NetComber: Domain-Schnüffler mit Beta-Status

Ooooops! Das ist sozusagen das Tool zum aktuellsten SEO-Trend: netcomber.com zeigt sachlich aber sehr umfassend, welche Domains miteinander zusammen hängen. Dafür werden 3000 Faktoren geprüft – mit verblüffendem Ergebnis.

Welche Domain gehört noch ins Netzwerk? Netcomber.com nutzt 3000 Datenquellen.

Welche Domain gehört noch ins Netzwerk? Netcomber.com nutzt 3000 Datenquellen.

Es ist ein in manchen Fällen fast verstörend, welche Zusammenhänge das neue Tool findet, wenn man es mit einer  Domain füttert. Zumal das Tool von dem Ex-Google-Mitarbeiter Andre Weyher kommt und man davon ausgehen darf, dass Google noch viel mehr sammelt… (Siehe Recap SEOkomm Keynote von Marcus Tandler)

Für die Erkennung verwendet netcomber.com nach eigenen Angaben mehr als 3000 Faktoren, nach denen zu vermuten ist, dass zwei Seiten einer Person gehören oder von derselben Person entwickelt wurden. Faktoren hierbei sind vermutlich:

  • Google-Accunts (Google-Analytics, AdSense u.s.w.),
  • Webhosting-Informationen (IP-Adressen),
  • personenbezogene Daten (Namen, Kontonummern u.s.w.),
  • Werbeinformationen (Affilate-IDs, Banner-IDs u.s.w.),
  • Backlinkdaten (?) und
  • „esoterische“ Daten wie der Programmierstil von Webentwicklern.

Einige dieser Faktoren nennt Andre Weyher, einige davon habe ich mir nach den ersten kurzen Tests zusammen gereimt. Das  mit dem Programmierstil kommt von ihm…

Derzeit holt sich Weyher von einigen Internet-Spezis hierzulande ihre Meinung zu dem Tool ein, da er Deutschland als einen seiner wichtigsten Märkte bezeichnet. [Dies übrigens zum Thema PR, Produkteinführung und Linkbait: Er holt sich damit natürlich eine Menge publizistischer Kraft kostenlos ins eigene Boot… Darüber sollten manche deutsche Produkt-Einführer auch mal nachdenken.]

Was mir zuerst eingefallen ist: Vielleicht sollte der eine oder andere Toolhersteller mal mit Weyher Kontakt aufnehmen? Denn das Tool ist schon sehr spezialisiert und dürfte es „Stand alone“ schwer haben. Aber als zusätzlichen Service da oder dort… Und, ja, es gibt schon eine API.

Wie ihr merkt, gehöre ich sehr gerne zu den Beta-Testern und bin nach kurzer Zeit verblüfft: Sowohl bei kleinen aber auch bei großen Seiten ist die Erfolgsquote relativ hoch. Weyher spricht von 200 Millionen Webseiten in seiner Datenbank, das glaube ich ihm. NetComber findet eine ganze Menge passender Domains – mehr als ich gedacht hätte. Allerdings schlagen wohl manche Faktoren etwas arg wild aus – es gibt fast immer auch sehr überraschende und vermutlich falsche Ergebnisse:

Mmmmh! Was hat die Bundeskanzlerin mit der Seite buythomassaboonline.net zu tun?

Mmmmh! Was hat die Bundeskanzlerin mit der Seite buythomassaboonline.net zu tun?

Ich halte fest: Das Tool beeindruckt – hat aber zurecht noch einen Beta-Status. Und was ich sehr schade finde: Es wird nirgends *wirklich* transparent gemacht, aufgrund welcher Daten eine Beziehung zwischen zwei Seiten hergestellt wurde. Und Daten, deren Herkunft und deren Rezept ich nicht kenne, machen mich nervös…

NetComber, und was man damit machen kann

Und wozu soll das gut dann sein? Zunächst einmal findet man sicherlich schnell einige eigene, unbeobachtete Domains, die nach ein wenig Liebe oder dem Gnadenstoß schreien. So ging es jedenfalls ir. Aber das ist natürlich nur ein Nebeneffekt. Vordergründig dürfte der Nutzen des Tools hier liegen:

  • Bewertung von Domains: In welchem Netzwerk hängt eine Domain? Wie ist die Linktauschanfrage von einem Webverbesserer zu bewerten?
  • Schutz vor Google-Detection: Wer sich vielleicht von alten Sünden reinwaschen möchte, sollte schon ganz genau nach den schwarzen Flecken seiner Vergangenheit suchen. Denn wie gesagt: Was Netcomber.de sieht, sieht Google allemal.
  • Wettbewerber-Analyse: Und, anders herum gesagt, wollen wir natürlich auch wissen, was Google weiß. Und es kann schon sehr spannend sein, welche Seiten unser Konkurrent sonst noch so im Portfolio hat.

Derzeit ist das Tool, wie gesagt, im Beta-Test. Aber einige Daten gibt es kostenlos und für etwas Geld kann man sich weitere Dienste schon jetzt buchen:

netcomber

20 Abfragen am Tag sind eine ganze Menge, das sieht also nach einem fairen Preis aus. Und ich bin sehr gespannt, was ihr zu dem Tool sagt!

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (3)

  1. vanSEO

    Naja, also ich finde die Idee an sich auch ganz nett. Aber wie du schon sagst: es scheinen einige Parameter sehr stark auszuschlagen. Um nicht zu sagen: viel zu stark. Habe das mit eigenen Projekten getestet. Die, die miteinander verlinkt sind, hat er natürlich gefunden… wäre ja auch schlimm, wenn nicht. Aber andere hat er nicht gefunden. Auch die Domains eines guten Bekannten habe ich damit überprüft: auch da war die Trefferquote so la la. Wirklich interessant wäre, wie der Entwickler auf die Idee kommt, dass man als Bayer etwas mit Domains/Seiten aus Münster zu tun haben könnte, die weder das gleiche Thema, noch den eigenen Namen im Impressum oder sonst wo auf der Seite tragen und auch ansonsten in keinerlei Bezug zu anderen Projekten stehen.
    Mein persönliches Fazit, nach zugegebenermaßen nur wenigen Tests: Nette Idee, die jedoch noch stark verfeinert werden muss. Aktuell sind die Daten wirklich nur dazu zu gebrauchen, wenn man Lust und Zeit hat, sich von Projekt zu Projekt zu hangeln und die Verknüpfungen dann in einer eigenen Datenbank ablegen möchte. Denn die gelieferten Ergebnisse müssen – so mein erster Eindruck – alle noch manuell durchgesehen und entsprechend überprüft werden.
    Just my 2 Cents 😉

  2. vanSEO

    Nachtrag: Bei meinen Tests war das Erstaunliche, dass Projekte, die wirklich zusammen gehörten erstaunlich niedrige Werte hatten (z. B. 2%), andere hingegen, die absolut nichts miteinander zu tun hatten, kamen jedoch auf Werte über 40%. Wie gesagt… derzeit noch kaum nutzbar – aus meiner Sicht.

  3. ThomasRuhrmann

    Interessant, werde ich mir gerne einmal anschauen.

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