All Together Now: Von stockenden SEO-Projekten und frischen Werkzeugen

Das SEO-Projekt steckt in der Sackgasse, die Sichtbarkeit stößt an eine Grenze oder seit Monaten hilft selbst härteste Arbeit nicht mehr gegen den schleichenden Ranking-Verlust. Was tun? Noch härter arbeiten? Aufgeben und alles hin schmeißen? Nein! Probier einfach mal etwas anderes. Such dir Unterstützung!

Hammer & Co

Das hier ist ein ein Beitrag über Spezialisten, über Scheitern auf hohem Niveau und warum beides manchmal ganz gut zusammen passt. Ich will euch Mut machen, die gewohnten Pfade zu verlassen und den Erfolg dort zu suchen, wo ihr ihn bisher nicht vermutet habt. Man könnte das auch anders sagen: Ich will euch davor bewahren, gutem Geld schlechtes hinterher zu schmeißen.

Das größte Problem einer Seite ist schnell gefunden…

Online Marketing ist ziemlich unübersichtlich – und SEO dürfte die komplexeste Disziplin darin sein. Bei jedem größeren SEO-Projekt sitzen wir irgendwann mit jeder Abteilung unseres jeweiligen Kunden zusammen. Mit den einen reden wir über die Inhalte, mit den anderen über Technik und über Links sprechen wir meist mit der PR-Abteilung, dem Marketing der Geschäftsführung und, und, und.

Andererseits – ihr kennt das von den Live Site-Analysen auf den Konferenzen – braucht ein erfahrener SEO meist nur ein paar Klicks, um die übelsten Fehler einer Seite zu finden. Auch unsere sehr aufwändigen SiteClinics bringen manchhmal nur eine Handvoll echt böser Fehler oder Potentialverschwendungen zutage – plus einen ganzen Sack voll kleinerer Empfehlungen für das Tuning. Und nach dem sehr sinnvollen Pareto-Pronzip („Für 80 Prozent der Arbeit brauchst zu 20 Prozent der Zeit. Für die restlichen 20 Prozent Arbeit brauchst du 80 Prozent der Zeit.“) räumt man natürlich zunächst  die „SEO-Hämmer“ aus dem Weg. So hat man den größten Effekt mit dem kleinsten Aufwand.

Wenn der Nagel drin ist, ist er drin

Jeder von uns SEOs hat seine Lieblings-Tools, seine Lieblings-Fehler und sein Handlungsgebiet in dem er so richtig zuhause ist. Klar. Aber, ist euch schon einmal aufgefallen, dass bei dem einen SEO die größten Fehler immer die Backlinks sind, bei seinem Kollegen ist es meist die Technik und der dritte ist stets der Meinung, dass am Content viel  zu tun sei? Na ja, ihr kennt den Spruch ja schon: „Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, dann sieht jedes Problem aus wie ein Nagel.“

Ich habe gerade bewusst die drei Hauptdisziplinen im SEO genannt:

  • Backlinks: Alles, was mit der Popularität einer Seite zu tun hat. Hier könnte man auch das Social Media Marketing mit nennen. Und zwar bitte ohne (!) dass wir jetzt über Korrelation und Kausalität streiten.
  • Technik: Wie präsentiert sich die Seite dem Robot? Mit welchen Fehlern werden ihm Hürden in den Weg gestellt und mit welchen Tricks präsentiere ich mich besonders hübsch in den SERPs?
  • Content: Was hab‘ ich auf meiner Seite zu bieten? Ich habe hier übrigens bewusst „Content“ und nicht Text geschrieben. Denn Content kann auch ein Video, ein Bild oder Code (also eine Anwendung) sein.

Noch einmal zurück zum Pareto-Prinzip: Mit 20 Prozent der Arbeit kann ich 80 Prozent des Nutzens erreichen. Das könnte man so darstellen:

Ertrag pro Aufwand: Am Anfang geht's am schnellsten.

Ertrag pro Aufwand: Am Anfang geht’s am schnellsten.

Man kann also sagen, dass die ersten Effekte einer Arbeit schnell zu erreichen sind, alle weiteren schwieriger. In diesem Fall ist der Aufwand in dem grünen Bereich effizienter als der im roten Bereich. Natürlich funktioniert das auch z.B. innerhalb einzelner Technik-Tasks: Da gibt es Dinge, die schnell viel bewegen und andere, die halt mehr Mühe für weniger Aufwand bedeuten.

Ein wenig anders werden die Kurven allerdings in den anderen SEO-Disziplinen aussehen: Bei Content kann man vermutlich einen linearen Verlauf darstellen (denn je mehr Content umso mehr mögliche Landingpages). Und bei den Backlinks würde ich gerne auch ein „Zuviel“ einbauen wollen (jedenfalls wenn man einfallslos ist). Die Kurven sehen also eher so aus:

Backlinks (rosa) und Content (rot) entwickeln sich unterschiedlich zur Technik (blau)

Backlinks (rosa) und Content (rot) entwickeln sich unterschiedlich zur Technik (blau).

Ihr seht schon: Es wird nun unmöglich sein, schnell mal einen grünen Bereich einzuzeichnen, in dem die Arbeit wirklich den größten Grenznutzen hat. Man muss sich dann wohl an jeder Kurve einzeln entlang hangeln und jeweils im Zusammenhang mit den anderen Kurven entscheiden, ob man mehr hiervon oder weniger davon braucht.

Aber das ist dann schon – mit Verlaub gesagt – theoretischer Quatsch!

