Die SEO Frage

Woran erkennst du schlechte Backlinks?

Aktualisiert im Oktober 2026. Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2013 und wurde für den heutigen Stand komplett neu geschrieben: ohne den abgeschafften Toolbar-PageRank, mit Search Console und GA4 und mit einer ehrlichen Einordnung, wann sich die Prüfung überhaupt lohnt.

Gekaufte Links, Linknetzwerke, Spam-Verzeichnisse: Jeder weiß, dass es schlechte Links gibt. Aber woran erkennt man einen solchen Link konkret, wenn man ihn vor sich hat? In unserer Reihe „Die SEO-Frage“ geht es diesmal um genau diese Prüfung, und zwar mit Bordmitteln statt mit einem speziellen Link-Audit-Tool.

Die Frage

Als richtig schlechte Links gelten Links aus Linkfarmen und Linknetzwerken. Wie erkenne ich die konkret? Ich möchte dafür kein spezielles Detox-Tool nutzen, sondern mit den normalen Backlink-Daten arbeiten.

Vorab: Musst du das überhaupt prüfen?

Eine ehrliche Vorbemerkung, die es 2013 so noch nicht gab: Google ignoriert die allermeisten Spam-Links heute selbstständig. Dass auf deine Website ein paar dubiose Verzeichnisse oder Scraper-Seiten verlinken, ist normal und kein Grund zur Panik.

Eine gründliche Prüfung lohnt sich vor allem in diesen Fällen:

  • Du hast eine manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links in der Search Console.
  • Du weißt, dass früher Links gekauft oder über Netzwerke aufgebaut wurden.
  • Du überlegst, eine gebrauchte Domain zu kaufen.
  • Du planst eine Kooperation und willst wissen, ob ein Link von dieser Website etwas taugt.

Wann aus der Prüfung ein Disavow werden sollte, steht in unserem Beitrag zum Disavow-Tool.

Wie Link-Audit-Tools vorgehen

Auch wenn du kein spezielles Tool nutzen willst: Es hilft zu wissen, wonach diese Tools suchen. Typische Kriterien sind:

  • Ist die verlinkende Domain überhaupt im Google-Index?
  • Gibt es Malware- oder Phishing-Warnungen für die Domain?
  • Hat die Domain nennenswerte Sichtbarkeit und eigene gute Links?
  • Hängen viele verlinkende Domains am selben Server, an derselben IP oder im selben Netz?
  • Verlinkt die Domain massenhaft auf themenfremde Websites?
  • Gibt es Footer oder Seitenleisten voller externer Links mit Keyword-Ankertexten?

Wichtig: Ein einzelnes Merkmal beweist nichts. Eine Verlagsgruppe verlinkt ihre Magazine untereinander im Footer, und die liegen oft auf denselben Servern. Das ist völlig in Ordnung. Erst wenn mehrere Indizien zusammenkommen, wird aus dem Verdacht eine Einschätzung. Grob lassen sich die Prüfungen in drei Bereiche einteilen: Sichtbarkeit, Netzwerk-Merkmale und der Eindruck der Seite selbst.

1. Ist die verlinkende Seite sichtbar?

Ein Link von einer Seite, die Google nicht im Index hat, bringt dir nichts. Prüfe deshalb zuerst die Indexierung:

site:beispiel-domain.de

Damit siehst du, ob und mit welchen Seiten die Domain im Index ist. Die angezeigte Trefferzahl ist nur eine grobe Schätzung, es geht um den Gesamteindruck. Um die konkrete Seite mit dem Link zu prüfen, kombinierst du die Abfrage mit einem markanten Satz aus deren Text oder der Überschrift:

site:beispiel-domain.de "markanter Satz aus der Überschrift"

Taucht die Seite nicht auf, und auch vergleichbare Unterseiten der Domain fehlen, ist das ein deutliches Warnsignal.

Als Nächstes lohnt ein Blick auf die Sichtbarkeit, etwa im Sichtbarkeitsindex von Sistrix oder in vergleichbaren Daten von Semrush oder Ahrefs:

  • Starke Ausschläge nach oben oder unten können auf eine Abstrafung oder auf kurzlebige Spam-Taktiken hindeuten.
  • Themenfremde Keywords sind verdächtig. Ein angebliches Reiseblog, das für Kredite, Casinos und Potenzmittel rankt, ist kein Reiseblog.
  • Gar keine Sichtbarkeit bei einer Website, die schon seit Jahren besteht, ist ebenfalls kein gutes Zeichen.

Früher wurde an dieser Stelle gern der Toolbar-PageRank herangezogen. Den hat Google 2016 endgültig abgeschafft. Die Werte, die Tools heute anzeigen (etwa Domain Rating oder Authority Score), sind Schätzungen der Anbieter und keine Google-Daten.

