Aktualisiert im Oktober 2026. Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2015 und wurde als Rückblick neu geschrieben: Die Themen der damaligen Woche sind zusammengefasst, mit besonderem Blick darauf, wie sich JavaScript-SEO seitdem entwickelt hat.
Ende Juli 2015 bewegten drei Themen die SEO-Szene: eine neue Studie zu Ranking-Faktoren, Googles plötzliches Interesse an CSS- und JavaScript-Dateien und neue Vorgaben der EU zu Cookies. Vor allem das JavaScript-Thema hat sich als langlebig erwiesen. Hier der Rückblick und was davon 2026 noch gilt.
Ranking-Faktoren 2015: Korrelation, nicht Kausalität
Searchmetrics veröffentlichte seine jährliche Auswertung der Ranking-Faktoren. Streng genommen war es eine Korrelationsstudie: Sie zeigte, welche Eigenschaften gut rankende Seiten gemeinsam haben, nicht, was Google tatsächlich bewertet. Die Kernaussagen damals:
- Backlinks verlieren an Gewicht, Inhalte gewinnen.
- Technische Sauberkeit ist Voraussetzung, nicht Bonus.
- Social Signals werden weniger wichtig.
- Statt einzelner Keywords zählen ganzheitliche, „holistische“ Seiten zu einem Thema.
Aus heutiger Sicht lag die Studie mit der Richtung weitgehend richtig. Thematische Vollständigkeit und Suchintention sind heute wichtiger als einzelne Keywords. Links sind aber keineswegs bedeutungslos geworden. Und die grundsätzliche Schwäche solcher Studien gilt weiter: Was zusammen auftritt, muss nicht ursächlich zusammenhängen.
Ebenfalls in dieser Woche: Ranking-Check zeigte an einem Praxisbeispiel, wie eine Website von der Zusammenlegung mehrerer Länderdomains auf eine Hauptdomain profitierte. Die Logik dahinter gilt bis heute: Gebündelte Signale auf einer starken Domain sind oft wirksamer als viele schwache Einzeldomains. Ob das für dein internationales Projekt passt, hängt aber von Markt, Sprache und Organisation ab.
JavaScript-SEO: damals und heute
Was 2015 los war
Zwei Meldungen zeigten, dass Google es mit dem Rendern von Seiten ernst meinte:
- Google wollte CSS und JavaScript sehen. Zahlreiche Website-Betreiber bekamen über die Search Console Warnungen, dass Googlebot nicht auf CSS- und JavaScript-Dateien zugreifen könne. Viele hatten diese Ressourcen jahrelang per robots.txt gesperrt, weil sie als unwichtig für Suchmaschinen galten.
- Versteckte Inhalte wurden neu bewertet. Einige Monate zuvor hieß es von Google, Inhalte, die per JavaScript zunächst verborgen sind, etwa in Tabs oder Akkordeons, würden geringer gewichtet. Nach Kritik präzisierte Google: Abgewertet werde vor allem Content, der erst nachträglich dynamisch geladen wird. Die Sorge damals war, dass jetzt wieder überall „Mehr lesen“-Buttons auftauchen.
Wenige Monate später erklärte Google zudem das alte AJAX-Crawling-Schema mit vorgerenderten Snapshots für überholt.
Wie es heute aussieht
| Thema | 2015 | 2026 |
|---|---|---|
| Rendering | Google rendert JavaScript, aber mit Einschränkungen und Verzögerung | Googlebot nutzt seit 2019 eine aktuelle Chrome-Version („evergreen“) |
| CSS/JS in der robots.txt | Häufig gesperrt | Darf nicht gesperrt sein, sonst sieht Google eine kaputte Seite |
| Inhalte in Tabs/Akkordeons | Möglicherweise abgewertet | Mit dem Mobile-First-Indexing werden sie normal gewertet, sofern sie im HTML stehen |
| Erst bei Klick nachgeladene Inhalte | Problematisch | Weiterhin problematisch, denn Googlebot klickt nicht |
| Dynamic Rendering | Als Lösung empfohlen | Laut Google nur noch ein Workaround, nicht die empfohlene Lösung |
Die wichtigste Regel ist geblieben: Was in der Suche gefunden werden soll, muss ohne Nutzeraktion im gerenderten HTML stehen. Serverseitiges Rendering oder statisch erzeugte Seiten sind dafür die sicherste Lösung. Hinzu kommt ein neuer Grund: Viele KI-Crawler führen bisher kaum JavaScript aus. Wer in KI-Antworten auftauchen will, sollte Inhalte also nicht ausschließlich clientseitig ausliefern. Wie du Crawler sauber steuerst, steht in unserem Beitrag zur robots.txt, Hintergründe zum Rendering auf dem Smartphone im Beitrag zum Mobile-First-Indexing.
Google räumt auf
- Autovervollständigungs-API: Google kündigte an, die inoffizielle Schnittstelle für Suchvorschläge abzuschalten. Für viele Keyword-Tools, die W-Fragen und Vorschläge auswerteten, war das ein Ärgernis. Heute arbeiten solche Tools mit eigenen Datenbanken und anderen Quellen.
- YouTube ohne Google+: Für Kommentare auf YouTube war künftig kein Google+-Profil mehr nötig. Ein früher Schritt zum Ende von Google+, das 2019 für Privatnutzer eingestellt wurde.
Cookies und die Angst vor Abmahnungen
Die EU-Vorgaben zu Cookies sorgten für Unruhe. Google verlangte von Publishern mit Google-Diensten, ihre Nutzer in der EU über Cookies zu informieren, und stellte mit cookiechoices.org Hilfen bereit. In der Branche ging die Sorge vor einer neuen Abmahnwelle um.
Aus heutiger Sicht war das erst der Anfang. Mit der DSGVO (2018), dem Planet49-Urteil des EuGH (2019) und in Deutschland dem TTDSG, heute TDDDG, reicht ein bloßer Hinweis nicht mehr. Für nicht notwendige Cookies brauchst du eine echte Einwilligung. Consent-Banner sind dadurch auch ein Thema für Webanalyse und Nutzererfahrung geworden, mehr dazu unter SEO und UX. Ob in deinem Fall eine Einwilligung nötig ist, solltest du rechtlich prüfen lassen.
Sonst noch
- Die Suchmaschine Ecosia, die mit ihren Werbeeinnahmen Bäume pflanzt, wurde als sympathische Alternative empfohlen.
- Für SEOkomm und OMX in Salzburg im November lief die Frühbucherphase, außerdem stand Anfang September der Online Marketing Tag in Wiesbaden an.
- In eigener Sache suchten wir eine Redakteurin oder einen Redakteur.
Fazit: JavaScript ist kein Sonderfall mehr, aber auch kein Freifahrtschein
2015 war das Jahr, in dem Google klarstellte, dass es Seiten so sehen will wie ein Browser. Seitdem ist das Rendern deutlich besser geworden. Die Grundregel bleibt: Wichtige Inhalte gehören ohne Umwege ins HTML. Und die Cookie-Debatte von damals hat sich vom Randthema zur festen Pflicht entwickelt.
