Aktualisiert im Oktober 2026. Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2014 und wurde für den heutigen Stand komplett neu geschrieben: ohne die abgeschaffte Länderausrichtung in der Search Console, mit korrekten hreflang-Beispielen und den häufigsten Fehlern aus der Praxis.
Wer im deutschen Markt gut rankt, schaut irgendwann über die Grenze: nach Österreich, in die Schweiz oder gleich in ganz Europa. Dann stellt sich die Frage, wie Google erkennt, welche Version einer Seite für welches Land und welche Sprache gedacht ist. Besonders knifflig wird es bei Ländern mit derselben Sprache und bei mehrsprachigen Ländern wie der Schweiz. Hier liest du, welche Signale es gibt, wie du hreflang richtig einsetzt und welche Ratschläge von früher heute nicht mehr gelten.
Das Problem: gleiche Inhalte, verschiedene Märkte
Eine Produktseite für Deutschland, eine für Österreich und eine für die deutschsprachige Schweiz unterscheiden sich oft nur in Preis, Währung, Versandinformationen und ein paar Begriffen. Ohne zusätzliche Signale behandelt Google diese Seiten als nahezu identisch. Im schlechtesten Fall rankt in der Schweiz die deutsche Version mit Euro-Preisen.
Ein echtes Abstrafungsrisiko ist das nicht. Google bestraft Übersetzungen und regionale Varianten nicht als Duplicate Content. Das Problem ist ein anderes: Google zeigt womöglich die falsche Version an. Dagegen helfen die folgenden Signale.
Signal 1: die Domain- und URL-Struktur
Grundsätzlich gibt es drei sinnvolle Varianten:
| Struktur | Beispiel | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Länderdomain (ccTLD) | example.ch |
eindeutiges Länder-Signal, für Nutzer sofort erkennbar | teuer, eigene Domains aufbauen und pflegen, Linkkraft verteilt sich |
| Subdomain | ch.example.com |
einfach einzurichten, getrennte Server möglich | Länderbezug für Nutzer weniger klar |
| Verzeichnis | example.com/de-ch/ |
einfach, wenig Pflegeaufwand, alles auf einer Domain | Trennung der Märkte schwieriger, ein Serverstandort |
Von URL-Parametern wie ?land=ch rät Google ab.
Eine Länderdomain richtet die Website immer auf das jeweilige Land aus. Bei mehrsprachigen Ländern kombinierst du die Domain mit Sprachverzeichnissen, zum Beispiel example.ch/de/, example.ch/fr/ und example.ch/it/. Bei einer generischen Domain wie .com geht das entsprechend mit example.com/de-ch/, example.com/fr-ch/ und so weiter.
Achtung bei Domains wie .co, .io, .tv oder .me: Google behandelt sie als generische Domains, nicht als Länderdomains, weil sie international genutzt werden.
Welche Variante passt, hängt weniger vom SEO ab als von Organisation und Budget. Für die meisten Unternehmen sind Verzeichnisse auf einer Domain der pragmatischste Weg.
Signal 2: hreflang
hreflang ist das wichtigste und zugleich fehleranfälligste Signal. Damit sagst du Google: Diese Seite gibt es auch in anderen Sprach- oder Länderversionen, und zwar unter diesen URLs. Google kann dann Nutzern die passende Version anzeigen.
Die Regeln
- Jede Version nennt alle Versionen, auch sich selbst. Hat eine Seite vier Varianten, steht in jeder dieser vier Seiten derselbe Satz von vier Angaben.
- Rückverweise sind Pflicht. Verweist die deutsche Seite auf die Schweizer Seite, muss die Schweizer Seite auch auf die deutsche zurückverweisen. Fehlt der Rückverweis, ignoriert Google die Angabe.
- Codes: zuerst die Sprache nach ISO 639-1 (
de,fr,en), optional gefolgt von der Region nach ISO 3166-1 Alpha-2 (de-CH,en-GB). Eine Region allein (hreflang="ch") ist ungültig. Großbritannien heißtGB, nichtUK. - Absolute URLs mit Protokoll verwenden.
- Nur kanonische, indexierbare URLs angeben. Jede Sprachversion hat ein Canonical-Tag auf sich selbst. Ein Canonical von der Schweizer auf die deutsche Seite würde hreflang aushebeln.
- x-default kennzeichnet die Version für alle, die zu keiner Angabe passen, typischerweise eine Sprachauswahl oder die internationale Hauptversion.
Variante A: im HTML-Head
Beispiel für eine Seite mit Versionen für Deutschland, Österreich, die Schweiz (Deutsch und Französisch) sowie eine Auswahlseite:
<link rel="alternate" hreflang="de-DE" href="https://www.example.com/de-de/rucksaecke/" />
<link rel="alternate" hreflang="de-AT" href="https://www.example.com/de-at/rucksaecke/" />
<link rel="alternate" hreflang="de-CH" href="https://www.example.com/de-ch/rucksaecke/" />
<link rel="alternate" hreflang="fr-CH" href="https://www.example.com/fr-ch/sacs-a-dos/" />
<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://www.example.com/rucksaecke/" />
Genau dieser Block steht auf allen fünf Seiten. Willst du zusätzlich allen anderen deutschsprachigen Nutzern, etwa in Liechtenstein oder Luxemburg, eine Version zuweisen, ergänze eine Angabe nur mit Sprachcode, zum Beispiel hreflang="de" auf die deutsche Version.
