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SEOkomm 2015 im Rückblick: Machine Learning, Pagespeed und John Müller im Kreuzverhör

Aktualisiert im Oktober 2026. Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2015 als Live-Bericht und wurde als Rückblick neu geschrieben: mit den wichtigsten Vorträgen in Kurzform und einer Einordnung aus heutiger Sicht.

Im November 2015 traf sich die deutschsprachige SEO-Szene zum Jahresabschluss in Salzburg auf der SEOkomm. Die Themen von damals lesen sich heute wie eine Vorschau auf die folgenden zehn Jahre: Machine Learning, Ladezeit, JavaScript-Crawling und die Frage, woran Google gute Inhalte erkennt. Hier die wichtigsten Vorträge im Rückblick.

Keynote Marcus Tandler: Maschinen lernen, Nutzer entscheiden

Marcus Tandler, damals bei OnPage.org, eröffnete mit einer Keynote aus mehreren hundert Folien. Seine Kernthesen:

  • Machine Learning verändert die Suche grundlegend. Wearables wie Smartwatches und Assistenten wie Google Now sammeln Kontext, auch wenn gerade niemand sucht, und sollen vorhersagen, was du als Nächstes brauchst.
  • Gut reicht nicht mehr. Die Prüffrage für jeden Inhalt: Würde ihn jemand vermissen, wenn du ihn löschst?
  • Nutzersignale als Qualitätsmaßstab. Tandler nannte Klickrate, Verweildauer mit weiteren Klicks auf der Seite und das sofortige Zurückspringen zur Trefferliste (Pogo-Sticking). Als Hebel empfahl er Rich Snippets, interne Verlinkung und Ladezeit.
  • AMP mit Fragezeichen. Das gerade vorgestellte AMP-Projekt mache Seiten schneller, liege aber vollständig in Googles Hand.
  • Apps als Problem für Google. App-Interstitials auf mobilen Seiten wurden abgestraft, gleichzeitig wollte Google Inhalte aus Apps durchsuchbar machen.

Einordnung 2026: Wenige Wochen zuvor hatte Google RankBrain öffentlich gemacht, die Keynote traf also den Nerv der Zeit. Wie stark Nutzersignale ins Ranking einfließen, war lange umstritten. Spätestens die Aussagen im US-Kartellverfahren gegen Google haben bestätigt, dass Interaktionsdaten eine Rolle spielen. AMP dagegen ist seit 2021 keine Voraussetzung mehr für die Top Stories und hat stark an Bedeutung verloren.

Technik: Relaunch, Crawl-Budget und Pagespeed

Relaunch-Fehler am Beispiel Salzburg.com. David Radicke zeigte, was bei einem Zeitungs-Relaunch schiefgehen kann: dieselben Inhalte unter mehreren URLs, uneinheitliche URL-Muster, fehlerhafte XML-Sitemaps, tausende Server- und Crawling-Fehler und eine Startseite mit mehreren Megabyte Gewicht inklusive Flash. Seine Botschaft: Duplikate per Canonical zu reparieren, ist nur ein Pflaster, besser entstehen sie gar nicht erst. Alte URLs sollten möglichst auf passende neue Ziele weitergeleitet werden.

Crawl-Budget. Jan Hendrik Merlin Jacob (OnPage.org) erklärte, dass Crawl-Budget eher eine zeitliche als eine mengenmäßige Grenze ist. Flache Strukturen, wenige interne Weiterleitungen, korrekte hreflang-Angaben, freigegebenes CSS und JavaScript sowie 304 Not Modified bei unveränderten Inhalten helfen Google, die wichtigen Seiten zu erreichen. Das gilt bis heute. Was in der robots.txt dabei zu beachten ist, haben wir separat beschrieben.

Pagespeed. Bastian Grimm (Peak Ace) zeigte Techniken, die damals Spezialwissen waren: Critical Rendering Path, weniger Requests, asynchrones Laden, selbst gehostete Schriften, DNS-Prefetch und Preconnect, WebP mit Fallback und HTTP/2. Einordnung 2026: Fast alles davon ist heute Standard. WebP und HTTP/2 werden praktisch überall unterstützt, und mit den Core Web Vitals hat Google die Ladezeit 2021 messbar ins Ranking aufgenommen.

Große Websites. Dominik Wojcik (Trust Agents) empfahl für Millionen von Seiten feste Muster für Titles, Descriptions und Überschriften, eine Einteilung in Seitentypen und thematisch getrennte XML-Sitemaps, um Indexierungsprobleme gezielt zu erkennen. Eine Sitemap ersetzt keine gute interne Verlinkung, und die Priority-Angabe ignoriert Google.

Controlling, Prozesse und Content

  • SEO-Controlling: Jens Fauldrath bezeichnete die Search Console als wichtigstes SEO-Werkzeug und riet, auch Verzeichnisse als eigene Properties anzulegen. KPIs müssten im eigenen Verantwortungsbereich liegen. Einen Sichtbarkeitsindex sah er nicht als KPI.
  • Analysen ohne Entwickler: Stephan Walcher zeigte, wie sich mit Google Sheets und APIs Daten aus Analytics und Search Console automatisiert zusammenführen lassen.
  • Prozesse in Agenturen: Sebastian Ehrlhofer (mindshape) plädierte dafür, Kernprozesse zu identifizieren, zu automatisieren und dauerhaft weiterzuentwickeln.
  • Content-Grundlagen: Eric Kubitz betonte, dass es darum gehe, Suchanfragen zu beantworten, nicht Keywords unterzubringen. Struktur aus Überschrift, Einstieg und Zwischenüberschriften sei wichtiger als eine bestimmte Textlänge.

Google antwortet: John Müller

Die Fragerunde mit John Müller fiel überraschend offen aus. Die wichtigsten Punkte:

  • Das alte AJAX-Crawling-Schema wurde eingestellt, weil Google JavaScript-Seiten inzwischen selbst rendern könne. Wichtig sei, dass Ressourcen nicht gesperrt sind und Inhalte eine eigene URL haben.
  • hreflang und Canonical schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich.
  • Maschinell übersetzte Inhalte seien qualitativ meist nicht gut genug.
  • Werden Rich Snippets trotz korrekter Auszeichnung nicht angezeigt, liege das oft an der Qualitätsbewertung der Seite.
  • Ersetzt Google die Meta Description, habe es in ihr nichts Passendes zur Anfrage gefunden.

Einordnung 2026: Die Skepsis gegenüber JavaScript war damals berechtigt. Erst seit 2019 rendert Googlebot mit einem aktuellen Chrome. Die Aussagen zu Snippets gelten nahezu unverändert, siehe Google-Snippets optimieren. Und das Thema maschinelle Übersetzung ist mit KI-Übersetzungen aktueller denn je.

Bonus: Keynote Karl Kratz auf der OMX

Am Vortag auf der OMX, die gemeinsam mit der SEOkomm in Salzburg stattfand, warb Karl Kratz dafür, bestehende Inhalte zu verbessern statt immer neue anzuhäufen, und Seiten zu reduzieren, damit Teams sie wirklich pflegen können. Ein Gedanke, der heute unter dem Stichwort Content-Pruning zum Standardrepertoire gehört.

Fazit: Ein Jahrgang mit Weitblick

Die SEOkomm 2015 hat viele Themen vorweggenommen, die später zum Alltag wurden: Machine Learning, Ladezeit als Rankingfaktor, JavaScript-SEO und Qualität statt Masse. Wie sich die Konferenz seither entwickelt hat, liest du in unserem SEOkomm-2024-Recap.

Autor

Christoph Baur ist Gründer und Geschäftsführer der Augsburger SEO Agentur Bits & Passion GmbH. Seine Leidenschaft für SEO und Online Marketing entwickelte sich bereits 2002. Damals startete er als Webentwickler und betrieb verschiedene, erfolgreiche Affiliate Websites. Seit 2010 berät er als SEO Consultant Kunden aller Größe von der Zahnarztpraxis bis zum Dax40-Konzern. Sein Wissen teilt er außerdem als Lehrbeauftragter an der Hochschule Augsburg und an der DHBW Ravensburg.

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