SEOkomm: Recht für SEO & SEM – Fragen Sie Ihren Anwalt

Schon im vergangenen Jahr stand für mich die Zahl der Besucher in keinem gesunden Verhältnis zur Qualität und Wichtigkeit der Informationen im „Recht für SEO & SEM“-Panel. Viele SEOs scheinen vor rechtlichen Risiken gerne die Augen zu verschließen nach dem Motto „wird schon gut gehen“. Deshalb habe ich versucht, die wichtigsten Punkte des Rechtsanwalt Mag. Peter Harlander zusammen zu fassen. Ich hoffe, das möglichst korrekt getan zu haben…

Tipps für Agenturen

Eine Agentur haftet in der Beziehung zu einem Auftraggeber für die rechtkonforme Ausführung! Man hat also das Recht zu kennen – und kann die Verantwortung für rechtliche Fehler nicht auf den Kunden abwälzen. Das meint etwa illegale Linkbuilding-Techniken. Dafür bekommt nicht euer Kunde sondern ihr die rechtlichen Probleme…

Deshalb sollte bei Agenturen immer das Privatvermögen vom Geschäftsvermögen getrennt sein, man nennt das dann meist GmbH. Ebenso sollten Vergaberichtlinien dafür sorgen, dass etwa Unteraufträge klar geregelt sind, um nicht für die Fehler von Lieferanten zu haften – was durchaus passieren kann.

Eine schlechte Idee ist auch, bei der Eigenwerbung etwas zu versprechen, was man nicht versprechen kann („Garantiert auf Platz 1“). Denn damit verliert man zumindest den Anspruch auf Bezahlung. Überhaupt ist es laut Mag. Harlander sinnvoll, den Kunden über jeden Schritt schriftlich aufzuklären, damit der nachvollziehen kann was man tut. Das wiederspricht zwar den Geschäftspraktiken vieler SEOs, aber man sollte bedenken, dass ein Kundenprojekt immer anders laufen sollte als ein eigenes Projekt…

Fragen zu Recht und Unrecht

Die Teilnehmer der SEOkomm konnten im Vorfeld Fragen stellen. Peter Harlander hat diese beantwortet, hier die Notizen dazu:

  • Google Richtlinien sind kein Gesetz! Es gibt also dabei kein rechtliches Risiko – aber natürlich das Risiko, aus dem Index heraus zu fallen.
  • Domains: Gattungs-Domains kann jeder verwenden, er empfiehlt von Namens-Domains die Finger zu lassen.
  • Der Inhalt von Expired Domains darf nicht weiter verwendet werden – wenn er urheberrechtlich geschützt ist. Und davon sollte man im Zweifel ausgehen.
  • Unrichtige Registrierungsdaten sind in der Regel nur Vertrags-Verletzungen mit dem Registrar betroffen, aber sollten keine Probleme machen.
  • Bei allen Inhalten (Texten, Metatags, Alt-Texten) gilt: Es dürfen keine fremde Inhalte verwendet werden. Das Zitatrecht sollte man nur verwenden, wenn man Bescheid weiß. Also nicht eine Seite scrapen, verlinken und sich auf ein Zitat raus reden.
  • Manche Webseiten haben noch einen Disclaimer für die Verlinkung. Den kann man direkt löschen, da er eh nichts hilft. Ein ähnlicher Disclaimer auf einem Auto für zu schnelles Fahren würde auch nicht funktionieren. Andererseits ist das Setzen von Links in der Regel auch sehr unproblematisch. Man muss schon lange suchen, bis man illegale Inhalte findet, die nicht verlinkt werden dürfen. Ist das aber der Fall, dann muss der Link in extrem kurzer Zeit auch wieder ausgebaut werden können, wenn ein Gericht das verlangt.
  • Viel komplizierter ist Linkbuilding: Kommentarspam riecht schon sehr stark nach dem Wettbewerbsrecht. Peter Harlander kennt zwar noch keinen Fall der vor einem Gericht gelandet ist. Aber er warnt, dass in einem solchen Fall die Agentur haftet – oder zumindest nicht bezahlt wird. Es gibt ein vergleichbares Urteil aus dem Telefonspam-Bereich. Hier hatte der Kunde festgestellt, dass die Agentur spammt und hat „Halt“ geschrien. Danach musste der Kunde nichts für die schon bestellten Leistungen zahlen. Wenn der Kunde allerdings Bescheid weiß (schriftliche Aufklärung, siehe oben), könnte es sein, dass man sein Entgelt bekommt.
  • Ebenso problematisch ist es, Testimonials zu erfinden und damit zu werben. Also sucht richtige Menchen, die die Produkte toll finden.

SEA / Affiliate

  • Auch bei AdWords sollte man keine irreführende Anzeigen schalten, aber das macht eh keinen Sinn. Viel problematischer ist die Keyword-Insertion. Durch diese Automatik können auch Anzeigen mit markenrechtlichen Problemen eingesetzt werden. Harlander nennt die Verwendung „Flug durch ein schweres Gewitter.“ Tipp deshalb: Es sollte eine Liste der Keywords vom Kunden bereit gestellt werden, die man ausschließt.
  • Brand Bidding, also wenn Affiliates versuchen, in den AdWords über der beworbenen Marke zu stehen. Gibt es darüber vertragliche Regellungen (immer häufiger versuchen es die Marken, dies zu verbieten). Wohlgemerkt: Es geht um das Bieten auf die Markenkeywords – und nicht um den Text. Denn der ist im Zweifel eh verboten. Bisher war das – abgesehen von den vertraglichen Regelungen – unproblematisch. Allerdings könnte sich das ändern. Der europäische Gerichtshof sagt, dass das Bieten auf fremde Markenkeywords verboten ist – wenn es übertrieben wird. Eine schwammige Formulierung, das muss sich wohl noch entwickeln…
  • Affiliate Cookie-Dropping, also das Hinterlassen von Cookies mit dritten Seiten, damit beim Kauf die Affiliate-Seite den Gewinn bekommt. Das ist ganz klar nicht Wettbewerbskonform.

Fragen aus dem Publikum:

  • Ich binde auf meiner Seite erkennbar urheberlich illegale YouTube-Videos ein. Bin ich dafür haftbar? Antwort: Bei User generiertem Inhalt gilt, dass man nicht verantwortlich für Userinhalte ist und sie im Zweifel „nur“ sehr schnell entfernen muss. Aber YouTube kann keine Rechte übertragen, die YouTube nicht hat. Und wer Videos ausgesucht hat bei YouTube, der ist auch dafür haftbar. Kurz gesagt: Ja!
  • Nachfrage: Kann man also bei schnellem Löschen das probieren? Antwort: Nein, das würde nur helfen, wenn User generierten Inhalt einbinden würde. Hat man die Inhalte aber selbst ausgesucht, gilt das nicht.
  • Kann ich urheberlich schützenwerte Texte aus dem Ausland automatisch  übersetzen und dann einbinden? Antwort: Auch ein schützenswerter Text aus dem Ausland ist in seinen Übersetzungen geschützt.
  • Nachfrage: Hilft es, durch eine ausländische IP hier davon zu kommen? Antwort: Wenn der Bankräuber schnell genug läuft, wird er nicht gefasst. Und wer seine Identität verschleiern kann, der kommt davon. Allerdings sollte man sich auch nicht auf technischen Schutz etwa der IP-Adresse verlassen – denn der Weg des Geldes ist häufig leichter nachvollziehbar.
  • Markenrecht beim Linkbuilding: Wer ein Produkt vertreibt, darf die Marke auch verwenden. Sonst könnte man ja keine Werbung dafür machen.

Mehr: Alle unsere Recaps zur SEOkomm

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Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der Chefs der CONTENTmanufaktur GmbH . Außerdem ist er Redner auf Konferenzen, Dozent bei Hochschulen, schreibt über SEO (und über andere Dinge) und ist der Chefredakteur des SEO-Book.

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Kommentare (2)

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  2. Iffi

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