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SEO-Sünden im Webdesign: Typische Fehler von Designern und Konzeptern

Aktualisiert im Oktober 2026. Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2016 und wurde für den heutigen Stand komplett neu geschrieben: mit Mobile-First-Indexing, Core Web Vitals und dem, was Google heute über versteckte Inhalte und JavaScript-Links sagt.

Designer, Konzepter und SEOs wollen eigentlich dasselbe: eine Website, die Menschen gern benutzen und die gefunden wird. Trotzdem prallen bei fast jedem Relaunch Welten aufeinander. Selten geht es dabei wirklich um „schön gegen suchmaschinenfreundlich“. Meist steckt eine unterschiedliche Vorstellung davon dahinter, was Nutzer wollen. Hier sind die Design-Muster, die uns in Projekten immer wieder begegnen, und wie du sie entschärfst.

1. Inhalte, die erst nach einem Klick erscheinen

Text unter „Mehr anzeigen“, Antworten in Akkordeons, Produktdetails in Tabs: Das Argument lautet meist, Nutzer wollten nicht scrollen. Dabei ist Scrollen die einfachste Bewegung im Web, vor allem auf dem Smartphone. Klicken ist aufwendiger.

Wie Google das heute sieht: Lange galt, dass eingeklappte Inhalte schwächer gewichtet werden. Mit dem Mobile-First-Indexing hat Google diese Haltung geändert und mehrfach erklärt, dass Inhalte in Akkordeons und Tabs normal berücksichtigt werden, wenn das Ausklappen der Bedienbarkeit auf kleinen Bildschirmen dient.

Die wichtige Einschränkung: Der Inhalt muss im HTML stehen, wenn die Seite geladen wird. Google klickt nicht. Wird der Text erst per JavaScript nachgeladen, sobald jemand auf „Mehr“ tippt, sieht Google ihn nicht.

Praxis-Check: In der URL-Prüfung der Search Console das gerenderte HTML ansehen. Steht der eingeklappte Text dort drin, ist alles in Ordnung.

Und zur Behauptung „weniger Text ist immer besser“: Eine Studie, die das allgemein belegt, ist uns nicht bekannt. Entscheidend ist, ob der Inhalt gut gegliedert ist und die Frage des Nutzers beantwortet, nicht seine Länge.

2. Scroll-Storytelling als Zwangsführung

Storytelling ist eine starke Methode für Inhalte und Kampagnen. Problematisch wird es, wenn daraus ein Onepager wird, der Besucher an die Hand nimmt und nicht mehr loslässt: bildschirmfüllendes Video zum Einstieg, ein kleiner „Weiter“-Button, Scroll-Hijacking, das Inhalte in Stufen statt fließend zeigt, und kein Weg zurück.

Wer nur schnell den Preis oder eine Telefonnummer sucht, ist hier verloren und geht zurück zu Google. Für SEO kommt dazu:

  • Eine URL für alles bedeutet: Unterthemen wie „Kosten“, „Nebenwirkungen“ oder „Erfahrungen“ haben keine eigene Seite, die für diese Suchanfragen ranken könnte. Longtail-Potenzial geht verloren.
  • Schwere Animationen verschlechtern Ladezeit und Reaktionsfähigkeit, messbar über die Core Web Vitals.
  • Inhalte, die erst beim Scrollen per JavaScript entstehen, sind für Google womöglich gar nicht vorhanden.

Früher war Flash das Feindbild der SEOs. Heute ist es selten die Technik selbst, sondern ein Konzept, das Nutzer zu einer festen Reihenfolge zwingt.

3. Navigation versteckt im Hamburger-Menü, auch auf dem Desktop

Auf dem Smartphone ist das Hamburger-Menü eine sinnvolle Lösung. Auf einem 27-Zoll-Monitor nicht. Trotzdem landen auch auf großen Bildschirmen die Hauptrubriken immer häufiger hinter drei Strichen.

Das kostet Orientierung: Sichtbare Rubriken zeigen sofort, was eine Website bietet. Für SEO ist die Navigation außerdem das Rückgrat der internen Verlinkung. Solange die Links als echte <a href>-Elemente im HTML stehen, kann Google ihnen folgen, auch im Hamburger-Menü. Kritisch wird es, wenn das Menü erst nach einem Klick per JavaScript aufgebaut wird oder Menüpunkte nur Buttons mit onclick sind.

Empfehlung: Mobil darf das Menü einklappen. Auf dem Desktop sollten die wichtigsten Rubriken sichtbar bleiben. Große Shops und Nachrichtenseiten machen es seit Jahren so.

4. Mobil heißt nicht automatisch weniger Inhalt

Auf dem Smartphone wird anders gelesen und navigiert, ein eigenes Layout ist richtig. Falsch ist die Annahme, mobil gehöre grundsätzlich weniger Inhalt auf die Seite.

Heute ist das kein reines Usability-Thema mehr: Google indexiert praktisch nur noch die mobile Version einer Website. Was du für Smartphones weglässt, existiert für Google nicht, auch wenn es auf dem Desktop steht. Das betrifft Texte genauso wie strukturierte Daten, Bild-Alt-Attribute und interne Links.

Frag deshalb lieber: Welche Informationen braucht jemand in welcher Situation? Und wie ordne ich sie auf dem kleinen Bildschirm an, statt sie zu streichen?

5. Kurz oder lang? Nach Thema entscheiden, nicht nach Trend

Ein Widerspruch, der in vielen Projekten auffällt: Auf der einen Seite sollen Texte so kurz wie möglich sein, weil angeblich niemand liest. Auf der anderen Seite entstehen lange Storytelling-Seiten, durch die man sich klicken und wischen muss.

Beides kann richtig sein. Manche Suchanfragen verlangen eine knappe, fokussierte Antwort, andere einen umfassenden Ratgeber. Die Entscheidung sollte aus der Suchintention kommen, nicht aus dem Design-Trend der Saison. Ein Blick auf die Seiten, die für das Keyword bereits gut ranken, zeigt meist schnell, welches Format erwartet wird.

6. Karussells und Swipe-Teaser auf dem Desktop

Horizontal verschiebbare Teaserreihen kennt man von Streaming-Diensten. Auf dem Touchscreen funktionieren sie gut. Mit der Maus muss man kleine Pfeile treffen, und alles, was rechts außerhalb des Bildes liegt, wird kaum gesehen.

Für SEO zählen zwei Fragen:

  • Stehen alle Teaser im HTML oder werden sie erst beim Weiterblättern nachgeladen? Nur was beim Laden vorhanden ist, kann Google sicher erfassen.
  • Sind es echte Links? Teaser, die nur per JavaScript-Klick zum Ziel führen, geben keine Linksignale weiter.

Für wichtige Inhalte ist eine sichtbare Liste oder ein Raster fast immer die bessere Wahl als ein Karussell.

7. Bildschirmfüllende Hero-Bilder und Videos

Ein großes Stimmungsbild oben auf der Seite, darunter erst einmal nichts. Wer über Google kommt, sucht aber eine Information oder ein Produkt, keine Stimmung. Es muss nicht alles Wichtige ohne Scrollen sichtbar sein, aber erkennbar, worum es auf der Seite geht, sollte es sein.

Technisch ist das große Hero-Bild oft das größte Element der Seite und damit maßgeblich für den Largest Contentful Paint (LCP). Typische Fehler:

  • Das Hero-Bild ist per loading="lazy" verzögert. Bilder im sichtbaren Bereich sollten sofort geladen werden.
  • Bild oder Video sind viel zu groß und nicht in modernen Formaten wie WebP oder AVIF ausgeliefert.
  • Die Überschrift steckt als Text im Bild statt als echtes HTML.

Mehr dazu im Bilder-SEO-Leitfaden.

8. Neu dazugekommen: Layout-Sprünge und Overlays

Seit 2016 sind zwei Muster dazugekommen, die Nutzer und Google gleichermaßen stören:

  • Springende Layouts: Banner, Bilder ohne feste Größe oder nachgeladene Werbung verschieben den Inhalt, während man liest. Das misst die Kennzahl Cumulative Layout Shift (CLS).
  • Aufdringliche Overlays: Newsletter-Popups, die beim Einstieg den ganzen Inhalt verdecken, nerven vor allem auf dem Smartphone. Google rät in seiner Dokumentation zur Nutzererfahrung ausdrücklich von solchen aufdringlichen Interstitials ab. Rechtlich nötige Hinweise wie Cookie-Banner sind ein Sonderfall, sollten aber so gestaltet sein, dass sie den Inhalt nicht länger als nötig verdecken.

Auch Barrierefreiheit gehört heute in jedes Designkonzept. Vieles, was Screenreadern hilft, also echte Links, saubere Überschriften, Alternativtexte, hilft auch Suchmaschinen. Mehr dazu in SEO und Barrierefreiheit.

So bringst du Design und SEO zusammen

  • SEO früh einbinden, schon bei der Informationsarchitektur und den ersten Wireframes, nicht erst kurz vor dem Livegang.
  • Inhalte vor Layout: Erst klären, welche Suchanfragen eine Seite bedienen soll, dann gestalten.
  • Prototypen technisch prüfen: Gerendertes HTML ansehen, Links mit einem Crawler testen, Core Web Vitals messen.
  • Erfolgreiche Websites als Maßstab nehmen, nicht Design-Awards. Die großen Shops und Nachrichtenportale zeigen ihre Rubriken offen, lassen sich normal scrollen und bieten mobil dieselben Produktinformationen wie am Desktop.

Viele dieser Punkte sind am Ende keine SEO-Fragen, sondern Fragen der Nutzererfahrung. Wie eng beides zusammenhängt, steht in SEO und UX.

Fazit: Etwas weniger Trend, etwas mehr Nutzer

Gute Gestalter reduzieren, und das ist eine Stärke. Problematisch wird es, wenn Reduktion auf Kosten von Inhalten, Navigation und Bedienbarkeit geht. Die meisten SEO-Sünden im Webdesign entstehen nicht aus Unwissen, sondern weil ein Trend wichtiger genommen wird als die Frage, was Besucher auf der Seite eigentlich suchen. Wer diese Frage zuerst stellt, löst die meisten Konflikte zwischen Design und SEO, bevor sie entstehen.

Autor

Christoph Baur ist Gründer und Geschäftsführer der Augsburger SEO Agentur Bits & Passion GmbH. Seine Leidenschaft für SEO und Online Marketing entwickelte sich bereits 2002. Damals startete er als Webentwickler und betrieb verschiedene, erfolgreiche Affiliate Websites. Seit 2010 berät er als SEO Consultant Kunden aller Größe von der Zahnarztpraxis bis zum Dax40-Konzern. Sein Wissen teilt er außerdem als Lehrbeauftragter an der Hochschule Augsburg und an der DHBW Ravensburg.

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