„Du brauchst mehr Links!“ Echt?

Gehen wir weg von solchen Kurvendiskussionen und schauen uns die Realität an: Da ist ein SEO mit einem Schwerpunkt. Sein Hammer heißt, sagen wir mal, „Linkbuilding“. Klar, er kümmert sich auch auch um den Content der Linkziele und achtet auch darauf, dass die Technik in Ordnung ist. Doch er kommt nicht weiter, die Sichtbarkeit stagniert. Was wird sein erster Gedanke sein? „Du brauchst mehr Links!“ Darüber wurden ja sogar ganze Bücher geschrieben 😉

Doch diese Bücher sind vor langer Zeit entstanden. Und ich behaupte, das Links in diesem Beispiel-Fall die Handbremse eher nicht lösen werden. Vielleicht sollte sich der SEO besser mal die interne Verlinkung anschauen? Oder mal analysieren, ob die verwendeten Texte auch gelesen werden? Egal, was unser SEO tuen wird: Mit Links (siehe Bild oben) wird gar nicht oder langsamer zum Ziel kommen, als mit den anderen Disziplinen.

Das gilt übrigens auch für den „Techniker“ oder den „Contentmann“: Jeder sollte (und eigentlich nicht erst, wenn die Erfolge stagnieren) links und rechts schauen. Wir stoßen in längerfristigen Kundenprojekten immer auf Unverständnis, wenn wir irgendwann die Strategie wechseln und uns nicht mehr auf technische Probleme sondern zum Beispiel auf das Linkbuilding oder den Contentaufbau konzentrieren.

Ich weiß, es wirkt manchmal auch etwas verzweifelt, wenn man seinem Kunden sagt, dass er seine technischen Kapazitäten nun ein wenig schonen kann – aber dafür über organisches Linkbuilding nachdenken sollte. Doch alle Kunden, die nach einer technischen Aufbauphase an Content und dem Aufbau von Popularität gearbeitet haben, konnten staunend eine neue Welle von gestiegener Sichtbarkeit beobachten. Und das lag niemals daran, dass die Strategie bis dahin sinnlos war – sondern sie war ausgereizt. Außerdem wirkt ordentlicher Content auf guter Technik besser – ebenso wie organische Linkbemühungen auf ordentlichem Content und guter Technik.

Und jetzt im Chor: „All Together Now“

Will ich damit sagen, dass man seinem Spezialisten kündigen und einen Generalisten an den Start bringen sollte? Nein! Denn ein Spezialist ist in einem Spezialthema immer besser als ein Generalist. Sollte man sein SEO-Projektteam aufblasen und immer alle Themen gleichwertig bearbeiten? Ebenso: Nein! Wir brauchen eine Kultur und ein Management von Spezialistentum.

Ich will damit sagen, dass man im Kopf und mit dem Herzen so flexibel sein sollte, dass man als „Head of SEO“ über den eigenen Tellerrand hinaus denkt und als Spezialist auch mal einen weiteren Spezialisten hinzu zieht. Und ich will damit sagen, dass SEO nicht gleich SEO ist.

Das gilt auch für Agenturen und Einzelseos: Wir als CONTENTmanufaktur arbeiten sehr freundschaftlich und produktiv mit anderen Agenturen zusammen – weil auf diese Weise jeder sein eigenes Spezielthema voran bringen kann und der Kunde davon am meisten profitiert. Das geht nicht mit allen Kollegen – aber mit vielen. Es gibt dann immer eine „Lead Agentur“ – und hilfsbereite Partner.

Das gleiche gilt für Inhouse-SEOs: Wenn du ein Informations-Architektur-Crack bist und du deiner Firma damit große Erfolge beschert hast, solltest du dich schleunigst nach jemanden umschauen, der mit Content oder/und mit Backlinks umgehen kann. Sonst wirst du demnächst scheitern. Garantiert.  Und das Gemeine daran: Jeder andere SEO wird (auf deiner Arbeit aufbauend) schnelle Erfolge feiern können. Denn er wird ein bisschen anders denken als du – und schon das reicht für einen Anfangserfolg.

Für SEOs (und auch sonst als Online Marketer) gilt also der Spruch: Wenn dein einiges Werkzeug ein Hammer ist – dann such dir gute Kollegen mit Zangen, Bohrern und anderen Tools!

Hammer & Co

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (5)

  1. SEO_Suedwest

    Hallo Eric,
     
    genau so sieht es aus. SEO ist eine sehr umfassende Disziplin, und vermutöich wird es niemanden geben, der das Wissen, geschweige denn die Zeit hat, alles abzudecken. Es bedarf einer guten Koordination – Stichwort „Projektmanagement“. Wie handhabt Ihr das? Gibt es bei Euch Spezialisten für Projektmanagement, oder wird das von den SEOs mit abgedeckt?
     
    Gruß,
    Christian

  2. eric108

    @SEO_Suedwest Hey Christian. Wir machen es uns da ganz einfach: Wir können einige Dinge wirklcih gut – und machen genau nur das. Für alles andere suchen wir uns kluge und kooperative Kollegen. Darüber wundern sich dann manche Kunden, aber das ist mir egal. Wir wollen alles, was wir machen, super machen. Deshalb können wir nicht alles machen 😉

  3. SEO_Suedwest

    @eric108  @SEO_Suedwest Richtige Einstellung 🙂

  4. SEOExklusiv

    Spricht mir aus dem Herzen, der Beitrag. Genau so muss man das sehen und handhaben. Endlich sagt’s mal einer 😉

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