SEO-Projektmanagement: das Magische Dreieck

So wie die Erde sich um die Sonne dreht und der Mond sich um die Erde, gibt es auch im Projektmanagement unabänderbare Abhängigkeiten,  Naturgesetze. Eines davon wird „Das magisch Dreieck“ oder das „Projekt-Dreieck“ genannt. In diesem wird der Rahmen eines Projekts visualisiert und zwar so:

Inhalt und Qualität sind die Summe der Projektergebnisse. Sie sind also der Wert, wie viel erledigt werden kann bzw. soll. Geht es etwa um die Herstellung von Inhalten kann man dies in Textmenge und in Textqualität angeben. Kommt es auf Qualität nicht an, spielt nur die Menge eine Rolle. Wie auch immer: Zunächst muss bei jedem Projekt sehr genau definiert werden, welche konkreten Ergebnisse erreicht werden und welche Qualität sie aufweisen sollen. Man kann dies auch „Projektumfang“ nennen.

Die Kosten meinen entweder die gesamten Projektkosten oder zumindest die Kosten, die in einem Budget frei gegeben werden müssen. Klar: Habe ich mehr Budget, kann ich mehr von dem Inhalt oder in einer besseren Qualität herstellen. Benötige ich einen größeren Output, muss ich mit mehr Kosten rechnen. Achtung: Manchmal werden beim Berechnen der Kosten die so genannten „Eh-da-Kosten“ ignoriert. Also Kosten die „eh da“ sind, wie etwa Personal in der Verwaltung. Aber auch direkt zuordenbare Personalkosten (etwa in der Technik oder der Redaktion) werden manchmal „vergessen“.

Die Zeit (oder der Termin) ist ein Maß dafür, bis wann das Ergebnis erreicht werden soll. Klar, der Launch hängt eng mit den gewünschten Ergebnissen und den Kosten zusammen: Habe ich nur einen Texter, wird dieser für den gleichen Output mehr Zeit benötigen als zehn Texter. Diese werden aber vermutlich mehr Koordinationsaufwand benötigen – also auch höhere Kosten.

Und so sind Inhalt/Qualität, Kosten und Zeit stark miteinander verschränkt. Drehe ich an dem einen Wert, werden sich auch die andern verändern. Habe ich weniger Geld zur Verfügung, wird das Projekt länger dauern oder ich muss mit einem schlechteren (oder geringeren) Ergebnis rechnen.

Das Magische Dreieck im Auge des Betrachters

Das klingt nach einer einfachen Rechenaufgabe: Je nach anvisiertem Termin und zur Verfügung stehenden Kosten kan ein bestimmter Projektumfang fertig gestellt werden. Allerdings liegt die Wahrheit auch hier im Auge des Beobachters: Selbstverständlich will der Auftraggeber möglichst viel Inhalt/Qualität in wenig Kosten und eine kurze Laufzeit stecken. Und das Projekt-Team will mehr Zeit und Geld für weniger garantierte Leistung heraus handeln. Das sieht dann so aus:

Dem Projektmanager kommt also die Aufgabe zu, zwischen Auftraggebern und Team zu vermitteln und den Projektumfang, das Budget und den Launch-Termin entsprechend anzupassen.

Die grüne Kompromißlösung.

Wie schafft er das? Erfolgreich wird er nur sein, wenn er daraus eine möglichst transparente Diskussion über eben diese Rahmendaten macht. Am besten eignet sich dafür das im Projektmanagement übliche Verfahren mit Projektstrukturplan und dem daraus folgenden Kostenplan. Bei kleineren Projekten oder Tasks kann dies natürlich auch verkürzt werden. Wichtig ist aber, dass Auftraggeber und Projektteam VOR dem Start eines Projektes folgende Fragen beantworten:

  • Was ist der genaue Umfang des Projekts?
  • Welche Kosten und wie viel Personal steht zur Verfügung?
  • Wann wird welcher Teil geliefert?

Wird eine dieser Fragen nicht oder nicht eindeutig beantwortet, ist das der erste Grund, warum das Projekt scheitern kann (und vermutlich auch wird).

Achtung bei Projekten mit hohen Kompetenz-Anforderungen

Gerade bei SEO-Projekten empfehle ich neben diesen drei Fragen noch eine vierte vor Start des Projektes zu klären:

  • Wer ist im Team?

Denn wie wir bei der Zusammenstellung des Teams sehen werden, kann es ganz entscheidend sein, ob Kollege A mitarbeitet oder Kollege B. Das liegt einerseits an der zum Teil recht hohen inhaltlichen Komplexität der Projekte. Zum anderen sind die Promotion von Vorgesetzten und Abteilungen eine wichtige Währung, wenn es um die Durchführung im Unternehmen geht. Ist dieser Rückenwind gefährdet, weil die Redaktion „nur“ den Praktikanten schickt oder einen Kollegen, der SEO grundsätzlich für Teufelszeug hält, hilft der lockerste Termin und der höchste Etat nicht aus, den verlangten Inhalt mit bester Qualität zu liefern.

Deshalb zum Start: Das Magische Dreieck immer Blick behalten

Und was lernen wir daraus? Erstens, dass man das Magische Dreieck ständig im Hinterkopf haben sollte, vor allem dann, wenn bei einem laufenden Projekt mal eben der  Funktionsumfang vergrößert oder die Qualität nach oben korrigiert werden soll. Und zweitens wissen wir jetzt, wie wichtig es ist, schon zum Start jeden Projektes über dessen Ende in Form von Umfang, Kosten und Zeitpunkt nachuzudenken. Und zwar mit allen gemeinsam…

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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