in der robots.txt. (siehe hier im Kapitel „Unnötige Seiten sperren/entwerten“)
  • Links sollten einen Sinn haben: Eine URL mit 300 ausgehenden, internen Links zeigt höchstens die Unentschlossenheit des Webseitenbetreibers. Neben der Navigation gehören also nur Related Content Links auf passende Beiträge auf die Seite  – oder bezahlte Links (und die werden über „nofollow“ entwertet.)
  • URLs sollten „speaking“ und semantisch aufgebaut werden: Alle Seiten des Bereichs „Shop“ kommen in den Ordner „shop“ und die Produkte der Kategorie „kat1“ gehören in „shop/kat1/“. Aber, hey: Wenn eine Seite KEINE Speaking URLs hat, sollten die nicht in jedem Fall eingeführt werden. Denn dabei passieren oft mehr Fehler als es nachher Nutzen hat…
  • Jede Seite bekommt ihr Canonical-Tag: Und zwar inklusive Domain und system-seitig. So, dass jeder Inhalt vom System einen Canonical-Tag mit diesem Muster bekommt: http://www.beispiel.de/shop/kat1/produkt1.html.
  • In der Navigation wird immer genau diese eine URL verlinkt: Die Home wird also z.B. immer (!) nur mit http://www.beispiel.de/ verlinkt und nicht auch mit http://beispiel.de/index.html, https://www.beispiel.de/ oder so ähnlich.
  • Weiterleitungen sind (fast) immer „permanent“: Und diese produziert den Statuscode „301“ und NICHT „302“. Außerdem leiten wir immer direkt auf die Zielseite um – und basteln keine Weiterleitungsketten. Es gibt Ausnahmen, aber dafür fragt ihr bitte einen kompetenten SEO in der Nähe.
  • Die Fehlerseite sagt 404: Viele versuchen diese „Fehler“ zu kaschieren, indem halt doch ein „200“ angezeigt wird oder alles auf die Home umgeleitet wird. Das lassen wir lieber, ein Fehler ist halt ein Fehler.
  • Good old HTML: Eine Fettung ist <strong>, eine Headline <H1>, eine Liste <ul> u.s.w..
  • Bilder werden möglichst transparent eingebaut: Also ohne Javascript-Spielerein. Am besten funktioniert ein Bild in der Image-Search, wenn die Bild-Datei verlinkt wird – und die Darstellung über Javascript erfolgt, der Crawler also möglichst wenig davon sieht. Und es ist natürlich schön, wenn der Dateiname „speaking“ sein kann und eine Bildunterschrift möglich ist.
  • Text ist Text und ein Link ist ein Link: Der Text einer Seite ist jeder Text auf der Seite, der nicht verlinkt ist. Der Anchor-Text der Links ist also KEIN Text sondern zählt sozusagen für die damit verlinkte Seite. Wobei dann natürlich zu überlegen ist, woher der Text einer Seite kommen soll, auf der nur Teaser stehen? Aber ein bisschen eigene Kreativität traue ich dir definitiv zu 😉
  • Gib HTML5 eine Chance: Die Struktur-Angaben von HTML5 helfen (irgendwann) dem Crawler deine Seite zu verstehen.
  • Arbeite immer möglichst aktuell: Achte darauf, wie Rich Snippets erstellt werden, wie der Author-Tag funktioniert u.s.w..

Wie gesagt: Jeder macht SEINEN Job

Ja, das ist eine ganze Menge Zeugs. Und mir würden noch mehr Punkte einfallen. Aber es geht ja nicht darum, dir jeden Handgriff vorzuschreiben und zu verlangen, dass alles perfekt sein muss. Das ist ja gar nicht zu schaffen und aus Sicht des Aufwands auch gar nicht wünschenswert.

Es sollte möglichst viel SEO im Code stecken – und es darf kein SEO-Blödsinn drin stecken.

Pro Jahr baut Google wohl 500 Änderungen in seinen Algorithmus. Deshalb meine allergrößte Bitte: Verkneife dir alle SEO-Tricks, von denen zu mal gelesen hast oder die du schon seit vielen Jahren immer wieder verwendest. Überlasse so etwas uns SEOs.

Foto: © lassedesignen – Fotolia.com

GD Star Rating
a WordPress rating system
SEO für Entwickler und Techniker, 4.0 out of 5 based on 16 ratings

Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - LinkedIn - Google Plus

Kommentare (8)

  1. Pingback: SEO für Nicht-SEOs - Allgemein -SEO Book

  2. Pingback: SEO | Annotary

  3. Pingback: Was erwartet Google in den nächsten Monaten in Bezug auf SEO

  4. Pingback: Wochenrückblick KW 20 - Webseiten-Struktur, SEOCruise, Projektierung einer Domain und mehr

  5. Pingback: Top 10 der Woche 21/13 « Wochenrückblicke

  6. Pingback: SEO Auslese Mai 2013 | Online Marketing Agentur (Projecter GmbH)

  7. Pingback: clemsondeckbuilders.com/

  8. Pingback: likri.com

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *