SEO Check Teil 3: "Domains & URLs"

Mit der Domain einer Webseite und ihren URLs beschäftigt man sich, wenn alles gut geht, eigentlich nur einmal: am Anfang. Umso verblüffender, dass wir in der Beratungspraxis fast  immer auch hierzu Optimierungsempfehlungen geben müssen – egal, wie viele SEOs davor schon beraten haben. Und das, wo „Domains & URLs“ doch ein ein Bereich ist, der sich in den vergangenen Jahren wenig geändert hat – vom Canonical-Tag mal abgesehen.

Diese permanente Beschäftigung mit Domain und URLs hat zwei Gründe: Erstens gibt es da draußen sehr viele CMS Systeme, die machen was sie wollen – und deren Hersteller den Kunden dann erzählen, dass genau das SEO wäre. Doch eigentlich ist es nur eine technischer Defekt des CMS. Zweitens sind Domain und URLs schwer zu ändern.  Und weil das so ist, glauben viele, dass dies unfassbar wichtig für SEO sei. Das stimmt aber nicht. Denn so lange man halbweg sauber arbeitet und keine wirklich böse Sachen (z.B. falscher Canonical-Tag) falsch macht, ist Google bei Domain und URLs eigentlich recht fehlertolerant und clever.

Übrigens: In den ersten beiden Teilen unseres SEO Checks haben wir uns die Meta-Angaben und den HTML-Code angesehen, in Teil drei unserer kleinen Serie möchten wir uns heute dem Thema „Domains & URLs“ widmen.

Domains & URLs

    1. Eindeutige Domain

      Damit eine Seite bzw. deren Inhalte eindeutig gefunden werden können, ist es wichtig, diese unter einer eindeutigen Domainzu veröffentlichen. Inhalte auf Variationen der Domain sollten mit einem 301-Redirect weitergeleitet werden. Da es sich aus Sicht von Google auch bei einer Subdomain um eine eigenständige Domain handelt, gelten auch Subomains (z.B. „www.domain.de“) als Variante.

      Beispiel zur Verdeutlichung: Nehmen wir an, unsere Firma nennt sich Domain GmbH und wir sind in Besitz folgender Domains: domain.de, domain.com, domain24.com. Da domain.com unsere älteste Domain ist (als erste registriert wurde) und die meisten Backlinks besitzt, entscheiden wir uns, diese als unsere Hauptdomain zu verwenden. Das bedeutet also, unsere Inhalte sind nur unter www.domain.com zu finden, und nicht auf Variationen der Domain (www.domain.de, www.domain24.com oder domain.com).

      Subdomains: Wie bereits erwähnt gilt es außerdem zu beachten, dass auch eine Subdomain von Google als eigenständige Domain behandelt wird. Das heißt also, wir müssen auch darauf achten, dass die Inhalte nicht unter http://www.domain.com (mit Subdomain „www“) und zusätzlich unter http://domain.com (ohne Subdomain „www“) zu finden sind.

      Auch hier gilt es also eine Entscheidung zu treffen: mit „www“ oder ohne „www“? In unserem Beispiel entscheiden wir uns für die Variante mit „www“, da dies die geläufigere Variante ist.

      Lösungsvorschlag für die anderen Domains: Sofern unsere beiden anderen Domains (domain.de und domain24.com) nicht eigene, unique Inhalte bekommen, sollten diese via 301-Weiterleitung auf die Startseite von www.domain.com weitergeleitet werden.

      Alle Anfragen, die auf domain.com (ohne „www“) eingehen, leiten wir ebenfalls mit einer 301-Weiterleitung auf die entsprechende Seite mit „www“ um. Wichtig ist hierbei vor allem, dass nicht alle Anfragen auf die Startseite, sondern auf die jeweils entsprechende Unterseite von www.domain.com weitergeleitet werden. Eine Anfrage der URL http://domain.com/shop/harry-potter-buch.html wird also nach http://www.domain.com/shop/harry-potter-buch.html umgeleitet.

      Hinweis: Die bevorzugte Domain (also mit „www“ oder ohne „www“) kann auch in den Google Webmaster Tools unter „Website-Konfiguration -> Einstellungen -> Bevorzugte Domain“ eingestellt werden.

      Tipp: Wer schon gar nicht mehr weiß, unter welchen Domains seine Seite veröffentlicht wurde, nimmt einfach einen Textschnipsel der Startseite, setzt diesen in Anführungszeichen und sucht nach diesem (durch die Anführungszeichen wird der Schnipsel als Phrase gesucht).

    2. Speaking URLs

      Sogenannte „sprechende URLs“ – also URLs, die sich aus Wörtern und nicht aus kryptischen Zeichenfolgen zusammensetzen – sind günstig für das Ranking. Außerdem sind diese auch für den Nutzer von Vorteil, da dieser bereits anhand der URL erkennen kann, ob er auf der Seite richtig ist. Bei dynamischen URLs ist dies ungleich schwerer zu erkennen, da der Nutzer in der Lage sein müsste, die hinter den Parametern stehende Bedeutung zu erraten.Eine sprechende URL wirkt sich deshalb positiv auf die Click-Through-Rate aus und ist einer dynamischen URL vorzuziehen.

      Bei der Konzeptionierung einer URL-Struktur sollte man sich an folgenden Regeln orientieren:

      • Aussagekräftige Dateinamen: Der Dateiname einer Seite sollte möglichst deren Inhalt beschreiben. So macht es beispielsweise Sinn, bei Produktdetailseiten den Namen des Produkts als Dateinamen zu verwenden (z. B. harry-potter-und-die-heiligtuemer-des-todes-teil-1.html).
      • Verzeichnisnamen: Gleiches gilt selbstverständlich auch für die entsprechenden Verzeichnisnamen. Auch hier sollte der Inhalt mit möglichst wenigen Worten beschrieben werden (z. B. /dvd/fantasy/). Die Verzeichnisse sollten außerdem die tatsächliche Struktur der Webseite abbilden, denn verfünftig benannte Verzeichnisse mit enthaltenen Keywords sind nicht nur für SEO ganz gut, sondern erleichtern auch die Analyse in Google Analytics und den meisten anderen Tools.
      • Kleinschreibung: Alle Buchstaben einer URL sollten klein geschrieben werden.
      • Erlaubte Zeichen: Eine URL sollte nur aus Kleinbuchstaben, Zahlen, Bindestrichen und Schrägstrichen bestehen. Und natürlich einem (!) Punkt vor der Dateiendung.
      • Keine Sonderzeichen: Nicht verwendet werden sollten dagegen Umlaute, Sonderzeichen, Unterstriche und Leerzeichen, sowie alle anderen Zeichen.
      • Worttrennung: Datei- oder Verzeichnisnamen, die sich aus zwei oder mehr Wörtern zusammensetzen, sollten nicht zu einem Wort zusammengefasst werden, sondern mit einem Bindestrich getrennt werden. Wichtig ist, dass als Trennzeichen der Bindestrich und nicht der Unterstrich oder gar ein Leerzeichen verwendet wird.
      • Länge der URL: Wenn man die Wahl hat, sollte eine kürzere URL immer einer längeren vorgezogen werden.
    3. Dynamische URLs

      Das Gegenteil von „Speaking URLs“ sind „Dynamische URLs“. Dabei handelt es sich um URLs mit sogenannten Parametern, die hinter einem Fragezeichen angegeben werden und gewisse Inhalte der Seite steuern. So kann beispielsweise durch die Angabe einer ID gesteuert werden, zu welchem Produkt Informationen aus der Datenbank ausgelesen und auf der Seite angezeigt werden sollen.

      Beispiel für eine dynamische URL: http://www.domain.com/index.php?id=404&content=error

      Früher tat sich Google mit diesen Parametern sehr schwer, mittlerweile kann Google zwar damit umgehen, es verstecken sich jedoch häufig Fehler und doppelte Inhalte dahinter.

