Offpage

Disavow-Tool: Wann du Backlinks heute noch entwerten solltest

Aktualisiert im Oktober 2026. Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2012 und wurde für den heutigen Stand komplett neu geschrieben: mit Googles aktueller Empfehlung, dem Dateiformat und einer klaren Antwort, wann sich der Aufwand noch lohnt.

Mit dem Disavow-Tool kannst du Google mitteilen, dass bestimmte Links auf deine Website bei der Bewertung nicht berücksichtigt werden sollen. Als Google das Werkzeug im Oktober 2012 vorstellte, war die Aufregung groß: Ein halbes Jahr nach dem ersten Penguin-Update hatten viele Websites Probleme mit alten Spam-Links. Heute sieht die Lage ganz anders aus. Für die meisten Websites ist das Tool überflüssig, und falsch eingesetzt kann es sogar schaden.

Wie es zum Disavow-Tool kam

Im April 2012 startete Google das Penguin-Update. Es richtete sich gegen manipulativen Linkaufbau: gekaufte Links, Linknetzwerke, massenhaft verteilte Artikel und Kommentar-Spam mit hart optimierten Ankertexten. Gleichzeitig verschickte Google tausende Warnungen über unnatürliche Links in den damaligen Webmaster Tools.

Wer betroffen war, hatte ein Problem. Die Links standen auf fremden Websites, und deren Betreiber reagierten auf Löschanfragen oft gar nicht oder wollten Geld dafür. Das Disavow-Tool sollte diese Lücke schließen: Du konntest eine Liste mit Links oder ganzen Domains hochladen, die Google ignorieren sollte. Man kann es sich als eine Art nofollow vorstellen, das nicht der verlinkende, sondern der verlinkte Betreiber setzt.

Schon damals war Vorsicht angesagt. Google bezeichnete das Tool als Funktion für fortgeschrittene Nutzer und empfahl, zuerst zu versuchen, die Links auf normalem Weg entfernen zu lassen. Außerdem ist die Liste für Google ein Hinweis, keine verbindliche Anweisung, ähnlich wie beim Canonical-Tag.

Was sich seitdem geändert hat

Der entscheidende Unterschied zu 2012: Google bestraft eine Website heute in aller Regel nicht mehr algorithmisch für schlechte Links, sondern ignoriert sie einfach.

  • Penguin 4.0 (2016): Penguin wurde Teil des Kernalgorithmus und arbeitet seitdem in Echtzeit. Statt ganze Websites abzuwerten, entwertet Google gezielt die auffälligen Links.
  • SpamBrain (ab 2022): Mit dem Link-Spam-Update im Dezember 2022 setzte Google sein KI-basiertes Spam-System auch gegen Links ein. Es erkennt gekaufte Links und Seiten, die nur zum Weitergeben von Links existieren, und neutralisiert deren Wirkung.
  • Search Console statt Webmaster Tools: Die Webmaster Tools heißen seit 2015 Search Console. Das Disavow-Tool gibt es weiterhin, es ist aber bis heute nicht im Menü verlinkt und nur über eine direkte Adresse erreichbar. Domain-Properties unterstützt es nicht, du brauchst eine URL-Präfix-Property.

Die zufälligen Spam-Links, die praktisch jede Website im Lauf der Jahre einsammelt, also Scraper-Seiten, merkwürdige Verzeichnisse oder automatisch erzeugte Statistikseiten, musst du deshalb nicht mehr manuell abwehren. Google hat sie längst aussortiert.

Wann Disavow heute noch sinnvoll ist

Google formuliert die Empfehlung inzwischen sehr eng. Ein Disavow kommt nur infrage, wenn beides zutrifft:

  1. Es zeigen eine erhebliche Zahl von spammigen, künstlichen oder minderwertigen Links auf deine Website.
  2. Diese Links haben zu einer manuellen Maßnahme geführt oder werden das wahrscheinlich tun.

In der Praxis bleiben damit vor allem drei Situationen:

  • Es liegt eine manuelle Maßnahme vor. In der Search Console steht unter Sicherheit und manuelle Maßnahmen → Manuelle Maßnahmen ein Hinweis auf unnatürliche Links zu deiner Website. Das ist der klassische Einsatzfall.
  • Es wurden selbst Links gekauft oder getauscht. Du weißt (oder findest heraus), dass eine frühere Agentur oder ein Vorgänger in größerem Stil Links gekauft, Linknetzwerke genutzt oder Gastartikel mit optimierten Ankertexten gestreut hat. Dann ist das Risiko einer manuellen Maßnahme real, und ein vorbeugendes Disavow kann sinnvoll sein.
  • Eine Domain mit belasteter Vergangenheit wurde übernommen. Wer eine gebrauchte Domain kauft, übernimmt deren Backlinkprofil. Gab es dort massiven Linkkauf, lohnt sich ein genauer Blick.

Nicht sinnvoll ist das Tool dagegen, wenn du nur das Gefühl hast, dass ein paar komische Links auf dich zeigen, wenn ein Tool einen hohen „Toxic Score“ meldet oder wenn deine Rankings ohne erkennbaren Grund gefallen sind. Ein Ranking-Verlust nach einem Core Update hat fast nie etwas mit eingehenden Spam-Links zu tun. Mehr dazu steht in unserem Beitrag zum Core Update im August 2024.

