Taxonomien für alle: Tags, Kategorien oder beides?

Darf man auf einer Webseite Kategorien und Tags gleichzeitig einsetzen? Sollte man das vielleicht? Mindestens alle, die ihre Webseite mit einem Blogsystem wie WordPress betreiben, werden vor diese Frage gestellt. Jeder Seitenbetreiber, der mit einem SEO zu hat, auch. Meine Antwort auf diese Fragen: Meistens macht es Sinn, beide Taxonomien einzusetzen – aber bitte mit Sinn und Verstand.

Tags und Kategorien

Gobschlächtige Verurteilungen helfen jedenfalls nicht weiter. „Niemals Tags und Kategorien einsetzen“ oder „möglichst beides und das heftig“ zeugen von wenig Einfühlungsvermögen. Gehen wir lieber mal einen Schritt zurück und schauen, worum es sich bei den beiden Taxonomien handelt:

  1. „Kategorien“ werden bei Webseiten auch „Channels“ genannt und man könnte sie als Töpfchen beschreiben, in die die Artikel oder Produkte geworfen werden. Alle „Hosen“ beim Herrenausstatter-Shop in das eine Töpfchen, alle Jacken in ein anderes. Der Handy-Test in einem Testportal in das eine Töpfchen der Notebook-Test in ein anderes. So ein Kleidungsstück oder Gerät kann ja immer nur eine Hose/Handy oder eine Jacke/Notebook sein.
  2. „Tags“ sind „Labels“, „Etiketten“. Die klebt man auf Marmeladegläser oder auf Post-Pakete. Und wenn man ein Marmeladeglas per Post verschickt, bebbt ein Etikett mit „Quittengelee“ auf dem Glas – und ein Etikett „Zerbrechlich“ auf dem Paket. Vielleicht steht da aber auch „Quitten-Bananen Marmelade“ drauf oder „Kirschgelee“.

Ihr merkt schon, worauf ich hinaus will: Kategorien strukturieren unsere Seite und die Tags dienen der feineren Sortierung – auch über die Kategorien hinweg. Und wer die beiden Taxonomien so verwendet, wird sich ein System wünschen, in dem beide vorhanden sind.

Beispiel: ein typischer Shop

Machen wir mal ein Beispiel aus einem Shop-Bereich. Bleiben wir bei den Jacken und Hosen. Ein Herrenausstatter verkauft in seinem Ladengeschäft in der Kaufinger Straße in München zum Beispiel unten die Sonderangebote, im ersten Stock links die Hosen, rechts die Jacken und im nächsten Stock die Anzüge und auch die Hemden. Wenn die Angestellten eine neue Lieferung bekommen, werden sie diese in diese Bereiche aufteilen. Zwar kann eine Hose im ersten Stock und zeitweise auch bei den Sonderangeboten im Erdgeschoss angeboten werden – aber niemals dieselbe sondern immer nur die gleiche. So ist das (für alle, die das ein wenig verdrängt haben) in der Offline Welt.

Und so kann es auch online sein: Es gibt eine Kategorie mit Hosen, eine mit Hemden u.s.w.. Das Erdgeschoss, und hier hat der Herrenausstatter den Vorteil der Online-Welt, ist so etwas wie seine Startseite – hier kann er aus allen Kategorien die richtigen Produkte anteasern.

Gleichzeitig hat aber jedes Produkt noch weiter Eigenschaften:

  • Marke / Hersteller (Joop, Boss u.s.w.)
  • Farben (gedeckt, schrill, kariert u.s.w.)
  • Saisonales (Sommermode, Wintermode, Frühlingsmode, Herbstmode)
  • Stil (elegant, lässig, sportlich u.s.w.)
  • weitere Produkteigenschaften (Sondergrößen, Angebote, eigene Marke u.s.w.)

Das sind dann natürlich die Tags. Diese müssen nicht vergeben werden – aber es können mehrere Tags für ein Produkt verwendet werden. Sogar innerhalb der Tag-Dimension können Labels mehrfach vergeben werden. Ein Hemd kann locker im Frühjahr und im Sommer angezogen werden – vielleicht passt es nicht in den Winter, dann kommt das Label nicht drauf.

