Aktualisiert im Oktober 2026. Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2009 und wurde für den heutigen Stand komplett neu geschrieben: Die alten Zählregeln für Überschriften sind überholt, dafür geht es um saubere Struktur, Barrierefreiheit und das, was Google selbst dazu sagt.
Überschriften sind seit jeher ein Streitpunkt zwischen Redaktion und SEO. Die einen wollen pointierte, verspielte Titel, die anderen bestehen auf dem Keyword. Beides lässt sich verbinden, wenn man versteht, was Überschriften für Leser und Suchmaschinen leisten. Hier liest du, wie du H1, H2 und die weiteren Ebenen sinnvoll einsetzt und welche alten Regeln du vergessen kannst.
Der Konflikt: kreative Headline oder Keyword?
Journalisten lieben Überschriften mit Wortwitz und Doppeldeutigkeit. Für Suchmaschinen sind solche Titel aber oft wenig aussagekräftig. Eine Headline wie „Wir sind, was wir spielen“ ist klug und macht Lust aufs Lesen. Worum es geht, verrät sie allein jedoch nicht.
Die Lösung, die Zeit Online damals in genau diesem Fall genutzt hat, ist bis heute gut: Über der kreativen Überschrift stand eine sachliche Dachzeile, hier „Spieleforschung“. Der Leser bekommt sofort die Einordnung, und das Thema steht prominent im Kopf des Artikels.
Daraus folgt der wichtigste Grundsatz: SEO verlangt keine langweiligen Überschriften. Es verlangt, dass das Thema an der Stelle klar benannt wird, die als Überschrift gilt, und dass Leser wie Suchmaschine auf einen Blick verstehen, worum es geht.
Wie die Überschriftenebenen funktionieren
HTML kennt sechs Ebenen, von <h1> bis <h6>. Sie bilden eine Gliederung, ähnlich wie das Inhaltsverzeichnis eines Buchs:
<h1>Gartenbewässerung planen</h1>
<h2>Welches System passt zu deinem Garten?</h2>
<h3>Tropfbewässerung</h3>
<h3>Versenkregner</h3>
<h2>Kosten im Überblick</h2>
<h2>Fazit</h2>
- H1 ist die Hauptüberschrift der Seite, meist der Titel des Artikels.
- H2 gliedert den Inhalt in Hauptabschnitte.
- H3 bis H6 unterteilen diese Abschnitte weiter. In der Praxis brauchst du selten mehr als H3, gelegentlich H4.
Wie die Überschriften aussehen, legt das CSS fest, nicht der Tag. Eine H2 kann also kleiner gestaltet sein als eine H3, falls das Design es verlangt. Der Tag beschreibt die Bedeutung, nicht die Optik.
Was Google heute zu Überschriften sagt
Viele Regeln, die um 2009 als gesetzt galten, sind heute überholt. Google formuliert es in seinem SEO-Leitfaden für Einsteiger ziemlich entspannt:
- Eine semantisch korrekte Reihenfolge ist gut für Screenreader. Für die Google-Suche spielt es aber keine Rolle, wenn die Ebenen nicht streng der Reihe nach verwendet werden.
- Es gibt keine ideale Anzahl an Überschriften pro Seite. Wenn es sich nach zu vielen anfühlt, sind es vermutlich zu viele.
Mehrere H1 auf einer Seite sind für Google kein Problem. Das ist vor allem bei Templates wichtig, in denen Logo oder Seitentitel ebenfalls als H1 ausgezeichnet sind. Sinnvoll ist trotzdem in aller Regel eine H1 für das Hauptthema, weil das die Struktur für alle anderen Leser klarer macht.
Überschriften helfen Google dabei, den Aufbau und die Themen einer Seite zu verstehen. Sie sind aber kein Hebel, mit dem man durch die richtige Zahl an Tags oder Keywords Rankings erzwingt.
Was von den alten Regeln nicht mehr gilt
Früher waren strenge Zählregeln verbreitet, etwa: genau eine H1, genau eine H2, höchstens zwei oder drei H3 bis H5, H6 nutzt nichts. Für Google spielt das keine Rolle, und für Leser ist es oft sogar schädlich. Ein langer Ratgeber mit nur einer H2 ist eine Textwüste.