Variante B: im HTTP-Header
Für Dateien ohne HTML-Head, etwa PDFs, kannst du die Angaben als HTTP-Header ausliefern:
Link: <https://www.example.com/de-de/katalog.pdf>; rel="alternate"; hreflang="de-DE",
<https://www.example.com/de-ch/katalog.pdf>; rel="alternate"; hreflang="de-CH"
Variante C: in der XML-Sitemap
Bei großen Websites ist die Sitemap oft die übersichtlichste Lösung, weil die Seiten selbst nicht aufgebläht werden. Jede URL bekommt einen eigenen url-Eintrag, und darin stehen wieder alle Versionen, inklusive der URL selbst:
<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<urlset xmlns="http://www.sitemaps.org/schemas/sitemap/0.9"
xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml">
<url>
<loc>https://www.example.com/de-de/rucksaecke/</loc>
<xhtml:link rel="alternate" hreflang="de-DE" href="https://www.example.com/de-de/rucksaecke/" />
<xhtml:link rel="alternate" hreflang="de-CH" href="https://www.example.com/de-ch/rucksaecke/" />
<xhtml:link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://www.example.com/rucksaecke/" />
</url>
<url>
<loc>https://www.example.com/de-ch/rucksaecke/</loc>
<xhtml:link rel="alternate" hreflang="de-DE" href="https://www.example.com/de-de/rucksaecke/" />
<xhtml:link rel="alternate" hreflang="de-CH" href="https://www.example.com/de-ch/rucksaecke/" />
<xhtml:link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://www.example.com/rucksaecke/" />
</url>
</urlset>
Die Wiederholung wirkt umständlich, ist aber so vorgeschrieben. Wähle eine der drei Varianten und bleib dabei. Mehrere Wege gleichzeitig erhöhen nur das Risiko von Widersprüchen.
Was hreflang nicht kann
hreflang ist ein Hinweis, keine Anweisung, und kein Rankingfaktor. Es tauscht die passende Version aus, wenn eine Seite für eine Suche ohnehin relevant ist. Es macht eine schwache Seite nicht stärker. Die Sprache einer Seite erkennt Google übrigens am Inhalt selbst, nicht am lang-Attribut.
Signal 3: Sprache und lokale Inhalte
Eine englische Version für Schweden und Dänemark mag für Nutzer verständlich sein, Google bevorzugt für schwedische Suchanfragen trotzdem schwedische Inhalte. Auch innerhalb einer Sprache lohnt sich Lokalisierung: In der Schweiz gibt es kein „ß“, in Österreich sagt man „Jänner“ und viele Produkte heißen anders. Hinzu kommen Signale, die Google ausdrücklich nennt: Währung, lokale Adressen und Telefonnummern.
Eine Seite, die nur das hreflang-Tag ändert, aber denselben Text mit Euro-Preisen und deutscher Hotline ausliefert, überzeugt weder Nutzer noch Suchmaschine.
Signal 4: Links und Erwähnungen aus dem Zielmarkt
Eine Website für die Schweiz sollte auch in der Schweiz verankert sein: Links von Schweizer Partnern, Händlern, Verbänden und Medien, ein Eintrag im Google-Unternehmensprofil, wenn es einen Standort gibt. Wie du das Linkprofil einschätzt, beschreibt der Beitrag zur Backlink-Analyse.
Was heute nicht mehr gilt
- Länderausrichtung in der Search Console: Früher konnte man in den Webmaster Tools für generische Domains ein Zielland einstellen. Google hat den Bericht zur internationalen Ausrichtung 2022 eingestellt. Heute bleiben Domainstruktur, hreflang und Inhalte.
- Serverstandort: Google nennt die Server-IP zwar noch als mögliches Signal. Durch CDNs, die Inhalte weltweit von nahen Servern ausliefern, spielt er in der Praxis aber kaum eine Rolle. Ein Umzug des Servers ins Zielland ist heute keine SEO-Maßnahme mehr.
- Geo-Meta-Tags wie
geo.positionignoriert Google.
Die häufigsten Fehler
- Fehlende Rückverweise, etwa weil eine Länderversion nachträglich ergänzt wurde und die bestehenden Seiten nicht angepasst wurden.
- Falsche Codes wie
en-UK,de_DEmit Unterstrich oder nur ein Ländercode. - hreflang auf weitergeleitete, nicht indexierbare oder auf eine andere URL kanonisierte Seiten.
- Alle Versionen zeigen auf die Startseite, statt auf die jeweils entsprechende Unterseite.
- Automatische Weiterleitung nach IP oder Browsersprache. Google crawlt überwiegend aus den USA und sieht dann womöglich nur eine Version. Besser: ein dezenter Hinweis „Diese Seite gibt es auch für die Schweiz“ mit Link.
Zur Kontrolle eignen sich SEO-Crawler wie Screaming Frog oder Sistrix, die hreflang-Cluster und fehlende Rückverweise auswerten. Einen eigenen hreflang-Bericht hat die Search Console nicht mehr.
Fazit: Struktur zuerst, hreflang sauber, Inhalte lokal
Internationales SEO beginnt mit einer Entscheidung für eine URL-Struktur, die zu deiner Organisation passt. hreflang sorgt dann dafür, dass Google die richtige Version im richtigen Land zeigt, vorausgesetzt, die Angaben sind vollständig und gegenseitig. Den Ausschlag geben am Ende aber lokalisierte Inhalte und eine echte Präsenz im Zielmarkt. Wer nur Tags setzt, hat eine Länderversion auf dem Papier, aber noch keinen Markt.