Nun gibt es Ladengeschäfte, die haben ihre Organisation rund um die Marken aufgebaut. Da findet man im ersten Stock alles von Boss und weiter oben alles von Joop. Übertragen in die Online-Welt heißt das, dass die (Haupt)-Kategorien aus Markennamen bestehen doch jedes Produkt per Tag „weiß“ ob es eine Hose oder eine Jacke ist. Selbstverständlich kann man auch mit Haupt- und Unter-Kategorien arbeiten oder auch mit Kategorien, die nicht in einer Dimension liegen. Das wird aber bei der Organisation der Webseite schwierig. Geht aber…

Kurz zusammen gefasst: Im einfachsten Fall gibt es ein diskretes Kategorie-System in das alle Produkte vollständig und eindeutig eingeordnet werden. Und es gibt ein Tag-System, in dem übergreifende Systeme immer dann angebracht werden, wenn sie für den Artikel relevant sind.

Vorsicht beim Wildwuchs

Der Umgang mit Kategorien ist relativ einfach: Diese werden nach hoffentlich reiflicher Überlegung erstellt und dann muss jeder Beitrag bzw. jeder Artikel dort hinein organisiert werden.

Der Umgang mit Tags ist viel schwerer: Denn selbst wenn man mit einem guten Plan startet, wird dieser aus dem Ruder laufen, wenn man halt so vor sich hin taggt. In der Vorbereitung für diesen Artikel war das SEO-Book hier mein bestes Beispiel dafür. Man schreibt einen Artikel, schmeißt den in die Kategorie „Allgemein“ und vergibt alte und neue Tags – je nachdem, was man so für wichtig hält. Ihr kennt das, gell?

Sinnvoll und bei Kundenprojekten (da läuft das immer besser) gut geübt ist eine Positiv-Liste von Tags (z.B. in Google Docs angelegt). Hierin stehen z.B. die Tags oben (Marke, Farben u.s.w. jeweils als Spalte und die Ausprägungen darunter:

Tags als System

Übrigens: „Sonderangebote“ ist KEIN Tag, denn Sonderangebote sind vorübergehend, deshalb für eine nachhaltige Vertaggung nicht geeignet. Da muss man sich ein anderes System bauen.

Und folgende Regeln könnten gelten:

  • Jeder Mitarbeiter darf nur die Tags verwenden, die in dieser Liste stehen.
  • Jedes Produkt braucht einen Marken-Tag – die anderen Tags sind optional.
  • Fehlt ein Tag (z.B. Marke „Daniel Hechtet“) kann es hinzu gefügt werden, wenn zu erwarten ist, dass möglichst bald weitere Artikel zu diesem Tag erscheinen.
  • Außerdem muss nach dem Hinzufügen mittels der Suche nach weiteren Artikeln im Bestand gesucht und diese getaggt werden.
  • Einmal pro Monat wird die Liste überarbeitet und nach (fast) „leeren“ Tags gesucht.

Der Vorteil dieser Tags: Auf diese Weise werden die zusammengehörigen Produkte über die Tag-Seiten gut miteinander verlinkt (eine vernünftige Technik voraus gesetzt, siehe WordPress). Diese Tagseiten können auch aufgewertet werden und zum Beispiel als Markenseiten in die Navigation einfließen. Und wenn man mal ein Special machen möchte („Sommermoden“, „italienische Marken“) hat man schon alle Produkte mit wenigen Klicks zusammen.

Tags und Kategorien in WordPress

Term Optimizer by Yoast

Super-Tool zum Aufräumen der Tags und Kategorien in WordPress

Und jetzt noch ein ganz praktischer Tipp für alle WordPress-Benutzer (und der Anlass des Artikels): Aus dem letzten SEO-House (an dieser Stelle viele Grüße) habe ich den Tipp zum Tag-Optimizing Tool von Yoast gehört, dieses gekauft und sofort mit hochrotem Kopf begonnen, die Tags und Kategorien meines SEO-Books aufzuräumen. Ich bin damit noch lange nicht fertig – wollte zuerst mal diesen Beitrag schreiben…

Ein kleiner Tipp: Falls ihr einen Tag mit dem Namen „Tag“ habt, stellt diesen nicht auf „Umleiten“. Denn das verträgt sich nicht mit den anderen Umleitungs-Regeln in WordPress und ihr werden in einen seitenweiten 500er-Fehler hinein laufen. Ich habe Stunden gebraucht, um darauf zu kommen…

Und, die Antwort ist: beides – aber mit Verstand

So ist das in der grauen Realität: Grobschlächtige Regeln sind wenig hilfreich – besser ist es, nach dem Sinn und Zweck von Funktionen zu fragen und diese entsprechend derer einzusetzen. Egal ob Blog, Shopping-Seite oder Portal: Mit wenigen guten Kategorien und einem verbindlichen Tag-System kann  man sich die beste und zukunftssichere Sortierung seiner Beiträge und Produkte basteln.

Einverstanden?

Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book. Jetzt schreibt allerdings mehr auf dem Contentman

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