      Wer mit dynamischen URLs arbeitet – oder arbeiten muss, weil diese aus technischen oder anderen Gründen nicht umgestellt werden können – der sollte dabei ein paar Dinge beachten:

      • Canonical-Tag: Mit dem Canonical-Tag haben die führenden Suchmaschinen ein Hilfsmittel eingeführt, um Seiten mit identischen Inhalten aber unterschiedlichen URLs (z. B. dynamische URLs mit anderen Parametern) besser in den Griff zu bekommen.
      • Der korrekte Einsatz des Canonical-Tags: Um Google & Co. die gewünschte URL – also die URL, die zum entsprechenden Inhalt ranken soll – vorzugeben, muss im Canonical-Tag aller anderen URLs mit gleichem Inhalt genau diese Seite als „Zielseite“ eingetragen werden. Dabei hat es sich bewährt, eine URL mit möglichst wenigen Parametern als Ziel zu wählen.Damit wird Google die kanonisierte URL – also die Seite, die im Canonical-Tag der anderen Seiten eingetragen wird – als „Hauptseite“ vorgeschlagen. Dies hat zur Folge, dass Google diese Seite in der Regel besser rankt (da keine konkurrierenden Seiten mit identischem Inhalt die Relevanzbeurteilung von Google stören). Alle anderen Seiten verschwinden daraufhin in der Regel aus dem Index.
      • URL-Parameter in den GWT sperren: Neben dem Canonical-Tag gibt es außerdem noch die Möglichkeit, bestimmte Parameter in den Google Webmaster Tools zu sperren. Dazu gibt man die gewünschten Parameter in den GWT unter „Website-Konfiguration -> URL-Parameter -> Parameter hinzufügen“ an.Hinweis: Bevor hier Parameter eingetragen werden, sollte man sich sicher sein, dass man weiß, was man da tut. Google selbst warnt davor, hier vorschnell Parameter hinzuzufügen.

        Verwenden Sie diese Funktion, falls Sie sicher sind, wie Parameter für Ihre Website funktionieren. Wenn Sie den Googlebot anweisen, URLs mit bestimmten Parametern auszulassen, kann dies dazu führen, dass viele Ihrer Seiten aus unserem Index entfernt werden.

      Hier noch die Meinung von Google zu dynamischen URLs.

    4. CMS & Struktureller Duplicate Content

      Viele Content Management Systeme (CMS) produzieren automatisch doppelte Inhalte durch Parameter in den URLs (siehe dynamische URLs), in dem Inhalte zusätzlich auf Subdomains oder in mehreren Kategorien gleichzeitig veröffentlicht werden. Einige CMS verwenden auch mehrere Varianten von URLs.

      So sind beispielsweise folgende URLs denkbar:

      • domain.de/kategorie
      • domain.de/kategorie/
      • domain.de/kategorie/index.htm
      • domain.de/kategorie/index.html

      Es kann sehr gut sein, dass das CMS alle vier oder zumindest mehrere dieser Varianten gleichzeitig verwendet. Das sollte man ihm abgewöhnen. Ist dies nicht möglich, sollte diese Problematik mit Hilfe des Canonical-Tags behandelt werden. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten, da es sehr schnell dazu kommen kann, dass URLs kanonisiert, also als „Zielseite“ angegeben werden, die gar nicht vorhanden sind.

    5. URLs mit ID für Google News

      Wer regelmäßig News auf seiner Seite veröffentlicht, der sollte sich Gedanken über eine Eintragung in Google News machen. Um bei Google News aufgenommen zu werden, sind neben inhaltlichen Voraussetzungen auch einige technische Voraussetzungen zu erfüllen. Eine davon lautet: Die URL eines Beitrages muss eine mindestens dreistellige fortlaufende ID beinhalten. Dies war zumindest noch bis vor kurzem der Fall. Mittlerweile ist das nicht mehr zwingend erforderlich, aber trotzdem hilfreich. Die ID sollte generell möglichst weit hinten untergebracht werden.

    Hier eine Übersicht über alle Teile unserer „SEO Check„-Serie:

    1. Meta-Angaben
    2. HTML-Code
    3. Domains & URLs
    4. Technik
    5. Content
    6. Webseiten-Struktur
    7. Backlinks

    Christoph Baur

    Ich bin Gründer und Geschäftsführer der Bits & Passion GmbH und Lehrbeauftragter für Suchmaschinenmarketing und Unternehmensführung an der Hochschule Augsburg. Zuvor war ich Head of SEO bei Catbird Seat und bei der CONTENTmanufaktur. Wer mich erreichen möchte, kann dies per E-Mail (christoph.baur@bitsandpassion.com) oder über mein Xing-Profil tun.

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