Es muss nicht immer WordPress sein: Interview mit dem Entwickler von ContentLion

Wir müssen ja manchmal schnell eine Domain mit Leben füllen. Klar kann man das immer wieder mit WordPress machen. Doch nach einer Testinstallation von ContentLion erscheint mir das zu aufwändig. Denn das CMS von Stefan „StieviesWebsite“ Wienströer scheint für diesen Fall perfekt zu sein.

Und da ContentLion gerade in einer stabilen Beta-Version erschienen ist, habe ich den Entwickler um ein Interview gebeten.

Was ist ContentLion?

Übersichtliche Beitrags-Bearbeitung - aber mit allem Drum und Dran.

Das OpenSource CMS ContentLion entstand anhand eines Blogeintrags auf StieviesWebseite und folgt vielleicht gerade deshalb all den Grundsätzen, die man für das professionelle Füllen einer Domain aufstellen würde:

  • Nach einer sehr schnellen Installation lassen sich problemlos auch eigene Skins (aka Themes) und Plugins (aka Plugins) erstellen und verwenden.
  • Die HTML-Seiten werden in Ordnern verwaltet und können einzeln auch hinsichtlich ihrer Crawlability (also Indexierung und Canonical Tag) verwaltet werden.
  • Selbstverständlich mit suchmaschinenfreundlichen URLs sowie
  • umfassende Metatag-Behandlung.
  • Einfach zu erstellende Umleitungen und
  • die Sitemap für Google gehören zum Funktionsumfang.
  • Außerdem werden mobile Clients erkannt und mit einem eigenen Skin versorgt.
  • Ein Rechtesystem und
  • Mehrsprachigkeit sind ebenso vorprogrammiert.

ContentLion ist ab sofort als Beta verfügbar, Stefan Wienströer freut sich über reges Testen und Kommentieren.

Warum? Wieso? Weshalb? Ein Interview.

 Da ich noch niemals von einem CMS gehört habe das „in einem Blog gegründet“ wurde, bat ich  ContentLion-Chefentwickler Stefan Wienströer um Aufklärung.

SEO-Book: Willst du mit ContentLion etwa WordPress Konkurrenz machen? 

Stefan Wienströer

Stefan Wienstörer: WordPress ist, meiner Meinung nach, zurzeit das beste Blog-System. Jedoch gibt es für WordPress Plugins, die daraus viele andere Sachen machen, als nur einen Blog. Es gibt sogar einen WordPress Shop oder auch ein CRM mit WordPress.

Ich denke, wenn es so weiter geht, wäre es sinnvoller eine andere Basis zu nutzen. Denn irgendwann muss man mit Tricks versuchen, seine Wünsche umzusetzen und dann wird es Zeit für etwas Neues. Ich möchte mit ContentLion eher Webanwendungen als reine Content-Websites ansprechen. Deswegen gibt es zum Beispiel verschiedene Seitentypen, die man sehr leicht erweitern kann.

Im Großen und Ganzen würde ich lieber Schnittstellen zu WordPress anbieten, anstatt eine Konkurrenz dazu aufzubauen.

SEO: Book: An wen richtest du dich mit ContentLion? Eher an Unternehmer, die ihre erste Webseite bauen wollen – oder mehr an Profis, die sich schon ganz gut mit PHP, HTML u.s.w. auskennen?

Stefan Wienstörer: Zurzeit eher an Leute mit Programmierkenntnissen. Erst mal muss es eine gute Basis an Erweiterungen, sowie eine leichtere Usability geben.

Zielgruppe sind, wie gesagt, eher Betreiber von Seiten mit dynamischen Inhalten, oder von Seiten, mit starkem Tracking.

SEO-Book: Hast du ContentLion komplett selbst entwickelt?

Stefan Wienstörer: Sagen wir so, dass meiste habe ich selbst entwickelt. In so einem CMS steckt sehr viel Zeit und es gibt immer mal Leute, die etwas dazu beitragen. Sie schicken zum Beispiel Code-Snippets ein und testen ordentlich. Ich würde mich freuen, wenn es noch mehr werden, denn nur so kann aus ContentLion wirklich etwas werden. Der Fokus in der nächsten Zeit liegt erst mal im Ausbau der Plugins. Hier ist es für Leute mit weniger Zeit möglich, ein kleines Plugin zu erstellen, ohne sich fest daran zu binden.

Es gibt aber jemanden (Daniel Busch), der neben mir fast von Anfang an dabei war und immer mitgeholfen hat. Er hat zum Beispiel unsere Video-Tutorials erstellt.

SEO-Book: Welche Grundsätze waren dir bei der Entwicklung besonders wichtig?

Stefan Wienstörer: Ganz kurz gesagt: Eine offene Entwicklung. Ich habe das CMS ja im Blog gegründet und am Anfang jede Code-Zeile dort veröffentlicht. So fallen Fehler schnell auf und ich kann auch auf die Interessen der Benutzer eingehen. Außerdem kann ich so neue Entwickler anwerben. Die Beiträge haben schon fast 200 Kommentatoren (nicht Kommentare).

Auf den Seiten zum CMS biete ich Entwicklern, Benutzern und Testern an, einen eigenen Blog für ihre Erfahrungen mit ContentLion zu erstellen. Und so sollte die Entwicklung weiter gehen.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich zum Ende hin doch einiges ohne Posts gemacht habe – um es endlich mal schnell zu Ende zu bringen. Denn das Dokumentieren zieht braucht natürlich auch seine Zeit.

SEO-Book: Ich habe viele Einstellungen und Funktionen gefunden, über die sich vor allem SEOs freuen werden. Etwa die sehr einfache, manuelle Änderung der Canonical-Tags. War Suchmaschinenoptimierung ein wichtiger Grundsatz?

Stefan Wienstörer: Ja, auf jeden Fall. Ich beschäftige mich selbst oft mit SEO und schreibe auch ab und an für seo-united.de. SEOs zählen ohnhin auch zur Zielgruppe, da sie meistens genau Vorstellungen von dem haben, was später als HTML-Code dabei herauskommt.

Für mich hat es letztendlich auch große Vorteile. Wenn die Seiten der Benutzer gut ranken, wirft dies auch später ein gutes Licht auf das CMS. Am besten wäre es natürlich, wenn die Benutzer den Backlink eingebaut lassen. So würde ich selbst, durch gut verlinkte Seiten, profitieren. Dieser Link ist aber selbstverständlich freiwillig.

Einige Plugins gibt es schon...

SEO-Book: ContentLion kann mit Skins und Plugins arbeiten. Gibt es diese schon? Welche? Wo?

Stefan Wienstörer: ContentLion wird standardmäßig bereits mit einigen Plugins ausgeliefert. Diese kann man später deaktivieren und das CMS so stark abspecken. Weitere Plugins gibt’s es auf plugins.contentlion.org

Dort gibt es zum Beispiel ein Plugin, welches auf die Insights for Search von Google zugreift und in dem man  während des Schreibens mal eben Keywords recherchieren kann. Mit einem weiteren Plugin kann man sich die Basis eines Skins zusammenklicken. Ich muss allerdings noch prüfen, ob beide mit der neuen Version noch funktionieren. Diese ist ja erst seit ein paar Tagen raus.

Weitere Plugins habe ich bereits angefangen, wie zum Beispiel eins, mit dem man mehrere Domains auf eine Installation managen kann. So wäre es möglich, zum Beispiel verschiedene TLDs benutzen zu können, ohne eine neue Installation anzulegen.

Das ist natürlich alles noch nicht viel, aber die Plugin-Entwicklung hat jetzt eine hohe Priorität. Wer noch Ideen hat, kann sie gerne bei uns im Forum vorschlagen.

SEO-Book: Die Entwicklung hat drei Jahre gedauert. Wie willst du sicherstellen, dass ContentLion nicht zu schnell veraltet?

Stefan Wienstörer: Drei Jahre ist wirklich schon eine lange Zeit. Aber ein Großteil der Zeit ist neben der Entwicklung auch in die Dokumentation geflossen. Außerdem gab es zwischendurch immer mal wieder Pausen, in denen ich andere Sachen gemacht habe. Und einen regulären Job habe ich ja auch noch.

Was dazu kommt ist, dass ich ungern Sachen abgebe, die ich noch nicht perfekt finde. Und so kam immer wieder was dazu oder wurde neu geschrieben. Vielleicht hätte ich es schon eher zum größeren Test herausgeben sollen.

Letztendlich bin ich auf die Mithilfe weiterer Entwickler angewiesen. Außerdem werde ich regelmäßig kleinere Updates herausgeben, anstatt immer alles auf einmal machen zu wollen. Aber was genau bedeutet eigentlich veraltet? Ist eine Seite die noch nicht auf HTML5 setzt, von heute auf morgen nicht mehr gut? (HTML5 unterstützen wir natürlich ;-))

SEO-Book: Du gibt das CMS mit einer Open Source Lizenz kostenfrei ab. Warum tust du das und wie stellst du sicher, dass deine Mühen belohnt werden?

Stefan Wienstörer: Ich habe das CMS eigentlich gestartet, um es später selbst nutzen zu können. Durch das Open Source kann ich so auch von anderen profitieren, die mithelfen. Kommerzielle Content-Management-Systeme müssen sich schon im High-End-Bereich oder in einer Nische befinden, um auch wirklich einen Kundenkreis aufzubauen. Oder hätte WordPress einen so großen Erfolg, wenn man dafür zahlen müsste?

Aber ich muss auch zugeben, dass ich bereits ein paar (kreative) Ideen gesammelt habe, wie man später Geld mit dem CMS verdienen könnte. Erst mal muss sich aber ein gewisser Nutzerkreis aufgebaut haben, bis es sich lohnen würde.

SEO-Book: Welche weiteren Funktionen stehen als Nächstes auf deiner Liste für ContentLion?

Stefan Wienstörer: Der Fokus liegt erst mal auf dem Plugin-System. Hier muss eine Möglichkeit geschaffen werden, die Suche nach Plugins direkt ins CMS zu verlagern. Außerdem soll es für die Entwickler eine Oberfläche geben, mit der sie Plugins einreichen können.

Außerdem muss es natürlich auch Plugins selbst geben. Ich habe bereits einige Ideen veröffentlicht, die noch umgesetzt werden könnten. Dazu gehören Funktionen im Bereich Social Media, aber auch ein paar neue Plugins fürs SEO sollte es bald geben 😉

SEO-Book: Vielen Dank und Viel Erfolg!

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (2)

  1. Marco

    Ich muss sagen, es klingt sehr interessant. Wenn es schlanker als WordPress ist werde ich es mal test weise einsetzen.

  2. ITbuschdaniel

    Oh, ich wurde in einem Interview genann. Sehr schön. Leider habe ich das erst zwei Jahre später bemerkt.

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