No more „not provided“: Suchanfragen mit den Google Webmaster Tools analysieren

Suchanfragen Google Webmaster ToolsMal wieder die Google Webmaster Tools: Ohne diesen Werkzeugkoffer geht es halt nicht. Diesmal schauen wir, wie uns die „Suchanfragen“ helfen. Eines ist schon mal klar: Sie sind ein bisschen Rettung vor der bösen „(not provided)“-Hölle.

Ich hab’s überprüft: Während sich in Google Analytics im Falle vom SEO-Book knapp 50 Prozent des Suchtraffics hinter „(not provided)“ versteckt, werden die Zahlen in den Google Webmaster Tools vollständig ausgewertet. Wir haben dort also ALLE Keyword-Daten – und sogar noch ein wenig mehr.

Natürlich sind die GWT nicht wirklich mit einer ordentlichen Web-Analyse zu vergleichen. Aber einige Learnings kann man dort finden.

Was in den „Suchanfragen“ zu sehen ist

In den Google Webmaster Tools gibt es zwei Reports unter dem Menüpunkt „Suchanfragen“

1. Häufigste Suchanfragen

Hier gibt es alle Keywords, für die wir potentiell in den Suchergebnissen gesehen und angeklickt werden können. In der Tabelle finden wir Impressionen (also möglicher Augenkontakt zu Usern), Klicks (die Zahl, wie häufig die dann tatsächlich auf ein Ergebnis klicken), die CTR (Klicks im Verhältnis zu den Impressionen) und die Durchschnittliche Position.

Bei den Impressionen werden „mögliche“ Kontakte gezählt. Wenn unsere Seite bei einem Suchvorgang also auf Position 9 steht und der Benutzer schaut sich nur die ersten drei Ergebnisse an ist das eine Impression. Wenn wir auf Position 11 sind, dagegen nicht. Die Zahl beinhaltet also auch, wie tief die User suchen. Deshalb gibt es auch so scheinbar absurde Positionen um die 200 oder 300 – das sind meist Bilder der Image-Search, die ja schnell bis zu solchen Tiefen durchscrollt werden. Leider macht Google nämlich keine Unterscheidung zwischen organischem und vertikalem Traffic.

Zur „durchschnittlichen Position“ muss ich auch etwas sagen: Hierfür wird jeweils das beste Ergebnis aller User im Durchschnitt betrachtet. Das heißt, wenn du mit 2 Seiten (Position 5 und Position 32) in den Suchergebnissen zu finden bist, wird nur die beste (also 5) eingerechnet. Und wenn ein User an einem anderen Ort oder an einem anderen Tag deine Seite auf einer anderen Position findet, dann wird aus den jeweils zwei besten Ergebnissen der Durchschnitt berechnet. Klar?

Wer auf das Keyword klickt, kann auch sehen, mit welche URL dieser Traffic erzielt wurde und wie sich dies Impressionen und Klicks in der Vergangenheit entwickelt haben.

2. Die häufigsten Seiten

Wird häufig übersehen: Hier findest du den Suchtraffic nach Seiten organisiert. Sortierst du also nach „Klicks“ dann bekommst du die Seite ganz oben, die den meisten Traffic von Google bekommt – mit allen weiteren Werten (Impressionen, CTR, Position) und auch einer Liste, welche Keywords zu diesem Traffic beigetragen haben.

Welche Daten wir in den „Suchanfragen“ der GWT finden

Auf den ersten Blick sind die Daten ganz interessant, aber irgendwie nicht zwingend. Doch das täuscht! Es gibt sehr viele sehr konkrete Fragestellungen, die diese „Suchanfragen“ beantworten. Leider ist der Umgang damit aber ganz schön umständlich. Wir können aber über unsere wichtigsten Keywords und URLs mehr erfahren also irgendwo anders.

Welche Keywords rocken? Und welche lassen sich leicht verbessern?

Klar, das ist die einfachste Frage an das Tool: Mit welchen Keywords hole ich den meisten Traffic auf die Seite. Die bessere Frage ist aber, wie man das noch verbessern kann? Also Gutes noch besser machen? Dafür sollte man sich das Verhältnis zwischen Klicks, CTR und Position anschauen: Das SEO-Book bekommt z.B. einigen Traffic über Keywords mit „WDF IDF“. Da sind wir auf einem durchschnittlichen Platz von 4,4 (also ganz gut) und greifen schon 13 % der Impressionen ab. Mehr Traffic dort raus zu holen, wäre also über eine bessere CTR (schwierig) oder eine Positionsverbesserung (auch schwierig) erreichen. Lohnt sich das? Andererseits sind wir mit „Keyword Recherche“ auf Platz 5,5 bei einer CTR von 8 %. Na, da geht doch noch viel leichter etwas! Dafür lohnt es sich übrigens, in den Filtern (siehe Bild) nur Keywords mit mehr als 10 Impressionen/Klicks zu zu filtern.

Filter einstellen: In diesem Fall schauen wir nur auf die Keywords mit mehr als 10 Impressionen/Klicks

Filter einstellen: In diesem Fall schauen wir nur auf die Keywords mit mehr als 10 Impressionen/Klicks

Welche URLs rocken? Und welche lassen sich leicht verbessern?

Auch hier ist die erste Frage banal – doch die zweite verspricht schnellen Erfolg: Wir haben zum Beispiel eine Seite über die H1- und H2-Headline. Das ist eine unserer stärksten Seiten – obwohl ich niemals darauf geachtet habe. Denn sie ist bei sehr vielen, Longtail-Keywords in den Ergebnissen. Nun, ich denke ich sollte die Seite noch ein wenig pushen. Denn Sie steht trotzdem auf einer durchschnittlichen Position von 63…

Viel Kleinvieh macht viel Mist: Wenn eine Seit für viele Keywords rankt.

Viel Kleinvieh macht viel Mist: Wenn eine Seit für viele Keywords rankt.

Wie vermeide ich SEO-Flurschaden bei der Optimierung?

Unsere Startseite wird auch für viele Keywords in den Rankings angezeigt. Das ist schön. Sollte ich aber auf die Idee kommen, evtl. mit Content oder Links besser für z.B. „Suchmaschinenoptimierung“ zu ranken, würde ich mir die Chance zunichte machen, für „SEO“ auf die erste Seite zu kommen. Ergo: Ich fokussiere mich besser auf „SEO“ als auf „Suchmaschinenoptimierung“. Und das nur als Beispiel. Es gibt ja auch viele Unterseiten, die für mehrere, unterschiedliche Keywords ranken und ich mit der Optimierung auf das eine die Chancen für das andere zerstöre. Das ist natürlich auch in Ordnung – aber ich sollte mir das richtige Keyword aussuchen. Und weil die Ansicht „Die häufigsten Seiten“ die vollständigste Liste aller Keywords/URL zeigt, ist diese für wichtige Seiten ein Muss.

Wie erkenne ich vorhandenen SEO-Flurschaden?

Ebenso erkenne ich falsche Optimierung, wenn sie schon passiert ist. Auch ein Beispiel: Für den Begriff „seo robots.txt“ ranken wir im beobachteten Zeitraum mit drei URLs! Zwar ist die beste davon weit oben – aber warum ranken die anderen dafür auch und bekommen  sogar Traffic? Genau, da ist die interne Verlinkung nicht optimal und gehört angepasst. Das wissen wir nun, denn das Thema liegt uns am Herzen.

...und wenn mehrere URLs für ein Keyword ranken.

…und wenn mehrere URLs für ein Keyword ranken.

Wie viel Traffic hat ein Keyword tatsächlich?

Dagegen kann man das AdWords-Keyword-Tool vergessen: Wenn du mit einem Keyword auf Platz 1 bis 10 bist, erfährst du hier sehr genau, wie viel Traffic das Keyword in echt hat. Denn die Impressionen zeigen dir genau das an. Während alles andere nur Schätzwerte sind, stehen hier die echten Werte für den Erhebungszeitraum. Na gut, man muss schon gut dafür ranken, um den Wert zu erfahren. Aber das ist ja ohnehin das Ziel 😉

Nützliche Features

Noch zwei Tipps für den Umgang mit den Suchanfragen in den Google Webmaster Tools:

  1. Alle Tabellen können als CSV-Datei kopiert oder direkt in eine Google-Drive-Tabelle übernommen werden. Die Daten sind vollständig enthalten, sogar mit der jeweiligen Veränderung innerhalb des Betrachtungszeitraums. Allerdings nervt, dass Werte unter 10 Klicks oder 1 % CTR nicht konkret angezeigt werden. Das macht jede wirklich detaillierte Longtail-Betrachtung zunichte.
  2. Wer mit einer Search Analyse wie Searchmetrics oder Sistrix arbeitet, sollte die wichtigsten Keywords darin zur Analyse übernehmen. Das geht ganz einfach durch den Export und ist für uns ein wichtiger Punkt in der Keyword-Analyse. Das ist einer der Gründe, warum wir als Agentur von einem neuen Kunden immer unbedingt als erstes einen Zugang zu den Google Webmaster Tools haben möchten.

Keine Spielerei sondern wertvolle Daten

Also: die Suchanfragen in den Google Webmastertools sind der einzige Ort der Welt, wo man wirklich alle Keywords sehen kann, für die man bei Google gefunden wird. Und darüber hinaus gibt es einige wirklich wertvolle Reports, die Chancen sowie Fehler zeigen. Da kann man nur sagen: Los, einloggen!

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (11)

  1. GAnalyticsBlog

    Hey Eric,
    vielen Dank für den ausführlichen Artikel zu der Analyse mit den Webmaster Tools. Leider lassen sich damit die im Webanalyse Tool auflaufenden (not provided) Keywords auch nicht mehr genau untersuchen, gerade bei steigenden Anteilen muss aus meiner Sicht einfach eine Fokussierung auf andere Metriken erfolgen. Eine der wichtigsten im SEO Contolling ist hierbei aber auf jeden Fall die SERP CTR.
    Eine kleine Korrektur noch: Innerhalb der Webmaster Tools Daten kann man sich die Daten von der Websuche, Mobilen Suche, Bilder Suche und Video Suche jeweils einzeln ausgeben lassen (auf Deinem ersten Screenshot unter dem Menüpunkt Filter). Zudem können sich Google Analytics Nutzer eine ziemliche gute Übersicht mit Pivot Tabellen erstellen, die Details findest Du hier: http://ganalyticsblog.de/analytics-tutorials/google-analytics-pivot-tabellen-im-seo-einsatz/
    Viele Grüße
    Mario

  2. frankzimper

    Danke für den Artikel. Die Search Query Daten aus den Webmaster Tools sind auch deshalb wichtig, weil die sog. mobilen Endgeräte meistens keinen Referrer aus der Google Suche übermitteln, d.h. in Web Statistiken als direkte Besuche ausgewiesen werden.
    Um die Daten länger als drei Monate vorzuhalten und nicht jedes CSV „von Hand“ herunterladen zu müssen, nutze ich übrigens ein Download-Tool welches immer am 5. des nächsten Monats die Daten für den letzten Monat herunterlädt: http://www.webkruscht.com/2011/java-tool-to-download-search-query-data

  3. Pingback: Suchanfragen mit Webmaster Tools analysieren – SEO.at

  4. eric108

    frankzimper Sehr großartig. Danke!

  5. eric108

    GAnalyticsBlog Auch dir vielen Dank! Gut, wenn man kompente Leser hat!

  6. Pingback: (not provided)

  7. Pingback: Was Sie verpasst haben: Social-Media-Rückblick KW 23 | SMO14 - New Media Excellence

  8. fabiankaske

    Sehr interessanter Artikel. Die Frage ist, wie genau die  Google Webmaster Tools Daten wirklich sind. Diese sind ja nicht unumstritten:
    http://www.portent.com/blog/analytics/google-webmaster-tools-query-data-is-worthless.htm

  9. Pingback: SEO Auslese Juni 2013 | Online Marketing Agentur (Projecter GmbH)

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