Richte dich nach dem Inhalt: So viele Zwischenüberschriften, wie der Text sinnvolle Abschnitte hat. Ebenso wenig gibt es eine feste Keyworddichte für Überschriften. Mehr dazu, warum das Zählen von Begriffen heute nichts mehr bringt, steht im Beitrag zu WDF*IDF.
Empfehlungen für die Praxis
Dachzeile und Überschrift kombinieren
Eine bewährte Variante für Artikel mit kreativer Headline:
<p class="dachzeile">Spieleforschung</p>
<h1>Wir sind, was wir spielen</h1>
Oder du nimmst das Thema direkt mit in die H1 auf, etwa mit einem Doppelpunkt: „Spieleforschung: Wir sind, was wir spielen“. Damals wurde auch diskutiert, die Dachzeile als H1 und die eigentliche Headline als H2 auszuzeichnen. Das funktioniert, ist aber semantisch schief. Heute ist die einfachere Lösung meist die bessere: eine H1, die Thema und Pointe vereint, und eine Dachzeile als normales Textelement.
Dazu kommt: Der Title-Tag darf sich von der H1 unterscheiden. Die H1 kann pointiert sein, der Title für die Suchergebnisse sachlicher. Google greift für den Titel in den Suchergebnissen übrigens häufig auf die H1 zurück, wenn der Title nicht passt. Hintergründe dazu im Beitrag, wie Google Seitentitel generiert.
Überschriften gehören in den Hauptinhalt
Teaser in der Seitenleiste, Widgets wie „Beliebte Beiträge“ oder Footer-Bereiche brauchen keine H2 oder H3. Sie verweisen auf andere Inhalte und sind nicht Teil der Gliederung dieser Seite. Viele Themes zeichnen solche Elemente trotzdem als Überschriften aus, was die Struktur für Screenreader unübersichtlich macht. Wenn du an deinem Template etwas ändern kannst, nutze für solche Elemente lieber ein normales Element mit passender Gestaltung.
Verlinkte Überschriften
Auf Übersichtsseiten wie der Startseite oder einer Kategorie ist es völlig in Ordnung, die Titel der angeteaserten Beiträge als Überschrift auszuzeichnen und zu verlinken. Auf der Artikelseite selbst sollte die H1 dagegen nicht auf sich selbst verlinken. Das stammt aus älteren Blog-Templates und bringt weder Lesern noch Suchmaschinen etwas.
Formulierungen, die funktionieren
- Aussagekräftig: „Kosten einer Wärmepumpe im Überblick“ statt „Kosten“.
- Als Frage, wenn der Abschnitt eine Frage beantwortet: „Wie viele H1 darf eine Seite haben?“ Solche Überschriften passen zu dem, wie Menschen suchen, und machen es KI-Antworten leichter, den passenden Abschnitt zu finden.
- Konsistent: Gleichrangige Überschriften sollten ähnlich gebaut sein.
- Kein Fettdruck als Ersatz: Ein fett gesetzter Absatz ist keine Überschrift. Wenn etwas einen Abschnitt einleitet, zeichne es auch so aus.
Barrierefreiheit: der eigentliche Grund für saubere Struktur
Für Menschen, die Screenreader nutzen, sind Überschriften die wichtigste Navigationshilfe. Sie lassen sich per Tastendruck von Überschrift zu Überschrift springen und verschaffen sich so einen Überblick, wie Sehende beim Überfliegen. Eine logische Hierarchie ohne übersprungene Ebenen hilft dabei. Mehr dazu im Beitrag zu SEO und Barrierefreiheit.
Wie Überschriften in einen gut aufgebauten Artikel eingebettet werden, zeigt die Vorlage für den perfekten Blog-Artikel. Und was Autoren sonst noch für die Suche tun können, steht im Beitrag Was Texter mit SEO zu tun haben.
Fazit: Struktur vor Zählregeln
Überschriften sind in erster Linie eine Gliederung für Menschen. Wenn sie den Inhalt klar strukturieren und das Thema verständlich benennen, verstehen auch Suchmaschinen die Seite. Eine H1 für das Hauptthema, H2 und H3 für die Abschnitte, keine Überschriften für Randelemente, und die kreative Headline mit einer sachlichen Dachzeile oder einem klaren Zusatz absichern: Mehr braucht es nicht.


[…] Zwischenüberschriften: Hier gehören Unterthemen und verwandte Begriffe hin. Wie du sie sauber aufbaust, steht im Beitrag zu H1, H2 und Co.. […]