Von "go" bis "Longtail": Ein paar Worte zu Keyword-Kategorien

Schnell zeigt einem etwa die Searchmetrics Suite einige tausend Keywords, mit denen man gefunden wird. Bei größeren Seiten werden das auch mal mehrere hunderttausend Keywords. Wie soll man hier den Überblick behalten? Natürlich: mit ordentlichen Kategorien. Ich werde einige Vorschläge machen, wie man mit Keyword-Kategorien man auch große Seiten im Überblick behält.

Sauber aufgeräumt: Jedes Teilchen hat sein Schüsselchen...

Der Grund für den Aufwand ist klar: Schaut man ausschließlich von weitem, etwa „nur“ mit der Visibility bzw. Sichtbarkeit eines Toolanbieters auf eine Webseite, hat man schnell das Gefühl, wichtige Details und Entwicklungen zu übersehen. Beschäftigt man sich aber mit einzelnen Keywords, verliert man schnell den Blick für das Ganze und verheddert sich im Gestrüpp der Details. Die Verbindung zwischen Detail und Überblick ist die Arbeit mit sinnvoll organisierten und klug gefüllten Kategorien. Wer etwa sieht, dass sein Superlongtail zerbröselt, wird schneller Gegenmaßnahmen einleiten können – noch bevor sich das vielleicht auch auf die gesamte Sichtbarkeit der Webseite durchschlägt.

1. Die Keyword Dimensionen

Da es hier im „Google-Optimierung“ geht, sollten wir und vornehmlich an dem orientieren, was sich Google von uns wünscht. Und bei der Suchmaschine haben wir gleich mal eine Handvoll inhaltlicher und formaler Faktoren, unter denen eine Suche eines Users, also ein Keyword, bewertet wird:

  • Shortteil, Midtail, Longtail: Der Suchtraffic ist sicherlich eine der meist genannten „Dimensionen“ von Keywords. Deshalb muss ich das wohl nicht erklären.
  • „Do“, „Know“, „Go“: Die Suchmotiviation hat Google in seinen neulich „verlorenen“ Guidelines für Rater mindestens begrifflich neu definiert. Früher nannte man das „Transactional“, „Informational“ und „Navigational“ Search. Google unterstellt den Usern darin jeweils unterschiedliche Motive, WARUM sie suchen. Wer etwa „Beatles Poster“ eingibt, wird (so Google) eines kaufen wollen und sich nicht mit der Geschichte der Beatles-Poster beschäftigen wollen. Diese Unterscheidung ist zwar nicht immer trennscharf zu machen – aber manchmal schon („Kredite vergleichen“, „iPhone kaufen“ sind „go“). Und wenn Google hier eine Unterscheidung macht, sollten wir das auch tun. Es macht ja auch wenig Sinn kaufwilligen Usern („do“) irgend eine reine Info-Seite („know“) anzubieten.
  • Freshness: Spätestestens seit dem letzten großen Update, dem Freshness-Update, gibt es in der Optimierung nicht nur „im Moment aktuelle“ Begriffe sondern auch Keywords, die immer mit noch mehr aktuellen Ergebnissen gefüttert werden. Etwa für „Handy Test“ will Google nun immer den aktuellsten Test bevorzugen. Wir sollten also wissen, wie sich unsere Seite in solchen „Freshness-Fragen“ schlägt.
  • Universal Search: Schon fast ein Klassiker (und trotzdem in der Bedeutung ständig wachsend) ist die Optimierung auf Images, Videos, Places, Shopping u.s.w.. Allerdings geht die Optimierung auf diese Oneboxen in den SERPS auch mit einer ordentlichen Optimierung etwa der Bilder im allgemeinen und auf Keywords MIT Image-Onebox im Speziellen einher. Ein guter Grund, diese zu verfolgen.
  • Money-Keywords, Wettbewerb, kritische Keywords: Es gibt noch so einige andere Kategorien, die man genauer verfolgen sollte. Wer etwa mit dem Begriff „download“ arbeitet, wird gemerkt haben, dass dies für Google ein Signalwort ist und anders behandelt gehört als das Signalword „Poker“. Ähnliches gilt auch etwa für Keywords mit sehr hohem Wettbewerb und extrem hohem SEA CPC. Richtig?

Logisch: Nicht jeder Webseitenbetreiber muss sich mit all diesen Kategorien herum schlagen. Aber wer einen Shop betreibt, sollte schon recht schnell und trennscharf seine Keywords in den Dimensionen „Shorttail-Longtail“ und „Do-Know“ unterscheiden können. Und wer ein Info-Portal betreibt, sollte sich sehr klar darüber sein, welche Keywords „Freshness“ brauchen – und welche nicht. Alles andere wäre mindestens Ressourcenverschwendung.

2. Organisatorische Kategorien

Selbstverständlich sollten wir auch auf unseren eignen Bauchnabel schauen – und nicht nur auf Google. Hier eine kleine Liste zur Inspiration, wie man sonst noch Keywords voneinander abgrenzen möchte:

  • Tests, Linkbuilding, neue Projekte: Alles, was momentan etwas mehr Aufmerksamkeit benötigt, sollte in einer Liste übersichtlich zu überblicken sein.
  • Nähe zum Geschäftsmodell: Klingt seltsam – ist aber wichtig. Wer in die Keywords schaut, für die man gefunden wird, sind viele davon dem Business-Modell nicht sehr hilfreich, andere schon. Ich empfehle diese Kategorisierung auch gerne als therapeutische Maßnahme. Denn man muss ja nicht auf jeden Sch… optimieren 😉
  • Kundenkeywords: Wer als SEO Agentur für Kunden arbeitet, wird die Keyword-Recherche möglicherweise echt besser machen als sein Kunde. Aber ein guter Dienstleister sollte trotzdem immer wissen, welche Suchbegriffe der Kunde eingebracht hat und diese verfolgen.

Operativer Umgang mit den Keyword Kategorien

Und wie jetzt damit umgehen? Alle 249.321 Keywords durchkategorisieren? Nun, das könnte zwei bis drei Jahrzehnte dauern. Nein, selbstverständlich sucht sich der gute SEO jeweils eine repräsentative Stichprobe. Pro verwendete Kategorie sollten das so viele Keywords sein, dass man daran erkennen kann, ob sich die gesamte Kategorie bewegt hat. Zehn oder zwanzig Keywords sind häufig „Einzelfälle“ – wem aber 50 gut gewählte Longtail-Keywords abrutschen, der sollte sich insgesamt Sorgen machen. (Und anders herum…)

Also anders gesagt: Man sollte von jeder der verwendeten Keyword-Kategorien einen Sack Begriffe ins Monitoring einstellen und mindestens wöchentlich überwachen. Dann zeigt ein schneller Blick auf die Monitoring-Übersicht, was sich getan hat. Hat man die gleichen Kategorien auch für schärfste Konkurrenz im Blick, kann man sehr schnell erkennen, ob eine Bewegung branchenweit oder nur für die eigene Seite passiert ist.

Demnächst werde ich Vorschläge machen, wie man die Keyword-Kategorien zur Strukturierung der Seite einsetzt. Denn am besten schmeckt’s, wenn alles zusammen gemischt und gut gewürzt wird.

Also: Stay tuned!

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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