2. Gibt es Hinweise auf ein Linknetzwerk?

Linknetzwerke sind darauf angelegt, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viele Domains zu betreiben. Genau dieser Sparzwang verrät sie oft:

  • Gemeinsame Infrastruktur: Viele Domains auf derselben IP-Adresse, mit derselben Analytics- oder AdSense-ID, demselben Theme und identischem Aufbau. Reverse-IP- und Tracking-ID-Abfragen gibt es bei verschiedenen Online-Diensten.
  • Verdächtige Nachbarn: Wenn auf demselben Server Domains wie „guenstige-backlinks-kaufen.example“ liegen, weißt du Bescheid.
  • Austauschbare Inhalte: Artikel zu wild gemischten Themen, jeweils mit einem oder zwei Links mit hartem Keyword-Ankertext auf kommerzielle Seiten.
  • Kein echtes Impressum: Fehlende Angaben, ein Impressum als Bild oder Kontaktdaten, die ins Leere führen.
  • Gastartikel-Kennzeichnung ohne Gast: Rubriken wie „Gastbeiträge“ oder „Partnerartikel“, in denen fast nur Texte mit Links zu Shops und Dienstleistern stehen.

3. Wie wirkt die Seite auf dich?

Der wichtigste Test braucht gar kein Tool: Schau dir die verlinkende Seite selbst an, als normaler Besucher. Du hast in deinem Leben tausende Websites gesehen und erkennst meistens sofort, ob eine Seite für Menschen gemacht ist oder für Suchmaschinen.

Achte dabei besonders auf diese Punkte:

  • Die ausgehenden Links: Sind das Links, die an dieser Stelle jemand freiwillig setzen würde? Oder schreien Footer und Seitenleiste förmlich „Linkverkauf“? Mit den Entwicklertools des Browsers oder einer Browser-Erweiterung kannst du dir alle Links einer Seite schnell auflisten lassen.
  • Die Sichtbarkeit des Links: Ist dein Link überhaupt für Besucher zu sehen? Versteckte Links, etwa in winziger Schrift, in der Hintergrundfarbe oder in automatisch erzeugten Trackbacks, sind fast immer schlecht.
  • Die Geschichte der Domain: In der Wayback Machine von archive.org siehst du, was früher auf der Domain stand. War sie jahrelang ein Vereinsportal und ist seit dem letzten Besitzerwechsel ein Gemischtwarenladen für Gastartikel, ist das ein klassisches Muster für gekaufte, abgelaufene Domains.

4. Bringt der Link echte Besucher?

Ein sehr bodenständiger Test: Kommen über den Link Menschen auf deine Website? In Google Analytics 4 findest du das unter Berichte → Akquisition → Traffic-Akquisition, wenn du nach Sitzungsquelle filterst. Ein Link, über den in den letzten Monaten regelmäßig Besucher kamen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein echter, redaktioneller Link. Kein Traffic beweist umgekehrt nicht, dass ein Link schlecht ist. Aber es ist ein weiteres Puzzleteil.

Woher du die Backlink-Daten bekommst

  • Search Console: Der Linkbericht zeigt die wichtigsten verlinkenden Websites und lässt sich exportieren. Er enthält allerdings nur eine Auswahl, nicht jeden einzelnen Link.
  • Backlink-Tools wie Sistrix, Ahrefs, Semrush oder Majestic haben eigene Linkdatenbanken. Jede ist unvollständig, ein Abgleich aus zwei Quellen ist deshalb sinnvoll.
  • Bing Webmaster Tools zeigen ebenfalls eingehende Links und sind kostenlos.

Wie du das Backlinkprofil insgesamt bewertest, steht im SEO-Check zu Backlinks.

Das ist viel Arbeit, und das ist normal

Ja, eine sorgfältige Prüfung kostet Zeit, besonders bei hunderten verlinkenden Domains. Genau deshalb haben Link-Audit-Tools ihre Berechtigung: Sie sortieren die Links nach technischen Kriterien vor. Die Entscheidung, ob ein Link wirklich schlecht ist, solltest du am Ende aber selbst treffen. Automatische „Toxizitäts“-Werte liegen oft daneben.

Bei großen Linkprofilen hilft es, Prioritäten zu setzen: Prüfe zuerst die Domains mit vielen Links, mit harten Keyword-Ankertexten und mit Links auf deine wichtigsten kommerziellen Seiten. Dort liegt das größte Risiko.

Fazit: Indizien sammeln, dann entscheiden

Schlechte Links erkennst du nicht an einem einzelnen Merkmal, sondern an einem Muster: keine Sichtbarkeit, Netzwerk-Hinweise, themenfremde Linkziele, keine echten Besucher und eine Seite, die offensichtlich nicht für Menschen gemacht ist. Prüfe gründlich, wenn es einen konkreten Anlass gibt, und lass dich ansonsten von ein paar merkwürdigen Links nicht beunruhigen. Mit den meisten wird Google ohnehin allein fertig.

Autor

Christoph Baur ist Gründer und Geschäftsführer der Augsburger SEO Agentur Bits & Passion GmbH. Seine Leidenschaft für SEO und Online Marketing entwickelte sich bereits 2002. Damals startete er als Webentwickler und betrieb verschiedene, erfolgreiche Affiliate Websites. Seit 2010 berät er als SEO Consultant Kunden aller Größe von der Zahnarztpraxis bis zum Dax40-Konzern. Sein Wissen teilt er außerdem als Lehrbeauftragter an der Hochschule Augsburg und an der DHBW Ravensburg.

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