Das Risiko: Du kannst dir selbst schaden

Ein Disavow wirkt in beide Richtungen. Entwertest du Links, die Google bisher positiv gewertet hat, verlierst du diesen Effekt. Das passiert schneller, als man denkt:

  • Ganze Domains werden per domain: entwertet, obwohl dort auch gute redaktionelle Links stehen.
  • Ein Tool stuft Links als „toxisch“ ein, nur weil die verlinkende Seite wenig Sichtbarkeit hat oder im Ausland steht.
  • Jemand übernimmt eine fremde Disavow-Liste oder lädt pauschal alles hoch, was ein Export ausspuckt.

Bevor du eine Datei hochlädst, solltest du jeden Eintrag begründen können. Woran du schlechte Links tatsächlich erkennst, beschreiben wir in der SEO-Frage Woran erkennt man schlechte Links?.

So funktioniert das Tool

Die Datei

Die Disavow-Liste ist eine einfache Textdatei. Die wichtigsten Regeln laut Google:

  • Dateiendung .txt, Kodierung UTF-8 oder 7-Bit-ASCII
  • eine URL oder eine Domain pro Zeile
  • ganze Domains mit dem Präfix domain:
  • Zeilen mit # am Anfang sind Kommentare und werden ignoriert
  • höchstens 100.000 Zeilen und 2 MB, einzelne URLs maximal 2.048 Zeichen

Ein Beispiel:

# Linknetzwerk, Löschanfrage am 12.03.2026 ohne Antwort
domain:billige-links-netzwerk.example
domain:artikelverzeichnis-xyz.example

# Einzelne gekaufte Artikel, Rest der Domain ist in Ordnung
https://www.magazin.example/sponsored/beitrag-123.html
https://www.magazin.example/sponsored/beitrag-456.html

Die Kommentare liest Google nicht, sie sind für dich und dein Team. Gerade bei einer späteren Überarbeitung bist du froh, wenn du noch weißt, warum ein Eintrag in der Liste steht.

Hochladen und warten

  1. Öffne das Disavow-Tool in der Search Console und wähle die passende URL-Präfix-Property.
  2. Lade die Datei hoch. Pro Property gibt es genau eine aktive Liste. Eine neue Datei ersetzt die alte vollständig, sie wird nicht ergänzt. Willst du etwas hinzufügen, lädst du die bestehende Liste herunter, ergänzt sie und lädst sie komplett neu hoch.
  3. Warte. Google berücksichtigt die Liste erst, wenn die betroffenen Seiten erneut gecrawlt werden. Das kann einige Wochen dauern.

Die entwerteten Links verschwinden übrigens nicht aus dem Linkbericht der Search Console. Dass sie dort weiter auftauchen, ist also kein Zeichen dafür, dass das Disavow nicht funktioniert hat.

Bei einer manuellen Maßnahme: Antrag auf erneute Überprüfung

Das Disavow allein hebt eine manuelle Maßnahme nicht auf. Der übliche Ablauf:

  1. Backlinks vollständig exportieren und prüfen, etwa aus der Search Console und einem Backlink-Tool.
  2. Problematische Links nach Möglichkeit entfernen lassen. Google erwartet, dass du das ernsthaft versuchst.
  3. Was sich nicht entfernen lässt, per Disavow entwerten.
  4. In der Search Console einen Antrag auf erneute Überprüfung stellen und dabei nachvollziehbar dokumentieren, was du getan hast.

Und wenn andere dich auf ihre Disavow-Liste setzen?

Diese Sorge taucht immer wieder auf, oft ausgelöst durch E-Mails, in denen jemand mit einem Disavow droht, falls du einen Link nicht entfernst. Die kurze Antwort: Für deine Website ist das normalerweise kein Problem. Die ausführliche Antwort steht in der SEO-Frage Schadet ein Disavow-Eintrag meiner Seite?.

Besser als Disavow: gar nicht erst in die Lage kommen

Das beste Disavow ist das, das du nie brauchst. Wer Links bezahlt oder im Rahmen von Kooperationen bekommt, kennzeichnet sie mit rel="sponsored" oder rel="nofollow". Dann gibt es nichts zu entwerten. Und wer auf redaktionelle Links durch gute Inhalte setzt, wie in unserer Einführung in den Linkaufbau beschrieben, muss sich um sein Linkprofil ohnehin wenig Sorgen machen. Einen regelmäßigen Blick auf die eingehenden Links lohnt sich trotzdem, etwa im Rahmen unseres SEO-Checks zu Backlinks.

Fazit: ein Notfallwerkzeug, kein Pflegeprodukt

2012 war das Disavow-Tool für viele Websites ein Rettungsanker. 2026 ist es ein Spezialwerkzeug für wenige Fälle: eine manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links oder ein Linkprofil, das nachweislich durch Linkkauf oder Linknetzwerke belastet ist. Für die alltäglichen Spam-Links, die jede Website bekommt, ist Google selbst zuständig, und das funktioniert inzwischen gut. Wenn du das Tool nutzt, dann sorgfältig, begründet und mit einer kommentierten Liste.

Autor

Christoph Baur ist Gründer und Geschäftsführer der Augsburger SEO Agentur Bits & Passion GmbH. Seine Leidenschaft für SEO und Online Marketing entwickelte sich bereits 2002. Damals startete er als Webentwickler und betrieb verschiedene, erfolgreiche Affiliate Websites. Seit 2010 berät er als SEO Consultant Kunden aller Größe von der Zahnarztpraxis bis zum Dax40-Konzern. Sein Wissen teilt er außerdem als Lehrbeauftragter an der Hochschule Augsburg und an der DHBW Ravensburg.

1 Kommentar Neuen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert